Einmal rund um Rügen segeln

By Published On: 22. Februar 2023

An Bord eines Segelbootes die grösste deutsche Insel Rügen segelnd umrunden. Segeln bedeutet Wettbewerb mit den Elementen und gegen die Seekrankheit. Das eine gelang uns gut, das andere weniger. Eine Woche lang rund Rügen segeln wir auf der Ostsee und lernten das Wasser in vielen Facetten kennen.

Auftakt in Greifswald

Zusammen mit einem erfahrenen Skipper stehen fünf Leichtmatrosen bereit, auf einen Sommertörn zu gehen. Schon beim Be-laden kommen von den Nachbarbooten die ersten süffi santen Bemerkungen ob der vielen Wagen mit Gepäck und Proviant. Und als ein Crewmitglied sein geliebtes Kofferradio mitnehmen möchte, entbrennt fast die erste Meuterei über die Unnötigkeit moderner Unterhaltungskultur beim Wettbewerb mit den Elementen, noch bevor wir auch nur eine Meile gesegelt sind. Kofferradio und Besitzer werden letztendlich an Bord gelassen, und wir legen mit deutlichem Tiefgang vom Steg der Marina am Ryck ab. Fröhliche Tage auf See stehen bevor.

Unter Motor navigieren wir auf der Ryck bis zur Dänischen Wieck, setzen Segel und fahren bei lichtem Wind in den Strelasund. Schon auf den ersten Meilen entpuppt sich unser Kofferradiofreund als versierter Segler. Etliche Runden auf den Berliner Gewässern scheinen den Lerneffekt nicht verfehlt zu haben. So wird der Segeltrimm zu seinen Hauptaufgaben für die nächsten Tage. Auch das Wetter meint es gut mit uns – nur ab und zu bricht leichter Sprühregen über uns herein. Ansonsten wärmen uns die Strahlen der Sonne.

Zwischenstopp am Hafen in Barhöft

54° 26,1′ N – 13° 02,0′ E zeigt das Navigationsgerät, als wir im Hafen von Barhöft ankommen. Der Hafenmeister weist uns einen freien Liegeplatz zu, und so können wir unser Abendbrot an Land einnehmen. Da der Hafen am Rand des Nationalparks Vorpommersche Boddenlanschaft liegt, gibt es auch eine entsprechende Infrastruktur, die das Grillen in vorgesehenen Feuerschalen erlaubt. Briketts haben wir vorsorglich mitgebracht, und so kann das Grillvergnügen seinen Lauf nehmen. Schnell finden sich hungrige Radler ein, die wir kurzerhand in unsere Runde einladen. Ein schöner Abend unter dem Sternenzelt.

Schöne Tage auf Hiddensee

Von Barhöft aus geht es vorbei an der Insel mit Namen Bock, die durch künstliche Aufspülung des Sandes aus der Fahrrinne nach Stralsund, dem Gellenstrom, entstand. Von Mitte April bis Ende Oktober ist die unbewohnte Insel als Naturschutzgebiet gesperrt. Der Name leitet sich von der früheren Sandbank ab, auf der etliche Schiffe aufliefen und somit unfreiwillig aufbockten.

 © Magazin Seenland

Bei achterlichem Wind hat die Crew nichts zu tun und kann den Ausflug genießen.

Wir umschiffen die Insel gekonnt und segeln bei perfektem Halbwind entlang von Hiddensee. Ein wunderschöner Sommertag: Zu unserer Linken die offene See, rechts Hiddensee mit seinem langen Sandstrand und über uns nur der blaue Himmel. Das Kofferradio wird kurzerhand an Deck gehievt, und aus den aufgedrehten Lautsprechern sprudeln die Beach Boys gute Laune. Fast könnte man übermutig werden und sich vor Glück in die warme See stürzen. Doch wir bleiben lieber an Deck und umrunden den Dornbusch.

