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Urlaub auf blauen Wellen – Unterwegs mit dem Hausboot

Urlaub auf blauen Wellen – Unterwegs mit dem Hausboot

Nachdem wir auch den Rheinsberger See überquert haben, erwartet die Mannschaft ihre erste Bewährungsprobe. Im Kanal zum Schlabornsee befindet sich eine Brücke. Behutsam nähern wir uns dem Nadelöhr und der Skipper gibt Signal, so wie es das Schifffahrtszeichen hier vorgibt. Plötzlich erschallt auch hinter uns ein Signal, es ist ein großer Passagierdampfer, der ein Stück hinter uns im Kanal fährt. Es erscheint uns beinahe unmöglich, dass wir durch die enge Brücke passen könnten, von dem Dampfer hinter uns ganz zu schweigen. Doch unser Skipper versichert uns, dass er aus sicherer Quelle weiß, dass die Boote immer durch die Brücken passen, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint. Tatsächlich, wir gleiten unter der Brücke hindurch, ohne sie zu berühren. Die Crew steht links und rechts am Bug und unterstützt den Skipper durch ihre Hinweise. Mit Hilfe des Bugstrahlruders und äußerst langsamer Fahrt gelingt diese erste Brückenpassage ohne Zwischenfälle. Und von Brücke zu Brücke macht es uns mehr Spaß.

Naturfreuden

Als wir am Nachmittag einen Ankerplatz auf dem Zootzensee suchen, fühlen wir uns schon wie richtige alte Seebären. Unser Anker fällt in einer lauschigen Bucht im Südwesten des Sees. Das Ufer ringsum ist dicht bewaldet und wir verbringen den restlichen Tag damit, uns auf dem Deck zu sonnen oder tummeln uns im wunderbar klaren Wasser. Am Heck des Bootes gibt es eine kurze Plattform und eine ausklappbare Leiter, so dass unserem Badespaß nichts im Wege steht.

Als wir am Abend zuerst den farbenprächtigen Sonnenuntergang über dem Wasser beobachten und später auf der Heckterasse sitzend am klaren Himmel die Sternschnuppen zählen, fühlen wir uns wie in einer anderen Welt. Am nächsten Tag frühstücken wir unter einem wolkenlosen Himmel auf der Terasse, während der Zootzensee sich wie ein stahlblauer Spiegel völlig glatt vor uns ausbreitet. Die Enten, die sich dem Boot nähern, bekommen einige Brotkrumen ab. Nach einem erfrischenden Bad brechen wir wieder auf. Unser heutiges Ziel ist Fürstenberg, und wir erkennen auf der Karte, dass wir heute das Schleusen lernen werden.

Die erste Schleuse

Insgesamt vier Schleusen müssen wir auf dem Weg nach Fürstenberg überwinden. Die erste Schleuse erwartet uns im Hüttenkanal. Die Fahrt durch den schattigen Kanal führt uns bis zur Schleuse Wolfsbruch, wo wir uns in die Schlange der wartenden Boote einreihen. Da wir zweimal aufrücken müssen, üben wir gleich das An- und Ablegen. Dabei lernen wir die gute Stimmung der Bootstouristen untereinander kennen und packen auch mal mit an, wenn andere Boote anlegen wollen.

Schließlich sind wir an der Reihe, und vorsichtig fahren wir in die Schleuse ein. Unsere Leinenmatrosen sichern das Boot und nach nur sieben Minuten sind wir auf der anderen Seite. Stolz blicken wir auf unsere erste Schleuse zurück und nehmen Kurs auf Strasen. Über den Kleinen und den Großen Pälitzsee fahrend, winken wir den anderen Booten zu, deren Besatzungen wie wir die Fahrt über die blauen Wellen genießen.

An der Schleuse Strasen verkaufen fliegende Händler frische Kirschen an die wartenden Bootsbesatzungen, und während wir uns an Deck entspannen, beobachten wir den gemütlichen Schleusenbetrieb. Nachdem diese Schleuse überwunden ist, fahren wir weiter über Ellbogen, Ziern- und Röblinsee bis nach Fürstenberg, wo wir am Abend auf dem Schwedtsee in der Marina Fürstenberg anlegen. Im Restaurant »Zum Seestern« direkt am Hafen lassen wir den Tag auf der Außenterasse mit Seeblick in munterer Runde ausklingen.

