Von einem Bootsverleih in Potsdam bis zum Finowkanal

By |10,8 min read|2139 words|Published On: 27. Januar 2020|
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8 Tage: Bootsverleih Potsdam – Brandenburg an der Havel – Berlin-Wannsee – Berlin-Spandau – Oranienburg – Finowkanal – Bootsverleih Potsdam

Potsdam ist eine Stadt am Wasser. Grün bestimmt das Panorama, die Havelseen geben Sichtachsen auf Parks und preußische Schlösser frei und eröffnen ein Idyll als meisterhafte Komposition von Kultur, Natur und Historie. In der Marina am Tiefen See heißt uns Frank Böning an einem sonnigen Nachmittag Ende August herzlich willkommen. Kaum ein Lüftchen regt sich über dem Wasser. Im Schatten der Sonnenschirme des Hafenbistros haben es sich eine Familie mit zwei Jungs und ein älteres Paar bei riesigen Eisbechern bequem gemacht.

Einweisung am Potsdamer Bootsverleih 

Unter ihren interessierten Blicken beladen wir unser schwimmendes Heim der kommenden Tage: die „Lea-Sophia“, eine Succes 125 Ultra New Line. Mit seiner Firma „FB Yachtcharter“, einem beliebten Bootsverleih in Potsdam, hat sich Frank Böning auf die Vermietung holländischer Stahlyachten aus der Werft Succes spezialisiert. Unsere weist 13,20 Meter Länge und 4,05 Meter Breite auf – das Flaggschiff seiner Flotte. In drei Kabinen finden bis zu sechs Passagiere geräumig Platz – man nimmt doch immer viel zu viel mit – und doch ist alles schnell verstaut.

Die ausführliche Einweisung und Unterweisung nebst Probefahrt in Schiff und Revier gibt uns Sicherheit und Vertrauen. Auch wenn in großen Teilen des Wasserreviers zwischen Müritz, Berlin und der Stadt Brandenburg an der Havel Bootsferien ohne Führerschein an Bord eines Charterschiffs möglich sind, auf bestimmten Strecken muss doch ein geprüfter Schiffsführer vorhanden sein. Einen solchen Törn haben wir uns ausgesucht.

Im Hintergrund die Dominsel von Brandenburg an der Havel – der Fischimbiss am Mühlendamm lädt zur Rast.

Im Hintergrund die Dominsel von Brandenburg an der Havel – der Fischimbiss am Mühlendamm lädt zur Rast.

Den ersten Abend verbringen wir im Erlebnisquartier Schiffbauergasse, das wir vom Schiff zu Fuß leicht erreichen. Wo einst vom kleinen Ruderboot bis zum großen Hochseedampfer einiges schwimmende Gerät zum Leben erweckt wurde, hat sich heute eine abwechslungsreiche Landschaft aus Kultur, Kunst und Kulinarik angesiedelt. Bei wunderbarem Wein und rhythmischen Tangoklängen klingt der Abend bei Wirt Clemens Lambrecht an Bord des Schiffsrestaurant „John Barnett“ enthusiastisch aus.

Bye, bye Bootsverleih Potsdam: Die Reise beginnt

Der nächste Tag führt uns stromabwärts. Bald grüßen uns Bootsverleih und Potsdam nur noch aus der Ferne und wir sind eingetaucht in das abwechslungsreiche Spiel des Havellands: Werder – bekannt für seinen Obstanbau und das alljährlich im Mai stattfindende Baumblütenfest – lassen wir backbords liegen. Ufer weiten und verengen sich, die Havel mäandert durch Fließe und Seen und bieten uns Bootsurlaubern ein kurzweiliges Panorama.

Schleusenfrei erreichen wir am Abend Brandenburg an der Havel. Noch vor der großen Vorstadtschleuse legen wir im neuen Hafen „Havel Marin“ rechter Hand an. Erstaunlich viel Leben brandet uns entgegen und schnell spricht sich herum, dass heute ein großes Hafenfest veranstaltet wird. Wir stürzen uns mit ins Getümmel. Für Speis und Trank ist üppig gesorgt und als krönenden Höhepunkt erleben wir zu später Stunde ein leuchtendes Höhenfeuerwerk.