Am späten Nachmittag nähern wir uns dem Hafen des kleinen Örtchens Kloster, doch dieser ist schon restlos belegt. So fahren wir weiter bis nach Vitte Langeort, doch auch dort scheinen schon alle Liegeplätze besetzt zu sein. Wir manövrieren solange durch den Hafen, bis schließlich der Hafenmeister auf uns aufmerksam wird und einen provisorischen Liegeplatz für uns vorbereitet, im 45-Grad-Winkel zum Endpoller eines Steges. Beim zweiten Anlauf gelangen wir in die korrekte Position, und hilfreiche Seglerkollegen unterstützen uns beim Vertäuen des Bootes. Der Hafen verfügt über gute Sanitäreinrichtungen und einen kleinen Kiosk. In den Hauptort der Insel sind es nur wenige Schritte.

Nachts am Dornbusch

Die Sterne funkeln am Abend so verlockend vom Himmel, dass wir uns auf die Wanderung zum Leuchtturm am Dornbusch einlassen. Ausgerüstet mit einer Taschenlampe steigen wir zum Leuchtturm empor. Die malerische Stimmung auf dem Dornbusch entschädigt für den kleinen Aufstieg. Den Abend verleben wir in fröhlicher Runde im Gasthaus zum Godewind. Hier hat sich unsere restliche Crew zusammengefunden. Mit gutem Essen und Sanddornsaft lassen wir diesen schönen Tag ausklingen.

Am nächsten Morgen lautet der einstimmige Beschluss, den Aufenthalt auf Hiddensee um einen Badetag zu verlängern. Also geht es auf zum Sandstrand. Abends klönen wir an Bord und gehen recht früh zu Bett, um am nächsten Morgen unsere Überfahrt nach Dänemark zu starten.

Turbulente Ausfahrt mit Kurs auf Dänemark wird zu Rügen segeln

Schon in Vitte bläst der Wind recht frisch, und wir freuen uns auf eine zügige Überfahrt nach Klintholm. Kaum haben wir das Libben genannte Gewässer bei Hiddensee hinter uns gelassen und die offene Ostsee erreicht, verdrehen die erste Passagiere ob der beachtlichen Wellen nicht nur ihre Augen. Längst sind alle mit Rettungswesten und Sicherungsleinen an das Boot gebunden, doch von Meile zu Meile wird das Standhaftbleiben schwer – wir präsentieren sämtliche Symptome der Seekrankheit.

Die Entscheidung des Skippers zum Abbruch der Querung wird durch eine gerissene Vorschot erleichtert. Ersatz ist nicht an Bord, und die Crew hat nichts gegen die zügige Rückkehr in ruhigere Gewässer einzuwenden. So wird aus dem Törn nach Dänemark eine Rund-Rügenreise. Die gescheitete Überfahrt schlägt nicht auf die Stimmung. Vielmehr gibt es nun eine Geschichte mehr zu erzählen. Statt in Dänemark landen wir am Abend in Breege auf Rügen an. Im dortigen Wasserwanderrastplatz wird die Nacht verbracht. Der kleine Ort bietet neben köstlichen Fischbrötchen auch die Möglichkeit, im Ortsteil Juliusruh ein Bad in der Ostsee zu nehmen. Zudem gibt der kleine Hafenshop uns Gelegenheit, eine neue Vorschot zu besorgen.

Den Horizont fest im Blick, bleibt man auf Kurs.

Kreidefelsen im Morgenlicht

Am nächsten Tag hat sich der Wind wieder gelegt, wir durchfahren den Bodden und umrunden das in Hochnebel gehüllte Kap Arkona. Den gut geschützten Wasserwanderrastplatz in Glowe erreichen wir am späten Abend. Der Hafen begeistert uns mit seiner ansprechenden Architektur. Das Gebäude des Hafenmeisters beinhaltet einen kleinen Aussichtsturm. Direkt westlich des Hafens befindet sich der feine Sandstrand von Glowe.

Wir gehen früh zu Bett, um am nächsten Morgen schon um 3 Uhr früh unsere Reise fortzusetzen. Geplant ist, die berühmten Kreidefelsen im fotogenen Morgenlicht zu erreichen. Zuversichtlich legen wir still und leise in Glowe ab, um die anderen Segler in ihren Kojen nicht zu stören. Im Morgenlicht erblicken wir neben uns ein weiteres Boot, das mit dem selben Kurs unterwegs ist. Wieder einmal bestätigt sich der Spruch: „Zwei Boote – ein Rennen“.

