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Bootsabenteuer voraus!

Bootsabenteuer voraus!

Bad Saarow: Auf dem Boot, auf dem Segway und zu Fuß

Ein schmaler Kanal führt uns weiter nach Wendisch-Rietz, wo die letzte Schleuse auf uns wartet. Auch hier gilt wieder Selbstbedienung. Das Schleusen klappt inzwischen sicher und gekonnt. Unser Ziel – der große Scharmützelsee – ist nun erreicht. Mit ordentlich Wind und Wellengang heizen wir neben zahlreichen Segelbooten und ihren waghalsigen Manövern über das Wasser. Wir halten Kurs auf Bad Saarow und bremsen auf Höhe einer kleinen Insel am Nordwestufer ab, denn hier sind nur noch acht Kilometer pro Stunde erlaubt. An der Marina Freilichtbühne machen wir fest, melden uns beim Hafenmeister an und gehen auf Erkundungstour durch das kleine Örtchen. Unsere ersten Schritte an Land führen uns in das Restaurant „Fischtopf“, wo es von Bismarck über Lachs bis Heilbutt leckere Fischbrötchen gibt. An der Promenade entlang begegnen uns einige Touristen auf Segways. Ein Klettergarten, eine alte Bunkeranlage und natürlich die Therme Bad Saarow sind einen Besuch wert.

Wir machen uns wieder auf den Weg. Der starke Wind ist eine Herausforderung bei der Ausfahrt aus dem Hafen, die wir aber gut meistern. Unser Ziel für heute Nacht liegt auf dem Storkower See. Wir schleusen entspannt in Wendisch Rietz. Auf dem folgenden kleinen Kanal sitzen wir vier schweigend auf dem Boot, genießen die Ruhe, das Rascheln der Blätter am Ufer und die langsam eintretende Dämmerung.

Für die Nacht wollen wir in Wolfswinkel anlegen – ein Wasserwanderrastplatz wie gemacht für Naturliebhaber. Leider ist die kleine Steganlage neben dem Strand schon besetzt. Für Sportboote unserer Größe gibt es nur wenige Plätze. Eine Crew, die dort angelegt hat, gibt uns den Tipp, genau am anderen Ufer zu übernachten. Hier befindet sich das Seehotel Karlslust. Kanus und kleine Boote liegen hier vor Anker, die die Hotelgäste für eine Runde auf den Storkower Gewässern mieten können. Heute aber haben wir die lange Steganlage für uns allein. Und als wir in der klaren Nacht den Blick auf den Himmel richten, begeistern uns Tausende Sterne.

Mit Rückenwind auf dem Rückweg

Am nächsten Morgen werden „Amelya“ und wir vier fotografiert – vom Hafenmeister. Er ist nicht nur begeistert von unserer Yacht, sondern erklärt uns auch, dass normalerweise morgens Dunst über dem Storkower See aufsteigt. Heute sind Wasser und Himmel allerdings klar. Das deute wohl auf schlechtes Wetter hin. Wir können seine Vorhersage später nicht bestätigen, denn vor uns liegt ein herrlich sonniger und wolkenloser Tag. Ein bisschen Wehmut kommt auf, da wir heute wieder die Rückreise antreten. Wir frühstücken erst einmal frische Brötchen und lassen uns über den See treiben. In Storkow legen wir hinter der Brücke am kurzen Stadtanleger an und setzen ein paar Schritte in die kleine Stadt. Gut einen Kilometer laufen wir zur mehr als 800 Jahre alten Burg Storkow, die gegen ein kleines Entgelt besichtigt werden kann. Zurück schlendern wir am Marktplatz vorbei zu unserem Boot und setzen die Fahrt Richtung Berlin fort.

Auf dem Rückweg wollen wir noch einen Schlenker einlegen: Wir biegen auf den Seddinsee ab, folgen dem Gosener Kanal bis auf den Dämeritzsee. Dort halten wir uns links und biegen in die Müggelspree, die uns durch Rahnsdorf und vorbei an den idyllischen Wassergrundstücken Neu-Venedigs führt. Viele Paddler und Kanuten sind unterwegs. Auf uns wartet hier ein Highlight der Berliner Wasserkultur: die Fähre Rahnsdorf. Ursprünglich eine der letzten nur mit Muskelkraft betriebenen Fähren der Stadt, gleitet sie heute unter Solarantrieb von Ufer zu Ufer. Uns treibt es weiter auf den Müggelsee. Für einen kurzen Moment fühlen sich Rückenwind und Wellengang an wie auf dem Meer – selbst unser Segelskipper Sascha kommt ins Schwärmen. Wir halten uns an die vorgeschriebene Betonnung, gleiten über das Wasser und entdecken backbords die Müggelberge und den Müggelturm. Schließlich halten wir Kurs auf die Köpenicker Altstadt.

Eine letzte Hürde müssen wir zum Ende des Törns noch nehmen: Zum ersten Mal betanken wir selbst das Schiff. An einer Tankstelle, versteckt hinter einer kleinen Insel, die man von der westlichen Seite anfahren sollte, müssen wir zunächst drei Sportboote abwarten, ehe wir an der Reihe sind. Wir lassen uns auf dem Wasser treiben, denn Anlegen können wir hier nicht. Dafür schauen wir den anderen Crews zumindest aus der Ferne etwas ab: Schiffsführer melden sich im Tankhäuschen an der Straße an, hinterlegen ihren Ausweis als Pfand und die Zapfsäule wird freigeschaltet. Wir tanken voll, bezahlen, legen ab und drehen um. Die letzten Meter bis zum Heimathafen führen vorbei am Schloss Köpenick. Herr Löber wartet schon auf uns und weist uns einen Platz in seinem Hafen zu. Unsere Beine wollen sich nicht recht an das Festland gewöhnen. Wir nehmen den Rhythmus unseres Bootes mit zum Fähranleger, lassen uns zum anderen Ufer übersetzen und kehren zurück in die Großstadt, die wir in den letzten drei Tagen und während der 150 Kilometer auf dem Wasser so gar nicht vermisst haben.

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