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Kreuzfahrt mit dem Wohnmobil

Kreuzfahrt mit dem Wohnmobil

An der Ostseeküste Schleswig-Holsteins bekommen Wohnmobilisten viel geboten und sind stets willkommen. Strände, Städte und eine Insel lohnen den Weg in den abwechslungsreichen Norden von Travemünde über Lübeck bis nach Fehmarn. Das Flair der Hansestadt Lübeck und die weite Fehmarns bieten Erholung und Erlebnis .

In Travemünde ahnt man das Wetter der nächsten Tage bereits voraus: Nieselregen und bedeckter Himmel verschleiern die Schönheit der Ostsee. Nur ein ausgiebiges Frühstück kann da die Stimmung heben. In der Stadtbäckerei an der Hafenpromenade finden wir eine gemütliche Ecke und beginnen unsere Rundreise kulinarisch. Travemünde ist Ausgangspunkt unserer Wohnmobil-Kreuzfahrt. Während der kommenden sieben Tagen wollen wir die verschiedenen Ostseeansichten entdecken, Seeluft schnuppern und den Reiz des Wechsels zwischen wilder Natur und munteren Ferienorten erleben.

An der Strandpromenade Travemündes bestimmen Strandkörbe und reges Urlaubstreiben das Bild. Am Mündungsufer des namensgebenden Flusses befinden sich Handels- und Fischereibetriebe, ein großer Fährhafen und natürlich der beliebte Verkauf frischen Fischs direkt von den kleinen Kuttern. Am gegenüberliegenden Traveufer geht es ruhiger zu. Eine kleine Fähre verbindet die Halbinsel Priwall mit der Travemünder Altstadt. Blickfang ist die Viermast-Stahlbark Passat, die im Hafen auf dem Priwall vor Anker liegt und seit 1960 als Museumsschiff und Jugendherberge dient. Unser Wohnmobil bietet auf knapp sechseinhalb Metern genügend Platz zum Leben, Speisen und Schlafen für bis zu vier Personen. Das Fahrzeug verfügt über ein französisches Doppelbett, eine kleine Dusch- und Waschzelle, Küchenzeile mit Spüle und Kühlschrank sowie eine komfortable Sitzgruppe. Sind vier Personen an Bord, so lässt sich der Tisch im Salon herunterfahren und mit wenigen Handgriffen in ein weiteres Bett verwandeln.

Für uns Wohnmobilneulinge ist der Siesta T600 von Hobby ein optimaler Wegbegleiter. Die kompakten Maße und das gutmütige Fahrwerk lassen sich problemlos handhaben. Schnell gewöhnen wir uns an die erhöhte Sitzposition und die gut dreieinhalb Tonnen Gewicht des Fahrzeuges.

Anfangs planen wir noch die tägliche Route. Doch bald stellen wir fest, dass im ganzen Land für Wohnmobilsten vorgesorgt ist. berall finden sich ausgeschilderte Stellplätze.

Radtour zum Timmendorfer Strand

Wir parken unserer Fahrzeug auf dem großen öffentlichen Stellplatz an der B76, Ecke Hafenstraße, wo ausreichend Plätze vorhanden sind. Zügig werden die beiden Klappräder aus dem großen, Garage genannten Stellraum am Heck des Mobils entlanden. Zur Erkundung der Strände an der Lübecker Bucht von Niendorf bis Sierksdorf nutzen wir die Zweiräder. Denn gerade im Sommer ist die Parkplatzsituation an den beliebten Strandabschnitten nicht immer einfach. Kaum hat sich die morgendliche Tristesse verzogen, radeln wir los.

In Niendorf ist am Strand Platz für Familienidyll. Direkt dahinter verläuft eine breite Promenade, auf der es an diesem Sommertag gemächlich zugeht. Dazu versprüht der kleine Fischereihafen am Ende der Strandpromenade maritim-touristisches Flair. Im Gegensatz zu Niendorf regiert in der ersten Reihe hinterm Meer am Timmendorfer Strand Noblesse. Seite an Seite reihen sich schmucke Häuser mit Meerblick entlang unseres Weges. Einzelne Aussichtspunkte ermöglichen einen weiten Blick über die Badestelle, auch ohne direkt am Strand zu sein.

Wasserski in Scharbeutz

Scharbeutz punktet mit modernem Strandleben. Ruheinseln in Form von Strandbars passen sich organisch in die Umgebung ein. Daneben gibt es hin und wieder die üblichen Strandimbisse für die ganze Familie. Auf Höhe der Wasserskiseilbahn beim „Blue Monkey Beachclub“ nehmen wir in der neuen Standbar „Capolino“ Platz und genießen einen leichten Salat mit Blick auf die tollkühnen Skifahrer. Hier erfahren wir, dass die Anlage eigentlich schon für die Saison 2007 geplant war, bis ein Sturm kurz vor der Eröffnung die Stege beschädigte. So kommen wir gerade richtig zur ersten Saison.

Naturgeschichtliches auf der Promenade

Seegrasbewachsene Dünen begleiten unseren Weg weiter nach Haffkrug. Die Promenade sieht nicht nur schön aus, sie informiert an Aussichtspunkten auch über die Entstehung der Region, das „Geschiebe der Eiszeit“, und geht auf die „gewaltigen Gesteinsmühlen“ ein. Am „Steuerstand“ der Promenade dürfen die Kleinsten sogar einmal das Ruder in die Hand nehmen und Kapitän spielen.

