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Wir sind dann mal weg …

Wir sind dann mal weg …

Nach und nach stellte sich eine erste Sicherheit ein und wir merkten, Bootfahren ist wirklich nicht schwer. Links, rechts und vorn platziert, leiteten wir den verantwortlichen Kapitän durch schmale Brücken und Abgrenzungen. Zielstrebig folgten wir dem Pfad auf der Gewässerkarte und bogen in einen ruhigen Seitenarm ein. Unsere Standardgetränke zu diesem Zeitpunkt waren Tee und Espresso, denn das Wetter war an diesem Sonntag durchwachsen und der Nieselregen machte den Aufenthalt an Deck etwas ungemütlich. Aber niemand hatte Lust, sich in die Kabine zu verkriechen, denn von hier oben hatte man einen herrlichen Ausblick auf die Umgebung. Die Landschaft wurde uriger und wilder, Biber hatten ihre Spuren hinterlassen und einige Bäume standen nur noch auf einem dünnen Bein. Wir fuhren auf eine Brücke zu, die nicht den Eindruck machte, groß genug für unser Boot zu sein. Auch dass wir auf dem Weg nach Rheinsberg plötzlich weder Mitfahrer noch Gegenverkehr hatten, machte uns jetzt stutzig. Plötzlich wurde uns das Ausmaß unserer romantischen Odyssee bewusst: Wir hatten uns die Wasserkarte wohl nicht ganz so genau angeschaut und uns nun verfahren. Und schlimmer noch: Wir waren in einem sehr schmalen Flussarm gelandet, der allerhöchstens für flachgehende Kanus geeignet war.

An Bord wurde es plötzlich unruhig. Was ist nun zu tun? Den ganzen Weg rückwärtsfahren? Nach einigem Hin und Her entschieden wir uns, in dem schmalen Kanal doch lieber zu wenden. Das ganze Team war nun gefordert und rief dem Kapitän Geschwindigkeit, Abstand und Gefahren durch Hindernisse von der jeweiligen Position zu. Das Boot stand quer und entsprach fast der Breite des Flusses. Nun zählte nur noch eins: Teamwork! Nach mühevoller, konzentrierter Feinarbeit stand das Boot in entgegengesetzter Richtung und wir fielen uns vor Erleichterung in die Arme. Diese Herausforderung hatten wir wirklich mit Bravour gemeistert. Reich an neuen Erfahrungen setzten wir unsere Reise in geplanter Richtung fort.


Endlich lag der Große Rheinsberger See vor uns, im Dunst des trüben regnerischen Wetters kam uns die Weite des Sees unendlich vor. Kühn hielten wir gemeinsam mit Ronny am Steuerstand des Sonnendecks unsere Stellung. Von Weitem sahen wir den Leuchtturm des Hafendorfs Rheinsberg mit den vielen bunten Häuschen und kleinen Wasserwegen. Ein immerwährender Begleiter auf unserer Tour wurde der Fischreiher, der uns jeden Tag vom Ufer aus begrüßte. Kilometer um Kilometer glitten wir über die aufgewühlte See. Wir entschieden uns für einen Landgang und steuerten auf die Reederei Halbeck am Grienericksee zu. Zwischen anderen im Wasser wippenden Booten fanden wir einen Anlegeplatz. Das Tau wurde festgezurrt und das Stromkabel ausgelegt. Wir bezahlten Hafengebühr und Kurtaxe und machten uns gemeinsam auf den Weg durch Rheinsberg.

Der Alltag an Bord des Hausbootes

Über dem Grienericksee spiegelte sich die Abendsonne und verhieß einen sonnigen nächsten Tag. Die erste ruhige Nacht brach an und wir fielen in einen ruhigen und erholsamen Schlaf. Unser Hausboottrip entwickelte sich zu einem Urlaub für Frühaufsteher. Mit frischen Brötchen wurden wir morgens von Andy geweckt, um acht Uhr war das muntere Treiben an Bord schon in vollem Gange. Im Supermarkt erledigten wir die nötigen Einkäufe. Die Frauen haushalteten in der Bordküche, die Männer räumten das Sonnendeck auf. Gleich nach Dusche, Frühstück und Einkauf stachen wir wieder in See, um die nächste Etappe in Angriff zu nehmen. Zu unserer Freude riss im Laufe des Vormittags die Wolkendecke auf und bescherte uns ab diesem Moment eine andauernd sonnige Reise. Mit neuer Energie und frohen Mutes ging es zunächst von Rheinsberg zurück zur Marina Wolfsbruch. Hier erwartete uns die erste Schleuse unserer Tour! Wir reihten uns in die Schlange der anderen Hausbooturlauber ein. Neugierig gingen Kathi und ich am Ufer entlang und beobachteten das geschäftige Treiben vor der Schleuse und die anderen Bootsfahrer. Ein Rufen von unserem Boot signalisierte uns einen großen Fang an der Angel. Der nächste Hecht zappelte am Haken! Das zog die Aufmerksamkeit der Nachbarboote auf sich und schnell entwickelten sich Gespräche unter Angelfreunden, die uns das Warten verkürzten.

Als es für uns durch die Schleuse ging, fühlten wir uns schon bald wie „alte Hasen“. Ein kurzer Schnack mit dem Schleusenwärter und schon waren wir auf der anderen Seite des Hüttenkanals. Dort begrüßte uns das Schild von Boot & Mehr, denen wir auf der Rücktour einen Besuch abstatten wollten. Im Hafenführer begeisterten uns die Kritik und der beschriebene Charme des kleinen Hafens. Der Kleine Pälitzsee erlaubte nun wieder „Volle Kraft voraus!“ und wir genossen den Wind und die Sonne im Gesicht. An unser neues Domizil gewöhnten wir uns jetzt schnell. Andy, Ronny, Kathi und ich entwickelten uns zu einem gut organisierten Team. Die Landschaft vom Boot aus zu entdecken, begeisterte immer mehr. In einem gemütlichen Tempo und ohne den hektischen Alltag im Nacken hatten wir genügend Zeit, um unsere Bootsferien auszuleben. Campingplätze, Bootshäuser und Kanuverleihe säumten die Ufer. Mit Hilfe des Hafenführers und der Gewässerkarten verfolgten wir die unzähligen Wege und Ziele auf der Mecklenburgischen Kleinseenplatte. Als Hausbootneulinge fühlten wir uns bald nicht mehr. Ja, wir waren sogar besonders stolz auf unsere zunehmende Geschicklichkeit.

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