Müritz-Nationalpark

Von |5,9 Minuten Lesezeit|1186 Wörter|Veröffentlicht am: 28. April 2006|

Das Ostufer der Müritz liegt nahezu vollständig im Müritz-Nationalpark. Wälder, Seen und Moore prägen die Landschaft und sind in den Kernzonen der menschlichen Nutzung komplett entzogen.

Das Ostufer der Müritz liegt nahezu vollständig im Müritz-Nationalpark. Wälder, Seen und Moore prägen die Landschaft und sind in den Kernzonen der menschlichen Nutzung komplett entzogen.

Das Ostufer der Müritz liegt nahezu vollständig im Müritz-Nationalpark. Wälder, Seen und Moore prägen die Landschaft und sind in den Kernzonen der menschlichen Nutzung komplett entzogen. Der Müritz-Nationalpark bietet einer Vielzahl von seltenen und vom Aussterben bedrohten Arten einen Lebensraum. Wollgras wächst hier noch selbstverständlich, und der rundblättrige Sonnentau, eine fleischfressende Pflanze, ist anderswo gar nicht mehr zu finden. Ausgewiesene Rad- und Wanderwege ermöglichen dem naturinteressierten Besucher die Erkundung des Nationalparks. Als Ausgleich zu unseren ausgiebigen Paddeltouren erkunden wir das landschaftlich reizvolle und artenreiche Wander- und Bikerevier per Fahrrad und finden mehr als die ältesten Bäume Mecklenburg-Vorpommerns.

Die Kajaks lassen wir bei Zelt und Auto am Campingplatz Boek (C 16) zurück – dieser Zeltplatz liegt am nächsten am Nationalpark – und starten mit unseren Trekkingbikes zu einer ausgiebigen Radtour durch die besonders interessanten Bereiche des Müritz-Nationalparks. Gleich hinter der Ausfahrt des Campingplatzes biegen wir links ab in Richtung Boeker Sender. Dieser Name deutet an, dass es hier nicht immer so ruhig und natürlich war. Während des Ersten Weltkrieges wurde die Luftfahrtversuchsanstalt Rechlin hier eingerichtet, später wurden hier Kampfflugzeuge und Bordwaffen am Ufer der Müritz erprobt. Der Boeker Sender war eine Funkstation, die die Übungsbombenabwürfe überwachte.

Jagdbeobachtung

Wir erreichen nach etwa zwei Kilometern eine etwas höher gestellte Aussichtsplattform. Diese getarnten Beobachtungsstände dienen den Nationalpark-Besuchern dazu, Fisch-, Seeadler und andere Tiere bei der Jagd beobachten zu können. Die beste Zeit hierfür ist der frühe Morgen bis etwa neun Uhr, danach sinkt die Chance, die imposanten Greifvögel zu beobachten. Wir haben Glück, und ein gewaltiges Seeadler-Weibchen, erkennbar an ihrer schieren Größe, segelt tief und keine 50 Meter vor dem Beobachtungsstand über das Schilf in Richtung der kleinen Ausbuchtung der Müritz vor uns. Die hier dümpelnden Blässrallen stieben in wilder Panik auseinander. Mit beglücktem Herzklopfen gehen wir zurück zu den Fahrrädern. So ein gewaltiges Seeadler-Exemplar haben wir noch nie gesehen und es bestätigt einmal mehr Murphys Gesetz: »Du hast nie schnell genug den Fotoapparat bereit, wen das Motiv deines Lebens an dir vorbeizieht.« Einige Kilometer weiter, nachdem wir über alte Plattenwege gerüttelt sind, landen wir auf einer Art Lichtung, umgeben vom Moor. Einige Obstbäume stehen alleenartig vor uns und führen ins Leere. Hier befand sich bis 1990 das Jagdhaus des DDR-Ministerpräsidenten Stoph.

Furchtlose Reptilien

Große Jagdlibellen wie der Spitzenfleck schwirren um uns herum und setzen sich immer wieder auf die von der Sonne erwärmten Betonplatten des Weges. Auf diesen alten Fahrwegen nehmen auch andere gerne ein Sonnenbad: Eidechsen, Blindschleichen, Ringelnattern und die giftige Kreuzotter kommen hier gar nicht selten vor. Doch keine Angst, im Normalfall bemerken Reptilien uns schon vom Weitem und weichen aus, bevor wir sie erkennen. Festes Schuhwerk gehört dennoch zur Grundausstattung.
Wir umfahren die drei Seen – Specker See, Hofsee und Priesterbäker See – die nach der Absenkung des Wasserspiegels der Müritz um etwa zwei Meter, um den See ans Wasserstraßennetz anzuschließen, in dem dadurch entstandenen Moor als Restseen zurückblieben. Bald darauf erreichen wir den Fahrweg für die Müritz-Buslinie. Parallel dazu verläuft der Radweg – ohne Asphaltdecke – durch den Wald.