Trotz erlebnisreicher Nacht ist die Crew am kommenden Morgen früh auf. Ein ganzes Stück Weg liegt vor uns, denn wir machen kehrt und fahren den gestrigen Weg in entgegengesetzter Richtung die Havel bergauf. Viele meinen, es sei langweilig, die gleiche Strecke zwei Mal zu befahren. Doch unsere Erfahrung sagt das Gegenteil. Eine neue Richtung macht einen komplett neuen Weg, und es gibt so viel Unentdecktes am Ufer zu sehen, dass für Abwechslung allzeit gesorgt ist. Die Potsdamer Havel liegt hinter uns und der Bug der „Lea-Sophia“ schneidet sich elegant durchs Wasser: Wannsee voraus. Am fernen, rechten Ufer ist das berühmte Strandbad – die Badewanne der Berliner – zu entdecken. Pfaueninsel und Grunewaldturm lassen wir steuerbords liegen und passieren das Spandauer Gemünd. Die Stadt beginnt den Wasserlauf einzuschließen.

Schleuse Lehnitz @Magazin Seenland
Nach langem Warten werden alle Sportboote in Lehnitz gesammelt geschleust.

Vor der Spandauer Schleuse ist Schluss mit der Fahrt. Die Sportbootwartestelle am rechten Ufer zeigt ein rotes Signal. Generell haben Berufs- und Frachtschiffe Vorrang. Hier an der Spandauer Schleuse, am Fuße der ehrwürdigen Mauern der Zitadelle – eine der bedeutendsten und besterhaltenen Renaissance-Festungen Europas der einstigen Garnisonsstadt Spandau, die in ihren ältesten Bestandteilen auf Bauwerken aus dem 13. Jahrhundert fußt – kann das Geschick der Schubverbandskapitäne besonders schön beobachtet werden. Die Schleuse liegt in einer Flussbiegung. Geschickt manövrieren die Binnenschiffer ihre bis zu 115 Meter langen Gefährte aus der Kurve direkt in die Schleusenkammer. Sie versorgen Berlin mit Kohle und Baustoffen und bringen Schutt und Altmetall hinaus.

Nach den Berufsschiffen sind wir an der Reihe. Die Schleuse ist die erste auf unserer Tour und eignet sich hervorragend für eine Generalprobe: Das Becken ist lang und breit, Crew­-Mitglieder besetzen alle Positionen an Leinen und Fendern und so wird mit aller Ruhe das Manöver mit Bravour gemeistert. Kurz hinter der Schleuse rechts ist das heutige Etappenziel erreicht. Der Hafen der Wasserfreunde Spandau heißt uns im Schatten der Zitadelle willkommen. In der langsam aufziehenden Dämmerung unternehmen wir einen entspannten Spaziergang über das Festungsareal und kehren später in die Zitadellen-Schänke zu mittelalterlichem Speis und Trank ein.

Vormittags Badestopp, nachmittags Schlossbesuch

Der nächste Tag bringt auch schon den nächsten Festungsbau – das Schloss Oranienburg ist unser Ziel. Doch wir lassen es ruhig angehen. Bei 35 Grad im Schatten ist Badezeit angesagt. Im Tegeler See suchen wir uns einen ruhigen Ankerplatz und lassen die Zeit dahintreiben. Da bewährt es sich, das unsere Komfortyacht mit einem richtigen Gefrierfach ausgestattet ist. Der Transport einer ordentlichen Portion Eis ist so kein Problem.

25 Kilometer weiter nördlich liegt schließlich Oranienburg backbord voraus. Noch vor der S-Bahnbrücke biegen wir links ab. Der Kanal wird schmal und flach und unser Kapitän behält das Echolot der „Lea-Sophia“ gut im Auge. Alles passt. So schlängeln wir uns hinein in die Innenstand Oranienburgs um schließlich im neu eröffneten Schlosshafen anzulegen.

Doch leider stellen wir fest, dies ist leichter gesagt als getan. Hat doch der Planer nicht an die Breite heutiger Charteryachten gedacht. Nur sehr wenige Plätze bieten ausreichend Raum für Charterschiffe unserer Dimension. Dank tatkräftiger Unterstützung des engagierten Hafenmeisters Hans-Dieter Zander wird auch diese Herausforderung geschickt gelöst. Er versichert uns später, zur kommenden Saison werde der Hafen umgestaltet, sodass dann ein gewohntes Anlegen kein Problem mehr sein sollte.

