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Mit dem Floß unterwegs

Mit dem Floß unterwegs

Wie Camping auf dem Wasser

Lesedauer des Beitrags: 7 Minuten

Zu den besonders entspannenden Methoden, die Mecklenburgische Seenplatte zu erkunden, zählt die Reise auf einem Floß. Dabei ist so ein Floß eigentlich gar kein Floß im herkömmlichen Sinne. Sie bestehen nicht aus dicken Baumstämmen, die mit Seilen verknotet sind. Vielmehr handelt es sich im Allgemeinen um Schwimmplattformen, die auf der Basis eines Katamarans oder Trimarans aus unterschiedlich vielen Schwimmkörpern gebaut werden. Auf der Plattform steht dann eine Holzhütte, ein Zelt oder auch eine Kombination aus beidem, hinten befindet sich für den entsprechenden Vortrieb ein Außenbordmotor. Diese Flöße erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Sie ermöglichen naturnahen, führerscheinfreien Urlaub auf dem Wasser. Je nach Größe und Ausstattung des Floßes variiert auch die Verfügbarkeit verschiedener Annehmlichkeiten der Moderne. Die Spannbreite reicht zwar von spartanisch bis luxuriös, jedoch sind die meisten Flöße doch eher wie Camping auf dem Wasser oder mit der rustikalen Atmosphäre einer Holzfällerhütte vergleichbar.

Ein Floß ist nichts für Eilige

Gemeinsam haben alle Flöße – gleich welcher Bauart – die unmittelbare Nähe zum Wasser. Zudem bieten alle die Gelegenheit zur Entschleunigung. Ein oder zwei Seen pro Tag erkunden, oder gleich den ganzen Tag ankern, in der Sonne liegen oder Schwimmen gehen, so verbringt sich der Floßurlaub am schönsten. Ein Floß ist kein Fahrzeug für Eilige. Es ist für das gemächliche Schippern von See zu See gedacht oder für das Träumen in einer stillen Bucht. Es empfiehlt sich unbedingt, die ohnehin bescheidene Leistung des jeweiligen Motors nicht auszureizen, sondern lieber mit möglichst wenig Gas übers Wasser zu gleiten. Das erhöht den Erholungseffekt durch Reduktion von Tempo und Geräuschpegel. Erfahrungsgemäß werden die Flöße bei vollem Schub ohnehin nur unmerklich schneller, da sie dann viel mehr Wasser vor sich her schieben müssen, jedoch werden sie deutlich lauter.

Geringer Tiefgang erlaubt Ankern in seichtem Wasser

Floß liegt deutlich ruhiger im Wasser als ein Boot gleicher Größe. Aufgrund der Form bietet es gleichzeitig mehr Platz. Ein weiterer großer Vorteil der Flöße gegenüber den meisten anderen Wasserfahrzeugen ist zudem ihr geringer Tiefgang. Das ermöglicht das Ankern in seichten Buchten und häufig auch das nahe Heranfahren an Uferbereiche, so dass ein bequemer Ausstieg auch ohne Steg möglich ist. Damit die Motorschraube nicht beschädigt wird, muss der Motor dann eventuell hochgeklappt werden. Bei solchen Landungsmanövern im Uferbereich muss selbstverständlich das Be- und Durchfahren von Schilfgürteln vermieden werden. Ebenso sind die örtlichen Beschilderungen und Seezeichen zu beachten.

Ein ankerndes Floß gehört nicht in die Einfahrt

Das Festmachen, Anlanden oder gar Übernachten im Kanal ist nicht erlaubt, falls dort nicht ausdrücklich Liegeplätze ausgewiesen sind. Und auch wenn man es leider hin und wieder sieht – das Festmachen an Uferbäumen ist ebenfalls nicht gestattet. Durch das Anbinden wird die Rinde abgescheuert, der Baum stirbt ab. Diese Art der Floßbefestigung ist aber auch gar nicht nötig. Die Anker, die zur Ausrüstung der Flöße gehören, halten zuverlässig, ob im flachen oder tiefen Wasser. Selbstverständlich gilt beim Ankern immer, sich nicht direkt vor Hafen- oder Schleuseneinfahrten oder anderswo in der Fahrrinne zu platzieren. Besser ist es, sich abseits in einer schönen Bucht ein ruhiges Plätzchen zu suchen. Das Wetter sollte der Floßskipper dabei immer im Auge behalten. Bei Sturm oder Gewitter ist ein geschützter Ankerplatz beispielsweise in einer Marina angeraten.

Beim Manövrieren: Im Zweifel lieber die Hand vom Gas

Maritime Vorkenntnisse sind für das Floßfahren hilfreich, jedoch nicht vonnöten. Auch der Großstädter, der zum ersten Mal eine Wasserfläche sieht, die größer ist als die heimische Badewanne hat nach kurzer Einweisung durch den Verleiher kaum Schwierigkeiten, das Gefährt sicher zu handhaben. Und mit jedem Urlaubstag auf dem Wasser wird der Floßnovize versierter und geschickter. Ein kleiner Hinweis sei diesbezüglich dennoch gestattet: Sollte es beim Anlegen oder beim Schleusen doch mal zu Unsicherheiten kommen, dann ist es in den allermeisten Fällen am besten, es einfach mal langsamer und mit mehr Ruhe noch einmal zu versuchen statt einfach Vollgas zu geben. Mut zur Langsamkeit ist auch beim Manövrieren häufig die bessere Alternative und ohnehin der beste Weg hin zum vollständigen und wohlverdienten Abschalten vom Alltagsstress.

