Mit 83 noch Kapitän und Leichtmatrose

Geschrieben von Gert Koths

 

Führerscheinfrei eine Woche unterwegs auf den Gewässern der Mecklenburgischen Seenplatte. Sonne, glasklare Luft, im Einklang mit einer einzigartigen Natur – voller Stolz und Leidenschaft erzählt Waltraut Volz von ihrem jüngsten Sommer-Abenteuer.

Eine Woche mit einem kleinen Hausboot über die Mecklenburgische Seenplatte dahin gleiten, das hatte sie sich schon eine Weile gewünscht. Im August 2007 wurde ihre Seensucht gestillt. Gemeinsam mit ihrer ein Jahr älteren Freundin und Nachbarin Helga Nack nahm die 83-Jährige das Ruder selbst in die Hand und entdeckte Deutschlands größtes zusammenhängendes Wasserrevier von seinen schönsten Seiten.

Führerscheinfrei durch das Seenland


 

Angefangen hatte alles vor einigen Jahren in Irland, wo die Lübeckerin ihre ersten Erfahrungen mit der Seefahrt machte. „Gemeinsam mit drei Freundinnen fuhr ich den Shannon, Irlands längsten Fluss, hinauf nach Norden. Und das war einfach nur herrlich“, schwärmt die Lübeckerin mit einem jugendlich anmutenden Lächeln. „Wir durchquerten mehrere große Seen – und genossen es, wenn uns die Irländer freundlich grüßten“. „Oh, the four girls“, riefen die Männer den Mittsiebzigerinnen mehrmals vom Bootssteg entgegen. „Für mich war es eine besonders schöne Erfahrung, selbst am Steuer zu stehen und den Kurs zu bestimmen“, sagt die handwerklich begabte Architektin im Ruhestand. „Und außerdem brauchte man gar keinen Bootsführerschein!“

Dass das auch in Deutschland und noch dazu im benachbarten Mecklenburg-Vorpommern möglich ist, erfuhr die Seniorin eher zufällig. „Da dachte ich mir, das wäre doch toll, die Müritz und die Mecklenburgische Seenplatte auch mal vom Boot aus zu entdecken.“ Aber allein? Das wollte sie nicht. Mit Freundin und Nachbarin Helga gemeinsam – das würde bestimmt Spaß machen. „Helga hatte noch keine Erfahrungen in der Seefahrt, und da musste ich sie schon ein bisschen länger überzeugen“, gibt sie rückblickend zu. Beide machten sich zunächst mit dem Auto auf nach Mecklenburg, um sich die Hausboote am südlichen Ufer der Müritz anzuschauen. „Die gefielen uns gleich: Klein und leicht zu lenken, mit bescheidenem Komfort und optimal ausgerüstet für unsere gemeinsame Jungfernfahrt in der Seenplatte.“ „Richtig kuschelig“, ergänzt Helga, „oft mussten wir uns auf unserer Fahrt aber auch Bauch an Bauch oder Rücken an Rücken aneinander vorbei schieben. Der Helmut Kohl hätte da wohl nicht zu zweit sein können …“

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