Beim Hochfahren eines Hügels, sehen wir rechts neben dem Fahrweg ein Schild, das uns bestätigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Ab hier müssen wir schieben, und etwa fünf Minuten später stehen wir zu Füßen des Käflingsbergturmes. Wir besteigen den Aussichtsturm, der die Baumwipfel um ein Vielfaches überragt. Nach dem anstrengenden Aufstieg über Stufen aus Gitterrosten, genießen wir die hervorragende Fernsicht über den Müritz-Nationalpark. Wir raffen uns nur unwillig auf, so begierig saugen wir die Bilder vom Käflingsbergturm in uns auf, und treten die Weiterfahrt an.

Praktische Tipps

Bald erreichen wir den Ort Speck und legen an der Nationalpark-Information eine Rast ein. Unter der von Säulen getragenen Vorlaube, befindet sich in einer Nische ein Vogelnest. Es ist mit Küken besetzt und die Vogeleltern haben alle Schnäbel voll zu tun, den Nachwuchs satt zu kriegen. Ein Ranger des Nationalparks gesellt sich zu uns und gibt uns einige Tipps über Tiervorkommen sowie deren etwaige Standorte. Nach einem Imbiss und weiteren Informationen vom Ranger besuchen wir die 800jährige Linde und die kleine Kirche und radeln dann weiter nach Schwarzenhof.
Von Schwarzenhof bis Waren ist es nicht besonders weit, und so entschließen wir uns, nach Waren weiterzufahren. Auf einem Wanderweg, abseits der Nationalpark-Busroute, kürzen wir den Weg nach Waren ab. Über teils tiefsandige und schwer fahrbare Wege, geht es weiter, und nur noch selten treffen wir auf Touristen. Nur ab und zu begegnen uns Radfahrer, diese sind anhand ihrer vollgepackten Fahrräder aber zweifelsfrei als Tourenfahrer zu erkennen und grüßen freundlich.

Offene Weidelandschaft

In Müritzhof legen wir nochmals eine kleine Rast ein und erfahren dabei viel über die vom Aussterben bedrohten weißen Skandinavischen Hochlandrinder, die hier zur Hudeweidung eingesetzt werden. Seit Jahrhunderten wurde um Müritzhof Weidewirtschaft betrieben. Diese verhinderte das Hochwachsen von jungen Bäumen und ermöglichte 140 seltenen Arten, von denen in Mecklenburg einige nur hier vorkommen, die Ansiedlung. Damit diese seltenen Pflanzen sich weiterhin heimisch fühlen, weiden die Rinder auch künftig die Lichtung ab.
Nach kurzer Rast geht es die letzten zehn Kilometer weiter nach Waren.
Waren ist die größte Stadt an der Müritz und bietet dem Reisenden eine hervorragende Infrastruktur. Am Stadthafen kehren wir in ein Eiscafe ein, erholen uns von der Anfahrt und tanken Kraft für den etwa 20 Kilometer langen Rückweg zum Zelt. Nach einer Dreiviertel Stunde starten wir zur Stadtbesichtigung und schlendern über den Marktplatz zur Fußgängerzone. Das Müritzmuseum mit seinem beeindruckenden Aquarium vermittelt zwar viel Wissen über die Region und die Müritz, doch es wird spät und uns drängt es zum Aufbruch. Das Museum heben wir uns für einen späteren Besuch auf.

Rückkehr

Wir umrunden die Kleine Müritz und radeln weiter in Richtung Waren-Papenberg. Große Holzschilder weisen auf den Müritz-Nationalpark hin, den wir jedoch rechts liegen lassen. Als wir Schwarzenhof erreichen, ist der Rest der Strecke nur noch ein Kinderspiel. Zügig fahren wir weiter und erreichen im warmen Abendlicht Boek. Wir umzirkeln den Kreisverkehr, lassen Hotel und Gutshof hinter uns und steuern in Richtung Campingplatz.
Kurz hinter dem Platz radeln wir ans Ufer. Die Sonne steht schon tief und taucht unseren Badeplatz in warmes Licht. Nach dem Bad kehren wir zum Zelt zurück und machen uns »landfein«. Beim Abendessen im nahen Ort schwelgen wir in den schönen Eindrücken der heutigen Radtour.