Der Hafen liegt grandios: Ein interessanter Stadtrundgang mit Schildern und Beschreibungen zu historischen Bauten und Gegebenheiten führt hier direkt vorbei. Schlosspark und Buga-Gelände münden unmittelbar an das Hafenareal und die sanitären Einrichtungen sind lobend zu erwähnen. Auch kulinarisch wird einiges geboten – das „Schloss Restaurant“ liegt unmittelbar am Kanalufer, im ehemaligen Kavalierhaus lädt das „Il Castillo“ zu mediterraner Küche ein. Wir wählen Letzteres.

Fahrstuhl für Schiffe

Es war ein schöner Aufenthalt in Oranienburg. Nach Frühstück und Ablegen liegt nun der Lehnitzsee vor uns. Vor der gleichnamigen Schleuse wurden wir bereits gewarnt, denn hier muss der gesamte Frachtverkehr nach Polen hindurch. Lange Wartezeit sind keine Seltenheit. Doch erfreulicherweise haben wir Glück, schon nach einer Viertelstunde geht es voran und die „Lea-Sophia“ gesellt sich mit den anderen Sportbooten zu einem Frachtkahn mit Altmetallladung. Der Oder-Havel-Kanal bietet wenig interessante Ansichten. Die Wasserstraße ist für den Frachtverkehr ausgebaut, Grün säumt die begradigten Ufer und die Crew vertreibt sich die Zeit mit Dösen, Lesen und kaltem grünen Tee mit einem Spritzer Zitronensaft – das optimale Getränk bei solchen Temperaturen.

49 Kilometer weiter erreichen wir gegen Abend die Wartestelle vor dem Schiffshebewerk Niederfinow. Wir machen an Backbord fest und versichern uns telefonisch bei der Leitwarte, dass wir hier richtig liegen. Ein Bleiben über Nacht ist kein Problem und wir vereinbaren die Weiterfahrt für den kommenden Tag um 8:00 Uhr.

Im Finowkanal

Dies klappt auch wie geplant. Der Trog bietet viel Raum, den neben uns nur drei weitere Sportboote bei weitem nicht ausnutzen. 36 Meter geht es hinunter und nach wenigen Minuten verlassen wir den größten Bootsfahrstuhl Europas auch schon wieder. Nur wenige hundert Meter stromabwärts halten wir uns scharf rechts. Der alte Finowkanal beginnt. Hier liegt der Wendepunkt unserer Reise.

Bereits Anfang des 17. Jahrhunderts wurde der Finowkanal als Verbindung zwischen Oder und Havel erbaut. Damit ist er die erste künstliche Wasserstraße Deutschlands. Der 30-jährige Krieg zerstörte das Bauwerk, doch es wurde wieder aufgebaut und bildete sich als Hauptschlagader für die rasante industrielle Entwicklung des Finowtals heraus. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die parallel verlaufende Oder-Havel-Wasserstraße in Betrieb genommen. Seitdem fristete der Finowkanal ein Dornröschendasein, bis er dank der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft Region Finowkanal wieder zum Leben erweckt wurde.

Wir starten mit unserer Finowkanaltour in Liepe. Gegen 9:00 Uhr wird die erste Schleuse geöffnet. Es folgen elf weitere, die auf einer Stecke von 32 Kilometern das ausgleichen, was wir mit dem Schiffshebewerk in Minuten überwunden haben. Zur Wiedereröffnung des Kanals wurde an den historischen Vorbildern der wassertechnischen Bauten festgehalten. Handbetrieben bieten die Schleusenbauwerke interessante Einblicke in die Historie, und schon dies ist als Erlebnis eine Passage des Finowkanals wert. Die freundlichen Schleusenwärter bedienen Schieber und Kurbeln mit geübtem Griff und wir legen gern einige Münzen auf die Schleusenmauer als Dank für ihren schweißtreibenden Job. Manch einer hat sogar zwei Schleusen unter seiner Aufsicht und fährt per Rad am Kanalufer uns voraus.

