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Paradies auf Erden

Paradies auf Erden

Im Himmelpforter Kräutergarten beraten die Gärtnerinnen, die oft Tracht tragen, die Besucher. Foto: Barbara Pietzschmann

Die wirklich himmlisch bezaubernde Lage des kleinen brandenburgischen Ortes mag für den eingedeutschten Namen verantwortlich sein. Coeli porta! Himmelspforte soll einer der Mönche überwältigt ausgerufen haben, als er das paradiesische Fleckchen Erde von einem Hügel blickend vor sich sah.

Im Himmelpforter Kräutergarten beraten die Gärtnerinnen, die oft Tracht tragen, die Besucher. Foto: Barbara Pietzschmann

Die wirklich himmlisch bezaubernde Lage des kleinen brandenburgischen Ortes mag für den eingedeutschten Namen verantwortlich sein. Coeli porta! Himmelspforte soll einer der Mönche überwältigt ausgerufen haben, als er das paradiesische Fleckchen Erde von einem Hügel blickend vor sich sah.

Eingebettet zwischen den Gewässern Sidow-, Stolp-, Haus- und Moderfitzsee sowie den Flüssen Havel und Woblitz sollte hier ein neues Kloster des Zisterzienserordens mit dem Namen Coeli porta entstehen. Mit der Geschichte des Klosters begann auch die Ortsgeschichte. Die Mönche machten sich um den Ackerbau verdient, Dämme und Mühlen wurden errichtet, Viehzucht, Brauereiwesen und Gartenbau entwickelten sich, auch Fischfang und Handel mit den reichlich erzeugten Produkten ihrer Arbeit kamen hinzu. Die Wasserlage erleichterte den Transport, Handelswege von Nord nach Süd lagen dicht am Kloster. Die gute Lage lockte auch Neider und räuberische Eroberer in die Grenzregion zwischen Mecklenburg und Brandenburg. Seit dem Gründungsjahr 1299 war Himmelpfort mit seinem Kloster Zankapfel zwischen den ansässigen Fürstentümern. Erst ab 1442 blieb es endgültig im Besitz der Mark Brandenburg.

Rasche Wiederbelebung

Die Säkularisierung infolge der Reformationszeit und die Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges ließen das Kloster verfallen. Mit der Ansiedlung von Kolonisten auf Order des Preußischen Königs Friedrich II. und der Neuanlage der Mühle sowie durch die Ansiedlung verschiedener Gewerke erfuhr der Ort eine Wiedergeburt. Ab 1821 kam mit der Errichtung einer Glashütte auf der Halbinsel zwischen Haus- und Moderfitzsee der Ortsteil Pian hinzu. Hier entstand eine kleine Siedlung von Glasmachern mit ihren Familien. Tafelglas und die Flaschenproduktion verschafften etwa 200 Menschen für über 60 Jahre Lohn und Brot. Heute erinnern an die Glasmacher nur noch das Herrenhaus und ein Fachwerkkaten.

Gleichzeitig wurden für den rasch zunehmenden Handel die Wasserstraßen als billiger und bequemer Weg entdeckt. Die Binnenschifferei brachte einen wirtschaftlichen Aufschwung mit sich. Durch die günstige Seenlage profitierte das bodenständige Gewerke vom Boom der Industrialisierung der Großstädte Berlin und Potsdam. Als Ende des 19. Jahrhunderts der Bau der Berliner Nordbahn und die Bahnstrecke Fürstenberg Templin errichtet wurden, entdeckten die Stadtmenschen die gute Luft und die landschaftlichen Reize des dörflichen Lebens. Bereits 1920 wurde Himmelpfort zum Luftkurort für betuchte Großstädter. Gleich nebenan am Fürstenberger Röblinsee entstand ein Villenvorort für die Stars und Filmemacher der UFA in Babelsberg bei Potsdam. Das belebte auch die Sommerfrische Himmelpfort.

Kaum ein anderes Gotteshaus wurde so malerisch nahe am Ufer eines Sees errichtet. Wenn die Herbstnebel vom Haussee über den Klosterpark ziehen, ähnelt die kleine Kirche einem Schiff, das jeden Moment davonschwimmen könnte. Obwohl nach dem Wüten des Dreißigjährigen Krieges die Seitenschiffe und das Querhaus der Klosterkirche abgetragen wurden, blieben Chor und Vierung der Kirche bis in die Gegenwart erhalten. Die beiden Glocken befinden sich außerhalb der Kirche, getragen von einem hölzernen Glockenstuhl. Mit Eleganz und Romantik verbinden die freistehenden Rundbögen aus roten Backsteinen als ehemalige Mauern des Mittelschiffes die Klosterkirche mit den ausgedehnten Parkanlagen.

Lesen Sie weiter in der Ausgabe Seenland 2007

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