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Ein Revier für Genießer

Ein Revier für Genießer

Eine 7-Tages-Tour durch die Ruppiner Gewässer über Kremmen bis nach Oranienburg

Lesedauer des Beitrags: 3 Minuten

Der breite Schilfstreifen vor dem Ufer von Karwe existiert noch heute, genauso wie Theodor Fontane es in der „Grafschaft Ruppin“ beschreibt. Und auch das Schloss derer von Ziethen erstrahlt am Seeufer in weißem Putz. Sonst aber erinnert wenig an jenen denkwürdigen Augustabend des Jahres 1785, an dem die beiden Söhne derer von Knesebeck und Ziethen eine freundschaftliche Seeschlacht inszenierten, in deren Verlauf der breite Schilfstreifen als ideales Versteck für einen Hinterhalt herhalten musste.

Wer hier im Ruppiner Seenland Urlaub macht, kommt am märkischen Haus- und Hofdichter Fontane nicht vorbei und sollte den Band „Die Grafschaft Ruppin“ seiner „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ im Reisegepäck haben. Der gebürtige Neuruppiner hat seiner Heimat ein literarisches Denkmal gesetzt und lässt uns durch seine Erzählungen in die Geschichte des Reviers eintauchen. Die Ruppiner Gewässer sind bisher noch ein Geheimtipp für Bootsurlauber.

 Bootstour Ruppiner Gewässer, Kremmen, Oranienburg © Magazin Seenland
Klappbrücke und Schleuse Altfriesack

Nur wenige Charterfirmen bieten Ihre Boote hier an. Zum einen mag das daran liegen, dass das Gebiet bisher mit einem Motor über 16 PS Antriebsleistung nur von der Schleuse Altfriesack bei Wustrau bis zum Viehlitzsee bei Lindow mit dem Charterschein befahrbar ist. Zum anderen aber auch an der mangelnden Bekanntheit und Anbindung der Seenkette rund um Neuruppin. Doch selbst, wer nur auf dieses überschaubare Stück Wasserstraße von gut 31 Kilometern beschränkt ist, sollte sich den Abstecher in das verträumte Revier gönnen.

Die Schiffbarmachung der Region erfolgte Ende des 18. Jahrhunderts, als Torf aus dem Rhinluch als Brennstoff nach Berlin und in der Gegenrichtung Baumaterial für den Aufbau Neuruppins nach dem verheerenden Brand 1787 transportiert wurde.

Das unterschätzte Revier

Frank Kindt hat das Potenzial des Reviers für sich erkannt. Anfangs als privater Dauerlieger auf eigenem Kiel im Yachthafen von Wustrau, seit zwei Jahren nun im eigenen Hafen und mit einer Flotte von fünf Hausbooten der Firma Nicols zum Chartern. Wenn der gelernte Ofenbauer über das Revier berichtet, merkt man ihm seine Begeisterung für die Region an. Einfach die Seele baumeln lassen, ankern auf stillen Seen, einatmen und die Natur genießen – das sei es, was er und seine Kunden an den Ruppiner Gewässern schätzten und weshalb sie immer wieder kämen.

Davon möchten wir uns überzeugen und starten mit Ziel Neuruppin an Bord einer Nicols Comfort 1100 mit dem Namen „Neustrelitz“. Das Boot ist komfortabel ausgestattet: Drei Kabinen und drei Bäder gruppieren sich um einen mittschiffs befindlichen Salon, dessen großzügige Verglasung die Umgebung auch von innen gut wahrnehmen lässt. Eine funktionale Küchenzeile mit großem Kühlschrank sowie der große Esstisch mit gemütlicher Sitzbank ergänzen den Salon. Der Motor ist im Heck der Badeplattform untergebracht, sodass sich im Kiel des Bootes ausreichend Stauraum für Proviant und Taschen befindet.

 Bootstour Ruppiner Gewässer, Kremmen, Oranienburg © Magazin Seenland
Yachthafen Lindow: Liegeplatz mit Sonnenaufgangsgarantie über dem Gudelacksee

Über den Ruppiner See, dem mit 14 Kilometern längsten See Brandenburgs, erreichen wir Neuruppin. Mehrere Häfen laden hier zum Landgang ein. Wir entscheiden uns für das Bootshaus Neuruppin. Der Hafen wird hauptsächlich von Dauerliegern genutzt, die uns freundlich und mit einer helfenden Hand begrüßen. Eine große Terrasse lädt zum Grillen ein und die Altstadt mit dem nächsten Kiosk mit Brötchenservice am Bügerbahnhof ist in 10 Minuten Fußweg durch eine Kleingartensiedlung erreicht.

Neuruppin, die Geburtsstadt Fontanes und Schinkels, ist ein Paradebeispiel für eine klassizistische Stadtanlage, die nach dem großen Stadtbrand im August 1787 auf dem Reißbrett neu entworfen und umgesetzt wurde und die das Stadtbild noch heute prägt.

Von Neuruppin nach Lindow

Erster Halt ist die Schleuse Alt Ruppin. Hier halten die Schleusenwärter noch Mittagspause zwischen 12 und 14 Uhr, sodass wir an der Wartestelle festmachen und einen Spaziergang unternehmen. Weit kommen wir nicht, denn im alten Speicher direkt neben der Schleuse befindet sich der Kornspeicher Neumühle. Auf vier Etagen hat der Tischlermeister Manfred Neumann mehrere hundert noch unrestaurierte Schätze aus Holz zusammengetragen – von Schränken aller Art, über Klaviere und Flügel, bis zu Rahmen u.v.a.m. Ist Neumann in seiner Werkstatt, so darf man die Lageretagen und die Ausstellungsräume mit 50 restaurierten Stücken nach Herzenslust durchstöbern. Um 14 Uhr öffnen sich pünktlich die Schleusentore. Vor uns liegt eine Kette aus drei schmalen, langgestreckten Seen. Die leicht ansteigenden Ufer sind gesäumt von

Sommergrundstücken in waldiger Lage, meist mit eigenem Bootsstegs und Badeleiter. Kurz hinter der Siedlung Zermützel gelangen wir in den erst 1900 schiffbar gemachten Rhin, die Fahrrinne ist durch Dalben gekennzeichnet, die mit Baumstämmen und Ketten verbunden sind. Hier ist die Sumpflandschaft des Rhinluchs noch sichtbar, flache Bäume stehen auf morastigem Grund. Fast vier Kilometer mäandert der Fluss durch diese einsame und besonders anmutende Landschaft.

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