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Wunschlos glücklich – Törn von Berlin über Werder/Havel zur Müritz

Wunschlos glücklich – Törn von Berlin über Werder/Havel zur Müritz

Mit dem Steuerrad in der Hand strahlt Onkel Andreas eine überlegene Autorität aus. Wenn erst einmal der Fahrtwind bläst, wird auch einem willensstarken Jungen die Rangfolge auf einem Boot klar. Klaglos presst Kasimir die Nase an die Scheibe und schaut den hektischen Handgriffen seines Vaters zu, der die Leine um den Schleusenpoller wirft. Vom Steuerstand gibt Andreas die Kommandos. Leinen nicht festknoten, Fender zurechtrücken, das Boot etwas von der Schleusenspundwand wegschieben, denn die Reling der Yacht droht sonst eingedrückt zu werden. Das erste Schleusenmanöver treibt den Mitreisenden das Adrenalin durch den Körper. Das Kind zeigt sich unbeeindruckt und verlangt nach Leckereien aus dem Bordkühlschrank.

Hinter der Spandauer Schleuse setzt sich das Bilderbuchpanorama munter fort. Am Altstadtufer sind Menschen und Massen auf einem Sommerfest unterwegs. Mit einem Käsebrötchen in der Hand vergisst Kasimir schon das Winken. Unzählige Bootsstege entlang der Havel lassen vermuten, dass Segeln in dieser Gegend ein Volkssport sein könnte. Der Grunewald erhebt sich auf Hügeln über dem linken Ufer und flankiert für die Fahrt bis zum Wannsee. Die Crew staunt, wie malerisch Berlin mit Natur ausgestattet ist. Kasimir verlegt sich aufs Hundezählen. Er hat das Fernglas entdeckt und schaut zu den Vierbeinern, die am Ufer spazieren.

Im Süden Berlins wird die Szenerie zunehmend mondän. Teure Segelyachten ankern in den Buchten zwischen den Inseln, die mit Prachtvillen bebaut sind. Zeit für einen kurzen Mittagsschlaf. Das Brummeln des Motors wirkt beruhigend. Derweilen unterquert die Renata die Glienicker Brücke, einst die Agentenbrücke der Sowjets und Amerikaner. Um die Ecke beginnen die Potsdamer Gewässer und die Prachtbauten der Landeshauptstadt.

Vom Stadtteil Babelsberg grüßen die Residenzbauten der Hohenzollern aufs Wasser. Ein Renommierbau des 21. Jahrhunderts beeindruckt auf Höhe des Amüsierviertels Schiffbauergasse. Hier steht das rote Hans-Otto-Theater mit mutig geschwungener Architektur. Im Hintergrund erhebt sich die mächtige Kuppel der Garnisionkirche. Potsdam ist ganz und gar am Wasser gebaut, selbst die großen Wohnblöcke aus der Zeit vor 1989 stehen in beneidenswerter, grüner Lage. Wen wundert da, dass der Wohnungsleerstand in Potsdam bei null Prozent liegt.

Berlin, Werder/Havel, Müritz, Hausboot © Magazin Seenland
Insellage: Altstadt von Werder (Havel)

Werder an der Havel

Im Westen durchläuft die Havel eine Kette großer Seen mit einigen Häfen. Die Renata setzt ihren Kurs zum Tagesziel Werder fort. Als sich die Silhouette der Inselstadt abhebt, erscheint auch Kasimir wieder an Deck. Er möchte wieder Freundschaft mit dem strengen Kapitän Andreas schließen – und auch mal ans Steuerrad. Allzu schwierig ist das Lenken nicht, bemerkt der kleine Matrose. Umso spannender ist es, vorausfahrende Boote einzuholen.

Telefonisch hatte sich die Renata beim Hafenmeister des Yachthafens Scheunhornweg bereits angekündigt. Ein Außenliegeplatz ist für die lange
Motoryacht reserviert. Gegenüber leuchtet die Werderaner Altstadt im Abendlicht. Zeit, sich die Beine zu vertreten. Die Inselstadt mit ihren Gässchen unter Kirchturm und Holländerwindmühle bietet dazu
beste Gelegenheit. Eingekehrt wird beim Branden-Burger– einem kleinen Fast-Food-Lokal mit heimischen Produkten. Kasimir ist glücklich über einen Teller Pommes. Die anderen lassen sich die hauseigenen Hamburgervarianten schmecken – dazu wahlweise ein Kirsch- oder Apfelbier, denn in Werder ist das Tafelobst zu Hause.

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