Unverzichtbare Ausrüstung beim Floßurlaub mit Kindern

Floßurlaub mit Kindern ist großartig – nicht nur für die Kinder. Für die Kleinen ist die Floßfahrt an sich zwar schon ein einziges Abenteuer: die ungewohnte Perspektive der Reise auf dem Wasser, Vögel beobachten, baden gehen… Doch damit die Harmonie an Bord während der gesamten Reise stabil bleibt, gibt es Utensilien, die das Abenteuer unterstützen. An erster Stelle steht da natürlich eine Angelausrüstung. Wer keinen Fischereischein hat, besorgt sich dank einer besonderen Regelung in der Seenplatte den Touristen-Fischereischein. Den gibt es seit 2005 zum Beispiel bei Tourist-Informationen oder auf Campingplätzen. Hinzu kommt dann noch die Angelkarte für das jeweilige Revier. Der Touristen-Fischereischein ist 28 Tage gültig und damit völlig ausreichend für einen ausgedehnten Sommerurlaub auf dem Floß. Wer bei der Angelausrüstung auf die Rute verzichtet, kann viel Spaß haben beim gemeinsamen Basteln einer Stippe. Die Angel Marke Eigenbau hat auch den Vorteil, dass mehr Platz im Gepäck ist. Sehne, Blei, Pose, Haken und eine kleine Dose Mais passen immer noch in den Rucksack, auch wenn der eigentlich schon voll ist. Ist alles fertig, dann ist Wettangeln mit Geschwistern oder Eltern der Hit: Wer kriegt die meisten Fische?

Biologisches Fachwissen aus der Bordbibliothek

Wenn es heißt: „Papa, was ist das für ein Vogel? Mama, war das ein Biber? Papa, was ist das für eine Libelle?“, dann darf entsprechende Literatur an Bord nicht fehlen. Nichts ist so enttäuschend wie ein dauerndes „Keine Ahnung…“ Also muss ein dickes Bestimmungsbuch mit, in dem umfassend alle heimischen Tierarten vom Wasserfloh bis zum Seeadler beschrieben sind. Es mag ein schwerer Brocken sein, doch die Schlepperei lohnt sich. Überdies taugt das Bestimmungsbuch auch als Gutenacht- und/oder Bettlektüre. Korrespondierend dazu sollte ein Fernglas ebenfalls an Bord sein. Am besten sogar zwei. Eins in Erwachsenen- und eins in Kindergröße. Doch egal wie spannend die Natur oder wie groß das Floß ist, früher oder später müssen sich die Kinder auch mal an Land austoben. Daher sollten für einen Stopp an einer Wiese auch ein Fußball, eine Frisbee-Scheibe oder ein Federballspiel im Gepäck sein.

Durch die Domstrengbrücke führt die Fahrt zum Bootsanleger am Grillendamm, in unmittelbarer Nähe zum Brandenburger Dom.

Karten und Würfel halten die Mannschaft bei Laune

Jedes Abenteuer hat auch seine Längen und beim Warten vor der Schleuse oder wenn die Eltern sich sonnen, helfen Bücher dabei, die Kinder bei Laune zu halten. Kartenspiele und kompakte Reisespiele sind ein Muss. Neben Klassikern wie „Mensch ärgere Dich nicht“ oder „Vier gewinnt“ gibt es da eine breite Palette der gemeinsamen Beschäftigung im Familienkreis. Der Vorteil: Daran haben selbst die älteren Semester Spaß. Auch kleine elektronische Helfer, wie multimediale Bücher oder ein Mp3-Spieler mit Kinder-Hörbüchern, können vor allem an einem Regentag dazu beitragen, die jüngsten Floßmatrosen zu unterhalten.

Keine Chemie in kristallklare Seen

Ganz wichtig auf dem Floß – ob mit Kindern oder ohne – sind zu 100 Prozent abbaubare Seifen oder Duschgels für die Körperpflege sowie ein ebensolches Produkt für den Abwasch. Denn selbstverständlich soll die Seenplatte auch für die kommenden Jahre ein Naturparadies bleiben. Da ein Floßurlaub gewöhnlich kein anderes Ziel hat, als das der Erquickung, sollten Uhr und Telefon ganz unten in den Seesack verbannt werden. Weil es aber für viele Menschen nicht ohne geht, ist eine Ladestation für das Smartphone nützlich und, wenn wir schon dabei sind, ein paar Ersatz-Akkus für Taschenlampen, Fotoapparat und dergleichen ebenso.