Bauhistorisches am Ufer

Seerosen und Schilf säumen den idyllischen Verlauf des Finowkanals. Nach jeder Biegung eröffnen sich neue Perspektiven und Lücken in der Uferbewaldung lassen den Blick über eine hübsch hügelige Landschaft schweifen. Wichtig ist, die Öffnungszeiten der Hubbrücke nach der Schleuse Drahthammer in der Routenplanung zu berücksichtigen. Hier ist die Durchfahrt zwischen 8:00 und 18:00 Uhr nur alle zwei Stunden möglich. Wir sind dem Schleusenwärter am Kupferhammer für diesen Hinweis dankbar, denn wir passen das Fahrtempo entsprechend an und passieren die Brücke im Zeitplan. Das Etappenziel ist die Schleuse Grafenbrück, denn im Finowkanal wird nur bis 17:00 Uhr geschleust.

Hier befinden wir uns auf historischem Grund, denn an diesem Ort steht das wohl älteste Amtsgebäude Deutschlands: Das ehemalige Magazin der Königlich-Preußischen Wasserbaudirektion, die hier über 100 Jahre ihre Niederlassung hatte. Der Zahn der Zeit brachte das Bauwerk mit seiner einmaligen, markant geschwungenen Dachkonstruktion beinahe zum Einsturz. Doch das Bauwerk wurde bewahrt, rekonstruiert und erst diesen Mai eröffnet. Heute liegt es mit schattigem Biergarten direkt am Radweg Berlin–Usedom. Zum Abend haben die Wirtsleute zum Grillen eingeladen.

Spaß beim Schleusen

Am kommenden Morgen steht die gesamte Crew bereits für die erste Schleusung parat – Leesenbrück und Ruhlsdorf liegen noch vor uns. Bereits gegen 11:00 Uhr verlassen wir den Finowkanal. Es war eine abwechslungsreiche Durchfahrt im Wechsel beschaulicher Natur und Zeugnissen vergangener Industriekultur. Der sehr geringe Schiffsverkehr hat uns gut gefallen – waren wir doch meist nur zu zweit oder dritt in den großen Schleusen. Nun liegt die Schleuse Lehnitz voraus. Diese teilen wir uns wieder mit dem Frachtverkehr. Und tatsächlich ballt es sich hier.

Musste doch die Berufsschifffahrt den vergangenen Tag auf Schleusungen verzichten. Heute ist dafür Hochbetrieb. Tatsächlich dauert es vier Stunden, bis endlich eine Sportbootschleusung durchgeführt werden kann. Wir haben uns die Zeit mit Seemannschnack vertrieben und nun summt wie in einem Bienenstock ein riesiger Schwarm Sportboote verschiedenster Größe auf das Obertor zu: dick neben dünn, lang vor kurz und Schritt für Schritt. Es wird nachgerutscht und am Ende sind alle Schiffe drin.

Nach erfolgreicher Schleusung ist der Blick auf das auslaufende Pulk nicht weniger amüsant als die Einfahrt. Doch auf dem Lehnitzsee verläuft sich die Menge schnell und schließlich schippern wir wieder wie gewohnt unseres Weges. An der Scharfen Lanke bleiben wir im Hafen der Marina Lanke über Nacht.

…und retour zum Potsdamer Bootsverleih

Der letzte Bootstag bricht für uns im Hafen der Marina Lanke an und verspricht ein weiteres Mal viel Sonne. Doch zu „FB Yachtcharter“, dem Bootsverleih in Potsdam, wollen wir noch nicht so schnell zurück. Hat doch Frank Böning seine Motoryacht mit einer technischen Finesse ausgestattet: „Paul und Paula“ sind an Bord! Dank Satellitennavigation geleiten uns die beiden Audioguides durch die Wannseerunde über Stölpchensee und Griebnitzsee. Der Weg wird uns beschrieben, Anekdoten und Hintergrundinfos zu Bauwerken und Menschen am Ufer unterhaltsam vermittelt. Ein wirklich gelungener Ausklang für eine tolle Woche auf dem Wasser. Gegen Abend legen wir im Heimathafen – der Marina am Tiefen See – an. Frank Böning vom Potsdamer Bootsverleih ist schon vor Ort: „Habt ihr schöne Tage gehabt?“ Unsere Antwort ist kurz: „Jaaa!“ 

Auch Lust bekommen, eine Yacht zu mieten? 

Dann schau Sie doch einmal bei unserer Online-Suche vorbei. Ob Floß, Hausboot oder Motoryacht: Hier findet sich garantiert das ideale schwimmende Gefährt für Ihren nächsten Urlaub auf dem Wasser. Vielfach auch ohne Führerschein.

