Wir öffnen die Schiebetür, die in den Rumpf der Malge führt und sind erstaunt. Ein relativ geräumiger, gemütlicher Wohnbereich erwartet uns unter Deck. Die ersten begeisterten Rufe ertönen, als wir die drei Kabinen, die Bäder en suite und die kleine, voll ausgerüstete Küche inspizieren. Herd, Backofen, Kühlschrank, Sonnenterrasse: Alles, was wir brauchen, ist da – fehlt nur noch ein Käpt‘n und eine kompetente Crew. Aber das kriegen wir auch noch hin.

Wer ist der Käpt‘n?

Ich öffne die Tür, als ein Mitarbeiter von Locaboat anklopft. Der Hafenarbeiter Thomas wird uns in die Geheimnisse des Bootfahrens einweisen. „Wer ist der Käpt‘n?“ -– auf diese Frage habe ich mich tagelang vorbereitet. Schließlich bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich als Reporterin, die keine noch so großen Abenteuer scheut, das Steuer in die Hand nehmen muss. Ein leises, unsicheres „Ich“ schlüpft mir über die Lippen und Thomas sieht mich skeptisch an. „Na dann komm‘ mal mit, wir machen jetzt den praktischen Teil.“ Jetzt sofort? Raus auf den See fahren? Nervös frage ich, ob mich meine Mannschaft begleiten darf. Natürlich darf sie das, schließlich müssen alle lernen, mit diesem Boot umzugehen.

Als erstes drehe ich den Zündschlüssel um, dann zeigt uns Thomas, wie wir die Leinen vom Steg abmachen und dann geht es rauf auf den Außenstand. Bei diesem Wetter nicht der angenehmste Ort, aber von hier oben kann ich alles bestens überblicken. Und schließlich bin ich es, die jetzt das Boot aus dem Hafen lenken soll. Eigentlich sollte man bei Windstärke 4 nicht mehr hinausfahren, „aber irgendwas müssen wir ja üben, bevor ihr allein losfahrt“, meint Thomas. Das Ausparken klappt schon ganz gut. Auf dem See merke ich, warum es keine gute Idee ist, bei Wellen, die schon weiße Schaumkronen tragen, hinauszufahren. Zum Glück ist das nur eine Übung.

Bootstour, Oberseen, Müritz, Kleinseenplatte © Magazin Seenland
Ein Spätsommerabend an Deck der Malge,
umgeben vom stillen See und leuchtenden Bäumen.

Wir drehen ein paar Runden, probieren Lenkmanöver und lernen, wie man am besten bei Wind in den Hafen einfährt. Das Vor-zurück-vor-zurück-Prinzip beim Einparken habe ich schon ganz gut drauf. Lobende Worte von der Mannschaft. Durchgefroren geht es jetzt zu Nancy, die uns die Theorie des Bootfahrens näher bringen soll. Im kleinen Aufenthaltsraum ist es schon gemütlicher und bei Gummibärchen und Kaffee lässt es sich ganz gut Verkehrsregeln pauken. So viel zu lernen gibt es aber gar nicht und so entlässt Nancy uns nach einer Dreiviertelstunde mit unserem Charterschein. Jetzt bin ich also Bootskäpt‘n für sieben Tage.

Auf hoher See

Der Wind lässt an diesem Abend nicht mehr nach und so verbringen wir die erste Nacht noch am Steg von Locaboat. Nachts schlägt das Wasser kräftig gegen den Bootsrumpf und wir werden in unseren gemütlichen Kabinen in den Schlaf geschaukelt.
Ein Blick durch das Kojenfenster am nächsten Morgen verheißt Gutes: Nur wenige zerrupfte Wölkchen hängen zwischen dem blauen Himmel und dem stillen See. Es kann also losgehen. Gefrühstückt wird mit warmen Brötchen, Rührei und Kaffee – das Leben unter Deck findet seinen perfekten Start.

Als wir endlich aus dem Hafen fahren, werden uns vom Steg aus Anweisungen zugerufen, mit deren Hilfe wir mehr oder weniger elegant auf den Fleesensee hinausfahren. Wir halten Ausschau nach den roten und grünen Bojen und tuckern ganz entspannt, die Fahrrinne entlang, in Richtung Plauer See. Ein angenehmer Wind streicht uns über die Gesichter, die Haare aus der Stirn, und wir fühlen uns schon in die Zeiten von großen Seefahrern, wie Humboldt oder Kolumbus, versetzt. Volle Fahrt voraus! Aber nach etwa einer halben Stunde ist das große Seefahrerglück erst einmal vorbei. Es heißt Warten an der Drehbrücke Malchow. Die Brücke öffnet immer zur vollen Stunde und wir haben noch Zeit. Also werfen wir kurzerhand vor Malchow die Leinen aus und machen uns auf die Suche nach etwas Essbarem. Mit vollgepackten Einkaufstüten geht es zurück an Bord und die Mannschaft macht sich bereit zum Ablegen. Die Drehbrücke ist eine Touristenattraktion, die Durchfahrt wird zur Show und bei all der Aufmerksamkeit, die wir und unser Boot plötzlich bekommen, vergesse ich beinahe die Spende für das Klingelsäckchen des Schleusenwarts.