|
Wer sich für Burgen und mittelalterliche Wehranlagen interessiert, wird in Norddeutschland nicht so leicht fündig wie im Süden, wo auf so mancher Bergspitze eine mächtige Ritterburg thront, die oftmals schon von Weitem sichtbar ist.
Im nordischen Flachland hingegen sind die trutzigen Festungen weniger leicht zu entdecken. Doch warten auf den wissensdurstigen Besucher auch hier einige interessante Festungsbauten. Ein Beispiel dafür ist die Burg in Neustadt-Glewe, einem kleinen Ort unweit der mecklenburgischen Landeshauptstadt Schwerin. Hinter dem Namen Neustadt würde kaum jemand eine alte Burg vermuten. Doch stammt der Name aus dem Mittelalter und deutet darauf hin, dass es vor der Siedlungsgründung bereits eine ältere Siedlung in unmittelbarer Nähe gab. Daher erwartet den Besucher in Neustadt-Glewe viel Altes, das sich aber häufig in neuem Gewand präsentiert. Unmittelbar an der Autobahn A12 und an der Elde gelegen, ist die Stadt sowohl mit dem Auto, als auch mit dem Boot gut zu erreichen. Prächtiges Schlosshotel Neben der Burg gibt es in Neustadt-Glewe viel zu entdecken, und so lohnt sich ein Stadtrundgang immer, ganz gleich ob im Rahmen eines Tagesausflugs oder während eines Zwischenstopps mit dem Boot im einladenden kleinen Hafen. Eine Brücke führt unweit des Bootsanlegertreffs über die Elde direkt in das Herz der Stadt. Der Rundgang beginnt nach dem Brückenübergang direkt am luxuriösen Schlosshotel. Im Jahre 1720 nach hundertjähriger Bauzeit vollendet, ruht das Schloss auf Eichenpfählen, die dem Gebäude im sumpfigen Grund Halt geben. Nach einer Vergangenheit als Flüchtlingsunterkunft und als Schule beherbergt der prächtige Bau heute nach umfangreicher Sanierung neben dem Grand Hotel auch ein Feinschmeckerlokal. Vor dem Schloss breitet sich ein kleiner Platz aus, der mit den abgehenden schmalen Gässchen schon den richtigen Eindruck von der Stadt vermittelt. Der Rundweg folgt den engen Straßen und bietet dabei den Anblick zahlreicher malerischer Gebäude. Liebevoll sanierte Fachwerkhäuser reihen sich hier aneinander und führen den Besucher zum Marktplatz, wo ein eindrucksvolles Rathaus das Altstadtzentrum beherrscht. Die ursprüngliche Architektur der Häuser verleiht Neustadt-Glewe ein ganz eigenes Flair. Turm mit Aussicht Vorbei an vielen kleinen Restaurants und Cafés, in denen es sich auf eine deftige Mahlzeit oder ein gutes Stück Kuchen einzukehren lohnt, führt der Weg zur kleinen Kirche. Gepflegte Backsteinhäuschen säumen den schattigen Kirchplatz. Nun ist es nur noch ein kurzes Stück zum großen Stadtpark. Von hier bietet sich ein hervorragender Blick auf die Burganlage mit ihrem mächtigen Turm. Der Weg durch den großzügig angelegten Park stimmt schon auf den Burgbesuch ein, mit dem der Rundgang sein Ende finden wird. Am Fuß des Burgturmes fühlt der Besucher sich merkwürdig klein. Den Kopf in den Nacken gelegt, führt der Blick weit hinauf bis zur Turmspitze. Durch das Eingangstor geht es auf den Burghof. Hier zeigt sich, dass auf dem langen Weg der Restaurierungsarbeiten, die noch nicht abgeschlossen sind, schon viel erreicht wurde. Mit dem modernen Glasbau des Treppenaufgangs zum Museum wurde eine reizvolle Synthese zwischen Alt und Neu geschaffen. Eingefügt in das »Neue Haus«, neben dem »Alten Haus« eines der Hauptgebäude der Burg, bietet das Museum einen ausführlichen Einblick in die Geschichte des Bauwerks. Im Jahre 1331 erstmals urkundlich erwähnt, hat die Burg eine wechselvolle Vergangenheit hinter sich, die einmal im Jahr während des Burgfestes für einen Augenblick wieder zum Leben erwacht. Nach einer kurzen Rast auf dem Burghof sind es nur wenige hundert Meter zurück zum Schloss. Am Ende des abwechslungsreichen Rundgangs steht die Erkenntnis, dass sich hinter dem kleinen Städtchen an der Elde ein reizvoller Ort voller Geschichte und Geschichten verbirgt. Auch außerhalb des Stadtkerns von Neustadt-Glewe wartet noch so mancher Anziehungspunkt auf das erholungsuchende Publikum, wie das Landschaftsschutzgebiet Lewitz mit dem Jagdschloss Friedrichsmoor oder der Neustädter See mit seinen Bademöglichkeiten. Diesen und andere Artikel finden Sie im Magazin Seenland. zu Abo & Bestellung |