Detlef Stöcker

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Müritz-Nationalpark
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Das Ostufer der Müritz liegt nahezu vollständig im Müritz-Nationalpark. Wälder, Seen und Moore prägen die Landschaft und sind in den Kernzonen der menschlichen Nutzung komplett entzogen.

Das Ostufer der Müritz liegt nahezu vollständig im Müritz-Nationalpark. Wälder, Seen und Moore prägen die Landschaft und sind in den Kernzonen der menschlichen Nutzung komplett entzogen.

Das Ostufer der Müritz liegt nahezu vollständig im Müritz-Nationalpark. Wälder, Seen und Moore prägen die Landschaft und sind in den Kernzonen der menschlichen Nutzung komplett entzogen. Der Müritz-Nationalpark bietet einer Vielzahl von seltenen und vom Aussterben bedrohten Arten einen Lebensraum. Wollgras wächst hier noch selbstverständlich, und der rundblättrige Sonnentau, eine fleischfressende Pflanze, ist anderswo gar nicht mehr zu finden. Ausgewiesene Rad- und Wanderwege ermöglichen dem naturinteressierten Besucher die Erkundung des Nationalparks. Als Ausgleich zu unseren ausgiebigen Paddeltouren erkunden wir das landschaftlich reizvolle und artenreiche Wander- und Bikerevier per Fahrrad und finden mehr als die ältesten Bäume Mecklenburg-Vorpommerns.

Die Kajaks lassen wir bei Zelt und Auto am Campingplatz Boek (C 16) zurück – dieser Zeltplatz liegt am nächsten am Nationalpark – und starten mit unseren Trekkingbikes zu einer ausgiebigen Radtour durch die besonders interessanten Bereiche des Müritz-Nationalparks. Gleich hinter der Ausfahrt des Campingplatzes biegen wir links ab in Richtung Boeker Sender. Dieser Name deutet an, dass es hier nicht immer so ruhig und natürlich war. Während des Ersten Weltkrieges wurde die Luftfahrtversuchsanstalt Rechlin hier eingerichtet, später wurden hier Kampfflugzeuge und Bordwaffen am Ufer der Müritz erprobt. Der Boeker Sender war eine Funkstation, die die Übungsbombenabwürfe überwachte.

Jagdbeobachtung

Wir erreichen nach etwa zwei Kilometern eine etwas höher gestellte Aussichtsplattform. Diese getarnten Beobachtungsstände dienen den Nationalpark-Besuchern dazu, Fisch-, Seeadler und andere Tiere bei der Jagd beobachten zu können. Die beste Zeit hierfür ist der frühe Morgen bis etwa neun Uhr, danach sinkt die Chance, die imposanten Greifvögel zu beobachten. Wir haben Glück, und ein gewaltiges Seeadler-Weibchen, erkennbar an ihrer schieren Größe, segelt tief und keine 50 Meter vor dem Beobachtungsstand über das Schilf in Richtung der kleinen Ausbuchtung der Müritz vor uns. Die hier dümpelnden Blässrallen stieben in wilder Panik auseinander. Mit beglücktem Herzklopfen gehen wir zurück zu den Fahrrädern. So ein gewaltiges Seeadler-Exemplar haben wir noch nie gesehen und es bestätigt einmal mehr Murphys Gesetz: »Du hast nie schnell genug den Fotoapparat bereit, wen das Motiv deines Lebens an dir vorbeizieht.« Einige Kilometer weiter, nachdem wir über alte Plattenwege gerüttelt sind, landen wir auf einer Art Lichtung, umgeben vom Moor. Einige Obstbäume stehen alleenartig vor uns und führen ins Leere. Hier befand sich bis 1990 das Jagdhaus des DDR-Ministerpräsidenten Stoph.

Furchtlose Reptilien

Große Jagdlibellen wie der Spitzenfleck schwirren um uns herum und setzen sich immer wieder auf die von der Sonne erwärmten Betonplatten des Weges. Auf diesen alten Fahrwegen nehmen auch andere gerne ein Sonnenbad: Eidechsen, Blindschleichen, Ringelnattern und die giftige Kreuzotter kommen hier gar nicht selten vor. Doch keine Angst, im Normalfall bemerken Reptilien uns schon vom Weitem und weichen aus, bevor wir sie erkennen. Festes Schuhwerk gehört dennoch zur Grundausstattung.
Wir umfahren die drei Seen – Specker See, Hofsee und Priesterbäker See – die nach der Absenkung des Wasserspiegels der Müritz um etwa zwei Meter, um den See ans Wasserstraßennetz anzuschließen, in dem dadurch entstandenen Moor als Restseen zurückblieben. Bald darauf erreichen wir den Fahrweg für die Müritz-Buslinie. Parallel dazu verläuft der Radweg – ohne Asphaltdecke – durch den Wald.