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8 Tage: Bootsverleih Potsdam – Brandenburg an der Havel – Berlin-Wannsee – Berlin-Spandau – Oranienburg – Finowkanal – Bootsverleih Potsdam

Potsdam ist eine Stadt am Wasser. Grün bestimmt das Panorama, die Havelseen geben Sichtachsen auf Parks und preußische Schlösser frei und eröffnen ein Idyll als meisterhafte Komposition von Kultur, Natur und Historie. In der Marina am Tiefen See heißt uns Frank Böning an einem sonnigen Nachmittag Ende August herzlich willkommen. Kaum ein Lüftchen regt sich über dem Wasser. Im Schatten der Sonnenschirme des Hafenbistros haben es sich eine Familie mit zwei Jungs und ein älteres Paar bei riesigen Eisbechern bequem gemacht.

Einweisung am Potsdamer Bootsverleih 

Unter ihren interessierten Blicken beladen wir unser schwimmendes Heim der kommenden Tage: die „Lea-Sophia“, eine Succes 125 Ultra New Line. Mit seiner Firma „FB Yachtcharter“, einem beliebten Bootsverleih in Potsdam, hat sich Frank Böning auf die Vermietung holländischer Stahlyachten aus der Werft Succes spezialisiert. Unsere weist 13,20 Meter Länge und 4,05 Meter Breite auf – das Flaggschiff seiner Flotte. In drei Kabinen finden bis zu sechs Passagiere geräumig Platz – man nimmt doch immer viel zu viel mit – und doch ist alles schnell verstaut.

Die ausführliche Einweisung und Unterweisung nebst Probefahrt in Schiff und Revier gibt uns Sicherheit und Vertrauen. Auch wenn in großen Teilen des Wasserreviers zwischen Müritz, Berlin und der Stadt Brandenburg an der Havel Bootsferien ohne Führerschein an Bord eines Charterschiffs möglich sind, auf bestimmten Strecken muss doch ein geprüfter Schiffsführer vorhanden sein. Einen solchen Törn haben wir uns ausgesucht.

Im Hintergrund die Dominsel von Brandenburg an der Havel – der Fischimbiss am Mühlendamm lädt zur Rast.

Im Hintergrund die Dominsel von Brandenburg an der Havel – der Fischimbiss am Mühlendamm lädt zur Rast.

Den ersten Abend verbringen wir im Erlebnisquartier Schiffbauergasse, das wir vom Schiff zu Fuß leicht erreichen. Wo einst vom kleinen Ruderboot bis zum großen Hochseedampfer einiges schwimmende Gerät zum Leben erweckt wurde, hat sich heute eine abwechslungsreiche Landschaft aus Kultur, Kunst und Kulinarik angesiedelt. Bei wunderbarem Wein und rhythmischen Tangoklängen klingt der Abend bei Wirt Clemens Lambrecht an Bord des Schiffsrestaurant „John Barnett“ enthusiastisch aus.

Bye, bye Bootsverleih Potsdam: Die Reise beginnt

Der nächste Tag führt uns stromabwärts. Bald grüßen uns Bootsverleih und Potsdam nur noch aus der Ferne und wir sind eingetaucht in das abwechslungsreiche Spiel des Havellands: Werder – bekannt für seinen Obstanbau und das alljährlich im Mai stattfindende Baumblütenfest – lassen wir backbords liegen. Ufer weiten und verengen sich, die Havel mäandert durch Fließe und Seen und bieten uns Bootsurlaubern ein kurzweiliges Panorama.

Schleusenfrei erreichen wir am Abend Brandenburg an der Havel. Noch vor der großen Vorstadtschleuse legen wir im neuen Hafen „Havel Marin“ rechter Hand an. Erstaunlich viel Leben brandet uns entgegen und schnell spricht sich herum, dass heute ein großes Hafenfest veranstaltet wird. Wir stürzen uns mit ins Getümmel. Für Speis und Trank ist üppig gesorgt und als krönenden Höhepunkt erleben wir zu später Stunde ein leuchtendes Höhenfeuerwerk.

