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Glamour an der Mecklenburger Bucht
Diesen und weitere Artikel
finden Sie im Magazin Seenland
|| Albert Gottelt
Unterwegs entlang der Küste zwischen Hot Spots, luxuriöser Lebensart und Bildern einer Landschaft
Die menschliche Kulturgeschichte war immer auch eine Reise zu den schönen und den aufregenden Dingen des Lebens. Ganz modern könnte man den Versuch nennen, beides miteinander zu verbinden: das Aufregende und das Schöne. So ist seit einiger Zeit das Bemühen zu beobachten, die besonderen und schätzenswert schönen Landschaften auch mit kulturellen Highlights zu verse-hen. Mit Events, mit Genuss und allem vergnüglichen Kurzweil, den das schöne Leben bieten kann.
Im Einklang mit der Natur
Das Leuchtfeuer Warnemünde liegt am Ende der 530 Meter langen begehbaren Westmole.Foto: Tom Richter
Das Leuchtfeuer Warnemünde liegt am Ende der 530 Meter langen begehbaren Westmole.Foto: Tom Richter
Auch im nordöstlichen Bundesland ist die Moderne unzweifelhaft längst angekommen. Selbst wenn einst Bismarck der Ansicht war, dass alles, was auf der Welt geschehen würde, einschließlich des Weltunterganges, in Mecklenburg mit einer Verzögerung von etwa 50 Jahren passiert. Politiker sind schnell mit ihren Worten, aber steht der Vorwurf einmal in der Welt, muss man sich mit ihm auseinandersetzen – und stellt schnell fest, dass er mit der Realität nicht viel zu tun hat. Mecklenburg-Vorpommern ist natürlich Ländlichkeit und auch Idylle, ist eine Szenerie aus weiten Landschaften, intensivem Blau, aus kleinen Dörfern und verlassenen Gutshäusern im Hinterland mit baumbewachsenen Alleen.
Gesundheitstourismus ist ein wichtiges Stichwort, das nur annäherungsweise die wohltuenden Angebote zusammenfasst, die in den vielen Hotels des Landes genutzt werden können. Wellnessanwendungen direkt am Meeresstrand – das nimmt einfach eine Sonderstellung ein.
Genügend umsorgten Raum und Zeit für sich zu haben, klingt nach Luxus in unserer hektischen Zeit. Aber es gibt noch eine andere Form von Luxus zu entdecken. Ein Streifzug durch die Regionen der Ostsee zeigt, dass sich in den vergangenen Jahren beinahe geräuschlos eine attraktive Lebensart etabliert hat, die sowohl den allgemein Interessierten anzulocken vermag als auch die verschiedenen „Szenen“, die noblen Zirkel und anwachsende Besucherströme.
Weltpolitik in Heiligendamm
Heiligendamm und Kühlungsborn im Juni 2007. In den herausgeputzten Himmel und halbsommerliches Strandleben mischen sich neue Töne, unbekannte Klangkulissen entstehen. Eine hektische Betriebsamkeit kündigt große Ereignisse an, noch nie dagewesen. Die deutsche Bundeskanzlerin hatte entschieden, in die „weiße Stadt am Meer“ einzuladen. Die Welt zu Gast in Mecklenburg-Vorpommern. Wie Angela Merkel in Interviews freimütig gestand, wusste sie natürlich um die förderliche Wirkung dieser schönen und exklusiven Szenerie: „Ich denke, die Umgebung wird das ihrige dazu beitragen.“ Später gingen Bilder um die Welt von amerikanischen, französischen und russischen Präsidenten auf der Seebrücke von Heiligendamm, einem gelösten Beisammensein auf dem Balkon des Grand Hotels und politischen Gesandtschaften, begleitet von eilig dahinschreitenden Fotoreportern unter mächtigen Baumkronen. Auch Bono und Bob Geldof mischten sich unters politische Volk, und wer genau hinsah, erblickte Wim Wenders auf der deutschen Abschlusspressekonferenz. Mögen viele, die wenig sommerlichen Temperaturen bedauert haben, so war die Betriebstemperatur jener Heiligendammer Tage enorm. Film- und Fernsehbilder vom ältesten deutschen Seebad drehten ihre Runden um den Globus und trugen zur internationalen Aufmerksamkeit bei. In deutschen Landen ist der Ort längst kein Geheimtipp mehr.
