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Optimale Kombination

Optimale Kombination

Den Blick schweifen lassen.

Foto: Aliki Nassoufis

Die Mecklenburgische Seenplatte ist das größte zusammenhängende Seengebiet Mitteleuropas – das merken Touristen sofort, wenn sie die Region mit mehr als tausend großen und kleinen Seen besuchen, die durch Flüsse oder oft schon alte Kanäle miteinander verbunden sind.

Den Blick schweifen lassen.

Foto: Aliki Nassoufis

Die Mecklenburgische Seenplatte ist das größte zusammenhängende Seengebiet Mitteleuropas – das merken Touristen sofort, wenn sie die Region mit mehr als tausend großen und kleinen Seen besuchen, die durch Flüsse oder oft schon alte Kanäle miteinander verbunden sind.

Da verwundert es nicht, dass für die Region vor allem der Wassertourismus eine der wichtigsten Säulen ist. Aber auch Besucher, die mit dem Fahrrad die wasserreiche Gegend erkunden, machen einen großen Teil der hiesigen Touristen aus.

»Viele Besucher kombinieren neuerdings einen Urlaub auf dem Hausboot mit Radtouren über das Land«, erzählt Christian Tänzler von der Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH (TMB). »Das wird immer beliebter.« Diese Touristen stellen ihre Räder mit auf das Hausboot und erkunden so die Umgebung um den Anlegeplatz herum. Diesen neuesten Trend haben auch die Fahrgastschiffereien erkannt und bieten ihren Kunden häufig den Transport der Fahrräder an, damit sie am Ziel in die Pedale treten können. Vor allem auf den Fähren zwischen Waren und Röbel sieht man immer wieder Besucher, die ihre Räder mitnehmen und entweder die Bollewicker Scheune in der Nähe von Röbel oder den Luftkurort Waren und den benachbarten Müritz-Nationalpark erkunden.

Mehr erleben

»In den vergangenen Jahren hat sich in diesem Segment ein ganz neues Klientel entwickelt«, sagt Tänzler. »Diesen Besuchern geht es nicht nur um das Erlebnis einer Fahrt auf dem Wasser, sondern sie wollen darüber hinaus auch noch viel anderes erleben.« So sei bei dieser Touristengruppe beispielsweise die Region um Rheinsberg besonders beliebt, weil die Stadt mit ihrem Schloss, ihren zahlreichen Restaurants und der Wasserpromenade Besuchern viel Abwechslung bietet.

Von dieser Entwicklung profitieren auch die zahlreichen Marinas und Hafendörfer, die in der Mecklenburgischen Seenplatte seit einigen Jahren vermehrt entstehen. Auf diesem Gebiet wächst die Nachfrage nach Angaben der TMB sehr stark, weil hier Besucher mit ihrem Boot anlegen und die Infrastruktur mit Restaurants, Einkaufsmöglichkeiten und manchmal sogar Schwimmbädern oder Saunen nutzen können.

»Die meisten Urlauber mit einem Boot legen mittlerweile lieber an einem der Hafendörfer und nicht einfach an einem Ufer mitten im Schilf an«, berichtet Tänzler. So sind in Rheinsberg das Hafendorf und in Strasen am Südufer des Ellbogensees das Marina Naturhafendorf neu entstanden. Eine weitere Marina soll in nächster Zukunft bei Waren gegründet werden. »Die Touristen haben gerne die Wahl zwischen ihrer eigenen Küche und Gastronomie, zwischen Urlaub in der Natur und der Nähe einer kleinen Ansiedlung«, weiß Tänzler. Dafür seien nicht nur die Hafendörfer, sondern die Mecklenburgische Seenplatte insgesamt ideal, weil sich hier diese Angebote abwechseln und für jeden etwas Passendes dabei sei.

Ohne Führerschein unterwegs

Immer mehr Touristen nutzen auch die Möglichkeit, in der Region mit ihren motorisierten Hausbooten führerscheinfrei herumzuschippern. Denn ein neues Gesetz macht es möglich, dass Urlauber auf Bundeswasserstraßen ein Sportboot auch ohne Führerschein chartern und steuern dürfen. Die neue Regelung gilt für Hausboote, Segel- und Motoryachten. Seit Mai 2004 sind daher mehrere hundert Kilometer zwischen Lychen, Neustrelitz, Rheinsberg, Templin sowie die gesamte Müritz, Deutschlands größtes Binnengewässer, für Freizeitkapitäne ohne Führerschein freigegeben. Touristen müssen hier nur noch eine mehrstündige theoretische und praktische Einweisung absolvieren, um mit ihren gemieteten Schiffen die Mecklenburgische Seenplatte vom Wasser aus erkunden zu können.

Dieses Angebot wird von zahlreichen Besuchern genutzt – so sprechen einige Chartereibetriebe und Bootsvermietungen von etwa 30 Prozent mehr Kunden, die die Chance auf einen Bootsurlaub ohne Führerschein nutzen. Rechtzeitiges Planen und Buchen des Urlaubs wird daher immer wichtiger, vor allem auch, weil die meisten Touristen dieser Gruppe gleich für mehrere Tage oder sogar mehrere Wochen anreisen.

