Besuch in Plau am See

In Plau am See legen wir an. Direkt hinter dem kleinen Aussichtsturm finden wir ein Plätzchen, bezahlen die Hafengebühr für vier Stunden und dann wird gekocht. Auf der Sonnenterrasse essen wir Mittag, zwar in unsere Jacken und Schals eingepackt, aber unter der strahlenden Herbstsonne. Auf unserem Deck sind wir die Touristenattraktion und fühlen uns etwas beobachtet, als dann auch noch Fotos gemacht werden.
Nach dem Essen machen wir uns auf, Plau zu erkunden. Von der blauen Hubbrücke aus beobachten wir den kleinen Fluss. Die Brücke wurde 1916 errichtet und ist mit einer maximalen Höhe von 1,86 Metern die höchste Hubbrücke Mecklenburgs. Im Burgturm, der von der einstigen großen Festungsanlage übrig geblieben ist, werfen wir Centstücke in das elf Meter tiefe Verlies. Hier wurden im 15. Jahrhundert Diebe und Gauner bis zu drei Monate im Dunkeln, ohne Toilette nur mit Wasser und Brot eingesperrt. Oben, in der Turmspitze, zieht die Turmwächterin uns extra die große Uhr ohne Ziffernblatt auf. Ein wirres Zahnradkonstrukt setzt sich in Gang. Früher hätte man die genaue Uhrzeit nicht gebraucht, es galt nur, dass die Arbeit für den Tag geschafft war, berichtet uns die Wächterin. Dann schallt die Glocke.

Blick von Plau auf den gleichnamigen See.

Anker lassen

Die Luft wird kühl und der Himmel färbt sich orange, als wir wieder zu unserer Malge zurückkehren. Wir machen die Leinen los. Das Abendlicht wollen wir noch nutzen, um eine kleine Bucht im Plauer See zu finden, wo wir über Nacht ankern können. Wir ankern vor einem von Schilf bewachsenen Ufer, die hohen Bäume werden im abendlichen Schummer schon undeutlich und werfen dunkle Schatten auf den See. Um das Boot herum gibt es bald nur noch ein diffuses Scheinen auf der Wasseroberfläche und hohe, dunkle Baumreihen, die im leichten Wind ein schönes Abendrauschen über die Bucht legen. Die Nacht ist klar und nachdem wir eine Weile über Deck gestanden und die Sterne bestaunt haben, gibt es Abendbrot: Spaghetti mit Tomatensauce. An diesem Abend notiere ich mir einen weiteren Punkt auf meine Wunschliste für die Zukunft: Ein Seegrundstück.

Mit Gepolter über den Kölpinsee

Um sieben Uhr springt der Motor an. Das Rasseln der Ankerkette ertönt. Ich liege noch in der Koje, schaue verschlafen aus dem Fenster. Das Ufer sieht gefährlich nah aus. Ich gehe an Deck und entdecke einen Teil der Mannschaft, der schon schwer am arbeiten ist. Nachts sind wir immer weiter an das Ufer getrieben, scheinbar lag der Anker nicht fest genug. Jetzt heißt es Vollgas geben, zum Glück habe ich eine so aufmerksame Crew.
Die nächste Katastrophe bahnt sich an: Es gibt nichts Essbares mehr auf dem Boot und wir müssen schleunigst irgendwo einen Bäcker finden. Um acht Uhr fahren wir zurück nach Malchow, die Drehbrücke öffnet erst um zehn. Es bleibt also genug Zeit, um anzulegen und Brötchen kaufen zu gehen.

Malchow, Luftkurort in der Seenplatte mit Altstadt in Insellage.

Draußen regnet es. Frühstück gibt es heute unter Deck. Wir haben eine lange Strecke vor uns: Heute Abend wollen wir im Hafen von Waren an der Müritz anlegen und dort die Nacht verbringen.
Schaumkronen liegen auf den Wellen, als wir über den Kölpiner See fahren. Heftig schlagen sie gegen den Bootsrumpf. Das bedeutet Windstärke vier, bei der man eigentlich nicht auf den See rausfahren soll. Da mit uns noch andere Boote die Überfahrt wagen, lassen wir uns nicht einschüchtern. Ich bin heute Kapitän und bringe das Boot souverän durch den Sturm. Nach einer holprigen Tour erreichen wir die Binnenmüritz, wo der Seegang nachlässt. Der Wind bläst trotzdem noch kräftig, als ich in den Hafen einfahre. So werde ich in den engen Durchfahrten beinahe gegen eine ziemlich teuer aussehende Yacht geweht, den großen Rums kann ich aber verhindern.
Wer in Waren über Nacht am Hafen anlegen will, muss etwas tiefer in die Schiffskasse greifen. 23 Euro bezahlen wir, sanitäre Anlagen nicht inbegriffen. Dafür haben wir einen schönen Blick auf den gemütlichen Hafen, den Glockenturm und kleine Cafés.
Ein Spaziergang durch das hübsche Städtchen fällt leider kurz aus, da es wieder anfängt zu regnen. Wir machen einen Abstecher über den mit Kopfstein bepflasterten Marktplatz, vorbei an Fachwerkhäusern. Als mein Regenschirm den Geist aufgibt, geht es wieder zurück unter Deck, wo wir einen gemütlichen Abend verbringen.