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Segeln auf der Müritz

Segeln auf der Müritz

Die Müritz ist ein ideales Revier für eine Auszeit zwischendurch: abwechslungsreich, beste Wasserqualität und gut erreichbar. Genug Gründe für mich, ein Boot für eine Woche an der Müritz zu chartern.

Manchmal brauche ich einfach eine Auszeit. Nach anstrengenden Tagen unter Hochspannung hat man wenig Lust, nur am Strand zu liegen oder ein Buch nach dem anderen im heimischen Wohnzimmer zu verschlingen. Ich für meinen Teil habe dafür die perfekte Erholung entdeckt: das Segeln. Der Geist bleibt frisch, der Körper kommt gemäßigt in Bewegung, und ich bin in bester Gesellschaft mit meiner Mannschaft und den Elementen.

Die Müritz ist ein ideales Revier für eine Auszeit zwischendurch: abwechslungsreich, beste Wasserqualität und gut erreichbar. Genug Gründe für mich, ein Boot für eine Woche an der Müritz zu chartern. Was heißt da „ein Boot“. Nicht irgendeines – wenn schon, denn schon – sollte es eines der größten auf der Müritz sein: Die Bavaria 33 Cruiser, stolze 10,58 Meter Länge und mit einem denkwürdigen Tiefgang von 1,50 Meter. Das am 15 Meter hohen Mast gespannte Tuch bietet 64,1 Quadratmeter Segelfläche am Wind auf. Rollreffgenua und Rollgroß erleichtern die Arbeit an Bord.

Geschichten rund um Rechlin

Die moderne Fahrtenyacht mit Namen „Struppi“ übernehmen wir in der Marina Müritz von Yachtcharter Logisch, der mit zwölf Segelyachten und weiteren Motorbooten vor Ort ist. Die Einweisung erfolgt unkompliziert und versiert. Thorsten Guttzeit, der Inhaber selbst, zeigt uns alles und steht für jegliche Fragen zur Verfügung. Das Schiff ist in einem sehr gepflegten Zustand. Schon male ich mir aus, wie eine lange Schramme am Rumpf von unserer kleinen Auszeit den nachfolgenden Seglern verkündet: Hier waren zwei Anfänger an Bord. Wir werden alles daran setzen, das zu vermeiden.

Die Marina Müritz am Claassee liegt am südöstlichen Ufer der Müritz im Ortsteil Rechlin-Nord. Nur durch einen 170 Meter langen Stichkanal mit der Müritz verbunden, ist sie bestens vor Wind und Schwell aus allen Richtungen geschützt. Die große Anlage verfügt über mehrere Schwimmstege, die landseitig an eine moderne Infrastruktur anbinden. Auf dem Gelände der Marina Müritz befindet sich der Hauptsitz des Charterunternehmens Kuhnle Tours mit dazugehöriger Werft, das Restaurant „Captain’s Inn“ sowie der angrenzende Ferienpark Müritz, dessen Panoramaturm von weitem sichtbar ist. Nur wenige Schritte von unserem Liegeplatz entfernt informiert das Luftfahrtechnische Museum Rechlin über die Geschichte Rechlins als Erprobungsstelle der Luftwaffe seit 1918 sowie der spannenden Nachkriegsgeschichte der Anlage als Schiffswerft und Stützpunkt der Roten Armee/GUS (bis 1993) sowie der NVA bis 1990. Heute betreibt die Bundeswehr noch Teile des angrenzenden Geländes als Lager- und Archivstätte. Die Nutzung der Sanitäranlagen sowie des Stromanschlusses am Steg erfolgt in der Marina über Chipkarten, die im Büro des Hafenmeisters aufgeladen werden.

Segeln auf der Müritz © Magazin Seenland
Der Wind schläft ein und wir motoren zurück in den Hafen.
Übung macht den Meister

