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Barth – das Tor zum Darss

Barth – das Tor zum Darss

St. Marienkirche, Vineta-Museum und Niederdeutsches Bibelzentrum, die ehemalige Wallfahrtskirche und der Wunderbrunnen in Kenz bezeugen bewegte Jahrhunderte.

Die kleine Hafenstadt am Barther Bodden, die 2005 ihr 750-jähriges Jubiläum feierte, bildet das Tor zur vorpommerschen Boddenlandschaft und den Halbinseln Fischland-Darß-Zingst. Aus dem fast kreisrunden Areal der Altstadt ragt die mächtige spätgotische St. Marienkirche, von deren Turm aus man bei guter Sicht einen großartigen Überblick über Stadt und Boddenlandschaft hat. Von Touristen wohl meist übersehen und von Laien kaum als etwas
 

„Besonderes“ erkannt, harrt direkt vor dem Turm der Marienkirche der geschichtsträchtige „Papenhof“, das älteste erhaltene Haus der Stadt, auf eine wissenschaftlich fundierte Restaurierung und eine neue, die historische Substanz einbeziehende Nutzung.

Theorien und Legenden um Vineta
Die Hallenkirche präsentiert sich im Innern in neugotischem Gewand. Friedrich August Stüler, der Architekt des Königs, gab dem Raum um 1860 seine heutige Gestalt. Altar und Kanzel stammen aus der Zeit der Stülerschen Renovierung. Älter ist die jüngst aufwändig restaurierte Buchholzorgel. Das klangvolle Instrument stammt aus dem Jahre 1821. Von der mittelalterlichen Ausstattung blieb eine reich dekorierte Bronzetaufe erhalten – die einzige in Vorpommern. Einst besaß sie auch einen schweren gegossenen Deckel, der aber schon 1546 für Kriegszwecke eingeschmolzen wurde. Schöpfer der spätnazarenischen Fresken an den Chorwänden der Marienkirche war der Cornelius-Schüler Carl Gottfried Pfannschmidt (1819–1887), der als der letzte „Cornelianer“ gilt.
Peter von Cornelius (1783–1867) strebte nach einer tief religiösen und patriotischen Künstlergemeinschaft, die sich der Wiederbelebung der Freskotechnik und der religiösen Kunst des Mittelalters und der italienischen Renaissance widmete. Die 1859/60 entstandene Ausmalung des Chores der Barther Marienkirche ist das bedeutendste Zeugnis dieser nazarenischen Prägung in Vorpommern. Vor Goldgrund stehen die Pfannschmidtschen Apostel unter reichen Architekturbaldachinen. Die Architekturmalerei schuf Christian Douzette, der Bruder des bekannten Barther Landschaftsmalers Louis Douzette (1834–1924), von dem man einige Gemälde im „Vineta-Museum“ der Stadt bewundern kann.
Louis Douzette, der als „Mondscheinmaler“ bekannt wurde, vertritt eine spätromantische Landschaftsmalerei mit Anklängen an die Landschaften der großen Holländer des 17. Jahrhunderts. Auch wer sich für die Theorien und Legenden um die sagenhafte Stadt Vineta interessiert, sollte den Besuch des Vineta-Museums in der Langen Straße 16, das seit seiner Wiedereröffnung im Jahr 1997 durch einige beachtenswerte Sonderausstellungen auf sich aufmerksam machte, nicht versäumen. Dort kann man sich über das Für und Wider der einzelnen Thesen zur Lage der untergegangenen Stadt informieren und sich eine eigene Meinung dazu bilden.

{abolink}|Seenland Ostsee 2008|{/abolink}

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