Aufgrund dieser für die Region an sich erfreulichen Entwicklung werden allerdings auch die Wasserstraßen immer voller. Deswegen mahnen Tourismusverbände und die Wasserschutzpolizei zur Vorsicht: Verkehrsteilnehmer sollten sich genau an Verkehrsregeln und Geschwindigkeitsbegrenzungen halten. Besonders gefährlich ist nämlich die Unwissenheit einiger Fahrer. Das Brandenburgische Innenministerium berichtet von Bootsbränden, die entstanden, weil Touristen den Treibstoff falsch einfüllten. Außerdem kann es an den Schleusen zu Wartezeiten kommen, weil unerfahrene Skipper gerade beim komplizierten Manövrieren in einer Schleuse manchmal länger brauchen als routinierte Fahrer. Alkohol am Ruder ist ein weiteres Problem für die Sicherheit auf den Wasserstraßen, da einige Boostsführer die auch auf dem Wasser geltenden Promillegrenzen missachten.

Vorsichtige Kapitäne

Insgesamt jedoch zeigen sich die Tourismusverbände in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern zufrieden mit der führerscheinfreien Regelung. »Die meisten Urlauber sind sehr zivilisierte und zurückhaltende Freizeitkapitäne«, bestätigt Tänzler von der TMB. Sie wissen, dass sie noch nicht viel Erfahrung haben und fahren deswegen besonders vorsichtig. Dem neuen Gesetz war ein dreijähriger Modellversuch auf einigen Wasserstraßen in Mecklenburg-Vorpommern vorausgegangen, wo Urlaubskapitäne probeweise ohne »Pappe« ans Steuer durften. Die Testphase verlief so erfolgreich und ohne nennenswerte Unfälle, dass die neue Regelung auch auf Brandenburger Gewässer erweitert und zum Gesetz erhoben wurde. »Wenn wir diese guten Erfahrungen nicht schon im Pilotprojekt gemacht hätten, dann wäre die neue Regelung auch gar nicht in Kraft getreten«, betont Tänzler. Ein positiver Nebenaspekt sei außerdem, dass nicht nur die Anzahl der Bootsvermietungen stark zugenommen habe, sondern auch die Anzahl derer, die einen Führerschein machen. »Viele probieren das Fahren auf einem Schiff mit der führerscheinfreien Regelung erst einmal aus und finden es dann oft so toll, dass sie ihr Wissen und Können mit einem Führerschein vertiefen wollen«, hat Tänzler festgestellt.

Unterwegs mit Rad

Auch für Fahrradfahrer gibt es in der Mecklenburgischen Seenplatte zahlreiche Angebote. Radler nutzen dabei nicht nur die Kombination einer Reise mit Hausbooten oder Fahrgastschiffen, sondern vermehrt auch organisierte Radtouren. »Diese Angebote sind wirklich sehr beliebt«, sagt Marita Klemmer vom Tourismusverband Mecklenburgische Seenplatte in Röbel. »Das Schöne an ihnen ist, dass das Gepäck nicht mitgeschleppt werden muss, sondern extra transportiert wird.« Außerdem muss am Abend nicht erst noch eine Unterkunft organisiert werden, denn die Hotels sind bereits alle im Voraus reserviert.

In diesem Bereich gibt es von verschiedenen Organisatoren zahlreiche Angebote, die meist mehrere Tage dauern. »Dabei ist fast jede Route gleich beliebt«, sagt Klemmer. »Einige Besucher umrunden einfach gerne die Müritz, andere wiederum favorisieren die Feldberger Seenlandschaft, weil es dort noch mehr Abwechslung gibt.« Für die »Tour de Müritz« haben sich beispielsweise fünf Hoteliers zusammengeschlossen und organisieren für Interessierte drei verschiedene Radtouren zwischen Plau, Rheinsberg, Neustrelitz und Neubrandenburg.

Andere Anbieter wiederum führen die Pedalritter von Schlosshotel zu Schlosshotel, über den Radweg Berlin-Kopenhagen oder mitten durch einen der Nationalparks. Die »Mecklenburger Fahrrad- und Kanutouristik« zum Beispiel bietet eine neue achttägige Radtour durch das für Touristen noch eher unbekannte, knapp 54.000 Hektar große Sternberger Seenland an, das Anfang 2005 zum Naturschutzgebiet erklärt wurde.

Mit Kanu oder Kajak

Ähnlich nah an der unberührten Natur der Mecklenburgischen Seenplatte wie Freizeitkapitäne und Radler sind Kanu- und Kajakfahrer. Da sie noch weniger auf angelegte Wege oder breite Wasserstraßen angewiesen sind, können sie sogar tiefer in die Natur vordringen und seltene Tierarten oder unberührte Waldgebiete erblicken. Besonders beliebt ist bei dieser Touristengruppe die so genannte Alte Fahrt, die bis zur Fertigstellung des Müritz-Havel-Kanals in den 1930er Jahren die einzige schiffbare Verbindung zwischen der Müritz und den Gewässern um Mirow und weiter zur oberen Havel war.

Heute kann diese 36 Kilometer lange Strecke nur noch von Kanus befahren werden, weswegen es hier meist besonders ruhig ist. Allerdings hat sich die Alte Fahrt zum bekannten Geheimtipp entwickelt, daher wird es gerade an Feiertagen auf dem Bolter Kanal, dem Woterfitzsee und dem Mirower See mitunter sehr voll. Wer Glück hat, kann aber auch dann scheue Eisvögel oder Bart- und Beutelmeisen beobachten.

Lesen Sie weiter in der Ausgabe Seenland 2006

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