Unterwegs in der Altmark

Nach einer geruhsamen Nacht setzen wir am nächsten Tag unseren Törn fort. Ein kurzes Stück weiter die Elbe entlang liegt Arneburg. Erst fahren wir an dem beschaulichen Städtchen vorbei, entscheiden dann aber kurzerhand umzudrehen und eine kleine Rast einzulegen. Der Hafenmeister ist sehr freundlich und lädt uns zu einem Plausch ein. Der Hafen wurde 2004 fertiggestellt und ist nun im Besitz einer Einheimischen. Der Aufstieg hoch nach Arneburg und zur ältesten Kirche der Altmark ist mit Kinderwagen beschwerlich. Dafür wird man mit einem fantastischen Rundumblick belohnt. Auf dem Rückweg kaufen wir beim Bäcker Herre ein paar Stück Kuchen für den Nachmittagskaffee.

Als wir weiterfahren, zieht auf der Elbe ein Gewitter auf. Alle verziehen sich in den Salon und der dortige Steuerstand kommt zum ersten Mal zum Einsatz. Die Zeit drinnen wird genutzt, um herauszufinden, was eigentlich der Bootsname „Heruler“ bedeutet. Die Internetverbindung mit dem Smartphone ist für die zivilisationsbefreite Landschaft erstaunlich gut, sodass Wikipedia Auskunft geben kann: ostgermanischer Stamm im dritten Jahrhundert nach Christus. Was das allerdings mit Hausbootfahren zu tun hat, kann uns Wikipedia nicht verraten.

Als das Wetter wieder besser wird, biegen wir in den Schleusenkanal Richtung Havelberg ein und lassen uns zur Stadt schleusen. Die Aussicht vom Schiff ist herrlich und wir sehen schon vom Hafen aus den Dom von Havelberg. Mitten im Kanal ist eine Fontäne, die das Wasser zehn Meter hoch in die Luft wirft. Ben ist von dem großen Springbrunnen begeistert.
Eigentlich wären Havelberg und sein Dom einen Aufenthalt wert. Aber diesmal entscheiden wir uns gegen Kultur und Geschichte und für den Spielspaß unseres kleinsten Crewmitglieds.

Zwei Schleusen liegen noch vor uns, bis wir unser nächstes Ziel, die Stadt
Rathenow, erreichen: Schleuse Garz und Schleuse Grütz. Das klingt nicht nur verwandt, beide Schleusen ähneln sich auch insoweit, als dass sie aus Rathenow ferngesteuert werden. Der dortige Landschaftspark „Optikpark“ hat einen eigenen Anleger. Wir haben großes Glück und ergattern einen der zwei Anlegeplätze. Der Optikpark entstand 2006 im Rahmen der Landesgartenschau. Farben und optische Phänomene stehen im Mittelpunkt des Parks, der auch für Kinder eine Menge bietet: diverse Spielplätze und ein kleines Tiergehege. Die „Großen“ können in begehbaren Farbhäusern, auf dem Parkfloß und in den weitläufigen Parkanlagen Entspannung finden. Farbprächtige Blumen, Stauden und was die Natur noch so bietet bereiten einen angenehmen Aufenthalt. Nach dem Parkbesuch machen wir noch einen kleinen Rundgang durch die Stadt. Am alten Hafen gleich hinter der Stadtschleuse entdecken wir das wohl eigenwilligste Denkmal der Stadt: Der sogenannte Schleusenspucker spuckt im Sekundentakt Wasser aus dem Mund in die Schleuse.

Auf unserer Weiterfahrt nehmen wir die Hauptstadtschleuse, um die Stadt zu verlassen. Die Havel führt uns an Premnitz vorbei in die untere Havel-Wasserstraße. Am Plauener See sind wir wieder auf dem Kurs, den wir auch bereits auf dem Hinweg hatten. Wir fahren durch Brandenburg, auf dem Silokanal, dann wieder entlang der Unteren Havel-Wasserstraße bis nach Ketzin. Das beschauliche Städtchen ist es wert, mindestens eine Nacht zu bleiben. In der Nähe von Ketzin liegt auch das Schloss Paretz, dass sich gut für einen Ausflug abseits des Wassers anbietet. Ketzin bietet einige Restaurants. Im Redo XXL bestellen wir selbstsicher tellergroße Burger. Für alle am Tisch ein großer Spaß. Die kulinarische Bewertung jedoch fällt gemischt aus.

Über die Potsdamer Havel geht es nach Werder. Dort machen wir einen Abstecher auf den Glindower See, wo wir am Anleger des Frucht-Erlebnis-Garten Petzow einen letzten Halt einlegen. Wir kaufen frisches Obst und stärken uns mit einem leckeren Mittagessen in der Orangerie. Über Schwielowsee an Caputh vorbei geht es dann auf den Templiner See Richtung Potsdam. Über den Wannsee nähern wir uns wieder unserem Ausgangspunkt, der Marina Lanke. Als wir das Boot zurückgeben und sich damit auch Ben von der Rettungsweste trennen soll, lässt er dies nur sehr wiederwillig zu. Mit dem Satz „Der Kapitän trägt immer die Rettungsweste“ hatte er die Weste zu Beginn der Reise zwar nur fürs erste akzeptiert. Als er dann jedoch die Pfeife daran entdeckt hatte, war er so begeistert, dass er die Wes-te zum selbstverständlichen Accessoire für die ganze Fahrt machte. Am Schluss der Reise wäre er natürlich gern noch etwas länger Kapitän gewesen, sodass wir dem nächsten Bootstörn entspannt entgegensehen.

Lesen Sie weiter in über 20 Jahresausgaben Magazin Seenland