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Eine runde Sache

Eine runde Sache

Feldbweg bei Lapitz. Foto: Sebastian Kühl

Foto: Sebastian Kühl

Auf dem Amtsrundweg durch das Penzliner Land erschließt sich die Weite und die Ursprünglichkeit der Mecklenburger Landschaft.

Feldbweg bei Lapitz. Foto: Sebastian Kühl

Foto: Sebastian Kühl

Auf dem Amtsrundweg durch das Penzliner Land erschließt sich die Weite und die Ursprünglichkeit der Mecklenburger Landschaft.

Ich stehe mit dem Fahrrad auf dem Penzliner Marktplatz und sehe hinauf zum massigen Turm von St. Marien. Er soll der Ausgangspunkt für meine Radwanderung sein. Penzlin, zwischen Neubrandenburg und Waren an der Bundesstraße 192 gelegen, hat einiges zu bieten.

An der Alten Burg, in der es ein Museum zur Hexenverfolgung gibt, und dem Großen Stadtsee mit seiner Waldpromenade kommen Besucher nicht vorbei. Doch bin ich hier, um einem Weg zu folgen, dessen ungewöhnlicher und zum Verhaspeln verführender Name mich neugierig gemacht hat. »Amtsradrundweg« heißt er und führt auf fast kreisrunder Strecke durch die Penzliner Umgebung.

Die Penzliner Kirche ist nicht nur mein Startpunkt, sondern wird auch mein Ziel sein. Mein Weg führt mich am Eisenbahnhof vorbei, doch halten hier keine Züge mehr. Wo früher Bahnsteig und Schiene waren, gibt nun die Umgehungsstraße seit einiger Zeit dem Städtchen seine frühere Ruhe zurück.

Weites Land

Ich verlasse Penzlin in Richtung Lapitz und muss eine sanfte Steigung überwinden, bevor ich die ersten Blicke über das Penzliner Land schweifen lassen kann. Die Weite und die Ursprünglichkeit der Landschaft überraschen mich, während ich unter raschelnden Allenbäumen dahinfahre. Nachdem ich das Dörfchen Rahnenfelde hinter mir gelassen habe, erreiche ich Puchow mit seiner denkmalgeschützten Gutsanlage. Warm flimmert die Luft über dem Kopfsteinflaster und selbst in der Ortsmitte herrscht eine entspannte Ruhe, die ich einen Augenblick genieße, bevor ich meine Fahrt fortsetze. Lapitz heißt der nächste Ort auf meiner Route, und wie ich vor meiner Fahrt hörte, soll es hier einen ganz besonderen See geben. So schenke ich meine Aufmerksamkeit weniger dem Lapitzer Schloss als vielmehr der Suche nach dem Salzsee. Endlich entdecke ich den richtigen Abzweig vom Rundweg. Ich lasse meinen Drahtesel an einem Koppelzaun stehen und gehe über eine Wiese einen sanften Hügel hinunter zum Wasser. Da ich eine salzige Mondlandschaft erwarte, bin ich recht verwundert, als mir unten ein blaues Himmelsauge entgegenleuchtet.

Malerisch liegt der kleine See vor mir. Ein Eisvogel sirrt wie ein fliegender Edelstein an mir vorbei und setzt sich auf einen Steg. Rings um den gesamten See führt ein schmaler Pfad, dem ich folge, und von dem aus ich auf einem schmalen Steg durch das Schilf auf eine kleine Plattform mit einer Bank gelange. Hier setze ich mich für eine Weile und lasse meinen Gedanken freien Lauf. Dann und wann höre ich das Schnauben unweit des Sees grasender Pferde.

Warum heißt der See »Salzsee«, frage ich mich auf dem Weg zurück zu meinem Fahrrad. Die Geschichten, die ich später in Erfahrung bringe, reichen von versunkenen Salztransporten bis zu nahen Lagerstätten des weißen Goldes. Doch wer erfahren will, ob das Wasser auch wirklich salzig ist, der wird sich selbst auf die Reise nach Lapitz begeben müssen. Als ich Lapitz verlassen und weiter dem Rundweg folgen will, fällt mir der Weg nach Gevezin auf, wo es angeblich Indianer geben soll.

Anders als gedacht

Nachdem schon der Salzsee nicht so aussah, wie ich es vermutet hatte, bin ich neugierig auf die »Eingeborenen« von Gevezin. Ich verlasse also für einen kurzen Abstecher die ausgeschilderte Strecke und radele nach Gevezin. Was ich hier finde, sind jedoch keine Indianer, aber dafür ein Indianermuseum, eingerichtet im Geveziner Schloss. Die Ausstellung besteht aus der weltweit größten Privatsammlung zur nordamerikanischen Indianerethnografie.

Kurze Zeit später bin ich wieder auf dem Amtsradrundweg, der mich durch die sanft hügelige Landschaft nach Passentin führt. Hier wartet ein großes Slawendorf mit seinen Angeboten auf Besucher, doch ich werfe nur einen kurzen Blick auf das große Holztor, das den Dorfeingang schützt, denn vor mir liegt noch mehr als die Hälfte meines Weges. So überquere ich kurze Zeit später die Bundesstraße ein zweites Mal an diesem Tag, nur um in eine andere Welt zu tauchen. Die Zeit scheint stehengeblieben zu sein. Ein dichtes Blätterdach überwölbt auf weiten Teilen die Straße, deren Kopfsteinpflaster so stark mit Gras durchwachsen ist, dass ich teilweise kaum noch die Steine ausmachen kann. Am Ende dieser verwunschen wirkenden Strecke öffnet sich wieder die Landschaft und gibt kurz vor Alt Rhese den Blick frei auf das Tollensetal mit seinem großen See, den ich in der Ferne erahnen kann.

Nach einer rasanten Abfahrtstrecke muss ich eine lange Steigung überwinden, die jeden überwundenen Meter mit einem schöneren Blick in die Umgebung entschädigt. Schließlich habe ich den höchsten Punkt erreicht. Siehdichum heißt der nahe Ort und dieser Aufforderung komme ich gerne nach. So herrlich weit erstreckt sich vor mir das grüne Land und ich atme begeistert die reine Sommerluft. Schon sehe ich den gedrungenen Turm der Penzliner Kirche in der Ferne aufragen. Langsam rückt er näher, während ich den letzten Abschnitt meiner Tour zurücklege. Auf den wenigen verbleibenden Kilometern fällt mir ein, dass ich ursprünglich noch ein Großsteingrab besichtigen wollte, das sich am Rande des Rundweges befinden soll. Das muss ich auf ein anderes Mal verschieben.

Am Ende meiner Fahrt stehe ich wieder vor St. Marien in Penzlin. Ich habe heute über 30 Kilometer zurückgelegt, doch nach all den Eindrücken, die ich gewonnen, und den herrlichen Ausblicken, die ich genossen habe, spüre ich keine Müdigkeit – sondern nur eine heitere Zufriedenheit. Ich habe erlebt, wie reich die Natur das Penzliner Land beschenkt hat und wie vielfältig erlebbar hier Geschichte, Land und Leute sind. Der Amtsradrundweg wird mir trotz oder vielleicht auch gerade wegen seines eigenwilligen Namens als etwas ganz Besonderes in Erinnerung bleiben.

Lesen Sie weiter in der Ausgabe Seenland 2006

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