Schikanen

Am nächsten Tag fahren wir über die Havel und den Stolpsee nach Himmelpfort, wo uns eine Selbstbedienungsschleuse erwartet. Mit Hilfe der Anweisungen auf der Signaltafel überwinden wir dieses Hindernis schadlos. Vorschriftsmäßig gewähren wir einem Berufsschiffer Vorfahrt, bevor wir uns an die Durchfahrt der engen Woblitz wagen. An der Schweigsamkeit des Skippers erkennen wir, dass die Passage durch den sich eng windenden Kanal nicht ganz einfach ist. An einer Stelle wird die Wasserstraße so schmal, dass wir gemäß der aufgestellten Schilder aufstoppen und Signal geben müssen, um uns zu überzeugen, dass uns in der engen Kurve niemand entgegenkommt.

So erreichen wir den Großen Lychensee, wo wir im Yachthafen Marina Lychensee anlegen. Unterwegs hatten wir schon den Abwassertank geleert und Frischwasser aufgenommen, so dass wir nun hier nach einem Stadtspaziergang einen gemütlichen Grill­abend veranstalten. Der freundliche Hafenmeister zeigt uns dazu die beste Stelle, und während das Fleisch brutzelt, kommen wir mit anderen Bootsbesatzungen ins Gespräch.

Mit Lychen ist nun für uns die weiteste Entfernung vom Heimathafen erreicht und wir machen uns am folgenden vierten Tag der Reise wieder auf den Rückweg. Er führt uns auf dem gleichen Weg zurück, auf dem wir gekommen sind. Nur in Fürstenberg übernachten wir dieses Mal am wunderschönen Hotel »Haus an der Havel«, wo wir mit unserem großen Boot die zwei Liegeplätze ganz allein in Anspruch nehmen.

Entdeckungstour

Nach einer herrlich ruhigen Nacht auf der Havel heißt unser nächster Halt Yachthafen Priepert am Ellbogensee, wo wir uns das zweite Mal um die Wassertanks kümmern. Durch die tatkräftige Hilfe der jeweiligen Hafenmitarbeiter ist das Pumpen des Abwassers und das Aufnehmen von frischem Wasser überhaupt kein Problem. Am Abend beschließen wir, dass wir noch etwas Neues entdecken wollen, und so fahren wir zwar wieder in den uns von der ersten Nacht schon bekannten Zootzensee, doch von dort noch weiter bis in den Schwarzen See, der fast wie ein Vulkankrater wirkt.

Hier erwartet uns ein überschaubarer Hafen bei Flecken Zechlin. In der Fischerhütte essen wir Fisch, bevor wir nach einem Bad im dunklen Wasser des Sees zufrieden in die Kojen sinken. Am vorletzten Tag unserer Fahrt erwachen wir in der etwas wehmütigen Gewissheit, dass unsere Tour sich nun dem Ende zuneigt. Da am morgigen Sonnabend um zehn Uhr die Übergabe des Bootes auf dem Programm steht, wollen wir lieber schon heute in Rheinsberg ankommen.

Während wir dem Heimathafen entgegentuckern, beobachten wir ein letztes Mal die Fischreiher entlang der Ufer. Nachdem wir in Rheinsberg festgemacht haben, genießen wir noch einen abwechslungsreichen Abend in der schönen Stadt.

Abschied

Am nächsten Morgen blicken wir nach der Übergabe des Bootes noch einmal auf unsere Fahrt zurück. Wir haben festgestellt, wie sich Bekanntes durch die Perspektive vom Wasser aus verändert und völlig neu wirkt. Wir wundern uns, wie viel wir in dieser einen Woche erlebt haben und wie erholt und erfrischt wir trotz der vielen Ereignisse sind.

Wir schauen noch einmal auf »unser« Boot. Wie es dort am Steg liegt, merken wir, dass es für uns wie ein zweites Zuhause geworden ist. Wir sind uns einig darin, dass dies wohl eine der schönsten Urlaubsreisen war, die wir je unternommen haben.

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