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Kreuzfahrt durch die Kleinseenplatte

Kreuzfahrt durch die Kleinseenplatte

4. Tag: Von Templin nach Wesenberg

Am nächsten Morgen wollen wir unserem selbstgewählten Motto „Kreuzfahrt“ gerecht werden: Neustrelitz heißt das Törnziel. Dafür müssen wir zuerst wieder über Fürstenberg nach Priepert fahren, um dann in neue Gewässer vorzudringen. Wir haben zwar keine Meuterei an Bord, aber ein Teil der Crew wählt für die „doppelte“ Strecke nach Templin den Landweg. Denn Fürstenberg ist von Templin aus sowohl mit dem Boot als auch über die Fahrraddraisine erreichbar. Dazu wird die stillgelegte alte Bahnstrecke genutzt. Jeweils an unterschiedlichen Wochentagen fahren die Draisinen von Fürstenberg über Lychen nach Templin. Wir haben Glück und die heutige Einbahnreglung führt tatsächlich von Fürstenberg nach Templin. Wir stellen uns gern dem Wettkampf der Geschwindigkeit: Draisine gegen Boot – wer erreicht wohl als erstes Fürstenberg?

Um es kurz zu machen: Die Draisine war schneller. Wieder vereint an Bord nutzen wir die Nachmittagsstunden und fahren weiter in Richtung Neustrelitz. Beim Fischerimbiss an der Holzbrücke in Ahrensberg dauert ein kurz eingeplanter Stopp doch länger, so dass wir es nur noch bis zur Schleusenwartestelle in Wesenberg schaffen. Hier bleiben wir über Nacht. Gleich hinter der Wartestelle führt eine Straße nach Wesenberg, so dass wir eine Stadtbesichtigung in unseren Abendspaziergang einbinden. Auch wenn die Schleusen bis 20 Uhr offiziell geöffnet sind, ist die letzte Schleusung meist schon gegen 19:30. Dafür sind wir pünktlich um acht Uhr am nächsten Morgen die ersten, für die sich das Schleusentor wieder öffnet.

5. Tag: Schleuse Wesenberg nach Neustrelitz

Über den großen und windigen Woblitzsee erreichen wir den nach Neustrelitz führenden Kammerkanal. Ursprünglich ein kleiner Bach, wurde die Strecke zwischen Woblitzsee und Zierker See im Laufe der letzten Jahrhunderte für die Berufsschifffahrt ausgebaut. Heute profitieren davon vor allem die Freizeitkapitäne. Vorsichtig legen wir bei der Einfahrt in den Kanal unsere Sprayhood und holen die Fahne ein. Die Eisenbahnbrücke über den Kanal ist mit 3,5 Metern Durchfahrtshöhe die niedrigste der gesamten Oberen-Havel-Wasserstraße. Bevor wir einen Schaden aufgrund unserer Vergesslichkeit erleiden, ist so vorgesorgt. Der Kanal ist wenig befahren. In kleinen Windungen schlängelt er sich idyllisch durch eine Landschaft aus weiten Wiesen beidseits der Ufer. Nach fünf Kilometern Fahrt erreichen wir den Zierker See. Gleich an der Einfahrt ist Obacht geboten. Eine Untiefe ist in der Wasserkarte eingezeichnet und wahrhaftig, immer mit Blick auf das Echolot passieren wir mit wenigen Zentimetern unterm Kiel die flache Stelle. Große Teile des Zierker Sees sind flach und steinig, so dass die Betonnung der Fahrrinne unbedingt eingehalten werden muss. Die geringe Tiefe des Sees zeigt sich oftmals an der quirligen und für mecklenburgische Seen ungewöhnlich windanfälligen Wasseroberfläche. Sicher erreichen wir den historischen Stadthafen von Neustrelitz – ein wahres Schmuckstück. Die historischen Speicher wurden zu Wohnungen und Geschäften ausgebaut und bilden ein malerisches Ensemble rund um das Hafenbecken.

Vor dem obligatorischen Stadtrundgang nehmen wir unser Mittagessen im Restaurant Bootshaus Gerhard Kaiser ein. Die Entscheidung ob Terrasse oder Wintergarten fällt leicht. Dunkle Wolken kündigen das drohende Sommergewitter an. Mit Blick über den See speisen wir köstlich, während draußen der Regen in dicken Fäden auf den Zierker See niederprasselt. Die Bedienung ist mecklenburgisch authentisch und schlagfertig.
Am Nachmittag wandeln wir duch die ehemalige Residenzstadt. Bei jedem Besuch entdecken wir neue Winkel der Stadt, die sich in den letzten Jahren mächtig herausgeputzt hat. Erst kürzlich wurde der Schlossgarten neu gestaltet. Das dazugehörige Schloss fiel 1945 einem Brand zum Opfer. An gleicher Stelle finden im Sommer die beliebten Schlossgartenfestspiele statt. Nach einem Betreiberwechsel werden diese nun durch das Landestheater aufgeführt. Auf gleichgroßer Bühne aber zur Schonung der Gartenanlage mit verkleinertem Zuschauerraum. Frühzeitiger Kartenerwerb sei deshalb empfohlen.

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