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Bundesgartenschau in Schwerin

Bundesgartenschau in Schwerin

Seit 2003 bereitet sich die Landeshauptstadt auf die diesjährige Bundesgartenschau vor. Rund um die Schlossinsel und unweit der innerstädtischen Fußgängerzone öffnen sieben unterschiedliche Themengärten.

Die diesjährige Bundesgartenschau steht unter dem Motto „Sieben Gärten mittendrin“. Mittendrin heißt: mitten in der Stadt. Denn schaut man auf die vergangenen 30 Jahre zurück, fanden die Gartenschauen stets außerhalb der Innenstädte statt. Das ändert sich nun in Schwerin, dessen prunkvolles Schloss den glänzenden Ankerpunkt im Blütenmeer der sieben Themengärten bilden wird. Der letzte, 1857 fertig gestellte Umbau des Schlosses gilt als Muster des romantischen Historismus und nahm sich französische Renaissancechâteaus an der Loire zum Vorbild. In der einstigen Residenz der Mecklenburger Herzöge und Großherzöge tagt heute das Landesparlament. Zu den Sitzungen sieht man Regierung und Opposition über die Schlossbrücke auf die kleine Insel im Schweriner See eilen. Rings der sechseckigen Schlossanlage nebst angebauter Orangerie befindet sich mit dem Burggarten die wohl vielfältigste und schönste Anlage der Buga. Das Ufer im Stil englischer Landschaftsparks wird zum Schloss hin von den Terrassen italienischer Renaissancegärten überragt. Der Rosengarten wird seine ursprüngliche Gestaltung von 1857 wiedererhalten und so das grüne Ensemble des Burggartens komplettieren, der das Herzstück der Bundesgartenschau bildet.

Spaziergang durch die Epochen

Dieser und weitere sechs Gartenanlagen entstammen den Konzepten von zumeist regional ansässigen Landschaftsarchitekten. Die drei Kernelemente der gestalterischen Auseinandersetzung bilden Historie, Altstadtnähe und Wasser. Den Auftakt mit Eingangs- und Empfangsbereich bildet der Garten des 21. Jahrhunderts. Er spiegelt aktuelle Tendenzen der Landschaftsarchitektur wider. Seinen Höhepunkt bildet die sogenannte „Schwimmende Wiese“. Auf einem leicht hügeligen Boden vor der Seekulisse geben 225.000 Stauden und 49.000 Blumen des Wechselflor die Illusion, als schwebten sie über dem Wasser. Der angrenzende Schlossgarten ist einerseits durch klare Linien und herrschaftliche Strukturen im Stil französischer Anlagen gekennzeichnet, integriert andererseits aber auch gegensätzliche Gartenkonzepte wie den Greenhouse-Garten von Peter Joseph Lenné, der einem englischen Landschaftspark nachempfunden ist. Das Nebeneinander der Jahrhunderte wird in der Ausstellung „Entwicklung der historischen Schlossgartenkultur“ ergänzend aufbereitet. Eingebettet in die vorhandene Gartenstruktur im Schlossgarten sind die Ausstellung Grabgestaltung und Denkmal, ein Irrgarten und ein Kinderspielplatz nach historischem Vorbild. Mit der Freilichtbühne befindet sich hier auch die zentrale Veranstaltungsstätte der Buga.

Küchengarten und Blumenhallen

Der Küchengarten, einst Gemüse- und Obstlieferant für den Speiseteller des Schweriner Großherzogs, zeigt heute neueste Züchtungen und Nutzpflanzen. Hier befindet sich mit den Ausstellungshallen für 20 wechselnde Blumenschauen der große Publikumsmagnet der Buga 2009. Der Naturgarten hingegen bietet mit dem Kinderbauernhof einen Streichelzoo für die kleinen Gäste. Für die Größeren sind hier Experimente und Simulationen aufgebaut, die etwas über die komplexen Zusammenhänge in der Natur erfahren lassen. Der Naturgarten blieb weitestgehend von Eingriffen verschont und bietet mit seinen morastigen Brüchen, Röhrichtzonen und Orchideenwiesen die thematische Verknüpfung zur Landschaftspflege.

Auf der gegenüberliegenden Seeseite erstreckt sich der Garten am Marstall. Hier erwartet den Besucher in offener Parkanlage eine Blütenpracht, in deren Mittelpunkt 8.100 Rosen stehen. Kleinen Inseln gleich sind in die Grünflächen Gartenkabinette eingebettet, die die vielfältigen Möglichkeiten der Gartengestaltung aufnehmen. Hier finden Hobbygärtner Anregungen für zu Hause. Eine begehbare Pontonbrücke wird über die Schlossbucht zum sogenannten Ufergarten hinüberführen. Hier soll ein Erlebnisbereich entstehen, dessen Thema die Verbindung zwischen Wasser und Land aufgreift. Für Entspannung der Bugagäste sorgen ein Badestrand und gepflegte Kaffehauskultur auf einer Terrasse. Alle Gärten lassen sich mit Spaziergängen rund um das Schloss erreichen, und auch die Altstadt ist nur einige Schritte entfernt.

Van Gogh hat einmal gesagt: „Die Normalität ist eine gepflasterte Straße. Man kann gut darauf gehen – doch es wachsen keine Blumen auf ihr.“ Bundesgartenschauen versuchen dieses Bild zu korrigieren. Das Ziel der Ausrichter ist es, das Pflaster der Normalität nicht nur von April bis Oktober eines Jahres aufzubrechen, sondern die gärtnerische Umgestaltung in den Austragungsorten nachhaltig wirken zu lassen. Für die Schweriner, die ohnehin mit einer außergewöhnlich reizvollen Innenstadt gesegnet sind, gewinnt somit der Alltag über 2009 hinaus an Lebensqualität und Blumenfreude.

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