Hausboot mieten ohne Führerschein

By |4,5 min read|898 words|Published On: 21. Februar 2020|
Startseite/So geht Bootsurlaub/Hausboot mieten ohne Führerschein

Urlaub auf dem Wasser heißt: Die Welt aus einer anderen Perspektive betrachten. Ganz gleich ob rustikal wie bei Huckleberry Finn oder komfortabel mit einem Boot inklusive Dusche und Küche. So ein Urlaub ist in der Mecklenburgischen Seenplatte, aber auch auf vielen anderen Gewässerregionen im Nordosten Deutschlands möglich. Um die wahnsinnig schöne Natur zu durchschippern, muss hier jedoch nicht über einen längeren Zeitraum ein Bootsführerschein erworben werden. Die Devise lautet vielmehr: Hausboot mieten ohne Führerschein! 

Hausboot mieten ohne Führerschein: Bedingungen für den Erwerb des Charterscheins

Seit dem Jahr 2000 stehen mit dem Charterschein viele Gewässer Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommerns gemieteten Booten offen. Ohne amtlichen Führerschein lassen sich hier Hausboote und Motoryachten mieten. Diese sogenannte Charterbescheinigung ersetzt den Sportbootführerschein Binnen jedoch nicht in Gänze, sondern ist an bestimmte Bedingungen geknüpft:

  • mindestens dreistündige Bootseinweisung
  • abgeschlossene Haftpflichtversicherung des Vercharterers
  • Bootslänge von weniger als 15 m
  • Boot mit maximale Höchstgeschwindigkeit von 12 km/h
  • maximal für 12 Personen zugelassen

Neben allgemeinen Beschränkungen wie Fahrverbot bei Nacht gelten auf bestimmten Gewässern zusätzliche Sondervorschriften, beispielsweise Schwimmwestenzwang und ein Fahrverbot ab Windstärke 4 Beaufort. Je nach den Bestimmungen von einzelnen Gewässern kann es weitere Voraussetzungen zum Chartern geben. So darf zu Beispiel die Müritz nur entlang der grünen Tonnen durchfahren werden. Aber alle Regeln dienen der eigenen Sicherheit und tangieren die Urlaubsfreude auf dem Boot nur minimal. Was im jeweiligen Revier zu beachten ist, darüber informiert der Hausboot-Verleiher vor dem Start der Reise.

Übrigens: Für Boote mit weniger als 15 PS Leistung gilt eine komplette Führerscheinfreiheit. Somit ist auch ein Charterschein zum Mieten dieser Boote nicht nötig und es entfällt für den Charterschein obligatorische dreistündige Einweisung. Weitere Infos zur 15 PS Regelung gibt es hier.

Wie erhalte ich den Charterschein?

Der Vermieter des Hausbootes ist für die Schulung und Ausstellung des Charterscheins an seinen Mieter zuständig. Er oder seine Mitarbeiter übernehmen am Anreisetag, meist sogar vor der Bootsübergabe, die Schulung des Skippers. Dafür erhält der Mieter des Hausbootes eine mindestens dreistündige theoretische und praktische Einweisung in den Gebrauch des Hausbootes. Es werden also Verkehrsregeln auf dem Wasser erklärt und auch eine Probefahrt mit dem Charterboot wird unternommen.

Der Hausboot-Führer sollte danach in der Lage sein, das Hausboot zu steuern, grundlegende Verkehrsregeln auf dem Wasser zu kennen und die Funktionsweise des Bootes zu verstehen. Auch sollten alle Personen darüber informiert sein, was im Notfall zu tun ist, wo sich also zum Beispiel die Rettungswesten befinden. Nach der erfolgreichen Einführung in den Gebrauch des Hausbootes wird der Charterschein durch den Charterer übergeben.

Wichtig: Vom Bootsvermieter ausgestellt, ist die Charterbescheinigung nur während der jeweiligen Charterzeit gültig. Denn sie berechtigt eine Person, eine bestimmte Bootsart für einen vorgegebenen Zeitraum zu führen. Man muss sich also zu jedem Hausbooturlaub – und mit jedem neuen Boot – einen neuen Charterschein ausstellen lassen.

Wo ist der Charterschein überall gültig?

Die beste Regel hat auch Ausnahmen. So darf man nur in bestimmten Regionen ein Hausboot mieten und ohne Führerschein fahren. Zum Beispiel auf vielen Wasserwegen in Mecklenburg-Vorpommern (Mecklenburgische Seenplatte, Müritz, Plau am See, Mirow, Rechlin und Waren) und Brandenburg (Kleinseenplatte rund um Rheinsberg und Fürstenberg, Mirow, Lychen und Neustrelitz). Auf großen Gewässern wie der Ostsee, dem Bodensee oder Rhein selbstverständlich nicht. Ganz konkret ist der Charterschein ausreichend für:

