spacer
spacer
   Startseite arrow Seenplatte arrow Kleinzerlang: Kreisläufe des Lebens
| über Seenland | Veranstaltungskalender | Tourberichte | Bestellung & Abo |
Magazininhalt
Startseite
Seenplatte
Ostsee
Leipzig & Lausitz
Tourberichte
Wassersport
Extras
Empfehlungen
Touristeninformation
Tourenplanung
Urlaub buchen
Hotels
Ferienhäuser
Nutzungshinweis
Newsletter






 

Kleinzerlang: Kreisläufe des Lebens
Diesen und weitere Artikel
finden Sie im Magazin Seenland
|| Barbara Pietzschmann
Im Sommer 2004 erhielt das winzige Dorf Kleinzerlang mit nur 210 Einwohnern den Titel »Staatlich anerkannter Erholungsort« von der Brandenburgischen Landesregierung verliehen.

Über drei Jahre erstreckte sich die Bewerbungszeit, um die Eignungen dafür herauszuarbeiten und zu entwickeln. Das wurde geschafft mit etwa 1.500 Gästebetten, mit den Hotels, der Jugendherberge und dem Kindererholungszentrum, den privaten Ferienwohnungen, der bodenständigen Gastronomie, den traditionellen Festen und den aufgeschlossenen und gastfreundlichen Bürgern von Kleinzerlang.

Drei Jahre vor der Erholungsort-Verleihung feierten die Kleinzerlanger das 250-jährige Jubiläum der Wiederbesiedlung auf einer wüsten Mark. Die Spuren reichen noch weiter zurück: etwa 5.000 Jahre, bis in die Steinzeit. Pfeilspitzen aus Feuerstein, auch Klingen, Schaber und Beile wurden direkt in Pälitzseenähe gefunden. Auch aus der Bronzezeit (1700–600 v.u.Z.) sind Gefäßscherben und Gerätschaften an häufig aufgesuchten Wohn- oder Rastplätzen des Westufers entdeckt worden. Ab dem 6. Jahrhundert siedelten sich slawische Stämme (Wenden) in Wassernähe an, denn sie lebten vom Fischfang und nutzten die umgebenden Wälder als Weide für Schweine, Schafe, Rinder und Ziegen.

Mit den Wendenkreuzzügen im 12. Jahrhundert begannen deutsche Feudalherren, die slawischen Territorien zu unterwerfen. Die neuen Siedler Imagekamen vorzugsweise vom Niederrhein, was die geographischen Bezeichnungen Rheinsberg, Rheinshagen oder Rhin erklärt. Die Siedler am Pälitzsee übernahmen den Ortsnamen der Slawen: Luetcken Scharlanck. Damit wird der Graben (»schar«) durch eine Niederung, der in die Lanke, eine flache Bucht des Sees, einmündet, bezeichnet. Luetcken leitet sich vom Plattdeutschen »lütt« für »klein« ab. In der gegenüberliegenden Bucht des Kleinen Pälitzsees gab es zu dieser Zeit das Große Scharlanck, heute Großzerlang, wo bis heute ein Graben sein Wasser in die flache Bucht des Sees führt.

Durch zahllose Kriege zwischen den Brandenburgern, Slawen und Mecklenburgern, durch Pestepidemien und Raubbau am kargen Boden begann die Abwanderung in fruchtbarere Gebiete. Ende des 15. Jahrhunderts waren viele Siedlungen verschwunden – mit ihnen auch Luetcken Scharlanck.

Neubesiedlung

Mit ausdrücklicher Befürwortung des Preußenkönigs entstand im Jahr 1751 auf der Wüstung Luetcken Scharlanck das Kolonistendorf Kleinzerlang. Denn der König brauchte steuerzahlende Bürger und Soldaten und förderte daher die Ansiedlung. Schon im folgenden Jahr war der Aufbau geschafft, zusätzlich siedelten sich noch fünf Büdnerfamilien (Tagelöhner) gegenüber den Bauernhöfen an. Damit war 1752 das neue Dorf mit elf Familien gegründet, in dem etwa 70 Einwohner lebten.

