Die Seenplatte per Kanu entdecken

By |7,2 min read|1447 words|Published On: 20. April 2022|
Startseite/Kanu, Mecklenburgische Seenplatte/Die Seenplatte per Kanu entdecken

Länge: 42 km
Dauer: 3-4 Tage 
Route: Ellbogensee – Großer Pälitzsee – Kleiner Pälitzsee – Canower See – Labussee – Vilzsee – Rätzsee – Gobenowsee – Klenzsee – Plätlinsee – Schwaanhavel – Havel – Finowsee – Großer Priepertsee

Kanuverleih: Kanatu, An der Havel 30/32, 17255 Priepert, Tel. (03 98 28) 2 64 57, www.kanatu.de

Freitagmorgen, Berlin steckt uns noch in den Knochen, als wir aus dem Zug auf den Bahnhof von Fürstenberg/Havel steigen. Unsere Mission: Eine gut 40 Kilometer lange Kanutour durch die Mecklenburgische Seenplatte. Dass wir die angekündigten Kanu-Laien sind, muss man uns ansehen; Georg Schlesies vom Kanuverleih Kanatu steigt aus seinem Auto und kommt zielstrebig direkt auf uns zu. Nach einer kurzen Fahrt nach Priepert zeigt er uns das Boot, das künftig unser schwimmbarer Untersatz sein wird. Wir sind begeistert. Unser Kanu ist nicht nur aufgrund der roten Farbe auffällig, auch das Material muss hochwertig sein, zumindest werden wir auf unserer Tour durchweg anerkennende Blicke anderer Kanuten ernten. Auch die massiven Holzpaddel machen etwas her. Schließlich muss unsere Ausrüstung das wettmachen, was uns an Erfahrung fehlt: Eine Kanutour hat keiner von uns je gemacht. So bringt uns Georg alle Basics bei und zeigt uns etwa, wie der Hintermann in engen Situationen sein Paddel zum Steuern einsetzen kann. Mit Packtonne und wasserfesten Säcken beladen, machen wir uns dann auf zur ersten Etappe unserer Kanutour durch die Seenplatte, dem Ellbogensee.

Priepert – Labussee

Nach wenigen Schlägen stellen wir fest: So schwer ist das alles gar nicht. Georgs Ratschläge (Ruder nicht zu weit durchziehen, Arme gerade lassen) wirken Wunder, sodass wir rasch den Ellbogensee überqueren. Unter hohen Kieferkronen legen wir zur ersten Pause am Steg des Ferienparks am Ellbogensee an. Auch wenn der feine englische Rasen mehr an einen Golfplatz erinnert, rufen uns die schicken Bungalows unsere eigene Übernachtung ins Gedächtnis. Von einem Moment auf den anderen gefrieren uns die Gesichter: Wo ist unser Zelt? Haben wir es tatsächlich nach den ersten Kilometern schon von Bord gehen lassen? Ein Anruf bei Georg von Kanatu in Priepert gibt die Entwarnung: In der Anfangsaufregung haben wir es lediglich beim Kanuverleih liegen lassen. Der verlässliche Georg bringt es uns zu unserem nächsten Halt: Strasen.

Bevor wir unser Dach für die Nacht jedoch in Empfang nehmen können, müssen wir uns das erste Mal in eine Schleuse wagen. Wie gelernt, lassen wir den Hausbooten und Motoryachten, die vorsichtig in die enge Einfahrt fahren, den Vortritt, paddeln anschließend in die Zwischenräume und befestigen unsere Leinen an den Seitenstangen. Die Tore werden geschlossen und flutartig strömt das Wasser in das kleine Schleusenbecken. Nach wenigen Minuten ist das Schauspiel vorbei und wir nutzen unseren Aufenthalt in Strasen für eine Mittagspause. Direkt an der Schleuse werden Fischbrötchen­­ und Bier direkt aus dem Kasten verkauft. Frisch gestärkt vertreten wir uns anschließend noch ein wenig die Beine.

Ferienhütten mit eigenen Bootsanlegern pflastern die Ufer der Seen auf dem Weg nach Canow, allesamt hübsch anzusehen und manchmal auch mehr als das: Im Schilf versteckt entdecken wir ein kleines Schild, das Honig verspricht. Und tatsächlich, fein aufgereiht stehen die Gläser direkt auf dem Steg, die Kasse daneben. Fünf Euro pro Glas zahlen wir für den Honig aus der Region – unser Frühstück ist damit gesichert.