Wir haben guten Wind, doch der anfängliche Nebel will sich auch auf Höhe der Kreidefelsen nicht verziehen, und zu allem Überfluss gesellt sich noch Regen dazu. Am frühen Morgen laufen wir schließlich den Hafen von Sassnitz an. Wir merken schnell, dass sich dieser Hafen für kleine Segelboote nicht unbedingt als Liegeplatz eignet, zu sehr steht der Wind auf den Anlegern, und die Dalben stehen zu weit auseinander für unser überschaubares Boot.

Rügens Seebäder

Dennoch legen wir an und nehmen ein spätes Frühstück ein. Im Hafenbecken neben uns liegt eine Kogge samt schweizerischer Theatergruppe, die auf Tournee entlang der Ostsee ist. In jedem Hafen wird improvisiertes Theater gespielt und mit Spenden der Zuschauer die Reise finanziert. Eine bunte Truppe, deren Aufführung wir anderen Seglern nur empfehlen können. Da Sassnitz auch als Hafen für Ausflugsdampfer fungiert, ist es an Land recht belebt. So bleiben wir nur für eine kurze Auszeit vor Ort und starten dann die weitere Umfahrung der Insel. Vorbei an den Seebädern Binz, Sellin und Göhren umrunden wir schließlich die Halbinsel Mönchgut und entscheiden uns für eine Nachtansteuerung des Hafens in Lauterbach.

Bald schon legt sich die Abenddämmerung um unser Boot, auf den letzten Meilen werden regelmäßig Position, Bojen und Seekarten abgeglichen. Mit dem Suchscheinwerfer im Bugkorb werden die Tonnen der schmalen Fahrrinne gesucht, gut dass wir nur wenig Wind haben, so können auch die schwer sichtbaren grünen Tonnen zugeordnet werden. Die Einfahrt in den Hafen gelingt mit leicht erhöhtem Adrenalinspiegel mittels des Richtfeuers der Hafeneinfahrt. In der Marina Lauterbach finden wir einen sicheren Liegeplatz.

Kaum haben wir das Boot vertäut, öffnet der Himmel wie auf Bestellung seine Pforten. Mächtige Hagelkörner prasseln auf das Deck. So klingt im doppelten Wortsinn ein spannender Tag im sicheren Hafen unweit der Residenzstadt Putbus würdig aus.

Schatzsuche auf dem Bodden

Für den vorletzten Tag unseres Törns stellt uns der Skipper vor eine ungewöhnliche Aufgabe. Noch in Lauterbach erhalten wir die Indizien für eine Schatzsuche per Boot, als dessen Ziel sich die kleine Lotseninsel Ruden im Greifswalder Bodden entpuppt. Und tatsächlich, auf dem Ruden entdecken wir vergraben im Sand einer kleinen Bucht unseren Schatz, eine Holztruhe mit einer Pulle Rum. Voller Stolz steuern wir die Marina Kröslin am Peenstrom an. Die Marina wirkt mit ihren über 500 Liegeplätzen im Vergleich zu den bisherigen Häfen riesig auf uns. Die gesamte Infrastruktur macht einen guten Eindruck, und in der Pizzeria an der kleinen Ladenzeile können wir unser Abendbrot einnehmen.

Von Kröslin aus starten wir am nächsten Morgen unsere Heimfahrt nach Greifswald. Im kleinen Museumshafen von Peenemünde drehen wir vor dem dort ausgestellten U-Boot eine kleine Fotorunde, und gleiten dann unter Segeln über den Greifswalder Bodden hin zur Wieck. Mit zufriedenen Gesichtern verlässt eine glückliche Crew die „Gibs Sea“ in Greifswald nach sieben spannenden Tagen beim rund Rügen segeln.

Lest hier einen Erfahungsbericht zum Segeln auf der Müritz.