Spaziert man heute aus Richtung Schleuse Wolfsbruch durch das Dorf, kann man die ursprüngliche Siedlungsstruktur noch gut erkennen: ImageRechterhand nach dem neuen Feuerwehrhaus liegen die Bauerngehöfte bis zum Seeufer, links zwischen Friedes-eiche und Kirche die Büdnerhäuser. Etwa 60 Jahre nach der Neubesiedlung errichteten sich die Kolonisten ein bescheidenes hölzernes Gotteshaus mit Lehmfachwerk, das nicht lange hielt. Die heutige Dorfkirche wurde am selben Platz nach nur zweijähriger Bauzeit 1896 mit ihren zwei Glocken im Turm geweiht.

Außer Weideland, Wild oder kienigem Wurzelholz lieferte der Wald neben natürlichen Nahrungsmitteln weitere wertvolle Rohstoffe. Nach dem allmählichen Niedergang der Teerschwelerei wuchs im 19. Jahrhundert der Bedarf nach dem Harz der Kiefern. Auch nach der Harzung waren die Bäume wichtige Wirtschaftsgüter. Was das Kleinzerlanger Sägewerk nicht verarbeitete, gelangte in Langholzflößen über den billigen Wasserweg an seinen Bestimmungsort.

Waldkreisläufe waren entstanden, die fast bis zum Ende des 20. Jahrhunderts in der Region funktionierten: Die Forstarbeiterinnen, hier Kulturfrauen genannt, zogen in Pflanzgärten die Kiefernsämlinge heran, setzten in Schonungen mit Hand die jungen Bäumchen und pflegten noch viele Jahre die angepflanzten Kulturen. Durch kontrollierten Einschlag entwickelte sich nach Jahrzehnten ein kräftiger, gesunder Hochwald. Dann kamen die Köhler, Harzer, Flößer und Sägewerker, die nicht selten mit einer Kulturfrau eine Familie gegründet hatten, um das Holz und seine Rohstoffe zu gewinnen.

Kleinzerlanger Wasserdiebe

Mit der Fertigstellung des Hüttenkanals und der Schleuse Wolfsbruch zwischen dem Kleinen Pälitzsee und dem Großen Prebelowsee im Jahre 1876 begann ein fast zwanzigjähriger Streit zwischen den Mecklenburger Seeanliegern und den Brandenburger Schleusenwärtern. Im Norden wurde befürchtet, dass durch das häufige Hinunterschleusen nach Rheinsberg im 50 bis 70 Zentimeter höher gelegenen See das Wasser knapp werden würde. Ein Schöpfwerk mit Windturbine, später mit Dampflokomobile, wurde an der Schleuse erbaut, um ein großes Vorratsbassin ständig mit eigenem Wasser unterhalb des Kanals zu befüllen.

Doch der Schleusenmeister klemmte oft einen armdicken Knüppel zwischen die Schleusentore, der Trog füllte sich mit dem »ausländischen« Wasser. Dafür gab es wiederholt Anzeigen wegen Wasserdiebstahls. Der Streit wurde erst beigelegt, als einem Landvermesser auffiel, dass bei Wittstock ein brandenburgischer Bach bis zur mecklenburgischen Müritz fließt.

Das war der natürliche Ausweg, die Nachbarn erhielten ihr Ausgleichswasser! Vom komplizierten Pumpwerk an der Schleuse Wolfsbruch ist heute nur noch eine große quadratische Bodensenke zu sehen. Einen heute noch sichtbaren Wasserdiebstahl begingen die beiden Zerlanger Ziegeleien auf der Halbinsel zwischen Canow- und Pälitzsee, indem Abraum und Ziegelfehlbrände in den See entsorgt wurden. Das gab 1867 eine Beschwerde von der Großherzoglichen Mecklenburgischen Landesregierung an die Preußen. Erst in den 1980er Jahren wurde der Gemeinde Kleinzerlang vom zuständigen Wasser- und Schifffahrtsamt dieser künstliche Landstreifen offiziell zur Gemarkung und zur Nutzung übergeben – welch ein Glück, handelt es sich doch um den größten Teil der Spiel- und Liegewiese am Badestrand. Was wäre schließlich die Sommersaison ohne Badevergnügen oder die traditionellen Strandfeste!