Trotz erlebnisreicher Nacht ist die Crew am kommenden Morgen früh auf. Ein ganzes Stück Weg liegt vor uns, denn wir machen kehrt und fahren den gestrigen Weg in entgegengesetzter Richtung die Havel bergauf. Viele meinen, es sei langweilig, die gleiche Strecke zwei Mal zu befahren. Doch unsere Erfahrung sagt das Gegenteil. Eine neue Richtung macht einen komplett neuen Weg, und es gibt so viel Unentdecktes am Ufer zu sehen, dass für Abwechslung allzeit gesorgt ist. Die Potsdamer Havel liegt hinter uns und der Bug der „Lea-Sophia“ schneidet sich elegant durchs Wasser: Wannsee voraus. Am fernen, rechten Ufer ist das berühmte Strandbad – die Badewanne der Berliner – zu entdecken. Pfaueninsel und Grunewaldturm lassen wir steuerbords liegen und passieren das Spandauer Gemünd. Die Stadt beginnt den Wasserlauf einzuschließen.

Schleuse Lehnitz @Magazin Seenland
Nach langem Warten werden alle Sportboote in Lehnitz gesammelt geschleust.

Vor der Spandauer Schleuse ist Schluss mit der Fahrt. Die Sportbootwartestelle am rechten Ufer zeigt ein rotes Signal. Generell haben Berufs- und Frachtschiffe Vorrang. Hier an der Spandauer Schleuse, am Fuße der ehrwürdigen Mauern der Zitadelle – eine der bedeutendsten und besterhaltenen Renaissance-Festungen Europas der einstigen Garnisonsstadt Spandau, die in ihren ältesten Bestandteilen auf Bauwerken aus dem 13. Jahrhundert fußt – kann das Geschick der Schubverbandskapitäne besonders schön beobachtet werden. Die Schleuse liegt in einer Flussbiegung. Geschickt manövrieren die Binnenschiffer ihre bis zu 115 Meter langen Gefährte aus der Kurve direkt in die Schleusenkammer. Sie versorgen Berlin mit Kohle und Baustoffen und bringen Schutt und Altmetall hinaus.

Nach den Berufsschiffen sind wir an der Reihe. Die Schleuse ist die erste auf unserer Tour und eignet sich hervorragend für eine Generalprobe: Das Becken ist lang und breit, Crew­-Mitglieder besetzen alle Positionen an Leinen und Fendern und so wird mit aller Ruhe das Manöver mit Bravour gemeistert. Kurz hinter der Schleuse rechts ist das heutige Etappenziel erreicht. Der Hafen der Wasserfreunde Spandau heißt uns im Schatten der Zitadelle willkommen. In der langsam aufziehenden Dämmerung unternehmen wir einen entspannten Spaziergang über das Festungsareal und kehren später in die Zitadellen-Schänke zu mittelalterlichem Speis und Trank ein.

Vormittags Badestopp, nachmittags Schlossbesuch

Der nächste Tag bringt auch schon den nächsten Festungsbau – das Schloss Oranienburg ist unser Ziel. Doch wir lassen es ruhig angehen. Bei 35 Grad im Schatten ist Badezeit angesagt. Im Tegeler See suchen wir uns einen ruhigen Ankerplatz und lassen die Zeit dahintreiben. Da bewährt es sich, das unsere Komfortyacht mit einem richtigen Gefrierfach ausgestattet ist. Der Transport einer ordentlichen Portion Eis ist so kein Problem.

25 Kilometer weiter nördlich liegt schließlich Oranienburg backbord voraus. Noch vor der S-Bahnbrücke biegen wir links ab. Der Kanal wird schmal und flach und unser Kapitän behält das Echolot der „Lea-Sophia“ gut im Auge. Alles passt. So schlängeln wir uns hinein in die Innenstand Oranienburgs um schließlich im neu eröffneten Schlosshafen anzulegen.

Doch leider stellen wir fest, dies ist leichter gesagt als getan. Hat doch der Planer nicht an die Breite heutiger Charteryachten gedacht. Nur sehr wenige Plätze bieten ausreichend Raum für Charterschiffe unserer Dimension. Dank tatkräftiger Unterstützung des engagierten Hafenmeisters Hans-Dieter Zander wird auch diese Herausforderung geschickt gelöst. Er versichert uns später, zur kommenden Saison werde der Hafen umgestaltet, sodass dann ein gewohntes Anlegen kein Problem mehr sein sollte.

