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Einmal Müritz und zurück

Einmal Müritz und zurück

Um unsere gemeinsame Fahrt zum Vergnügen werden zu lassen, haben wir schon beim Frühstück die Aufgabenteilung an Bord in Ruhe besprochen. Insbesondere das Schleusen sorgt bei Freizeitkapitänen häufig für Aufregung. Mit einer vierköpfigen Crew wie der unsrigen gibt es hierzu jedoch keinen Grund, denn alle wissen, worauf zu achten ist. Aus dem Hafen kommend halten wir uns rechts und gelangen über den Hüttenkanal zur Schleuse Wolfsbruch – unser erster Test. Vor- und Achterleine werden besetzt, ich halte an der Mittelklampe Ausschau und unser Skipper steuert das Schiff ruhig und zielsicher in die Schleusenkammer.

Wichtigster Grundsatz beim Schleusen ist, …

… dass Leinen niemals belegt werden dürfen. Unsere beiden Crewmitglieder legen das Tauwerk um die passenden Poller und führen das lose Ende fest in der Hand. So liegt das Schiff sicher an der Schleusenwand, wird von Fendern geschützt und alle haben ein Auge darauf, dass die Yacht frei nach oben geschleust werden kann. Die Schleuse Wolfsbruch hat nur wenig Hub. Der Test ist schnell und mit Bravour gemeistert. Noch eine kleine Weile schlängelt sich der Hüttenkanal hinter Wolfsbruch durch Wiesen und Felder, die Silhouette von Kleinzerlang taucht hinter den Wipfeln hervor und schließlich weitet sich das Wasser zum Pälitzsee.

Als Orientierung dient uns das linke Ufer. Wir folgen diesem im nordwestlichen Lauf und schon bald liegt Schleuse Canow voraus – Test zwei. In gleicher Weise bewältigen wir heute noch die Schleusen Diemitz und Mirow und sind im Nu – vier Schleusen, fünf Seeüberquerungen und 18 Wasserstraßenkilometer weiter – eine eingespielte Crew. Wir sind bereit für die Müritz, die Fahrt über Deutschlands größten Binnensee.

Perfekte Lage: Der Stadthafen in Malchow bietet vom Liegeplatz aus einen Panoramablick auf Drehbrücke und Kloster.

Fränkisch-preußische Nachbarschaft

Grün ist heute unsere Farbe. An den Tonnen dieser Farbe halten wir uns parallel zum westlichen Ufer, denn das Etappenziel ist der Schlosshafen von Klink – bis dahin wollen wir die halbe Müritz nehmen. Sanft und ruhig liegt das große Wasser vor uns. Kaum zu glauben, dass manch Einheimischer von der Müritz mit Grausen, wildem Wellengang und Sturm berichtet. Wir sehen weit, erfreuen uns an frischer Luft und dem sanften Schaukeln. Am linken Ufer passieren wir Ludorf und bald die zwei Kirchtürme von Röbel. Die Sietower Bucht ist in Sicht und der markante Turm von Schloss Klink lässt uns sicher auf Kurs bleiben. Bei so viel Idylle schalten wir gern einen Gang zurück und lassen uns langsam gleiten. Gut, dass wir so viel Proviant gebunkert haben – eisgekühlte Getränke erfreuen die gesamte Crew und die Musik der Beach Boys macht die Stimmung perfekt.

Das Anlegemanöver in Klink gereicht schließlich zur Nagelprobe unserer frisch gebackenen Bootscrew. Wir haben es kaum bemerkt, doch zwischenzeitlich ist der Wind deutlich aufgefrischt und wir spüren ihn beim Einlaufen in den Hafen am Schloss Klink als deutlichen Seitenwind, der uns einige Abdrift bereitet. Sowieso scheint die Kraft des Windes in diesem Hafen deutlich mehr geschätzt zu werden als andernorts in der Seenplatte – zumindest fällt die große Anzahl von Segelbooten auf, die hier vertäut liegen. In ihren Wanten surrt der Wind, die Schäkel der Falle klappern im Rhythmus der Wellen und das Panorama der offenen Müritz geben diesem Ort wahrlich ein Flair wie am Meer.

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