Die rund sieben Kilometer von Strasen nach Canow geben wir Vollgas, um noch vor Betriebsende durch die Schleuse zu gelangen. Im Durchschnitt legen Anfänger wie wir etwa vier Kilometer pro Stunde zurück – Pausen nicht mitgerechnet. Doch bis auf diesen Abschnitt sind unsere Etappen zeitlich großzügig bemessen, selten paddeln wir länger als eine Stunde am Stück, bis wir wieder an einem Steg anlegen oder uns am Uferrand eine kleine Pause gönnen.

Es mag an der geschickt platzierten Schilderwerbung liegen, aber unser Mantra „Erst Schleuse, dann Fischbrötchen” halten wir auch nach der Canower Schleuse ein. Die Filiale der Fischereigenossenschaft hat außerdem ein größeres Angebot als in Strasen, etwa geräucherte Spezialitäten und Aspikvariationen, die wir in der Abenddämmerung mit Blick auf den Labussee genießen können.

Die letzte Etappe von Tag 2 unserer Kanutour durch die Seenplatte führt uns einmal quer über den Labussee. Wir schlagen unser Zelt auf dem BiberTours Campingplatz auf und bestellen uns Brötchen für den nächsten Morgen. Bevor wir uns aber schlafen legen, zieht es uns noch einmal zurück aufs Wasser – allerdings nicht in unserem roten Kanu, sondern zur gut besuchten und besser sortierten Floßbar, deren Sortiment vom Feierabendbier bis zum hochprozentigen Cocktail reicht.

Labussee – Wustrow

Den Kaffee zu unseren Honigbrötchen holen wir uns am nächsten Morgen im Laden des Biber Ferienhofs, der neben Lebensmitteln auch Outdoor-Artikel führt. Statt eines Schweizer Taschenmessers kaufen wir lediglich ein wenig Proviant für unterwegs und springen wieder in unser Kanu, um in die Diemitzer Schleuse zu gelangen. Die letzte Schleuse auf unserer Tour, die Tatsache macht uns ein wenig wehmütig, doch ein kleiner Abstecher in den Vilzsee in Richtung Diemitz leistet hier Abhilfe. Unser eigentliches Ziel liegt aber weiter nördlich, und so geht es weiter zur Fleether Mühle. Die namensgebende Mühle ist zwar nicht mehr in Betrieb, ein Biergarten füllt die entstandene Lücke jedoch prächtig aus. Um Verwechslungen zu vermeiden, werden die Gerichte (leckere und deftige Hausmannskost) hier über Märchennamen ausgerufen – zum Mittag gibt es Schneewittchen-Wurst und Hans im Glück-Pommes.

Nun gilt es, an der Mühle die erste Umlegestelle unserer Kanutour durch die Seenplatte zu meistern. Wir heben das schwer bepackte Kanu in einem Kraftakt aus dem Wasser, tragen es fünfzig Meter über die Straße, um es in einem Seitenarm des Rätzsees wieder zu Wasser zu lassen. Der Fluss ist hier flach und kristallklar, sodass man neben der bunten Fischwelt auch Steine und Baumstämme unter der Wasseroberfläche erkennen und diesen rechtzeitig ausweichen kann.

Über den Rätzsee geht es zum Campingplatz am Gobenowsee mit dem bestsortiertesten Kiosk, dem wir auf unserer Tour begegnet sind. Ein anderer Umstand gibt diesem Abschnitt seinen besonderen Reiz: Ab der Fleether Mühle dürfen motorisierte Boote diese Strecke nicht befahren – gerade in den ruhigen Abendstunden und bei Windstille spiegelt sich dann der Himmel auf der glatten Wasseroberfläche und man meint, durch eine Wolkenlandschaft zu paddeln.

In Wustrow gilt es wieder, unser Kanu umzulegen, diesmal lassen wir es jedoch erst einmal an Land; es ist bereits später Abend und wir schlagen auf dem Campingplatz unser Zelt auf. Ein Spaziergang durch den Ort lohnt sich auf jeden Fall: Die Backsteinkirche ist schön anzusehen, für das leibliche Wohl gibt es unter anderem ein Kaminrestaurant. An guten Tagen lädt der Restaurantbesitzer­ seine Gäste auch gerne auf einen Verdauungsschnaps ein.