Die letzten zwei Kilometer von Haffkrug nach Sierksdorf sind schnell hinter uns gebracht. Hier in Sierksdorf teilen sich Badende den Strand mit den Fischern, die in kleinen Strandhütten ihr Arbeitsgerät lagern. Am Ufer vertäute Fischerboote schaukeln gemächlich mit den Wellen. Ein Fischer ordnet gerade seine Netze am Strand und faltet sie sorgsam zusammen. Der Blick wandert wie automatisch über die Lübecker Bucht zurück zum Timmendorfer Strand. In der Ferne sehen wir sogar die Silhouette des Hotel Maritim in Travemünde. Zurück zu unserem Wohnmobil nach Niendorf sind es nun mehr als zehn Kilometer, sodass wir unseren Rückweg durch einen Badestopp in zwei Abschnitte teilen. Müde, aber zufrieden erreichen wir in der Dämmerung unser mobiles Heim und gleiten bald in einen erholsamen Schlaf.

Von Grömitz nach Heiligenhafen

Nicht jeden Tag muss es körperliche Ertüchtigung sein – wir reisen mit dem Wohnmobil. Bei der Anfahrt auf Grömitz werden wir mit einem herrlichen Blick über den neuen Yachthafen empfangen. Surfer ziehen ihre Kurse auf der See und uns öffnet sich der Blick auf einen acht Kilometer langen Sandstrand. Dort nehmen wir in einer der neuen Ostseelounges mit weißen Kissen unter Sonnensegeln Platz und genießen die Aussicht. Von Grömitz aus führt unsere Fahrt in Richtung Fehmarn. Zwischenstopps sind Kellenhusen und Dahme, an deren Promenade wir so viel Zeit verbringen, dass wir es an diesem Tag nicht mehr nach Fehmarn schaffen, sondern in Heiligenhafen landen. Am dortigen Yachthafen schlagen wir unser Nachtlager auf dem Reisemobilparkplatz auf. In Heiligenhafen beeindruckt uns die große Fischereiflotte, die Tag und Nacht ihrer Arbeit nachgeht, wie wir auf unserem nächtlichen Rundgang durch den Hafen eindrucksvoll erleben dürfen.

Fehmarn entdecken

ber die Fehmarnsund-Brücke geht es auf die Insel. Unser erstes Ziel ist der Leuchtturm bei Westermarkelsdorf. Bei recht stürmischem Wetter entfaltet Fehmarn hier seinen Reiz und nimmt uns nun ganz für sich ein. Wir machen eine kleine Wanderung zum Strand, herrlich: Schafe weiden zwischen uns und dem Leuchtturm, ein schönes Idyll. Plötzlich öffnet der Himmel seine Schleusen und aus dem Idyll wird eine Urwalddusche. Wir rennen zurück zum Wohnmobil, aber da ist es auch schon zu spät. Gut, dass wir unserer gesamtes Reisegepäck mit uns umherfahren …

Wer auf Fehmarn unterwegs ist, sollte unbedingt das an der Westküste gelegene, 297 Hektar große Naturschutzgebiet Wasservogelreservat Wallnau besuchen. Rund zehn Hektar des Naturschutzgebietes sind für Besucher zugänglich und zeigen die Ursprünglichkeit der Insel. Auf zahlreichen Schautafeln und drei großen Themensäulen am „Pfad der Sinne“ erhalten wir interessante Einblicke in Wallnaus Flora und Fauna.

Badeurlaub am Wulfener Hals

Fehmarn – das sind aber nicht nur 297 Hektar Naturschutzgebiet, sondern auch 78 Kilometer Strand, und die gilt es von uns in den nächsten Tagen zu entdecken. Wir gönnen uns den Luxus des gehobenen Campings auf dem Wulfener Hals und entscheiden uns für den neu eingerichteten separaten Wohnmobilpark. Der Wulfener Hals liegt auf einer Halbinsel. Zur einen Seite laden Landzunge und Binnensee mit schönem Sandstrand zum Baden und Surfen ein, auf der anderen Seite eröffnet sich das wildromantische Steilufer der Insel. Seit Jahren wird der Platz unter anderem vom ADAC mit Bestnoten bewertet. Restaurants und ein Golfplatz runden das Wohlfühlpaket Wulfener Hals ab. Und auch wir genießen unsere Tage auf Fehmarn mit Baden und Wandern.

Hansestadt Lübeck

Nach zwei erholsamen Tagen auf Fehmarn endet unsere Reise entlang der westlichen Ostsee in der Sieben-Türme-Stadt Lübeck. Wir parken unseren Siesta auf dem großen Parkplatz gegenüber der Musik- und Kongresshalle und laufen die wenigen Schritte zum Holstentor. Von hier aus wollen wir die Weltkulturerbestadt auf einem abendlichen Rundgang erkunden. Das Backsteinmeer zieht uns sofort in seinen Bann und wir lassen uns treiben: Dom, Petrikirche, das Viertel um Sankt Aegidien und das Rathaus beeindrucken uns am meisten. Etwas abseits vom Rathaus lassen wir uns zum Abendessen unter freiem Himmel in einer der zahlreichen Kneipen nieder. Entlang des Hansekanals geht es zurück zum Ausgangspunkt unseres Spazierganges. Wir überqueren die kleine Brücke über den Holstenhafen und verbringen die Nacht auf dem Parkplatz an der Musik- und Kongresshalle, bewacht von einem selbsternannten netten Parkplatzwächter, der unsere Urlaubskasse um zwei Euro erleichtert. Dafür wünscht er uns aber umso freundlicher eine gute Nacht. Am nächsten Morgen geht eine erlebnisreiche Tour entlang der Küste zuende. Wir sehen die Ostsee mit neuen Augen, sie ist facettenreich und schön bei jedem Wetter, man muss sich nur auf die Reise begeben.

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