Beim Hochfahren eines Hügels, sehen wir rechts neben dem Fahrweg ein Schild, das uns bestätigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Ab hier müssen wir schieben, und etwa fünf Minuten später stehen wir zu Füßen des Käflingsbergturmes. Wir besteigen den Aussichtsturm, der die Baumwipfel um ein Vielfaches überragt. Nach dem anstrengenden Aufstieg über Stufen aus Gitterrosten, genießen wir die hervorragende Fernsicht über den Müritz-Nationalpark. Wir raffen uns nur unwillig auf, so begierig saugen wir die Bilder vom Käflingsbergturm in uns auf, und treten die Weiterfahrt an.

Praktische Tipps

Bald erreichen wir den Ort Speck und legen an der Nationalpark-Information eine Rast ein. Unter der von Säulen getragenen Vorlaube, befindet sich in einer Nische ein Vogelnest. Es ist mit Küken besetzt und die Vogeleltern haben alle Schnäbel voll zu tun, den Nachwuchs satt zu kriegen. Ein Ranger des Nationalparks gesellt sich zu uns und gibt uns einige Tipps über Tiervorkommen sowie deren etwaige Standorte. Nach einem Imbiss und weiteren Informationen vom Ranger besuchen wir die 800jährige Linde und die kleine Kirche und radeln dann weiter nach Schwarzenhof.
Von Schwarzenhof bis Waren ist es nicht besonders weit, und so entschließen wir uns, nach Waren weiterzufahren. Auf einem Wanderweg, abseits der Nationalpark-Busroute, kürzen wir den Weg nach Waren ab. Über teils tiefsandige und schwer fahrbare Wege, geht es weiter, und nur noch selten treffen wir auf Touristen. Nur ab und zu begegnen uns Radfahrer, diese sind anhand ihrer vollgepackten Fahrräder aber zweifelsfrei als Tourenfahrer zu erkennen und grüßen freundlich.

Offene Weidelandschaft

In Müritzhof legen wir nochmals eine kleine Rast ein und erfahren dabei viel über die vom Aussterben bedrohten weißen Skandinavischen Hochlandrinder, die hier zur Hudeweidung eingesetzt werden. Seit Jahrhunderten wurde um Müritzhof Weidewirtschaft betrieben. Diese verhinderte das Hochwachsen von jungen Bäumen und ermöglichte 140 seltenen Arten, von denen in Mecklenburg einige nur hier vorkommen, die Ansiedlung. Damit diese seltenen Pflanzen sich weiterhin heimisch fühlen, weiden die Rinder auch künftig die Lichtung ab.
Nach kurzer Rast geht es die letzten zehn Kilometer weiter nach Waren.
Waren ist die größte Stadt an der Müritz und bietet dem Reisenden eine hervorragende Infrastruktur. Am Stadthafen kehren wir in ein Eiscafe ein, erholen uns von der Anfahrt und tanken Kraft für den etwa 20 Kilometer langen Rückweg zum Zelt. Nach einer Dreiviertel Stunde starten wir zur Stadtbesichtigung und schlendern über den Marktplatz zur Fußgängerzone. Das Müritzmuseum mit seinem beeindruckenden Aquarium vermittelt zwar viel Wissen über die Region und die Müritz, doch es wird spät und uns drängt es zum Aufbruch. Das Museum heben wir uns für einen späteren Besuch auf.

Rückkehr

Wir umrunden die Kleine Müritz und radeln weiter in Richtung Waren-Papenberg. Große Holzschilder weisen auf den Müritz-Nationalpark hin, den wir jedoch rechts liegen lassen. Als wir Schwarzenhof erreichen, ist der Rest der Strecke nur noch ein Kinderspiel. Zügig fahren wir weiter und erreichen im warmen Abendlicht Boek. Wir umzirkeln den Kreisverkehr, lassen Hotel und Gutshof hinter uns und steuern in Richtung Campingplatz.
Kurz hinter dem Platz radeln wir ans Ufer. Die Sonne steht schon tief und taucht unseren Badeplatz in warmes Licht. Nach dem Bad kehren wir zum Zelt zurück und machen uns »landfein«. Beim Abendessen im nahen Ort schwelgen wir in den schönen Eindrücken der heutigen Radtour.

Detlef Stöcker

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