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Bootsabenteuer voraus!

Bootsabenteuer voraus!

Ein verlängertes Wochenende auf dem Wasser: von Berlin-Köpenick nach Bad Saarow
am Scharmützelsee

Lesedauer des Beitrags: 3 Minuten

Bei einer Tour auf der Dahme werden wir Skipper einmal mehr daran erinnert, warum wir das Bootfahren so genießen: Wir fahren durch lauschige Kanäle, in denen nur der Wind im Schilf zu hören ist. Wir geben Gas auf den großen Seen, bis das Wasser über den Bug spritzt. Wir lernen pittoreske Städtchen und Dörfer mit ihren sympathischen Bewohnern kennen, die Geschichten fernab des Großstadttrubels erzählen. Und öffnen wir nachts am einsamen Steg die Bootsluke, sind da nur das Plätschern und die Sterne.

Auch Herr Löber schwärmt von der Route zum Scharmützelsee. Wir treffen ihn – einen der wenigen Vercharterer in Berlin – an einem Freitagmittag an seinem Steg direkt an der Köpenicker Dahme. Der kleine Hafen ist so schön ausgebaut, dass wir eigentlich auch bleiben könnten: Ein historisches Bootshaus, ein Wohnmobilstellplatz, kleine Ferienwohnungen und eine Sauna laden zum Entspannen am Ufer ein. Direkt nebenan verkehrt die Fähre nach Grünau und bringt Anleger und Besucher schnell mit der S-Bahn ins Zentrum der Hauptstadt.

Als wir unser Boot „Amelya“ sehen …

… hält uns aber nichts mehr an Land. Die elf Meter lange Yacht ist gerade ein Jahr alt und glänzt in der Sonne, als wäre heute ihre Jungfernfahrt. Unter Deck erwarten uns zwei geräumige Kabinen jeweils mit WC und Dusche. Mittschiffs befindet sich der holzverkleidete Salon mit Küche und bequemer Sitzecke.

Unser persönliches Highlight aber ist das Sofa über Deck am Bug, auf dem man sich die Sonne ins Gesicht scheinen und den Wind um die Ohren wehen lassen kann. Nach einer ausführlichen Einweisung lassen wir den Motor an und gleiten achteraus auf die Dahme – unser Törn zum Scharmützelsee kann starten!

Berlin-Köpenick, Bad Saarow, Scharmützelsee © Magazin Seenland
Direkt hinter der Schleuse liegt die Selbstbedienungshubbrücke in Storkow.

Wir – das sind übrigens Karin, Steve, Sascha und Allyn. Wir beiden Letztgenannten haben schon Erfahrungen in Sachen Wassersport: Er als Segelskipper auf der Ostsee und ich auf den Brandenburger Binnengewässern. Karin und Steve, unsere Leichtmatrosen und Kombüsenchefs, bekommen daher zu Beginn von uns eine kurze Einweisung zu Knoten, Festmachen und Schleusen.

„Armin und das Ungeheuer aus dem Dolgensee“

Dann geht es endlich los. Wir reihen uns zunächst hinter einem Schleppverband ein und passieren mit den vorgeschriebenen sieben Kilometern pro Stunde die Regattastrecke Grünau, vorbei an der Tribüne und dem Start- und Zielbereich. Über den Langen See und den Zeuthener See geht es immer Richtung Süden bis sich kurz vor Königs Wusterhausen die Dahme spaltet. Wir lassen den Schleppverband und den Industriehafen rechts liegen und biegen ab zu unserer ersten Schleuse: Neue Mühle. Beide Ampeln stehen auf Rot und wir müssen zunächst an der Sportboot-Wartestelle festmachen.

Nach rund zehn Minuten kommt ein weiteres Boot. Das Paar darauf gibt uns den Tipp, sich das nächste Mal beim Schleusenwärter ein paar Minuten vor Ankunft telefonisch anzumelden. Dann geht es auch ganz schnell. Wir warten ab, bis sich die kleine Brücke hebt und fahren in die Schleuse ein – es wird die engste auf unserem Törn sein. Mit den komfortablen Bug- und Heckstrahlrudern manövrieren wir die „Amelya“ sicher in die Schleusenkammer.

Mit der Schleuse …

… lassen wir auch den Verkehr der Berliner Gewässer hinter uns. Auf der Dahme und dem Krüpelsee herrscht ruhiges Fahrwasser. An diesem Tag sind nur wenige Boote unterwegs. Vorbei an den gepflegten Wassergrundstücken von Bindow fahren wir langsam auf den Dolgensee. Das Gewässer ist hier sehr flach, weshalb wir uns unbedingt an die Betonnung halten. Kurz hinter der Brücke machen wir für die erste Nacht Rast an „Kuddels lustiger Stube“. Hier können wir längs anlegen und das Boot an den Holzpfählen und Metallstäben auf der Wiese sicher vertauen. In den Hochzeiten der Sommerferien ist die Terrasse voll besetzt und bis zu 300 Teller Hausmannskost kommen auf die Tische.

Heute ist es ruhiger in der kleinen Gaststätte und wir können mit der Besitzerin bei einem Sanddornschnaps einen Plausch halten. Zum Beispiel über ihren Ehemann, den Fischer Armin, der vor einigen Jahren aus dem Dolgensee einen beeindruckenden, mannshohen Wels gefangen hat. Der Zeitungsartikel mit der etwas angsteinflößenden Überschrift „Armin und das Ungeheuer aus dem Dolgensee“ hängt noch heute über dem Tresen. Obwohl „Kuddels lustige Stube“ mit deftiger Suppe, Eisbein und frisch geräuchertem Fisch aufwarten kann, legen unsere Köche Karin und Steve los und zaubern in der perfekt ausgestatteten Kombüse der „Amelya“ ein leckeres Abendbrot.

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