  • Müritz-Havel-Wasserstraße (von km 0,0 einschließlich Kleine Müritz, Müritz bis Werft Rechlin und Rheinsberger Gewässer bis km 31,80)
  • Obere Havel-Wasserstraße (von km 15,9 Schleuse Zehdenick bis km 94,4 Hafen Neustrelitz einschließlich Templiner und Lychener Gewässer sowie Wentowsee)
  • Müritz-Elde-Wasserstraße (von km 0,95 Schleuse Dömitz bis km 180 Buchholz)
  • Stör-Wasserstraße (von km 0,0 Einmündung bis km 44,7 Hohe Viecheln)
  • Peene (von km 2,5 Malchin bis km 34,9 Demmin)
  • Finowkanal (von km 89,3 Schleuse Liepe bis km 53,37 Zerpenschleuse)
  • Dahme-Wasserstraße (mit dazugehörigen Haupt- und Nebenstrecken von km 10,3 bis km 26,04)
  • Werbelliner Gewässer (von km 4,0 bis km 19,8)

Eine komplette Übersicht über die mit Charterschein befahrbaren Gewässer finden Sie in folgendem Dokument, aus der Anlage 5 zur BinSchSportbootVermV.

Upgrade: der Sportbootführerschein Binnen

Charterschein und 15 PS-Regelung sind wunderbar, um Urlaub und Sport auf dem Wasser auszuprobieren. Wer Gefallen daran gefunden hat, sollte nicht zögern, sich weiterzubilden und den Sportbootführerschein Binnen zu absolvieren. Ein überschaubares zeitliches Investment, dass sich nicht nur in Punkto Sicherheit auf dem Wasser auszahlt. Einen Erfahrungsbericht dazu lesen Sie hier.

Ob Charter- oder Sportbootführerschein: Gutes Kartenmaterial sollte stets an Bord sein

Abgesehen davon, dass man das Hausboot sicher fahren können sollte, was schnell erlernbar ist, sollte man auch Kenntnisse über die Route besitzen. Vom Bootsvermieter erhält man Kartenmaterial der Region. Wer sich aber schon vorher mit der Gegend auseinandersetzen will, Routen planen möchte und vor allem für den Hausbooturlaub mit Kind ein paar Highlights an der Strecke recherchieren will, der findet hier genügend Kartenmaterial. Wer auf der Mecklenburgischen Seenplatte unterwegs ist, findet im Hafenführer Müritz Tipps für die Einfahrt und viele Infos zu Sehenswürdigkeiten und die Natur rund um die Müritz. Der Online-Tourenplaner auf unserer Seite sowie Wasserkarten-Apps bieten zudem digitale Unterstützung. Aber auch hier gilt, man findet nur was man sucht. Es ist also hilfreich vorab schon zu planen, welcher Hafen angelaufen werden soll.

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Urlaub auf dem Wasser heißt: Die Welt aus einer anderen Perspektive betrachten. Ganz gleich ob rustikal wie bei Huckleberry Finn oder komfortabel mit einem Boot inklusive Dusche und Küche. So ein Urlaub ist in der Mecklenburgischen Seenplatte, aber auch auf vielen anderen Gewässerregionen im Nordosten Deutschlands möglich. Um die wahnsinnig schöne Natur zu durchschippern, muss hier jedoch nicht über einen längeren Zeitraum ein Bootsführerschein erworben werden. Die Devise lautet vielmehr: Hausboot mieten ohne Führerschein! 

Hausboot mieten ohne Führerschein: Bedingungen für den Erwerb des Charterscheins

Seit dem Jahr 2000 stehen mit dem Charterschein viele Gewässer Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommerns gemieteten Booten offen. Ohne amtlichen Führerschein lassen sich hier Hausboote und Motoryachten mieten. Diese sogenannte Charterbescheinigung ersetzt den Sportbootführerschein Binnen jedoch nicht in Gänze, sondern ist an bestimmte Bedingungen geknüpft:

  • mindestens dreistündige Bootseinweisung
  • abgeschlossene Haftpflichtversicherung des Vercharterers
  • Bootslänge von weniger als 15 m
  • Boot mit maximale Höchstgeschwindigkeit von 12 km/h
  • maximal für 12 Personen zugelassen

Neben allgemeinen Beschränkungen wie Fahrverbot bei Nacht gelten auf bestimmten Gewässern zusätzliche Sondervorschriften, beispielsweise Schwimmwestenzwang und ein Fahrverbot ab Windstärke 4 Beaufort. Je nach den Bestimmungen von einzelnen Gewässern kann es weitere Voraussetzungen zum Chartern geben. So darf zu Beispiel die Müritz nur entlang der grünen Tonnen durchfahren werden. Aber alle Regeln dienen der eigenen Sicherheit und tangieren die Urlaubsfreude auf dem Boot nur minimal. Was im jeweiligen Revier zu beachten ist, darüber informiert der Hausboot-Verleiher vor dem Start der Reise.

Übrigens: Für Boote mit weniger als 15 PS Leistung gilt eine komplette Führerscheinfreiheit. Somit ist auch ein Charterschein zum Mieten dieser Boote nicht nötig und es entfällt für den Charterschein obligatorische dreistündige Einweisung. Weitere Infos zur 15 PS Regelung gibt es hier.