Wustrow – Priepert

Im Preis für die Übernachtung auf dem Wustrower Campingplatz inbegriffen ist die Ausleihe eines Radgestells für den Kanutransport: Dies ist für den längeren Weg zum Wasser der Plätlinsees mehr als schönes Beiwerk, sondern eine Notwendigkeit.

Am anderen Ende des Sees liegt die von uns lang ersehnte Schwaanhavel; ein natürlicher Kanal mit rund vier Kilometern Länge, der an einigen Stellen zwar eng und flach ist, ansonsten aber aus einem Märchenbuch zu stammen scheint. Vögel zwitschern, Stämme legen sich auf pittoreske Art und Weise quer über das Wasser und die Sonne dringt an manchen Stellen kaum durch die dichten Baumkronen Es lohnt sich, für einen Vesper am Ufer anzulegen, die Augen zu schließen und einfach die Natur zu genießen.

Der harte Kontrast zur malerischen Schwaanhavel folgt direkt auf den Fuß, die Obere Havel-Wasserstraße ist ein künstlich angelegter Kanal, wie mit dem Lineal gezogen, der Wesenberg mit Ahrensberg verbindet und wieder für motorisierte Boote zugelassen ist. Am südlichen Ende des Kanals stoßen wir wie in Canow auf eine Filiale der Fischereigenossenschaft; es wird unser letztes Fischbrötchen auf unserer Kanutour durch die Seenplatte werden.

Der Wangnitzsee ist zum großen Teil für motorisierte Boote gesperrt; die kleine Insel in der Mitte des Sees lädt dazu ein, kurz vor dem Ende der Reise noch einmal Pause zu machen. Ideal für eine letzte Rast ist auch der Ferienpark auf dem Gelände des ehemaligen Sägewerks am nordöstlichen Ende des Sees. Die letzten Kilometer vor Priepert führen uns dann letztendlich über den großen Priepertsee – von der markierten Wasserski-Strecke sollte man sich tunlichst fernhalten – bis wir unser knallrotes und mittlerweile lieb gewonnenes Kanu wieder an Georg von Kanatu übergeben. Eins ist dabei sicher:  Wir sind auf den Geschmack gekommen, die nächste Kanutour ist schon geplant.

 

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Länge: 42 km
Dauer: 3-4 Tage 
Route: Ellbogensee – Großer Pälitzsee – Kleiner Pälitzsee – Canower See – Labussee – Vilzsee – Rätzsee – Gobenowsee – Klenzsee – Plätlinsee – Schwaanhavel – Havel – Finowsee – Großer Priepertsee

Kanuverleih: Kanatu, An der Havel 30/32, 17255 Priepert, Tel. (03 98 28) 2 64 57, www.kanatu.de

Freitagmorgen, Berlin steckt uns noch in den Knochen, als wir aus dem Zug auf den Bahnhof von Fürstenberg/Havel steigen. Unsere Mission: Eine gut 40 Kilometer lange Kanutour durch die Mecklenburgische Seenplatte. Dass wir die angekündigten Kanu-Laien sind, muss man uns ansehen; Georg Schlesies vom Kanuverleih Kanatu steigt aus seinem Auto und kommt zielstrebig direkt auf uns zu. Nach einer kurzen Fahrt nach Priepert zeigt er uns das Boot, das künftig unser schwimmbarer Untersatz sein wird. Wir sind begeistert. Unser Kanu ist nicht nur aufgrund der roten Farbe auffällig, auch das Material muss hochwertig sein, zumindest werden wir auf unserer Tour durchweg anerkennende Blicke anderer Kanuten ernten. Auch die massiven Holzpaddel machen etwas her. Schließlich muss unsere Ausrüstung das wettmachen, was uns an Erfahrung fehlt: Eine Kanutour hat keiner von uns je gemacht. So bringt uns Georg alle Basics bei und zeigt uns etwa, wie der Hintermann in engen Situationen sein Paddel zum Steuern einsetzen kann. Mit Packtonne und wasserfesten Säcken beladen, machen wir uns dann auf zur ersten Etappe unserer Kanutour durch die Seenplatte, dem Ellbogensee.