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Einmal rund um Rügen segeln
By |8,2 min read|1627 words|Published On: 22. Februar 2023|

An Bord eines Segelbootes die grösste deutsche Insel Rügen segelnd umrunden. Segeln bedeutet Wettbewerb mit den Elementen und gegen die Seekrankheit. Das eine gelang uns gut, das andere weniger. Eine Woche lang rund Rügen segeln wir auf der Ostsee und lernten das Wasser in vielen Facetten kennen.

Auftakt in Greifswald

Zusammen mit einem erfahrenen Skipper stehen fünf Leichtmatrosen bereit, auf einen Sommertörn zu gehen. Schon beim Be-laden kommen von den Nachbarbooten die ersten süffi santen Bemerkungen ob der vielen Wagen mit Gepäck und Proviant. Und als ein Crewmitglied sein geliebtes Kofferradio mitnehmen möchte, entbrennt fast die erste Meuterei über die Unnötigkeit moderner Unterhaltungskultur beim Wettbewerb mit den Elementen, noch bevor wir auch nur eine Meile gesegelt sind. Kofferradio und Besitzer werden letztendlich an Bord gelassen, und wir legen mit deutlichem Tiefgang vom Steg der Marina am Ryck ab. Fröhliche Tage auf See stehen bevor.

Unter Motor navigieren wir auf der Ryck bis zur Dänischen Wieck, setzen Segel und fahren bei lichtem Wind in den Strelasund. Schon auf den ersten Meilen entpuppt sich unser Kofferradiofreund als versierter Segler. Etliche Runden auf den Berliner Gewässern scheinen den Lerneffekt nicht verfehlt zu haben. So wird der Segeltrimm zu seinen Hauptaufgaben für die nächsten Tage. Auch das Wetter meint es gut mit uns – nur ab und zu bricht leichter Sprühregen über uns herein. Ansonsten wärmen uns die Strahlen der Sonne.

Zwischenstopp am Hafen in Barhöft

54° 26,1′ N – 13° 02,0′ E zeigt das Navigationsgerät, als wir im Hafen von Barhöft ankommen. Der Hafenmeister weist uns einen freien Liegeplatz zu, und so können wir unser Abendbrot an Land einnehmen. Da der Hafen am Rand des Nationalparks Vorpommersche Boddenlanschaft liegt, gibt es auch eine entsprechende Infrastruktur, die das Grillen in vorgesehenen Feuerschalen erlaubt. Briketts haben wir vorsorglich mitgebracht, und so kann das Grillvergnügen seinen Lauf nehmen. Schnell finden sich hungrige Radler ein, die wir kurzerhand in unsere Runde einladen. Ein schöner Abend unter dem Sternenzelt.

Schöne Tage auf Hiddensee

Von Barhöft aus geht es vorbei an der Insel mit Namen Bock, die durch künstliche Aufspülung des Sandes aus der Fahrrinne nach Stralsund, dem Gellenstrom, entstand. Von Mitte April bis Ende Oktober ist die unbewohnte Insel als Naturschutzgebiet gesperrt. Der Name leitet sich von der früheren Sandbank ab, auf der etliche Schiffe aufliefen und somit unfreiwillig aufbockten.

 © Magazin Seenland

Bei achterlichem Wind hat die Crew nichts zu tun und kann den Ausflug genießen.

Wir umschiffen die Insel gekonnt und segeln bei perfektem Halbwind entlang von Hiddensee. Ein wunderschöner Sommertag: Zu unserer Linken die offene See, rechts Hiddensee mit seinem langen Sandstrand und über uns nur der blaue Himmel. Das Kofferradio wird kurzerhand an Deck gehievt, und aus den aufgedrehten Lautsprechern sprudeln die Beach Boys gute Laune. Fast könnte man übermutig werden und sich vor Glück in die warme See stürzen. Doch wir bleiben lieber an Deck und umrunden den Dornbusch.

