Das Leipziger Neuseenland: Der Grüne Ring Leipzig verbindet

Geschrieben von Karen Weinert

Der Karl-Heine-Kanal ist derzeit eine der belebtesten Wasserstraßen Leipzigs. Foto: Grüner Ring Leipzig

Foto: Grüner Ring Leipzig

Die Stadt Leipzig, zwei Landkreise und zwölf Kommunen arbeiten an einer gewässerübergreifenden Nutzung ihrer Seen, Flüsse und Kanäle für den Boots- und Wasserwandertourismus. Acht Bootskurse werden in Zukunft von sich reden machen.

Mit der weitgehenden Stilllegung der Braunkohletagebaue und der braunkohleveredelnden Industrie bot sich mit Beginn der 1990er Jahre in der Region Leipzig die Chance, die ausgehöhlte und devastierte Landschaft neu zu gestalten. Die vorteilhafte Lage der Flüsse, Kanäle und neuen Seen zueinander waren die ideale Voraussetzung für die Entwicklung des Wassertourismus in der Region Leipzig. Dieser Herausforderung stellte sich der Grüne Ring Leipzig, ein im Jahr 1996 initiiertes Projekt zur freiwilligen interkommunalen Zusammenarbeit zwischen der Stadt Leipzig, zwölf Umlandkommunen sowie den Landkreisen Leipzig und Nordsachsen. Als eines seiner Schlüsselprojekte formulierte er die Entwicklung des Touristischen Gewässerverbundes. Das Ziel ist die enge Verzahnung zwischen dem kulturellen Zentrum Leipzig, den naturschutzfachlich wertvollen Bereichen der Auen- und Fließgewässerlandschaft von Weißer Elster und Pleiße sowie der Bergbaufolgelandschaft im Nord- und Südraum mit ihren zum Teil bereits gefluteten Tagebaurestseen.

Im Auftrag des Grünen Ringes Leipzig wurde in den Jahren 2005 bis 2007 das „Wassertouristische Nutzungskonzept Region Leipzig“ erarbeitet, das den Leitplan für die Entwicklung des Touristischen Gewässerverbundes bis 2015 darstellt und unterschiedlich bootsgängige Kursverläufe einschließt. Den Mittelpunkt der acht Kurse mit Längen von sieben bis 41 Kilometern bildet der Stadthafen Leipzig, welcher ab 2010 nur wenige hundert Meter vom Stadtzentrum entfernt das wassertouristische Herzstück markiert.

Südliche Wasserrouten

Die Kurse 1, 5 und 6 führen über Elstermühlgraben sowie Elster- und Pleißeflutbett hinein in den Auwald, entlang von Pleiße und Floßgraben zu den Seen im Südraum Leipzigs. Schon heute nehmen die Einwohner und Gäste der Region den Nordstrand und den wunderschönen Hafen Zöbigker am Cospudener See sowie den Kanupark und andere Freizeitangebote am Markkleeberger See begeistert an. Der Zwenkauer See wird als größter See im Südraum Leipzig bis 2013 geflutet sein. Der Hafen in Zwenkau und das Kap Zwenkau sind dann ebenfalls mit dem Boot vom Cospudener See über eine Gewässerverbindung mitsamt Schleuse zu erreichen. Auch der Störmthaler See, der bis 2011 geflutet ist, gliedert sich über einen Verbindungskanal und eine Schleuse zum Markkleeberger See an das Wasserwegenetz. Mit der schwimmenden Kirche „Vineta“ entsteht hier ein weiterer touristischer Anziehungspunkt. Für den Hainer See ist mittelfristig eine bootsgängige Gewässerverbindung zum Stausee Rötha geplant.

Leipziger Stadtgebiet

Der Kurs 2 bietet Eindrücke ganz anderer Art. Auf der Fahrt entlang der städtischen Weißen Elster und dem Karl-Heine-Kanal, welcher auf 2,60 Kilomtern durch den Stadtteil Plagwitz mit seiner sanierten Industriearchitektur führt, kann man das urbane Flair in zahlreichen Kneipen und Restaurants mit direkten Gewässerzugang genießen. Noch endet der Kurs am Ende des Karl-Heine-Kanals, doch die 665 Meter lange Verbindungsstrecke zum derzeit ungenutzten Lindenauer Hafen, der im Gegensatz zum innenstadtnahen Stadthafen die Funktion eines Transithafens mit vollständigem Service für den Wassertourismus und die Boote übernehmen soll, wird bis 2012 gebaut. Daran anschließen wird sich ein 75 Meter langer Durchstich vom Lindenauer Hafen zum Elster-Saale-Kanal, um auf diesem Wege der Vision einer bootsgängigen Anbindung des Kanals an die Saale in Sachsen-Anhalt und damit an das europäische Binnenwasserstraßennetz näher zu kommen. Als „Stadtrundkurs“ führt der Kurs 7 ebenfalls entlang der städtischen Weißen Elster, jedoch bis zum Teilungswehr Großzschocher, wo man sich auf dem Elsterflutbett auf den Rückweg zum Ausgangspunkt des Kurses begeben kann.

Stadtrandbereiche und Norden

Die Kurse 1a, 3 und 4 stehen ganz im Zeichen der naturnahen Flussauenlandschaft der Weißen Elster in den Stadtrandbereichen Leipzigs. Auf einem Großteil der Strecke windet sich die Weiße Elster durch die weitgehend unberührte Landschaft, motorbetriebene Boote sind hier nicht vorgesehen. In den Naturvorrangbereichen sind auch für muskelbetriebene Boote Nutzungsreglementierungen zu beachten.

Auch der Nordraum des Leipziger Neuseenlandes, zum Teil in Sachsen-Anhalt gelegen, zeichnet sich schon heute durch eine attraktive Gewässerlandschaft aus, auch wenn eine physische Verbindung der Wasserwege zum beschriebenen Gewässerverbund aufgrund der naturräumlichen Gegebenheiten nicht möglich ist. Die geplanten Gewässerverbindungen zwischen Großem Goitzschesee, Seelhausener See und Muldestausee, der bereits 1975 entstand, bilden die Kurse 8a und 8b. Auf den Großen Goitzschesee hat man vom Pegelturm sowie dem Bitterfelder Bogen aus einen Überblick auf die zahlreichen touristischen Anziehungspunkte wie die Bernsteinvilla am Hafen und die Halbinsel Pouch. Am Seelhausener See ist mit dem Jachthafen in Löbnitz ebenfalls eine wassertouristische Attraktion geplant.

Der Schladitzer und Werbeliner See zwischen Leipzig und Delitzsch sind genauso einen Besuch wert. Die Schladitzer Bucht am gleichnamigen See ist schon heute mit ihren hellen Sandstränden und turnierfähigen Beachvolleyballfeldern in den Sommermonaten stark frequentiert. Der Werbeliner See hat aufgrund seiner Lage im Vogelschutzgebiet eine besondere Bedeutung für den dortigen Naturschutz. Die wassertouristische Entwicklung wird im Einklang mit dem Vogelschutz im östlichen Teil des Sees und am Brodauer Zinken erfolgen. Für die schrittweise Entwicklung des Touristischen Gewässerverbundes als Herzstück des Leipziger Neuseenlandes sowie als Beitrag für die nachhaltige Entwicklung der Region wird weiterhin die tatkräftige Unterstützung der regionalen Akteure erforderlich sein.

Lesen Sie weiter in der Ausgabe Seenland Leipzig & Lausitz 2009