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Wunschlos glücklich – Törn von Berlin über Werder/Havel zur Müritz

Wunschlos glücklich – Törn von Berlin über Werder/Havel zur Müritz

Auf dem Fluss zum Weihnachtsmann

Die Flusskilometer plätschern vorbei und mit ihnen Weiden und Wiesen. Das Kind lässt sich auf der kanalartigen Strecke durch Geschichten unterhalten. Reihum muss jeder an Bord dem aufmerksamen Zuhörer ein Grimm’sches Märchen erzählen – da trifft es sich ausgezeichnet, dass die Crew in Zehdenick wieder Boden unter den Füßen gewinnt. Während Vater, Mutter und Kind die historische Zugbrücke inspizieren und zum Marktplatz flanieren, setzt Onkel Andreas schon seine beliebte Tomatensauce an.

Noch vor dem Abendessen ist die Crew weiter die Havel hinauf gefahren und biegt in einen der Tonstichseen ab. Der Anker wird ausgebracht und endlich die Badeplattform genutzt. Mit Schwimmflügeln ausgerüstet, kostet es Kasimir immerhin noch ein Stündchen der Überwindung, ins Wasser zu hüpfen. Das ist eine echte Mutprobe, auch wenn er auf dem Rücken des Vaters mitschwimmen darf. Die Belohnung folgt auf dem Achterdeck. Auf der Tafel steht ein dampfender Topf mit Spaghetti und Tomatensauce. Nach dem Essen wird sogar noch die Angel rausgeholt. Doch so schnell, wie Kasimir sich das gedacht hat, geht kein Fisch an den Haken und die Äuglein fallen ihm schon zu. Der Sternenhimmel spiegelt sich auf dem See und bei einem Glas Wein schaut die Crew dem sanften Schwojen um den Anker zu.

Am nächsten Tag heißt es bis Fürstenberg kräftig Havelkilometer schrubben, damit das Tor zur Mecklenburgischen Seenplatte erreicht wird. Die Geduld des jüngsten Passagiers wird hart auf die Probe gestellt und so beschließt der Kapitän bereits in Himmelpfort anzulanden. Ein Besuch beim Weihnachtsmann steht an, der neben der Klosterruine sein Häuschen hat. Kasimir inspiziert neugierig die Werkstatt für Weihnachtsgeschenke, aber der Mann mit dem Rauschebart scheint gerade im Sommerurlaub zu sein. Am frühen Abend wird beim Himmelpforter Fischer am Stolpsee eingekehrt, da alle Versuche mit der eigenen Angel scheiterten. Zur Nacht ist es der allgemeine Wunsch aller Mitfahrer, draußen auf dem See zu ankern – kein Hafen bietet so viel Romantik.

Zum Dixie durch die Seenplatte

Am nächsten Morgen wird Fürstenberg erreicht. Der Marktplatz hält nicht nur eine Eisdiele bereit, sondern auch ein lustiges Wasserspiel. Im Yachthafen wird die Renata flott gemacht – das Brauchwasser wird abgepumpt und neues Frischwasser läuft in die Tanks für Duschen, Toilette und den Küchenverbrauch. Auf dem weiteren Weg in die Seenplatte mäandert die Havel von See zu See. Die Wartezeiten an den folgenden Schleusen werden länger, denn der Bootsverkehr nimmt zu. Am Abend erreicht die Renata Kleinzerlang. Beim kleinen Anleger „Boot und Mehr“ ist ein Liegeplatz reserviert. Auf der Hafenterrasse spielt eine Rentnerband flotten Dixieland und im schönsten Sächsisch heißt der Hafenmeister die Gäste willkommen.

Die aufgetafelte Fischsuppe ist ein hausgemachter Traum, der seine Fortsetzung im Strandkorb am Steg findet. Mit einem Cocktail in der Hand geht der Blick in den Sonnenuntergang am gegenüberliegenden Ufer. Urlaub kann kaum gastlicher sein, als in diesem sehr persönlichen Hafen. Den nächsten Morgen verbringt Kasimir im nahe gelegenen Wald, Holz zum Schnitzen wird gesucht.

Auf der Fahrt bis nach Mirow kommt die Renata nur langsam voran. Viele Kanuwanderer sind unterwegs und Andreas muss die Geschwindigkeit häufig drosseln. In Mirow kann angstfrei und nach Herzenslust gebadet werden. Direkt neben dem Strandbad befindet sich ein Steg auch für Kurzlieger. Am Nachmittag geht es zu Fuß zur Schlossinsel und deren Kirchturm wird für eine herrliche Aussicht erklommen. Bis zum Abend steht noch einmal eine Stunde Kanalfahrt bis zur Kleinen Müritz an. Im Windschatten einer kleinen Insel wird dort der Anker abgelassen. Die über den Tag geschnitzten Holzboote treiben über den See und auch das Fernglas kommt noch einmal zum Einsatz. Beeindruckende Seeadler kreisen über dem Boot – das gibt es noch nicht einmal im Zoo.

Am nächsten Morgen wird früh aufgestanden, denn der Abgabehafen in Buchholz am südlichen Ende des Müritzarms muss noch erreicht werden. Auf den letzten Kilometern zeigt sich die Seenplatte noch einmal von ihrer schönsten Seite. Seerosenteppiche vor dichten Uferwäldern und zwischendrin lugen rohrgedeckte Bootshäuser aus den Schilfgürteln. Ein Großteil der Grimm’schen Märchen könnten in dieser urigen Landschaft entstanden sein. Für Kasimir bleibt der Zielhafen Buchholz als Märchendorf in Erinnerung. Wo sonst gibt es noch einen Eselhof und ein Storchennest in direkter Nachbarschaft.

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