Der Hafen liegt grandios: Ein interessanter Stadtrundgang mit Schildern und Beschreibungen zu historischen Bauten und Gegebenheiten führt hier direkt vorbei. Schlosspark und Buga-Gelände münden unmittelbar an das Hafenareal und die sanitären Einrichtungen sind lobend zu erwähnen. Auch kulinarisch wird einiges geboten – das „Schloss Restaurant“ liegt unmittelbar am Kanalufer, im ehemaligen Kavalierhaus lädt das „Il Castillo“ zu mediterraner Küche ein. Wir wählen Letzteres.

Fahrstuhl für Schiffe

Es war ein schöner Aufenthalt in Oranienburg. Nach Frühstück und Ablegen liegt nun der Lehnitzsee vor uns. Vor der gleichnamigen Schleuse wurden wir bereits gewarnt, denn hier muss der gesamte Frachtverkehr nach Polen hindurch. Lange Wartezeit sind keine Seltenheit. Doch erfreulicherweise haben wir Glück, schon nach einer Viertelstunde geht es voran und die „Lea-Sophia“ gesellt sich mit den anderen Sportbooten zu einem Frachtkahn mit Altmetallladung. Der Oder-Havel-Kanal bietet wenig interessante Ansichten. Die Wasserstraße ist für den Frachtverkehr ausgebaut, Grün säumt die begradigten Ufer und die Crew vertreibt sich die Zeit mit Dösen, Lesen und kaltem grünen Tee mit einem Spritzer Zitronensaft – das optimale Getränk bei solchen Temperaturen.

49 Kilometer weiter erreichen wir gegen Abend die Wartestelle vor dem Schiffshebewerk Niederfinow. Wir machen an Backbord fest und versichern uns telefonisch bei der Leitwarte, dass wir hier richtig liegen. Ein Bleiben über Nacht ist kein Problem und wir vereinbaren die Weiterfahrt für den kommenden Tag um 8:00 Uhr.

Im Finowkanal

Dies klappt auch wie geplant. Der Trog bietet viel Raum, den neben uns nur drei weitere Sportboote bei weitem nicht ausnutzen. 36 Meter geht es hinunter und nach wenigen Minuten verlassen wir den größten Bootsfahrstuhl Europas auch schon wieder. Nur wenige hundert Meter stromabwärts halten wir uns scharf rechts. Der alte Finowkanal beginnt. Hier liegt der Wendepunkt unserer Reise.

Bereits Anfang des 17. Jahrhunderts wurde der Finowkanal als Verbindung zwischen Oder und Havel erbaut. Damit ist er die erste künstliche Wasserstraße Deutschlands. Der 30-jährige Krieg zerstörte das Bauwerk, doch es wurde wieder aufgebaut und bildete sich als Hauptschlagader für die rasante industrielle Entwicklung des Finowtals heraus. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die parallel verlaufende Oder-Havel-Wasserstraße in Betrieb genommen. Seitdem fristete der Finowkanal ein Dornröschendasein, bis er dank der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft Region Finowkanal wieder zum Leben erweckt wurde.

Wir starten mit unserer Finowkanaltour in Liepe. Gegen 9:00 Uhr wird die erste Schleuse geöffnet. Es folgen elf weitere, die auf einer Stecke von 32 Kilometern das ausgleichen, was wir mit dem Schiffshebewerk in Minuten überwunden haben. Zur Wiedereröffnung des Kanals wurde an den historischen Vorbildern der wassertechnischen Bauten festgehalten. Handbetrieben bieten die Schleusenbauwerke interessante Einblicke in die Historie, und schon dies ist als Erlebnis eine Passage des Finowkanals wert. Die freundlichen Schleusenwärter bedienen Schieber und Kurbeln mit geübtem Griff und wir legen gern einige Münzen auf die Schleusenmauer als Dank für ihren schweißtreibenden Job. Manch einer hat sogar zwei Schleusen unter seiner Aufsicht und fährt per Rad am Kanalufer uns voraus.

