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Es ist seltsam, dass viele Schweriner nicht ihr eigentliches Wappenbild – ein goldener Reiter mit einer Lanze, an der ein Fähnchen flattert – als Wahrzeichen der Stadt wahrnehmen.
Viel populärer ist seit über 200 Jahren das »Petermänken«, eine Sagengestalt. Das Petermännchen kommt heute mit Stulpenstiefeln, Halskrause, hohem federgeschmückten Hut und manchmal auch mit Brustpanzer daherstolziert. Dennoch wollen die Menschen den Zwerg und Schlossgeist eher als den freundlichen Wohltäter, den treuen und braven Geist, den Beschützer der rechtmäßigen Herren Mecklenburgs, aber auch der Armen und Schwachen sehen, der die Faulen und Böswilligen mit Bosheit und allerlei Neckereien straft. Natürlich lässt sich das Petermännchen auch gut vermarkten und konnte sich daher erfolgreich aus seinem Mauernischendasein ins pulsierende Geschäftsleben der Stadt stürzen. Da ist es nur folgerichtig, dass es seit 2004 in Schwerin die »Petermännchen-Kulturfördergesellschaft des alten Brauchtums« gibt. Ziel dieser Gesellschaft ist, Brauchtum in Mecklenburg-Vorpommern zu erforschen und zu pflegen sowie das Zusammengehörigkeitsgefühl und die Verbundenheit der Menschen im Lande zu fördern. Residenz- statt Handelsort Die Bekanntheit der Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern rührt in erster Linie vom prunkvollen Schloss, dem imposanten Dom und einigen anderen prächtigen Gebäuden her als von einer gediegenen historisch gewachsenen Architektur. Schon seit dem 16. Jahrhundert war Schwerin eher Residenz- als Handelsstadt. Sie nahm eine andere wirtschaftliche Entwicklung als beispielsweise die Hansestädte Rostock, Wismar oder Stralsund. Reiche Kaufleute, die große, geräumige Häuser hätten erbauen können, gab es kaum. Beamte, Hofbedienstete, Handwerker und kleine Gewerbetreibende wohnten hier. Die meisten von ihnen konnten sich große Steinhäuser nicht leisten. Sie lebten in den damals üblichen mit Rohr gedeckten Fachwerkhäusern. Im zweiten Weltkrieg fielen nur wenige Bomben auf die Stadt, viel verheerender waren frühere Stadtbrände gewesen. Besonders die sechs großen Stadtbrände im 16. und 17. Jahrhundert sind die Ursache dafür, dass vom alten Schwerin nicht mehr viel übrig ist. Auch dem natürlichen Altersverfall konnten die Fachwerkhäuser nur schwer widerstehen. Dennoch kann der aufmerksame Betrachter sehenswerte, zum großen Teil renovierte prächtige Büro-, Gewerbe- und Wohngebäude unterschiedlicher Baustile bestaunen. Unmittelbar am alten Stadtkern gelegen befinden sich rund um den Pfaffenteich zahlreiche historische Gebäude. Besonders lohnenswert sind das Arsenal im Stil der Tudorgotik, die spätklassizistische Straßenfront, das Haus Kücken, das ehemalige Stadtbad, das im Stil der Neorenaissance errichtete ehemalige E-Werk am Spieltordamm sowie in der Schlossstraße das Rokokohaus und die prachtvolle Staatskanzlei im klassizistischen Baustil. Das Flair vergangener Jahrhunderte findet sich auch im Viertel der Schelfstadt mit Kirche und Markt wieder, das ein für Norddeutschland seltenes barockes Bauensemble darstellt. Naturverbunden Schwerin wird von Liebhabern der Stadt gern als »Perle im Spiegel der Seen« oder »Stadt zwischen Seen und Wäldern« bezeichnet. Mit ihren 13 Seen, den Parks, Gärten und Waldgebieten im unmittelbaren Stadtgebiet stellt Schwerin eine außergewöhnliche Vereinigung von Architektur und Natur in Deutschland dar. Einheimische und Schwerinreisende sind sich in ihrem Urteil einig: unglaublich schön, einfach traumhaft, tief beeindruckend, überreichliche Genüsse für Geist, Augen und Seele, märchenhaft. Die Attraktivität dieser Stadt gründet sich aber nicht nur auf dieses Gottesgeschenk, sie wird auch durch eine unverwechselbare kulturelle Identität gestützt. Schwerin stellt eine eindrucksvolle Symbiose von Natur, Architektur und Kultur dar. Eine große Anzahl von Kunst- und Kulturstätten bereichern das Leben der Stadt. So befinden sich