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Großes Abenteuer auf dem „kleinen Meer“

Großes Abenteuer auf dem „kleinen Meer“

Tag 3: Von Mirow nach Waren (Müritz)

Der neue Tag beginnt, wie auch der letzte, mit verspätetem Aufstehen. Da wir allerdings nicht auf der Jagd, sondern im Urlaub sind, stört das niemanden. Nach dem Frühstück begeben wir uns auf lokale Erkundungstour: Netto ist nicht genug. Bereits bei der Ankunft ließ sich über die Baumwipfel ein Kirchturm erahnen, den es genauer unter die Lupe zu nehmen gilt. Außerdem gingen im Hafen Gerüchte, es gebe einen Fischereibetrieb mit Räucherfischverkauf im Ort. Klingt nach einer gelungenen Ergänzung unseres Proviants.

Der Kirchturm entpuppt sich als Teil einer Johanniterkirche, die, frisch saniert, einiges zu sehen bietet. Neben dem Kirchenschiff und der Fürstengruft wartet insbesondere der Glockenturm auf jeder Etage mit anderen Sehenswürdigkeiten auf. Macht man sich die Mühe, ihn zu erklimmen, gelangt man über eine Gemäldeausstellung eines regionalen Malers, über ein Johannitermuseum, einen Bücherbasar und das Glockengestühl hin zu einer Aussichtsplattform, die den Aufstieg eindrucksvoll belohnt.

Nach dem Abstieg geht es über die Liebesinsel, die über eine Brücke erreichbar ist, in Richtung Altstadt. Es gilt den Fischer und seine Ware ausfindig zu machen. Ohne großes Nachfragen gelangen die Nahrungssuchenden in die heiligen Hallen. Beute: Ein geräucherter Saibling und sechs Sprotten – das Abendbrot ist gesichert. Das heutige Ziel heißt Waren an der Müritz, dafür gilt es aber eben diese noch zu überqueren, also zurück zum Boot. Auf dem Rückweg erbeuten wir noch eine Piratenflagge in einem Tourismusshop, die an Bord umgehend gehisst wird.

Wider Erwarten gelingt das rückwertige Verlassen des Hafens in Mirow ohne größere Umstände und gibt den Weg frei in Richtung großer See. Das Schleusen bereitet uns nun keine Schwierigkeiten mehr und wir erreichen über die Müritz-Havel-Wasserstraße schließlich die Müritz. Pflichtgemäß nach Charterscheinreglung legen wir die Rettungswesten an, auch wenn sie nicht unbedingt dem aktuellen Berliner Schick entsprechen, und kündigen unsere Überfahrt beim Vercharterer telefonisch an. Die Müritz ist im Vergleich zu den von uns bisher überquerten Seen riesig und erwartet uns, nach anfänglich ruhiger Fahrt, mit auffrischendem Wind und nicht zu verachtendem Wellengang. Plötzliche Wetterwechsel sind an der Müritz nicht unüblich. Dabei entwickeln sich oftmals kurze, steile Wellen. Wir werden ordentlich durchgeschüttelt und müssen in den eineinhalb Stunden Überfahrt mehrfach unser Inventar wieder an den vorgesehenen Ort zurück räumen, da es, ob des Seegangs, ein Eigenleben inklusive Bewegungsdrang entwickelt. Doch die Navigatoren Jan und Xenia und Steuermann Johannes bringen das Schiff immer entlang der grünen Betonnung schließlich in den sicheren Warener Hafen. Erleichtert bald wieder festen Boden unter den Füßen zu haben, legen wir an.

Wieder einmal zeigt sich: Nautische Anstrengung und steife Brise fördern den Appetit, also müssen, nach der Anmeldung beim Hafenmeister, der frisch erworbene Saibling und die Sprotten nebst ein paar Gürkchen und Brot dran glauben. Während Johannes anschließend die „Santa Maria“ hütet, nutzen Hannah, Xenia und Jan die Gelegenheit und unternehmen einen Abstecher ins Ernst-Barlach-Theater in Güstrow. Der Warener Bahnhof macht es umsteigefrei mit einer Fahrzeit von 30 Minuten möglich.
Die verbliebene Einmanncrew treibt es am Abend in Richtung Waren-City auf der Suche nach Gesellschaft. Wenige Meter vom Anleger entfernt findet sich ein empfehlenswerter Irish Pub. Der Barkeeper zeigt sich als perfekter Touristenführer. Ob Fahrradverleih oder Räucherfischverkäufer, der Herr weiß immer Rat. Hier trifft man wahre Warener. Tagsüber, so meint er, ist die Touristeninformation am Marktplatz eine gute Anlaufstelle. Da er selber Angst vor dem Wasser hat, empfiehlt er Touren, die man trockenen Fußes bewältigen kann: Kranich- und Wisent-Touren etwa.

Klönschnack auf dem Achterdeck

Die Wisent-Tour startet direkt am Warener Hafen und führt durch einen Wald zum Damerower Werder-Wisentgehege. Die Kranich-Tour führt den festbeschuhten und fernglasausgerüsteten Kranichinteressierten im Herbst zu den Schlafplätzen der Kraniche, die sich hier sammeln, um noch einmal Kraft zu tanken, bevor Sie zu ihren Winterquartieren aufbrechen.
Nach einem ausgedehnten Gespräch mit Martin dem Barkeeper, bei dem Johannes auch viel über die Geschichte Warens erfährt, geht es ab in die Koje, morgen steht die Fahrt über die Oberseen auf dem Programm. Gute Nacht Waren!