Bauhistorisches am Ufer

Seerosen und Schilf säumen den idyllischen Verlauf des Finowkanals. Nach jeder Biegung eröffnen sich neue Perspektiven und Lücken in der Uferbewaldung lassen den Blick über eine hübsch hügelige Landschaft schweifen. Wichtig ist, die Öffnungszeiten der Hubbrücke nach der Schleuse Drahthammer in der Routenplanung zu berücksichtigen. Hier ist die Durchfahrt zwischen 8:00 und 18:00 Uhr nur alle zwei Stunden möglich. Wir sind dem Schleusenwärter am Kupferhammer für diesen Hinweis dankbar, denn wir passen das Fahrtempo entsprechend an und passieren die Brücke im Zeitplan. Das Etappenziel ist die Schleuse Grafenbrück, denn im Finowkanal wird nur bis 17:00 Uhr geschleust.

Hier befinden wir uns auf historischem Grund, denn an diesem Ort steht das wohl älteste Amtsgebäude Deutschlands: Das ehemalige Magazin der Königlich-Preußischen Wasserbaudirektion, die hier über 100 Jahre ihre Niederlassung hatte. Der Zahn der Zeit brachte das Bauwerk mit seiner einmaligen, markant geschwungenen Dachkonstruktion beinahe zum Einsturz. Doch das Bauwerk wurde bewahrt, rekonstruiert und erst diesen Mai eröffnet. Heute liegt es mit schattigem Biergarten direkt am Radweg Berlin–Usedom. Zum Abend haben die Wirtsleute zum Grillen eingeladen.

Spaß beim Schleusen

Am kommenden Morgen steht die gesamte Crew bereits für die erste Schleusung parat – Leesenbrück und Ruhlsdorf liegen noch vor uns. Bereits gegen 11:00 Uhr verlassen wir den Finowkanal. Es war eine abwechslungsreiche Durchfahrt im Wechsel beschaulicher Natur und Zeugnissen vergangener Industriekultur. Der sehr geringe Schiffsverkehr hat uns gut gefallen – waren wir doch meist nur zu zweit oder dritt in den großen Schleusen. Nun liegt die Schleuse Lehnitz voraus. Diese teilen wir uns wieder mit dem Frachtverkehr. Und tatsächlich ballt es sich hier.

Musste doch die Berufsschifffahrt den vergangenen Tag auf Schleusungen verzichten. Heute ist dafür Hochbetrieb. Tatsächlich dauert es vier Stunden, bis endlich eine Sportbootschleusung durchgeführt werden kann. Wir haben uns die Zeit mit Seemannschnack vertrieben und nun summt wie in einem Bienenstock ein riesiger Schwarm Sportboote verschiedenster Größe auf das Obertor zu: dick neben dünn, lang vor kurz und Schritt für Schritt. Es wird nachgerutscht und am Ende sind alle Schiffe drin.

Nach erfolgreicher Schleusung ist der Blick auf das auslaufende Pulk nicht weniger amüsant als die Einfahrt. Doch auf dem Lehnitzsee verläuft sich die Menge schnell und schließlich schippern wir wieder wie gewohnt unseres Weges. An der Scharfen Lanke bleiben wir im Hafen der Marina Lanke über Nacht.

…und retour zum Potsdamer Bootsverleih

Der letzte Bootstag bricht für uns im Hafen der Marina Lanke an und verspricht ein weiteres Mal viel Sonne. Doch zu „FB Yachtcharter“, dem Bootsverleih in Potsdam, wollen wir noch nicht so schnell zurück. Hat doch Frank Böning seine Motoryacht mit einer technischen Finesse ausgestattet: „Paul und Paula“ sind an Bord! Dank Satellitennavigation geleiten uns die beiden Audioguides durch die Wannseerunde über Stölpchensee und Griebnitzsee. Der Weg wird uns beschrieben, Anekdoten und Hintergrundinfos zu Bauwerken und Menschen am Ufer unterhaltsam vermittelt. Ein wirklich gelungener Ausklang für eine tolle Woche auf dem Wasser. Gegen Abend legen wir im Heimathafen – der Marina am Tiefen See – an. Frank Böning vom Potsdamer Bootsverleih ist schon vor Ort: „Habt ihr schöne Tage gehabt?“ Unsere Antwort ist kurz: „Jaaa!“ 

Auch Lust bekommen, eine Yacht zu mieten? 

Dann schau Sie doch einmal bei unserer Online-Suche vorbei. Ob Floß, Hausboot oder Motoryacht: Hier findet sich garantiert das ideale schwimmende Gefährt für Ihren nächsten Urlaub auf dem Wasser. Vielfach auch ohne Führerschein.