Wie erhalte ich den Charterschein?

Der Vermieter des Hausbootes ist für die Schulung und Ausstellung des Charterscheins an seinen Mieter zuständig. Er oder seine Mitarbeiter übernehmen am Anreisetag, meist sogar vor der Bootsübergabe, die Schulung des Skippers. Dafür erhält der Mieter des Hausbootes eine mindestens dreistündige theoretische und praktische Einweisung in den Gebrauch des Hausbootes. Es werden also Verkehrsregeln auf dem Wasser erklärt und auch eine Probefahrt mit dem Charterboot wird unternommen.

Der Hausboot-Führer sollte danach in der Lage sein, das Hausboot zu steuern, grundlegende Verkehrsregeln auf dem Wasser zu kennen und die Funktionsweise des Bootes zu verstehen. Auch sollten alle Personen darüber informiert sein, was im Notfall zu tun ist, wo sich also zum Beispiel die Rettungswesten befinden. Nach der erfolgreichen Einführung in den Gebrauch des Hausbootes wird der Charterschein durch den Charterer übergeben.

Wichtig: Vom Bootsvermieter ausgestellt, ist die Charterbescheinigung nur während der jeweiligen Charterzeit gültig. Denn sie berechtigt eine Person, eine bestimmte Bootsart für einen vorgegebenen Zeitraum zu führen. Man muss sich also zu jedem Hausbooturlaub – und mit jedem neuen Boot – einen neuen Charterschein ausstellen lassen.

Wo ist der Charterschein überall gültig?

Die beste Regel hat auch Ausnahmen. So darf man nur in bestimmten Regionen ein Hausboot mieten und ohne Führerschein fahren. Zum Beispiel auf vielen Wasserwegen in Mecklenburg-Vorpommern (Mecklenburgische Seenplatte, Müritz, Plau am See, Mirow, Rechlin und Waren) und Brandenburg (Kleinseenplatte rund um Rheinsberg und Fürstenberg, Mirow, Lychen und Neustrelitz). Auf großen Gewässern wie der Ostsee, dem Bodensee oder Rhein selbstverständlich nicht. Ganz konkret ist der Charterschein ausreichend für:

  • Müritz-Havel-Wasserstraße (von km 0,0 einschließlich Kleine Müritz, Müritz bis Werft Rechlin und Rheinsberger Gewässer bis km 31,80)
  • Obere Havel-Wasserstraße (von km 15,9 Schleuse Zehdenick bis km 94,4 Hafen Neustrelitz einschließlich Templiner und Lychener Gewässer sowie Wentowsee)
  • Müritz-Elde-Wasserstraße (von km 0,95 Schleuse Dömitz bis km 180 Buchholz)
  • Stör-Wasserstraße (von km 0,0 Einmündung bis km 44,7 Hohe Viecheln)
  • Peene (von km 2,5 Malchin bis km 34,9 Demmin)
  • Finowkanal (von km 89,3 Schleuse Liepe bis km 53,37 Zerpenschleuse)
  • Dahme-Wasserstraße (mit dazugehörigen Haupt- und Nebenstrecken von km 10,3 bis km 26,04)
  • Werbelliner Gewässer (von km 4,0 bis km 19,8)

Eine komplette Übersicht über die mit Charterschein befahrbaren Gewässer finden Sie in folgendem Dokument, aus der Anlage 5 zur BinSchSportbootVermV.

Upgrade: der Sportbootführerschein Binnen

Charterschein und 15 PS-Regelung sind wunderbar, um Urlaub und Sport auf dem Wasser auszuprobieren. Wer Gefallen daran gefunden hat, sollte nicht zögern, sich weiterzubilden und den Sportbootführerschein Binnen zu absolvieren. Ein überschaubares zeitliches Investment, dass sich nicht nur in Punkto Sicherheit auf dem Wasser auszahlt. Einen Erfahrungsbericht dazu lesen Sie hier.

Ob Charter- oder Sportbootführerschein: Gutes Kartenmaterial sollte stets an Bord sein

Abgesehen davon, dass man das Hausboot sicher fahren können sollte, was schnell erlernbar ist, sollte man auch Kenntnisse über die Route besitzen. Vom Bootsvermieter erhält man Kartenmaterial der Region. Wer sich aber schon vorher mit der Gegend auseinandersetzen will, Routen planen möchte und vor allem für den Hausbooturlaub mit Kind ein paar Highlights an der Strecke recherchieren will, der findet hier genügend Kartenmaterial. Wer auf der Mecklenburgischen Seenplatte unterwegs ist, findet im Hafenführer Müritz Tipps für die Einfahrt und viele Infos zu Sehenswürdigkeiten und die Natur rund um die Müritz. Der Online-Tourenplaner auf unserer Seite sowie Wasserkarten-Apps bieten zudem digitale Unterstützung. Aber auch hier gilt, man findet nur was man sucht. Es ist also hilfreich vorab schon zu planen, welcher Hafen angelaufen werden soll.