Am späten Nachmittag nähern wir uns dem Hafen des kleinen Örtchens Kloster, doch dieser ist schon restlos belegt. So fahren wir weiter bis nach Vitte Langeort, doch auch dort scheinen schon alle Liegeplätze besetzt zu sein. Wir manövrieren solange durch den Hafen, bis schließlich der Hafenmeister auf uns aufmerksam wird und einen provisorischen Liegeplatz für uns vorbereitet, im 45-Grad-Winkel zum Endpoller eines Steges. Beim zweiten Anlauf gelangen wir in die korrekte Position, und hilfreiche Seglerkollegen unterstützen uns beim Vertäuen des Bootes. Der Hafen verfügt über gute Sanitäreinrichtungen und einen kleinen Kiosk. In den Hauptort der Insel sind es nur wenige Schritte.

Nachts am Dornbusch

Die Sterne funkeln am Abend so verlockend vom Himmel, dass wir uns auf die Wanderung zum Leuchtturm am Dornbusch einlassen. Ausgerüstet mit einer Taschenlampe steigen wir zum Leuchtturm empor. Die malerische Stimmung auf dem Dornbusch entschädigt für den kleinen Aufstieg. Den Abend verleben wir in fröhlicher Runde im Gasthaus zum Godewind. Hier hat sich unsere restliche Crew zusammengefunden. Mit gutem Essen und Sanddornsaft lassen wir diesen schönen Tag ausklingen.

Am nächsten Morgen lautet der einstimmige Beschluss, den Aufenthalt auf Hiddensee um einen Badetag zu verlängern. Also geht es auf zum Sandstrand. Abends klönen wir an Bord und gehen recht früh zu Bett, um am nächsten Morgen unsere Überfahrt nach Dänemark zu starten.

Turbulente Ausfahrt mit Kurs auf Dänemark wird zu Rügen segeln

Schon in Vitte bläst der Wind recht frisch, und wir freuen uns auf eine zügige Überfahrt nach Klintholm. Kaum haben wir das Libben genannte Gewässer bei Hiddensee hinter uns gelassen und die offene Ostsee erreicht, verdrehen die erste Passagiere ob der beachtlichen Wellen nicht nur ihre Augen. Längst sind alle mit Rettungswesten und Sicherungsleinen an das Boot gebunden, doch von Meile zu Meile wird das Standhaftbleiben schwer – wir präsentieren sämtliche Symptome der Seekrankheit.

Die Entscheidung des Skippers zum Abbruch der Querung wird durch eine gerissene Vorschot erleichtert. Ersatz ist nicht an Bord, und die Crew hat nichts gegen die zügige Rückkehr in ruhigere Gewässer einzuwenden. So wird aus dem Törn nach Dänemark eine Rund-Rügenreise. Die gescheitete Überfahrt schlägt nicht auf die Stimmung. Vielmehr gibt es nun eine Geschichte mehr zu erzählen. Statt in Dänemark landen wir am Abend in Breege auf Rügen an. Im dortigen Wasserwanderrastplatz wird die Nacht verbracht. Der kleine Ort bietet neben köstlichen Fischbrötchen auch die Möglichkeit, im Ortsteil Juliusruh ein Bad in der Ostsee zu nehmen. Zudem gibt der kleine Hafenshop uns Gelegenheit, eine neue Vorschot zu besorgen.

Den Horizont fest im Blick, bleibt man auf Kurs.

Kreidefelsen im Morgenlicht

Am nächsten Tag hat sich der Wind wieder gelegt, wir durchfahren den Bodden und umrunden das in Hochnebel gehüllte Kap Arkona. Den gut geschützten Wasserwanderrastplatz in Glowe erreichen wir am späten Abend. Der Hafen begeistert uns mit seiner ansprechenden Architektur. Das Gebäude des Hafenmeisters beinhaltet einen kleinen Aussichtsturm. Direkt westlich des Hafens befindet sich der feine Sandstrand von Glowe.

Wir gehen früh zu Bett, um am nächsten Morgen schon um 3 Uhr früh unsere Reise fortzusetzen. Geplant ist, die berühmten Kreidefelsen im fotogenen Morgenlicht zu erreichen. Zuversichtlich legen wir still und leise in Glowe ab, um die anderen Segler in ihren Kojen nicht zu stören. Im Morgenlicht erblicken wir neben uns ein weiteres Boot, das mit dem selben Kurs unterwegs ist. Wieder einmal bestätigt sich der Spruch: „Zwei Boote – ein Rennen“.