Bereits die architektonischen Gründerväter Carl Theodor Severin und Georg Adolph Demmler waren ab 1793 darauf bedacht, etwas besonders Feines und Herausragendes an diesem Flecken zu schaffen. Das zwischen 1793 und 1870 entstandene Ensemble aus klassizistischen Bauten, namentlich das „Kurhaus“, die „Burg Hohenzollern“ oder die wie an einer Perlenkette aufgereihten
Heiligendamm: Die weiße Stadt am Meer
Strandvillen boten einen opulenten Hintergrund. Magische Anziehungskraft übte die „weiße Stadt“ auf viele prominente Zeitgenossen und auf die wohlhabenden Vertreter des europäischen Hochadels aus. So hat einst neben Großherzog Friedrich Franz auch die russische Zarenfamilie hier logiert.
Der durch das Haus „Kempinski“ geführte Hotelkomplex zeigte sich nach äußerst aufwändigen Restaurierungsarbeiten in wieder strahlendem Weiß und mit makellosem Wellnessangebot. George W. Bush schlief übrigens in der „Burg Hohenzollern“, dem märchenhaftesten der Anwesen.
Heiligendamm erlebte spannungsvolle und einmalige Tage, die dem schon zuvor begehrten Reiseziel nach dem Gipfel unzählige Anfragen und viele Hotelbuchungen eintrugen.
Spannende Tage an der Rennbahn
Der Boden hebt zu einem leichten Beben an. Zunächst noch lei-se, denn die gestarteten Pferde kommen gerade aus der letzten Kurve vor dem Ziel. Dann immer deutlicher überträgt sich die entfesselte Kraft auf den Untergrund. Schon im nächsten Moment donnern die Favoriten ins Ziel, und mit einem plötzlichen Ruck läuft das lärmende Crescendo wieder in ein sanftes Galoppieren aus. Sehr schnell, viel zu schnell ist das Getöse verstummt.
Noch etwas ungläubig verlässt der Beobachter die Szenerie in Richtung Wettschalter, um sich den Ausgang des Rennens mit et-was Glück in barer Münze auszahlen zu lassen.
Ein ganz erstklassiges und adrenalingesättigtes Vergnügen: Das alljährliche „Ostseerennen“ hat nahezu Feststimmung, und dies quer durch alle Schichten. Familien und Kinder verbringen hier ebenso einen vergnügten Nachmittag wie die Hoteliers, die Prominenten und Vertreter aus Wirtschaft, Adel und Politik – die Damen übrigens mit möglichst ausgefallenen Hüten! Dieser ehemals aristokratische Sport ist mittlerweile auf der ganzen Welt zuhause. Die Rennbahn zwischen Bad Doberan und Heiligendamm darf sich jedoch die älteste Deutschlands und sogar des europäischen Kontinents nennen. 1822 startete hier das erste Galopprennen mit Vollblutpferden. Der pferdebegeisterte Großherzog Friedrich Franz I. übernahm die Schirmherrschaft der Bahn und des „Alexandrinenrennens“. Deren Gewinner wurden mit einem goldenen und einem silbernen Zierbecher belohnt. Diese Veranstaltungen waren wesentliches Ereignis für die Freizeitgestaltung der adeligen Badegesellschaft, und regelmäßige „Bauernrennen“ für Pferdebesitzer der Landbevölkerung gehörten ebenfalls dazu. Begleitet von der Jubiläumsfeier „200 Jahre See-bad Heiligendamm“ fand am 7. August 1993 nach längerer Pause wieder der erste Renntag mit über 12.000 Besuchern statt. Die Bäderbahn „Molli“ – ein weiteres Unikat – bringt alljährlich viele Besucher zum traditionellen Meeting.
Unterwegs in Warnemünde
Es gibt Orte, die eine besondere Fähigkeit haben: Man meint, in ihrem Energiefeld könne ständige etwas Unerwartetes und Spannendes geschehen und wenn man nicht dort ist, könnte man etwas verpassen. Das weithin bekannte „Hotel Neptun“ ist ein solcher Ort. Schon als Baukörper eine Landmarke, reich an zahllosen, kleinen und großen Geschichten – auch Agentengeschichten haben sich hier zugetragen –, weckt das Hotel besondere Erwartungen. In den 1970er Jahren mit skandinavischer Hilfe errichtet, diente dieses hochklassige Domizil mit weit über 300 Zimmern und Suiten vorrangig internationalen Handelsreisenden und exponierten einheimischen Gästen. Weit und breit gab es kein Hotel mit einem schöneren Ausblick und diesem ganz gewissen Hauch von Exklusivität. Wenn Sie nach einem Tag in Warnemünde, so nahe am Meeresrand und voller gesammelter Eindrücke etwas verweilen möchten, dann gibt es eigentlich nur eine Wahl: Im Panorama-Café ganz oben auf dem Dach des Gebäudes haben Sie ihren Kopf in den Wolken. Von hier oben aus kann man auf wunderbare Weise die Bilder des Tages noch einmal verdichten und passieren lassen.
