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Bootsabenteuer voraus!

Bootsabenteuer voraus!

„Armin und das Ungeheuer aus dem Dolgensee“

Dann geht es endlich los. Wir reihen uns zunächst hinter einem Schleppverband ein und passieren mit den vorgeschriebenen sieben Kilometern pro Stunde die Regattastrecke Grünau, vorbei an der Tribüne und dem Start- und Zielbereich. Über den Langen See und den Zeuthener See geht es immer Richtung Süden bis sich kurz vor Königs Wusterhausen die Dahme spaltet. Wir lassen den Schleppverband und den Industriehafen rechts liegen und biegen ab zu unserer ersten Schleuse: Neue Mühle. Beide Ampeln stehen auf Rot und wir müssen zunächst an der Sportboot-Wartestelle festmachen.

Nach rund zehn Minuten kommt ein weiteres Boot. Das Paar darauf gibt uns den Tipp, sich das nächste Mal beim Schleusenwärter ein paar Minuten vor Ankunft telefonisch anzumelden. Dann geht es auch ganz schnell. Wir warten ab, bis sich die kleine Brücke hebt und fahren in die Schleuse ein – es wird die engste auf unserem Törn sein. Mit den komfortablen Bug- und Heckstrahlrudern manövrieren wir die „Amelya“ sicher in die Schleusenkammer.

Mit der Schleuse …

… lassen wir auch den Verkehr der Berliner Gewässer hinter uns. Auf der Dahme und dem Krüpelsee herrscht ruhiges Fahrwasser. An diesem Tag sind nur wenige Boote unterwegs. Vorbei an den gepflegten Wassergrundstücken von Bindow fahren wir langsam auf den Dolgensee. Das Gewässer ist hier sehr flach, weshalb wir uns unbedingt an die Betonnung halten. Kurz hinter der Brücke machen wir für die erste Nacht Rast an „Kuddels lustiger Stube“. Hier können wir längs anlegen und das Boot an den Holzpfählen und Metallstäben auf der Wiese sicher vertauen. In den Hochzeiten der Sommerferien ist die Terrasse voll besetzt und bis zu 300 Teller Hausmannskost kommen auf die Tische.

Große Teile des Reviers sind mit Charterschein befahrbar.

Heute ist es ruhiger in der kleinen Gaststätte und wir können mit der Besitzerin bei einem Sanddornschnaps einen Plausch halten. Zum Beispiel über ihren Ehemann, den Fischer Armin, der vor einigen Jahren aus dem Dolgensee einen beeindruckenden, mannshohen Wels gefangen hat. Der Zeitungsartikel mit der etwas angsteinflößenden Überschrift „Armin und das Ungeheuer aus dem Dolgensee“ hängt noch heute über dem Tresen. Obwohl „Kuddels lustige Stube“ mit deftiger Suppe, Eisbein und frisch geräuchertem Fisch aufwarten kann, legen unsere Köche Karin und Steve los und zaubern in der perfekt ausgestatteten Kombüse der „Amelya“ ein leckeres Abendbrot.

Die zwei Brüder und das Schloss

Am nächsten Morgen liegen Nebelschwaden über dem Wasser und die Sonne kommt langsam hinter den Bäumen hervor. Wir bauen unsere Persenning ab – nicht nur, um die Sonne zu genießen, sondern auch, weil heute einige sehr niedrige Brücken auf unserem Törnplan stehen. Pünktlich zur Öffnung erreichen wir die Schleuse Kummersdorf, kurz hinter dem Wolziger See. Der Schleusenwärter ist um diese Zeit noch ein wenig verschlafen und nicht sehr gesprächig. Weiter geht es über den Storkower Kanal, vorbei an idyllischen Wassergrundstücken und durch niedrige Brücken. Vor der Brücke Philadelphia kennzeichnet der Wasserstand die Durchfahrtshöhe. Die heutigen 3,80 Meter können wir problemlos unterfahren. Am Ende des Storkower Kanals wartet eine weitere Schleuse – diesmal mit Selbstbedienung. Wir betätigen den blauen Hebel und haben Glück, denn die Schleusentore öffnen sich sofort. Gerade als wir bei der Ausfahrt aus der Schleuse wieder etwas Gas geben wollen, sehen wir nur knapp 50 Meter entfernt das nächste Hindernis: eine Brücke. Wir stoppen auf, legen an, betätigen nochmals einen Hebel am rechten Ufer und schon öffnet sich die Durchfahrt. Zwischen Schleuse und Brücke befindet sich übrigens der recht kurze Stadtanleger Storkow. Auf der Rückfahrt werden wir hier einen Stopp einlegen.

Auf dem Storkower See wollen wir heute unbedingt das Schloss Hubertushöhe besuchen, dessen Türme schon vom Wasser aus sichtbar sind. Wir treffen auf den Gärtner, der uns zur Geschichte und zu den Plänen des Hauses Auskunft gibt: Der historische Jagdsitz wurde lange Zeit als Fünf-Sterne-Hotel genutzt, 2012 kauften es die Zwillinge Rainer und Harald Opolka, die unter anderem mit der Produktion von LED-Taschenlampen ein Vermögen gemacht hatten. Sie gründeten die Zweibrüder Kunst und Kultur GmbH und wollen das Gelände Stück für Stück zu einem Kunst- und Literaturpark ausbauen. Für den Garten, die Geschichte und die kleine Fischerkate an der Steganlage lohnt sich eine Pause.

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