beispielsweise reiche Kunstschätze mit berühmten historisch gewachsenen Sammlungen niederländischer und flämischer Meister des 17. Jahrhunderts bis zu Werken der zeitgenössischen Kunst im Staatlichen Museum Schwerin. Es ist eines der bedeutsamsten nationalen Kultureinrichtungen in den Neuen Ländern. Schwerin besitzt die in der Welt größte Sammlung von 34 Gemälden und 43 Handzeichnungen des berühmten französischen Hofmalers Jean-Baptiste Oudry. Die in ihrer Geschlossenheit einmalige Sammlung Marcel Duchamp umfasst nahezu alle Werkphasen und Aspekte des neben Picasso bedeutendsten Anregers der Kunst des 20. Jahrhunderts. Mit regem Interesse werden die Sonderausstellungen vielfältiger Thematiken von den Besuchern angenommen. Theatrale Attraktion Der Neubau des Hoftheaters im Jahre 1836 gilt als der Beginn des Schweriner Theaters. Im heutigen Gebäude des Mecklenburger Staatstheaters Schwerin (im Stile der Italienischen Spätrenaissance von 1883–1886 nach einem erneuten Theaterbrand erbaut) werden Aufführungen gezeigt, die sich würdig in die herausragenden Traditionen nationaler Schauspiel-, Musiktheater-, Konzert-, Ballett-, Jugend- und Puppentheaterkunst einfügen. Seit über 150 Jahren kommen Gäste, insbesondere aus Hamburg, Lübeck und den Skandinavischen Ländern, ins Theater nach Schwerin. Im Jahre 1878 fuhren sogar Extrazüge von Berlin nach Schwerin, »um das Reichshauptstädtische Publikum« mit Wagners Nibelungen-Werk bekannt zu machen. Berühmte Komponisten und Indendanten trugen zum nationalen und internationalen Ruhm des Theaters bei. Dem derzeitigen Generalindendanten Joachim Kümmritz sind Projekte wichtig, die kein Nachlassen hoher Theaterkunst erlauben, Bekanntes und Unbekanntes bieten, in denen »Träumen, Lachen und Weinen erlaubt sind«, und auch die Gegenwart nicht zu kurz kommt. Spielpläne werden aufgestellt, die in ihrer Ausgewogenheit, ihrem Umfang und ihrer finanziellen Effektivität mit den weit größeren Theatern in Deutschland konkurrieren können. Nachdem 1926 die »Niederdeutsche Bühne am Mecklenburger Staatstheater« gegründet und 1946 zur »Fritz-Reuter-Bühne« umgetauft wurde, konnte auch die niederdeutsche Sprache, als Sprache des Volkes, im Theater reflektiert und unverzichtbarer Bestandteil der norddeutschen Kulturlandschaft werden. Das Publikum liebt die Mischung des Theaterangebots und ist daher auch bunt gemischt. Jeder fünfte Theaterbesucher kommt aus den alten Bundesländern, jeder dritte ist sonstiger »Besucher der Stadt« und etwa 45 Prozent kommen aus den umliegenden Landkreisen – was die überregionale Bedeutung des Schweriner Theaters unterstreicht. Schlossfestspiele Die »Schlossfestspiele Schwerin« des Mecklenburgischen Staatstheaters finden seit 1993 jährlich von Juni bis Juli auf dem Alten Garten, im Dom- und Schlosshof statt. 20 verschiedene Aufführungen sind es bisher. Sie begannen mit »Marlowes Faust« in einer Schweriner Fassung im Schlosshof, setzten sich im Jahre 2000 mit dem Musical von Dan Goggins »Non(n)sense« im Domhof fort und fanden 2005 auf dem Alten Garten mit Verdis »Rigoletto« vor beeindruckender Kulisse von Theater, Museum, Schloss und dem Schweriner See ihren vorläufigen grandiosen Höhepunkt. Spätestens seit den Erfolgen von Verdis »Aida« (1999) und »Nabucco« (2001) mit jeweils mehreren zehntausend Besuchern begann eine Vorstellungsserie von beeindruckenden Ausmaßen, die sowohl national als auch international ein Synonym für hohes Niveau ist und einen glanzvollen Rahmen darstellt. In rund 700 Orten in ganz Deutschland können Karten für durchschnittlich 22 Open Air-Vorstellungen erworben werden. Etwa 2.700 Zuschauer finden auf der Tribüne Platz. 2006 setzt das Staatstheater Schwerin Verdis Populäre Trilogie mit »La Traviata« fort. »Die auf Abwege Geratene« nannte Verdi seine 1853 uraufgeführte Oper, mit der er bedingungslos Partei für eine gesellschaftlich geächtete Liebe ergriff. Diesen und andere Artikel finden Sie im Magazin Seenland. zu Abo & Bestellung |