Schnell lernen wir, dass das Segeln auf der Müritz eine entspannte Sache ist. Unseren hohen Mast können wir nicht legen, und so stehen einige natürliche Begrenzungen unserer Abenteuerlust entgegen. Brücken und Stromleitungen versperren die Fahrt in Gewässer abseits der Müritz, und der Tiefgang unserer Yacht lässt die Anzahl der ansteuerbaren Häfen auf eine Handvoll sinken. In diesem Fall empfinden wir es als schön, dass äußere Faktoren die Wahl einschränken und wir nicht Opfer unserer Neigung werden, nichts verpassen zu wollen. Zumal man auf den aktuellen Wasserstand der Müritz sowieso keinen Einfluss nehmen kann, und über 117 Quadratkilometer Wasserfläche wollen auch erst einmal erkundet werden. Die Müritz ist der größte Binnensee innerhalb der Grenzen Deutschlands. Ihre maximale Tiefe beträgt 33 Meter, im Durchschnitt jedoch nur sechs Meter. Die Nord-Süd-Ausdehnung erreicht 29 Kilometer und die größte Ost-West-Ausdehnung 13 Kilometer. Die mittlere Höhe des Seespiegels liegt bei 62,5 Meter über Normalnull.

Ausgestattet mit guten Wasserkarten wagen wir uns auf einen kleinen, ersten Schlag zum Yachthafen Rechlin an der Kleinen Müritz, keine fünfeinhalb Kilometer Fahrstrecke entfernt. Vorsichtig motoren wir aus dem geschützten Hafen. Wir nehmen zuerst Kurs auf die freie Müritz. Kein anderes Schiff weit und breit. Es ist ruhiges Wetter. Der Wind weht mäßig mit zwei bis drei Beaufort. Schönes Übungswetter, beschließen wir. Wir drehen in den Wind und setzen die Segel. Anfangs noch zaghaft, doch dann beherzt. Kurs gesetzt, Motor aus, und unsere „Struppi“ nimmt Fahrt auf. Ein erhebendes Gefühl! Doch bevor zuviel Übermut aufkommt, nutzen wir die freie Wasserfläche und üben Manöver: Wenden, Halsen, Beidrehen. ,,Struppi“ ist ein gutmütiges Schiff. Mit den Tauen, Winschen und Fallenstopper freunden wir uns zügig an. Wir wechseln uns am Ruder ab, sodass jeder die Farbbedeutung der einzelnen Taue kennenlernt und Sicherheit durch Übung gewinnt. Ein tolles Gefühl, das Boot unter Kontrolle zu haben und die Kraft der Elemente zu nutzen.

Die Zeit vergeht wie im Flug, und wir legen am Außensteg des Yachthafens Rechlin an. Der große Quersteg ist leer, und wir können ohne Hektik unter Motor längsseits anlegen. Wir decken uns am Kiosk mit Zeitschriften ein und bunkern die letzten Vorräte aus dem nahen Supermarkt. Nach einer Dreiviertelstunde ist alles im Boot verstaut, und wir genießen einen Kaffee auf der Terrasse des Ferienzentrums Rechlin. Noch bevor die Dämmerung einbricht, starten wir wieder zurück zur Marina Müritz. Den Abend lassen wir bei Lagerfeuer und frisch Gegrilltem am Ufer der Müritz ausklingen. Das Hafenrestaurant sorgt für Brennholz, Sitzbänke am Ufer und die kulinarische Bewirtung.

Gastfreundschaft beim Röbeler Segler-Verein

Für den zweiten Tag entscheiden wir uns für einen kurzen Schlag nach Röbel, der zweitgrößten Stadt am Ufer der Müritz. Schon bei der Überfahrt nach Röbel wimmelt es nur so von Booten. Eine kleine Regatta findet auf der Müritz statt, und etliche junge Segler kämpfen um die beste Platzierung. Wir legen beim traditionsreichen Röbeler Segler-Verein Müritz an, der zu einem der größten Vereine in der Müritz-Region gehört. Der Verein verfügt über eine moderne Schwimmsteganlage und ein schönes Vereinsgelände. Gastlieger erhalten einen kleinen Elektrochip, mit dem sie Zutritt zum Sanitärtrakt erhalten. Auch von Wohnmobilsten wird das weitläufige Gelände gern genutzt. Morgens macht eigens eine kleine Backstube mit Brötchen- und Zeitungsservice für einige Stunden auf. Solch einen Service wünsche ich mir überall. Auf der Terrasse des Restaurants „Seglerheim“, direkt an der Stadtpromenade von Röbel, nehmen wir unser Mittagessen ein und genießen den Blick über den Hafen. Den Rest des Tages erkunden wir die kleine Stadt, fachsimplen mit anderen Seglern im Hafen und lassen den Tag vorbeiziehen. Die Nacht wird in Röbel verbracht.

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