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Trendsport inmitten unberührter Natur: drei Wasserwanderrouten in Mitteldeutschland

Trendsport inmitten unberührter Natur: drei Wasserwanderrouten in Mitteldeutschland

Lesedauer des Beitrags: 3 Minuten

Unterwegs im Leipziger Neuseenland: einzigartige Vielfalt an Gewässertypen

Fast schon einen Klassiker bildet die erst seit 2011 durchgängig befahrbare Route des Kurs 1 vom Elsterflutbett zum Cospudener See und retour. Falk Bruder, ein Leipziger Extremkanute, der im Kajak bereits auf dem eisigen Tatshenshini-Fluss durch Kanada tourte, rechnet sie „zum Besten, was man an einem Paddeltag in Deutschland machen kann“. Denn die Rundtour biete auf ihren 21 Kilometern eine einzigartige Vielfalt an Gewässertypen. Nach dem Start am Rennbahnsteg paddelt man zunächst das Elsterflutbett stromauf – also nach links – und hält sich auch am Leipziger Eck links. So geht es von hier über das Pleißeflutbett zum Wehr Connewitz, wo eine neue Schleuse das frühere Umtragen der Boote überflüssig macht. Von hier gleitet die Pleiße gemächlich durch den dichten Auwald, so dass auch das Paddeln gegen die Fließrichtung „keine unüberwindbaren Anforderungen“ darstellt, so Bruder. Schwieriger ist es da schon, in einer leichten Linkskurve den unscheinbaren Abzweig rechts in den Floßgraben zu entdecken. Von hier fährt man dann auf klarem Wasser windungsreich durch den Auwald. Wer mag, kann im Waldsee Lauer ein Bad nehmen, um danach über einen kurzen Verbindungskanal zur Schleuse Cospuden und damit zum ältesten der neuen Seen im Leipziger Südraum zu gelangen.

Am Cospudener See empfiehlt es sich, nach rechts am Nordstrand entlang zu paddeln und an dessen Ende den Bootswagen unterzuschnallen, um das Kanu knapp einen Kilometer bis zum Großzschocherschen Wehr zu ziehen. Nach dem Wehr kann man dann in der Weißen Elster weiterschippern. Die nächsten Kilometer führen an Kleingärten vorbei bis zum Teilungswehr Großzschocher, wo man sich am linken Ufer orientiert. Von hier, wo auch der Leipziger Kanu-Club seinen Steg hat, erreicht man schließlich erneut über das Leipziger Eck problemlos die Stadt – nun sogar stromabwärts.

Die Goitzsche-Tour: An der Quelle der Faltboot-Tradition

Wer einmal an der Quelle ostdeutscher Faltbootbau-Tradition ins Wasser stechen will, ist an der Goitzsche richtig. Noch heute tüfteln hier, in einer Manufaktur in Pouch bei Bitterfeld, Bootsbauexperten an ebenso schnittigen wie leistungsfähigen Kanus, die sich binnen zehn Minuten aus einem 16 Kilo leichten Seesack zaubern lassen. Auf der Halbinsel Pouch, die weit in das geflutete Bergbaurestloch hineinreicht, findet sich auch ein solider Wasserwanderplatz. Er bietet sich als Einstieg für eine Goitzsche-Umrundung im Kajak oder Kanadier an. Hält man sich relativ dicht am Ufer, summiert sich die Seerunde zu rund 20 Kilometern. Weniger geübte Kanuten bewältigten dies in etwa vier bis fünf Stunden reiner Paddelzeit, schätzt Falk Bruder. Denn die meisten Gelegenheitswasserwanderer seien im Boot etwa genauso schnell wie zu Fuß.

Unterwegs merkt der Paddler dann an einer permanent wechselnden Anmutung der Landschaft, dass die Goitzsche im Grunde aus drei ineinander übergehenden früheren Tagebauen entstand: dem Niemegker See am Bitterfelder Stadthafen, dem Bernsteinsee links davon, also in Richtung Pegelturm samt seiner schwimmenden Seebrücke, sowie dem weitgehend naturgeschützten Döberner See zur Rechten hinterm Goitzschewald. Und ebenso abwechslungsreich sind auch die Angebote für einen kleinen Landgang: An der noblen „Villa am Bernsteinsee“ erinnert ein Technikpark an die Bergbaugeschichte. Die Halbinsel Pouch birgt spektakuläre Landschaftskunst. Marina und Seepromenade versprühen ein Flair à la Mecklenburg, und über dem Feldherrenhügel bei Döbern kreist womöglich gerade ein Fischadler. Langweilig wird es nie.

Die Goitzsche bietet sich auch als Baustein einer längeren Paddelsafari an. Denn wer mehrere Tage auf der Mulde tourt, wird hier geradezu zwangsläufig angelandet. Der benachbarte Muldestausee lässt sich ebenso in den Törn integrieren, zumal sich hier ein Campingplatz befindet, der bei Wasserwanderern sehr beliebt ist.

Lausitzer Seenland: Für geübte Wasserwanderer

Bereits in der etablierten Wasserwanderregion rund um die Spree entwickelt sich die Lausitzer Seenkette, die sich derzeit parallel zum Leipziger Neuseenland mit Grund- und Spreewasser füllt. Wer sich und sein Paddelkönnen der Spree anvertraut, sollte kein ganz blutiger Anfänger sein. Mal ganz gemächlich durch herrlichen Flussauenwald, durch den bis heute schaurige Mythen wabern, dann aber auch mal sichtbar wild – so schlängelt sie sich aus der sächsischen Oberlausitz bis Berlin.

Erfahrene Kanutouristen bezwingen die Spree schon mal an einem verlängerten Wochenende, etwa beim alljährlichen Anpaddeln zu Ostern. Ganze Gruppen, von Jung bis Junggeblieben, wassern ihre Boote dann zunächst in Niederguhrig bei Bautzen. Von hier führt der erste Abschnitt in Richtung Uhyst auf 27 Kilometern durch das Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft. Über Klix, Spreewiese, Halbendorf, Neudorf und Lieske verläuft hier der spätere Hauptstadtfluss noch fast jungfräulich, während sich an den Bäumen das erste Grün der erwachenden Natur zeigt. Auch viel Getier tummelt sich im und am Wasser. Doch es ist nur eine Einstimmung. Die nächsten Tagesabschnitte von Uhyst nach Spremberg (35 Kilometer), dann weiter nach Cottbus (30 Kilometer) und schließlich nach Burg im Spreewald (28 Kilometer) erfordern in Summe Kondition.

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