Rettungswesten – Eine Frage der Sicherheit

Schwimmwesten sollten auch von Kindern, die schwimmen können, unbedingt getragen werden. Vor allem während der Fahrt. Wer versehentlich über Bord geht, kann sich auch mal den Kopf stoßen. In diesem zwar seltenen und durchaus nicht üblichen Fall hält eine entsprechende Weste zuverlässig an der Oberfläche und ist deshalb unverzichtbar. Nichtschwimmer müssen natürlich generell eine Schwimmweste tragen. Moderne Varianten sind durchaus komfortabel und stören kaum. Es gibt sogar Schwimmwesten mit coolen Motiven, die den Lebensretter schon beinahe zum modischen Accessoire werden lassen.

Kopfbedeckung als stimmungsvoller Sonnenschutz

Flöße verfügen normalerweise über kein Unterdeck. Wer die Plattform in Richtung Keller verlässt, betritt demnach keine Kajüte, sondern den See. Viele kleinere Floßtypen haben den Steuerstand außerdem außen. Entsprechend halten sich Floßfahrer die meiste Zeit unter freiem Himmel auf. Mannschaft und Skipper sind der Sonne ausgesetzt und sollten daher reichlich Sonnencreme verwenden. Hinzu kommt eine Kopfbedeckung – ein Strohhut oder ein Kopftuch – die auch Menschen dabei haben sollten, die im Alltag auf Derartiges aus modischen Gründen verzichten. Diese Arten des Kopfschmucks bewahren nicht nur vor einem Sonnenstich, sie helfen auch, sich in Huckleberry-Finn- (Strohhut) oder Piraten-Stimmung (Kopftuch) zu versetzen. Weniger gefährlich als permanente direkte Sonneneinstrahlung aber dennoch unangenehm sind Mücken. Auch wenn sie meist nur kurz am Abend schwärmen, sind auch hier diverse Mittelchen zum Auftragen auf die Haut nützlich.

Leckeres für die Floßkombüse

Die wichtigsten Lebensmittel für eine Seereise waren einst reichlich Trinkwasser und Zwieback. Das gilt im Prinzip noch immer. Letzteres ersetzt der umsichtige Floßfahrer heute aber lieber durch diverse Kekse, Knäckebrot und Milchbrötchen. Kühlschränke sind nur selten an Bord von Flößen zu finden. Genannte Backwaren halten sich ungekühlt. Ebenso Äpfel, Möhren, Gurken, Paprika, Melone – alles also perfekter Floßproviant. Für die tägliche Bordhygiene sind Eimer, am besten stabile Maurereimer das Nonplusultra. Sie können zum Wasserholen, als Abwaschbecken oder Waschschüssel herhalten.

Ein Hoch auf den „Eis-Eimer“

Und noch etwas wird der Floßfahrer vor allem an heißen Sommertagen lieben: den „Eis-Eimer“. Auch hierbei ist zunächst wieder ein Eimer nötig. Dann folgt ein Stopp in der Marina. Von hier aus der Gang zur nächsten Tankstelle, an der es Eiswürfel oder zerstoßenes Eis gibt. Dann bleibt nach der Rückkehr zum Floß nur noch, die entsprechenden Getränke in den Eimer zu stellen und das Eis darüber zu schütten. Kurz darauf kann der Floßfahrer bei 30 Grad im Schatten auf dem See kühle Erfrischungen genießen. Die Konstruktion „Eis-Eimer“ ist der Variante „Flaschen ins Wasser hängen“ meilenweit überlegen. Wer sich klarmacht, welche Temperatur das Wasser der Mecklenburger Seen im Sommer hat, ahnt weshalb.

Besser baden mit Badeschuh

Schnorchel und Taucherbrille sorgen für langanhaltendes und abwechslungsreiches Badevergnügen. Und da der Untergrund in den mecklenburgischen Seen schon mal etwas uneben sein kann, greifen Besitzer empfindlicher Füße zu Badeschuhen. Das kann unter Umständen den Unterschied zwischen einem glücklichen Kind („Juhu! Ich gehe jetzt wieder baden!“) und einem unglücklichen („Das piekt an den Füßen, da gehe ich nie wieder rein!“) ausmachen. Wasserspritzpistolen sind auch als Floßgrundausstattung zu verstehen.

Gute Fahrt und sanfte Träume

Wenn nach der ganzen Planscherei die Müdigkeit aufkommt, ist ein gemütliches Lager wünschenswert. Wer Camping gewöhnt ist, mag mit einfachen Isomatten oder Luftmatratzen auskommen. Erholsamer wird der Floßurlaub für alle, die sogenannte Gästematratzen mitnehmen. Sie sind zwar bei der Anreise aufgrund ihrer Größe unhandlich und störend, doch gleichen sie das locker aus, indem sie wohlige Nächte ohne Rückenschmerzen ermöglichen. Das typische, nur leichte Schaukeln des Floßes sorgt selbst bei unruhigen Schläfern dann zuverlässig für tiefen Schlaf und schöne Träume.

Wer dieses Grundwissen der Floßfahrt beherzigt, kann sich auf ein traumhaftes und unvergessliches Erlebnis auf den Seen der Mecklenburgischen Seenplatte freuen.

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