Im quirligen Ostseebad zu Füßen des „Hotels Neptun“ ist immer etwas los: ob auf der Promenade, weiter entlang des „Alten Stroms“ mit seinen Kapitäns- und Fischerhäusern, in den vielen kleinen Seitenstraßen mit den gut aufgestellten Boutiquen, und natürlich am langgezogenen Strand, der sowohl feine Sandfelder als auch wildverträumte Steilküsten bietet. Hier ist Sommer, und hier bekommt das Sommerleben eine gewisse Leichtigkeit. Nur ein paar Steinwürfe entfernt, auf der gegenüberliegenden Seite des Warnowstromes, ist erst 2005 ein hochklassiges Revier hinzugekommen. Die
„Yachthafenresidenz Hohe Düne“ wartet auf mit kontrastiv mediterraner Architektur und angenehmsten Unterkünften für Liebhaber des Segelsports sowie sonstige Reisende. Und natürlich einem Yachthafen mit nahezu „olympischen“ Ambitionen.
Modeschauen auf Usedom
Eine besondere Verbindung von Ästhetik und Landschaft hat-ten auch die Macher des „Baltic Fashion Award“ im Sinn, als sie auf der Suche nach einem Refugium für ihr Modeereignis waren. Mecklenburg-Vorpommerns Küsten kamen in Frage, und die Wahl fiel schließlich auf die Ostseeinsel Usedom. Auserkoren wurde Heringsdorf, das ehemalige Kaiserbad mit mondäner Silhouette. Mittlerweile im siebten Jahr präsentieren sehr erfolgreich Nachwuchsdesigner aus den Anrainerstaaten der Ostsee ihre Entwürfe in verschiedenen Kategorien. Unter den Augen des Publikums und einer Fachjury werden dabei unter anderem Abendroben für den besonderen Anlass, avantgardistische sowie historisierende Kleider vorgestellt. Die handwerklich und ästhetisch äußerst anspruchsvollen Entwürfe finden dabei nicht nur die Beachtung des Publikums. Natürlich ist auch die nationale und europäischen Presse vor Ort. Für manchen Nachwuchsdesigner wurde das Kaiserbad Heringsdorf zum Sprungbrett für internationale Aktivitäten. Und dies immer ein Stück weit vermengt mit den Bildern einer Ostsee-Landschaft.
Festspiele Mecklenburg-Vorpommern
Spätestens mit den jährlichen „Festspielen MV“ sind die großen Namen endgültig im Mecklenburgischen angekommen. Ob Yehudi Menuhin, Anne-Sophie Mutter, Natalia Gutman oder Klaus-Maria Brandauer, ob die „Academy of St. Martin in the Fields“ oder das „Tokyo String Quartet“ – sie alle waren Gast dieser Festspiele und sorgten mit ihren Auftritten für hochkarätigen Glanz. Wer sich aufmacht zu einer solchen „musikalischen Landpartie“, kann zudem diese einzigartigen Klänge an ganz besonderen Orten erleben: Schloss Ulrichshusen oder das Schweriner Schloss etwa; Klöster, Kirchen, Gärten und Festscheunen dienen den Klassikevents nicht nur für die klangliche Entfaltung, sondern verleihen den Konzerten eine gewisse bildnerische, eine gedankliche Tiefe.
Dem Besucher prägen sich auf diese Weise Momentaufnahmen ein, die hochklassigen Musikgenuss, architektonische Formationen und wiederum die Tugenden dieser weiten Landschaft in eine glückliche Verbindung setzen. Wie Sebastian Nordmann, Intendant der „Festspiele MV“, zu berichten weiß, gibt es mittlerweile eine große Zahl an Besuchern, „die ihre Urlaubspläne und Ferienaufenthalte in Mecklenburg-Vorpommern mit den Konzertbesuchen abstimmen möchten.“ Ein solches Kunsterlebnis bietet eine Art von Luxus, den man sich einfach gönnt und nicht mehr missen möchte.
 
 
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