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Kreisläufe des Lebens

Kreisläufe des Lebens

Landidylle an der Hauptstraße von Kleinzerlang.

In Kleinzerlang war die Natur immer wichtig: als Weide, Wasserstraße, Harz- und Holzlieferant. Heute ist die Siedlung als Erholungsort anerkannt.

 

Landidylle an der Hauptstraße von Kleinzerlang.

In Kleinzerlang war die Natur immer wichtig: als Weide, Wasserstraße, Harz- und Holzlieferant. Heute ist die Siedlung als Erholungsort anerkannt.

Im Sommer 2004 erhielt das winzige Dorf Kleinzerlang mit nur 210 Einwohnern den Titel „Staatlich anerkannter Erholungsort“ von der Brandenburgischen Landesregierung verliehen. Über drei Jahre erstreckte sich die Bewerbungszeit, um die Eignungen dafür herauszuarbeiten und zu entwickeln. Das wurde geschafft mit etwa 1.500 Gästebetten, mit den Hotels, der Jugendherberge und dem Kindererholungszentrum, den privaten Ferienwohnungen, der bodenständigen Gastronomie, den traditionellen Festen und den aufgeschlossenen und gastfreundlichen Bürgern von Kleinzerlang.

Drei Jahre vor der Erholungsort-Verleihung feierten die Kleinzerlanger das 250-jährige Jubiläum der Wiederbesiedlung auf einer wüsten Mark. Die Spuren reichen noch weiter zurück: etwa 5.000 Jahre, bis in die Steinzeit. Pfeilspitzen aus Feuerstein, auch Klingen, Schaber und Beile wurden direkt in Pälitzseenähe gefunden. Auch aus der Bronzezeit (1700–600 v.u.Z.) sind Gefäßscherben und Gerätschaften an häufig aufgesuchten Wohn- oder Rastplätzen des Westufers entdeckt worden. Ab dem 6. Jahrhundert siedelten sich slawische Stämme (Wenden) in Wassernähe an, denn sie lebten vom Fischfang und nutzten die umgebenden Wälder als Weide für Schweine, Schafe, Rinder und Ziegen.
Mit den Wendenkreuzzügen im 12. Jahrhundert begannen deutsche Feudalherren, die slawischen Territorien zu unterwerfen. Die neuen Siedler kamen vorzugsweise vom Niederrhein, was die geographischen Bezeichnungen Rheinsberg, Rheinshagen oder Rhin erklärt. Die Siedler am Pälitzsee übernahmen den Ortsnamen der Slawen: Luetcken Scharlanck. Damit wird der Graben („schar“) durch eine Niederung, der in die Lanke, eine flache Bucht des Sees, einmündet, bezeichnet. Luetcken leitet sich vom Plattdeutschen »lütt« für »klein« ab. In der gegenüberliegenden Bucht des Kleinen Pälitzsees gab es zu dieser Zeit das Große Scharlanck, heute Großzerlang, wo bis heute ein Graben sein Wasser in die flache Bucht des Sees führt.
Durch zahllose Kriege zwischen den Brandenburgern, Slawen und Mecklenburgern, durch Pestepidemien und Raubbau am kargen Boden begann die Abwanderung in fruchtbarere Gebiete. Ende des 15. Jahrhunderts waren viele Siedlungen verschwunden – mit ihnen auch Luetcken Scharlanck.

Neubesiedlung

Mit ausdrücklicher Befürwortung des Preußenkönigs entstand im Jahr 1751 auf der Wüstung Luetcken Scharlanck das Kolonistendorf Kleinzerlang. Denn der König brauchte steuerzahlende Bürger und Soldaten und förderte daher die Ansiedlung. Schon im folgenden Jahr war der Aufbau geschafft, zusätzlich siedelten sich noch fünf Büdnerfamilien (Tagelöhner) gegenüber den Bauernhöfen an. Damit war 1752 das neue Dorf mit elf Familien gegründet, in dem etwa 70 Einwohner lebten.
Spaziert man heute aus Richtung Schleuse Wolfsbruch durch das Dorf, kann man die ursprüngliche Siedlungsstruktur noch gut erkennen: Rechterhand nach dem neuen Feuerwehrhaus liegen die Bauerngehöfte bis zum Seeufer, links zwischen Friedes-eiche und Kirche die Büdnerhäuser. Etwa 60 Jahre nach der Neubesiedlung errichteten sich die Kolonisten ein bescheidenes hölzernes Gotteshaus mit Lehmfachwerk, das nicht lange hielt. Die heutige Dorfkirche wurde am selben Platz nach nur zweijähriger Bauzeit 1896 mit ihren zwei Glocken im Turm geweiht.
Außer Weideland, Wild oder kienigem Wurzelholz lieferte der Wald neben natürlichen Nahrungsmitteln weitere wertvolle Rohstoffe. Nach dem allmählichen Niedergang der Teerschwelerei wuchs im 19. Jahrhundert der Bedarf nach dem Harz der Kiefern. Auch nach der Harzung waren die Bäume wichtige Wirtschaftsgüter. Was das Kleinzerlanger Sägewerk nicht verarbeitete, gelangte in Langholzflößen über den billigen Wasserweg an seinen Bestimmungsort.
Waldkreisläufe waren entstanden, die fast bis zum Ende des 20. Jahrhunderts in der Region funktionierten: Die Forstarbeiterinnen, hier Kulturfrauen genannt, zogen in Pflanzgärten die Kiefernsämlinge heran, setzten in Schonungen mit Hand die jungen Bäumchen und pflegten noch viele Jahre die angepflanzten Kulturen. Durch kontrollierten Einschlag entwickelte sich nach Jahrzehnten ein kräftiger, gesunder Hochwald. Dann kamen die Köhler, Harzer, Flößer und Sägewerker, die nicht selten mit einer Kulturfrau eine Familie gegründet hatten, um das Holz und seine Rohstoffe zu gewinnen.

Lesen Sie weiter in der Ausgabe Seenland 2006

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