Verknüpfte Natur und Wasserlandschaft

Über all die Jahre hat sich das typische Straßendorf erhalten, besteht seit seiner Neubesiedlung in dieser baulichen Struktur und wird geprägt von der historischen Anlage der Bauernhöfe und den winzigen Grundstücken der Büdner. Seit den Gründerjahren unterbrechen drei städtisch anmutende Villen die bescheidenen Firsthöhen der Büdner- und Bauernkaten, errichtet von der Fabrikantenfamilie Behnfeldt. Sie passen sich harmonisch in das Ortsbild, das nicht von Überformungs- oder Zersiedlungstendenzen belastet wird.

In westliche Richtung hat sich das Dorf bis heute durch den nie abgerissenen Zuzug von neuen Bürgern weiter verlängert. Es ist ein selbstbewusster, schmucker und gepflegter Ort geworden. Die lange Dorfstraße behielt ihr historisches Kopfsteinpflaster, um seitliche Fuß- und Radwege ergänzt. Auch die Lücken in den altehrwürdigen Alleebäumen wurden mit jungen Linden geschlossen. Natürlich haben sich die Menschen im Dorf gewandelt. Längst gehören der Dorfschmied, der Stellmacher, die Ziegelei- und Sägewerksarbeiter, die Kulturfrauen und die Harzer einer vergangenen Epoche an. Nur das Bäckerhandwerk hat überlebt, seit seiner Gründung vor über hundert Jahren im selben Haus mit der Backstube über den Hof ansässig.

Was macht den winzigen Ort für Gäste heute so attraktiv? Kleinzerlang liegt auf einer Halbinsel, zu drei Vierteln umschlossen von natürlichen und künstlich angelegten Gewässern und dazu an einer bedeutenden »Wasserstraßenkreuzung«. Hier mitten auf dem Kleinen Pälitzsee befindet sich der fiktive Null-Kilometer für die Rheinsberg-Zechliner Gewässer in süd-westliche Richtung. Nach Nordwesten geht es weiter mit der Müritz-Havel-Wasserstraße bis Hamburg oder zur Nordsee. Nach Osten gelangt der Wasserwanderer über die Obere-Havel-Wasserstraße bis Berlin/Potsdam oder zur Stettiner Bucht und nach Nordosten zu den Havelquellseen.

Ein guter Ausgangspunkt

Durch den Gewässerverbund ist auch der Einstieg in einen »Rundkurs« von hier aus möglich: Pälitzsee—Müritz—Elbe—Havel—Berliner Gewässer—Untere und Obere-Havel-Wasserstraße—Pälitzsee (etwa 520 km Wasserstraße in ungefähr zwölf Tagen). Das Hafendorf der Marina Wolfsbruch, nach dem Vorbild norwegischer Fjordsiedlungen mit Hotel und Ferienhäusern erbaut, ist bislang der größte Freizeitbinnenhafen Brandenburgs. Weitere Bootsverleiher und Charterfirmen haben sich angesiedelt und von den Gewässern aus locken die Anlegemöglichkeiten viele Wasserwanderer in den Ort.

Außerhalb der Wasserstraßen führen die gekennzeichneten Wander-, Reit- und Radwege durch die einmalige Endmoränenlandschaft mit Mooren (Teufelsmoor), Sanderflächen (Pälitz-Canowsee-Rundweg) über die Heide (Rund um Prebelow) oder tiefe Kiefernwälder mit Buchen- oder Douglasienbeständen. Nicht zuletzt die Lage im 680 Quadratkilometer großen Naturpark Stechlin-Ruppiner Land lädt geradezu ein, eins zu werden mit einer intakten Natur, dem Reiz der Seenkette und der Gemütlichkeit eines kleinen Dörfchens im nördlichsten Brandenburg.

Diesen und andere Artikel finden Sie im Magazin Seenland.

zu Abo & Bestellung

 
 
< Zurück   Weiter >
| Impressum | Kontakt | Mediadaten | Presse |
spacer
Magazin Bestellung
Tourenplanung
Seenland-Touren
Mehr zu Städte
Landesgartenschau Oranienburg
Röbel
Neuruppin
Rheinsberg
Plau
Woldegk
Neubrandenburg
Ludwigslust
Templin
Neustadt-Glewe

 
(C) 2010 Magazin Seenland
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.