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Ein Revier für Genießer

Ein Revier für Genießer

Von Neuruppin nach Lindow

Erster Halt ist die Schleuse Alt Ruppin. Hier halten die Schleusenwärter noch Mittagspause zwischen 12 und 14 Uhr, sodass wir an der Wartestelle festmachen und einen Spaziergang unternehmen. Weit kommen wir nicht, denn im alten Speicher direkt neben der Schleuse befindet sich der Kornspeicher Neumühle. Auf vier Etagen hat der Tischlermeister Manfred Neumann mehrere hundert noch unrestaurierte Schätze aus Holz zusammengetragen – von Schränken aller Art, über Klaviere und Flügel, bis zu Rahmen u.v.a.m. Ist Neumann in seiner Werkstatt, so darf man die Lageretagen und die Ausstellungsräume mit 50 restaurierten Stücken nach Herzenslust durchstöbern. Um 14 Uhr öffnen sich pünktlich die Schleusentore. Vor uns liegt eine Kette aus drei schmalen, langgestreckten Seen. Die leicht ansteigenden Ufer sind gesäumt von

Sommergrundstücken in waldiger Lage, meist mit eigenem Bootsstegs und Badeleiter. Kurz hinter der Siedlung Zermützel gelangen wir in den erst 1900 schiffbar gemachten Rhin, die Fahrrinne ist durch Dalben gekennzeichnet, die mit Baumstämmen und Ketten verbunden sind. Hier ist die Sumpflandschaft des Rhinluchs noch sichtbar, flache Bäume stehen auf morastigem Grund. Fast vier Kilometer mäandert der Fluss durch diese einsame und besonders anmutende Landschaft.

Die schmale Fahrrinne wird durch den Möllensee unterbrochen, der sich langgestreckt in südlicher Richtung ausdehnt. Nach kurzer Kanalstrecke erreichen wir den Gudelacksee. Lindow mit seinem Yachthafen befindet sich am westlichen Ufer. Wir passieren die mitten im See thronende Insel Werder und erreichen nach vier Kilometern Fahrt den gut ausgebauten Yachthafen Lindow. Vom freundlichen Hafenmeister bekommen wir einen Liegeplatz am Quersteg zugewiesen und legen längsseits an. Dank seitlicher Flügeltür haben wir direkten Stegzugang aus unserem schwimmenden Heim. Der Hafen verfügt über modernste Infrastruktur, saubere Sanitäranlagen und einen traumhaften Blick auf den See. Direkt an den Hafen grenzen das Lindower Freibad und ein kleiner Spielplatz. Lindow ist ein stolzes Ackerbürgerstädtchen mit einer unerwartet hohen Dichte an Restaurants und Bäckereien. Der Abendspaziergang führt über den Marktplatz zum Wutzsee, an dessen Ufer die Ruinen des alten Lindower Klosters stehen. Die Veranda der Pizzeria direkt am Marktplatz ist gut gefüllt an diesem lauen Sommerabend. Der Service ist freundlich und wir kehren gut gestärkt aufs Boot zurück.

Robinson Crusoe im Gudelacksee

Wo gibt es noch sowas: Eine große unbewohnte Insel mitten in Deutschland? Hier im Gudelacksee. Die Insel Werder, nun besser bekannt unter dem Namen Inselkind Werder, wurde vor einigen Jahren privatisiert und kann nun für Abenteuerurlaube fernab der Zivilisation angemietet werden. Wer nicht so lange bleiben möchte, meldet sich für eine Führung beim Verwalter der Insel an oder aber nutzt den öffentlich zugänglichen Wasserwanderrastplatz. Ein kleiner Steg, ein provisorischer Unterstand von Anrainern, zwei Rastplätze und eine kleine Rasenfläche sind zugänglich. Dahinter beginnt der Privatbesitz. Für eine Mittagspause mit Inselflair aber genau richtig und die Kinder genießen den Landgang.

Die Fahrt zurück geht wieder entlang der Seenkette bis nach Neuruppin. Schöne Natur, kaum Verkehr – Urlaub! In Neuruppin nutzen wir den Anleger direkt an der Hafenpromenade, Wir gönnen uns den Besuch der Fontane-Therme und relaxen abends an Bord.

Von Neuruppin nach Kremmen

Über den Ruppiner See passieren wir unseren Starthafen Wustrau und schippern weiter zur Schleuse nach Altfriesack. Hier erwartet uns ein besonderes Schleusenambiente, das wir bisher nur aus Frankreich kennen: ein sich leicht oval öffnender Wartebereich vor einer stählernen Klappbrücke aus dem Jahr 1927. Direkt dahinter liegen zwei Schleusenkammern. Nach der Schleuse durchqueren wir auf einer betonnten Strecke den Bützsee. Üppige Natur umgibt den nachfolgenden Kanal, wir fahren in das Gebiet des Kremmener Luchs, eines flachen Niedermoorgebietes, dessen Trockenlegung schon vor 300 Jahren begonnen wurde. Kurz vor unserem Etappenziel, der Seelodge bei Kremmen, passieren wir den 1926 unter Naturschutz gestellten Kremmener See. Nach weiteren vier Kilometern weitet sich der Rhin seeartig. Schon von weitem sehen wir die Seelodge auf 64 Pfählen über dem Wasser thronen. Direkt neben dem weißen Haupthaus befindet sich das zum Ensemble gehörende Strandbad Kremmen, dessen Schwimmbereich von einer erhöhten Steganlage umschlossen ist. Zur ersten Anmeldung nutzen wir die mit Dalben gesicherte Anlegestelle der Weißen Flotte und gehen längsseits. Kein Fahrgastschiff ist in nächster Zeit angekündigt und wir dürfen gegen einen kleinen Obolus von zehn Euro über Nacht hier liegenbleiben. Weitere Liegeplätze befinden sich am zur Seelodge gewandten Stegausläufer.

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