Wir haben guten Wind, doch der anfängliche Nebel will sich auch auf Höhe der Kreidefelsen nicht verziehen, und zu allem Überfluss gesellt sich noch Regen dazu. Am frühen Morgen laufen wir schließlich den Hafen von Sassnitz an. Wir merken schnell, dass sich dieser Hafen für kleine Segelboote nicht unbedingt als Liegeplatz eignet, zu sehr steht der Wind auf den Anlegern, und die Dalben stehen zu weit auseinander für unser überschaubares Boot.

Rügens Seebäder

Dennoch legen wir an und nehmen ein spätes Frühstück ein. Im Hafenbecken neben uns liegt eine Kogge samt schweizerischer Theatergruppe, die auf Tournee entlang der Ostsee ist. In jedem Hafen wird improvisiertes Theater gespielt und mit Spenden der Zuschauer die Reise finanziert. Eine bunte Truppe, deren Aufführung wir anderen Seglern nur empfehlen können. Da Sassnitz auch als Hafen für Ausflugsdampfer fungiert, ist es an Land recht belebt. So bleiben wir nur für eine kurze Auszeit vor Ort und starten dann die weitere Umfahrung der Insel. Vorbei an den Seebädern Binz, Sellin und Göhren umrunden wir schließlich die Halbinsel Mönchgut und entscheiden uns für eine Nachtansteuerung des Hafens in Lauterbach.

Bald schon legt sich die Abenddämmerung um unser Boot, auf den letzten Meilen werden regelmäßig Position, Bojen und Seekarten abgeglichen. Mit dem Suchscheinwerfer im Bugkorb werden die Tonnen der schmalen Fahrrinne gesucht, gut dass wir nur wenig Wind haben, so können auch die schwer sichtbaren grünen Tonnen zugeordnet werden. Die Einfahrt in den Hafen gelingt mit leicht erhöhtem Adrenalinspiegel mittels des Richtfeuers der Hafeneinfahrt. In der Marina Lauterbach finden wir einen sicheren Liegeplatz.

Kaum haben wir das Boot vertäut, öffnet der Himmel wie auf Bestellung seine Pforten. Mächtige Hagelkörner prasseln auf das Deck. So klingt im doppelten Wortsinn ein spannender Tag im sicheren Hafen unweit der Residenzstadt Putbus würdig aus.

Schatzsuche auf dem Bodden

Für den vorletzten Tag unseres Törns stellt uns der Skipper vor eine ungewöhnliche Aufgabe. Noch in Lauterbach erhalten wir die Indizien für eine Schatzsuche per Boot, als dessen Ziel sich die kleine Lotseninsel Ruden im Greifswalder Bodden entpuppt. Und tatsächlich, auf dem Ruden entdecken wir vergraben im Sand einer kleinen Bucht unseren Schatz, eine Holztruhe mit einer Pulle Rum. Voller Stolz steuern wir die Marina Kröslin am Peenstrom an. Die Marina wirkt mit ihren über 500 Liegeplätzen im Vergleich zu den bisherigen Häfen riesig auf uns. Die gesamte Infrastruktur macht einen guten Eindruck, und in der Pizzeria an der kleinen Ladenzeile können wir unser Abendbrot einnehmen.

Von Kröslin aus starten wir am nächsten Morgen unsere Heimfahrt nach Greifswald. Im kleinen Museumshafen von Peenemünde drehen wir vor dem dort ausgestellten U-Boot eine kleine Fotorunde, und gleiten dann unter Segeln über den Greifswalder Bodden hin zur Wieck. Mit zufriedenen Gesichtern verlässt eine glückliche Crew die „Gibs Sea“ in Greifswald nach sieben spannenden Tagen beim rund Rügen segeln.

Lest hier einen Erfahungsbericht zum Segeln auf der Müritz.

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