Ein Kulturausflug

Nach einem ruhigen Vormittag auf der Sonnenterrasse, fahren wir wieder in den Yachthafen Rheinsberg ein, um uns das Rheinsberger Schloss anzuschauen. In nur wenigen Minuten zu Fuß erreichen wir das hübsche Bauwerk. Das Wetter ist herbstlich, die Trauerweide und der dicke Kastanienbaum vor dem Schloss schwanken im aufkommenden Wind. Im Schloss folgen wir dem Audioguide und erfahren interessante Geschichten über die berühmten Schlossherren Friedrich der Große und Heinrich der Preuße, die die Räumlichkeiten gestalteten und belebten. Beeindruckend sind der Muschelsaal, dessen Stuck aus echten Muscheln und Korallen gestaltet wurde, die mit Schnitzereien geschmückten Türen und stuckverzierten, zierlich bemalten Decken und Wände. Auch die Dichter Kurt Tucholsky und Theodor Fontane schrieben über das Schloss am Ufer des Rheinsberger Sees, das sie anzog und inspirierte.

Auf dem Rückweg zum Boot dämmert es und der Herbstwind greift kühl unter unsere Jacken. Aufgeplatzte Kastanien und braune, vertrocknete Blätter liegen auf allen Wegen. Die Tage an diesem Septemberende werfen uns hin und her zwischen sommerlichen Temperaturen und eisigen Abenden unter Deck. Noch Gestern, erzählen uns die Nachbarn am Steg, hätten sie auf ihrem Deck grillen können, heute macht uns der Herbstwind die Haare wirr und wir müssen Mützen tragen.

So geht Urlaub auf dem Boot; ganz nah an der Natur.

Den Abend und die Nacht verbringen wir in einer kleinen Bucht auf dem Bikowsee, wo schon ein anderes Boot ankert. Zwischen Schilfwiesen und dichten Herbstbäumen lassen wir die schwere Ankerkette herab und schalten unser Ankerlicht ein. Kurz vor dem Schlafengehen müssen wir feststellen, dass der Wassertank nur einen Tag gereicht hat und nun vollends leer ist. Weder die Toiletten, noch die Wasserhähne funktionieren und so müssen wir mit dem Pütz auf dem Außendeck und dem Mineralwasser, das wir noch an Bord haben, improvisieren. Auftanken können wir erst wieder am nächsten Tag.

In Gedanken auf dem See

Der letzte Tag auf dem Boot bricht an. Es geht nach Fürstenberg, unserer Endstation. Dort müssen wir das Boot um neun Uhr früh am nächsten Morgen abgeben. Vorher füllen wir den Wassertank in Kleinzerlang auf. Draußen ist es kühl und windig, also machen wir es uns unter Deck mit heißem Kakao gemütlich.
Am Anleger von Locaboat verbringen wir den Abend und die letzte Nacht. Wir bringen das Unterdeck des Boots auf Vordermann und räumen die Kabinen auf. Am milden Abend sitzen wir auf dem Deck, wo wir ein letztes Mal von unserem Hausboot über die blanke Wasseroberfläche, die die herbstbunten Bäume spiegelt, schauen.
Am letzten Morgen geht alles ganz schnell. Die Sachen werden gepackt, auf den Steg gebracht und der Schlüssel übergeben. Wir verabschieden uns beim Hafenarbeiter und laufen, bepackt mit dem Gepäck von sieben Tagen, durch Fürstenberg zum Bahnhof.
Angekommen in Berlin. Hauptbahnhof. Wir sind umgeben von Menschenmengen, Stimmengewirr und Eile. Draußen rasen die Autos an uns vorbei, Baustellen versperren die Wege. Wir brauchen lange, bis wir endlich im richtigen Bus nach Hause sitzen. Zurück in der Großstadt wird uns plötzlich bewusst, wie langsam und still doch die letzte Woche war. Nachts spüre ich noch das Schwanken des Bootsrumpfs.

Dieser Törnbericht stammt aus der Ausgabe Seenland 2013.

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