Tag 5: Von Waren über Eldenburg und Malchow nach Plau am See

Das Team der „Santa Maria“ ist wieder komplett. Doch bevor die Reise weitergehen kann, muss der Abwassertank entleert werden. Einfacher gesagt als getan, keines der Crewmitglieder weiß genau wie das geht. Der Hafenmeister weiß Rat. Er weist uns den Weg zur Abwasserentsorgungsanlage. Ein wenig seemännisches Geschick ist schon von Nöten, um ein Schiff dieser Größe in die Bucht zu manövrieren, die ihm die gewünschte Erleichterung bringen soll. Doch am Ende geht alles glatt. Nun können wir Richtung Plau am See starten.
Über die Binnenmüritz und den Reeckkanal gelangen wir zum Fischerhof Eldenburg. Kurzerhand legen wir an und besorgen uns für den Mittagssnack frische Fischbrötchen. Über den Kölpinsee und Fleesensee erreichen wir die Stadt Malchow. Weiterfahrt nur stündlich zur Öffnung der Drehbrücke möglich. Hoffnungsvoll nähern wir uns der Brücke, denn der Gegenverkehr passiert diese gerade. Doch dann die Enttäuschung: Die Ampel bleibt rot. Unsere Seeseite wurde bereits vor unserer Ankunft durchgelassen. Also sehen wir zu, wie sich die Drehbrücke schließt, legen am Wasserwanderrastplatz an und erkunden die quasi auf einer Insel zwischen dem Malchower See und dem Fleesensee gelegene malerische Altstadt. Der Rundgang durch die ehemalige Textilstadt Malchow dauert doch länger als angenommen, erst die übernächste Öffnung der Brücke nutzen wir zur Durchfahrt.

Über den Fleesensee und Plauer See erreichen wir Plau am See. Direkt am jüngsten Wahrzeichen der Stadt, dem Leuchtturm, finden wir einen Liegeplatz im gerade erst fertiggestellten Hafen am Leuchtturm, Blick auf den See inklusive. Hubbrücke und Zentrum sind über die neue Uferpromenade mit Namen Metow in 5 Minuten erreichbar. Bevor die Sonne versinkt, erklimmen wir den fast 14 Meter hohen Leuchtturm (täglich geöffnet) und genießen den Blick auf den Plauer See – immerhin der siebtgrößte in Deutschland. Zum Abendessen genießen wir Eldenräuber an Weißweinsauce, Thymiankürbis und Wildkräuterecken im Fischerhaus. Der frische Barsch der Plauer Fischer überzeugt uns sofort.

Tag 6: Plau am See nach Wesenberg

Noch vor den ersten Sonnenstrahlen ist das Boot mit Leben gefüllt. Immerhin steht heute die Rücktour an, die es an einem Tag anstatt der eigentlich nötigen zwei Tage zu bewältigen gilt. Dafür müssen wir die Drehbrücke in Malchow zur ersten Öffnung um 9 Uhr passieren.
Dieses Mal meint es die Müritz gut mit uns und der komplette Rückweg verläuft bei schönstem Wetter und dank Nebensaison nahezu wartefrei an den Schleusen. Kurz vor der Ankunft in Priepert müssen wir noch eine Hürde meistern. Wir sollen tanken. Da wir uns am Ende der Saison befinden, hat nur noch die Marina Wesenberg Treibstoff für uns, also fahren wir an Priepert vorbei Richtung Wesenberg. Die Tankstellenwärter staunen nicht schlecht, als wir unser riesiges Boot mit Leinen verkehrt herum in die Tankbox manövrieren. Doch alles Kunststück ist vergebens. Wir müssen regulär einparken – wenn uns das doch jemand vorher gesagt hätte. Also Kommando zurück.

Die letzte Nacht verbringen wir in Wesenberg, wo wir uns von Jan und Hannah verabschieden, die schon heute zurück nach Berlin müssen. Wir bestellen beim Hafenkiosk frische Brötchen für den Morgen und lassen den Abend zu zweit ausklingen. Gute Nacht Wesenberg.

Tag 7: Wesenberg – Priepert

Der letzte Morgen fordert Xenia und Johannes noch einmal besonders: zu zweit ein Ablegemanöver fahren mit dem Wissen, gleich zu zweit schleusen zu müssen. Die Nervosität steigt, doch die letzten Tage waren nicht vergebens. Im eingespielten Team lässt sich die Yacht souverän durch die Schleuse bugsieren. Nun sind es nur noch wenige Meter bis nach Priepert, wir passieren noch einmal die überdachte Holzbrücke bei Ahrensberg. Ein bisschen Wehmut kommt schon auf, doch die schönen Erinnerungen an die letzten Tage machen es wett. Schließlich laufen wir wieder in unseren Heimathafen ein. Priepert voraus.
Wir sind uns alle einig, das soll nicht das letzte Mal gewesen sein auf der Mecklenburgischen Seenplatte.

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