Priepert – Labussee

Nach wenigen Schlägen stellen wir fest: So schwer ist das alles gar nicht. Georgs Ratschläge (Ruder nicht zu weit durchziehen, Arme gerade lassen) wirken Wunder, sodass wir rasch den Ellbogensee überqueren. Unter hohen Kieferkronen legen wir zur ersten Pause am Steg des Ferienparks am Ellbogensee an. Auch wenn der feine englische Rasen mehr an einen Golfplatz erinnert, rufen uns die schicken Bungalows unsere eigene Übernachtung ins Gedächtnis. Von einem Moment auf den anderen gefrieren uns die Gesichter: Wo ist unser Zelt? Haben wir es tatsächlich nach den ersten Kilometern schon von Bord gehen lassen? Ein Anruf bei Georg von Kanatu in Priepert gibt die Entwarnung: In der Anfangsaufregung haben wir es lediglich beim Kanuverleih liegen lassen. Der verlässliche Georg bringt es uns zu unserem nächsten Halt: Strasen.

Bevor wir unser Dach für die Nacht jedoch in Empfang nehmen können, müssen wir uns das erste Mal in eine Schleuse wagen. Wie gelernt, lassen wir den Hausbooten und Motoryachten, die vorsichtig in die enge Einfahrt fahren, den Vortritt, paddeln anschließend in die Zwischenräume und befestigen unsere Leinen an den Seitenstangen. Die Tore werden geschlossen und flutartig strömt das Wasser in das kleine Schleusenbecken. Nach wenigen Minuten ist das Schauspiel vorbei und wir nutzen unseren Aufenthalt in Strasen für eine Mittagspause. Direkt an der Schleuse werden Fischbrötchen­­ und Bier direkt aus dem Kasten verkauft. Frisch gestärkt vertreten wir uns anschließend noch ein wenig die Beine.

Ferienhütten mit eigenen Bootsanlegern pflastern die Ufer der Seen auf dem Weg nach Canow, allesamt hübsch anzusehen und manchmal auch mehr als das: Im Schilf versteckt entdecken wir ein kleines Schild, das Honig verspricht. Und tatsächlich, fein aufgereiht stehen die Gläser direkt auf dem Steg, die Kasse daneben. Fünf Euro pro Glas zahlen wir für den Honig aus der Region – unser Frühstück ist damit gesichert.

Die rund sieben Kilometer von Strasen nach Canow geben wir Vollgas, um noch vor Betriebsende durch die Schleuse zu gelangen. Im Durchschnitt legen Anfänger wie wir etwa vier Kilometer pro Stunde zurück – Pausen nicht mitgerechnet. Doch bis auf diesen Abschnitt sind unsere Etappen zeitlich großzügig bemessen, selten paddeln wir länger als eine Stunde am Stück, bis wir wieder an einem Steg anlegen oder uns am Uferrand eine kleine Pause gönnen.

Es mag an der geschickt platzierten Schilderwerbung liegen, aber unser Mantra „Erst Schleuse, dann Fischbrötchen” halten wir auch nach der Canower Schleuse ein. Die Filiale der Fischereigenossenschaft hat außerdem ein größeres Angebot als in Strasen, etwa geräucherte Spezialitäten und Aspikvariationen, die wir in der Abenddämmerung mit Blick auf den Labussee genießen können.

Die letzte Etappe von Tag 2 unserer Kanutour durch die Seenplatte führt uns einmal quer über den Labussee. Wir schlagen unser Zelt auf dem BiberTours Campingplatz auf und bestellen uns Brötchen für den nächsten Morgen. Bevor wir uns aber schlafen legen, zieht es uns noch einmal zurück aufs Wasser – allerdings nicht in unserem roten Kanu, sondern zur gut besuchten und besser sortierten Floßbar, deren Sortiment vom Feierabendbier bis zum hochprozentigen Cocktail reicht.

Labussee – Wustrow

Den Kaffee zu unseren Honigbrötchen holen wir uns am nächsten Morgen im Laden des Biber Ferienhofs, der neben Lebensmitteln auch Outdoor-Artikel führt. Statt eines Schweizer Taschenmessers kaufen wir lediglich ein wenig Proviant für unterwegs und springen wieder in unser Kanu, um in die Diemitzer Schleuse zu gelangen. Die letzte Schleuse auf unserer Tour, die Tatsache macht uns ein wenig wehmütig, doch ein kleiner Abstecher in den Vilzsee in Richtung Diemitz leistet hier Abhilfe. Unser eigentliches Ziel liegt aber weiter nördlich, und so geht es weiter zur Fleether Mühle. Die namensgebende Mühle ist zwar nicht mehr in Betrieb, ein Biergarten füllt die entstandene Lücke jedoch prächtig aus. Um Verwechslungen zu vermeiden, werden die Gerichte (leckere und deftige Hausmannskost) hier über Märchennamen ausgerufen – zum Mittag gibt es Schneewittchen-Wurst und Hans im Glück-Pommes.

Nun gilt es, an der Mühle die erste Umlegestelle unserer Kanutour durch die Seenplatte zu meistern. Wir heben das schwer bepackte Kanu in einem Kraftakt aus dem Wasser, tragen es fünfzig Meter über die Straße, um es in einem Seitenarm des Rätzsees wieder zu Wasser zu lassen. Der Fluss ist hier flach und kristallklar, sodass man neben der bunten Fischwelt auch Steine und Baumstämme unter der Wasseroberfläche erkennen und diesen rechtzeitig ausweichen kann.

Über den Rätzsee geht es zum Campingplatz am Gobenowsee mit dem bestsortiertesten Kiosk, dem wir auf unserer Tour begegnet sind. Ein anderer Umstand gibt diesem Abschnitt seinen besonderen Reiz: Ab der Fleether Mühle dürfen motorisierte Boote diese Strecke nicht befahren – gerade in den ruhigen Abendstunden und bei Windstille spiegelt sich dann der Himmel auf der glatten Wasseroberfläche und man meint, durch eine Wolkenlandschaft zu paddeln.

In Wustrow gilt es wieder, unser Kanu umzulegen, diesmal lassen wir es jedoch erst einmal an Land; es ist bereits später Abend und wir schlagen auf dem Campingplatz unser Zelt auf. Ein Spaziergang durch den Ort lohnt sich auf jeden Fall: Die Backsteinkirche ist schön anzusehen, für das leibliche Wohl gibt es unter anderem ein Kaminrestaurant. An guten Tagen lädt der Restaurantbesitzer­ seine Gäste auch gerne auf einen Verdauungsschnaps ein.

Wustrow – Priepert

Im Preis für die Übernachtung auf dem Wustrower Campingplatz inbegriffen ist die Ausleihe eines Radgestells für den Kanutransport: Dies ist für den längeren Weg zum Wasser der Plätlinsees mehr als schönes Beiwerk, sondern eine Notwendigkeit.

Am anderen Ende des Sees liegt die von uns lang ersehnte Schwaanhavel; ein natürlicher Kanal mit rund vier Kilometern Länge, der an einigen Stellen zwar eng und flach ist, ansonsten aber aus einem Märchenbuch zu stammen scheint. Vögel zwitschern, Stämme legen sich auf pittoreske Art und Weise quer über das Wasser und die Sonne dringt an manchen Stellen kaum durch die dichten Baumkronen Es lohnt sich, für einen Vesper am Ufer anzulegen, die Augen zu schließen und einfach die Natur zu genießen.

Der harte Kontrast zur malerischen Schwaanhavel folgt direkt auf den Fuß, die Obere Havel-Wasserstraße ist ein künstlich angelegter Kanal, wie mit dem Lineal gezogen, der Wesenberg mit Ahrensberg verbindet und wieder für motorisierte Boote zugelassen ist. Am südlichen Ende des Kanals stoßen wir wie in Canow auf eine Filiale der Fischereigenossenschaft; es wird unser letztes Fischbrötchen auf unserer Kanutour durch die Seenplatte werden.

Der Wangnitzsee ist zum großen Teil für motorisierte Boote gesperrt; die kleine Insel in der Mitte des Sees lädt dazu ein, kurz vor dem Ende der Reise noch einmal Pause zu machen. Ideal für eine letzte Rast ist auch der Ferienpark auf dem Gelände des ehemaligen Sägewerks am nordöstlichen Ende des Sees. Die letzten Kilometer vor Priepert führen uns dann letztendlich über den großen Priepertsee – von der markierten Wasserski-Strecke sollte man sich tunlichst fernhalten – bis wir unser knallrotes und mittlerweile lieb gewonnenes Kanu wieder an Georg von Kanatu übergeben. Eins ist dabei sicher:  Wir sind auf den Geschmack gekommen, die nächste Kanutour ist schon geplant.