Großes Abenteuer auf dem „kleinen Meer“

Von |13,4 Minuten Lesezeit|2619 Wörter|Veröffentlicht am: 15. Januar 2020|
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7 Tage: Priepert – Mirow – Waren (Müritz) – Eldenburg – Malchow – Plau am See – Wesenberg – Priepert 

Punkt 12 Uhr, Berlin-Jungfernheide – hier treffen wir vier aufeinander. Noch trennen uns etwa zwei Stunden Autofahrt von unserem eigentlich Abenteuer: einer Bootstour. Das Ziel unserer Reise ist der Yachthafen Priepert, inmitten der Mecklenburgischen Kleinseenplatte. Das Auto ist bis unter die Dachkante voll beladen. Schon auf der Fahrt geht es um wenig anderes: Die bereits Seeplatten-erfahrenen Mitfahrer geben den unerfahrenen Crewmitgliedern Ratschläge und Tipps.

Tag 1: Ankunft und Einweisung

In Priepert angekommen geht es ohne Umwege zu unserem Schiff. Die „Santa Maria“ liegt an einem der äußeren Stege des Yachthafens und schon aus der Ferne wird klar: ein Riesengeschoss. Ein wenig mulmig wird uns schon bei dem Gedanken, diesen Koloss über die Mecklenburgische Seenplatte zu manövrieren, vor allem, weil unsere nautischen Kenntnisse nicht unbedingt die besten sind. Mit einer Ausnahme ist noch keiner auf einem Hausboot gereist und selbst die Ausnahme heuerte mehr als familiärer Leichtmatrose denn als Steuermann ab. Doch die Bedenken werden schnell von Staunen und Begeisterung überdeckt, als unsere vierköpfige Besatzung – bestehend aus Hannah, Xenia, Jan und Johannes – die „Santa Maria“ entert.

Die Yacht ist mehr als komfortabel: Zwei große geräumige Kajüten, eine gut ausgestattete Küche, zwei separate Duschräume und Badezimmer, sowie ein Salon, der seinen Namen zu Recht trägt, überzeugen uns sofort. Wir werden die nächsten sieben Tage auf einer Yacht verbringen, die das Attribut „Luxus“ eindeutig verdient hat. Vor allem Johannes ist begeistert als er feststellt, dass er mit knapp zwei Metern Körpergröße aufrecht im Innenraum des Schiffes stehen kann – seinen bisherigen Hausboot-Erfahrungen läuft das eindeutig entgegen.

Tour Priepert, Müritz, Plau am See © Magazin Seenland
Die „Santa Maria“ bietet Platz für bis zu sechs Personen und lässt sich im Charterscheinrevier ohne Bootsführerschein fahren.

Wir stellen Johannes, der aus Urlauben mit seiner Familie die einzige Vorerfahrung in Punkto Bootfahren aufweist, ab, um den Charterschein zu machen. Dieser ist notwendig, wenn man ohne Bootsführerschein auf den umliegenden Binnengewässern ein Boot führen will. Eine Besonderheit in Deutschland, die für Boote mit weniger als 15 Metern Länge gilt und die u. a. eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 12 Stundenkilometer sowie auf einzelnen Seen besondere Sicherheitsvorschriften wie Schwimmwestenzwang und Fahrverbot ab Windstärke 4 vorsieht.

Charterschein und Oktoberfest

Im Hafenbüro bekommt Johannes eine ausführliche Einweisung in die Theorie des Bootfahrens. Seezeichen, rücksichtsvolles Verhalten auf dem Wasser und alles, was sonst noch dazugehört. Wir anderen haben derweil das Gepäck mitsamt Proviant an Bord geschafft und sind jetzt bereit für die praktische Unterweisung und abschließende Prüfung. Geübt werden seitliches Anlegen, rückwertiges Anlegen und das Wenden auf engem Raum.

Geduldig werden wir bei unseren anfänglich unbeholfenen Versuchen vom Mitarbeiter von Yachtcharter Heinzig angeleitet. Erste Erfolge lassen nicht lange auf sich warten: Die Wende auf engem Raum meistern wir in zwei Zügen, obwohl sie uns mit drei Zügen vorgeführt wurde. Schließlich dürfen wir uns alleine versuchen, wir verabschieden unseren Lehrmeister und stechen in See.

Der Blick auf die Uhr zeigt uns: Schleusen ist heute nicht mehr möglich. Wir werden die Nacht also in Priepert verbringen. Aber nicht ohne zuvor noch einige Runden über den Ellbogensee und den anliegenden Kanal zu drehen, um die soeben erworbenen Fähigkeiten zu erproben und zu verfeinern.

Der Hunger treibt uns schließlich wieder an Land, wo der mitgebrachte Proviant, der im Wesentlichen aus Toast und Aufschnitt sowie Pasta und Pesto besteht, wenig reizt. Da die letzte Mahlzeit inzwischen in historischer Ferne liegt, verlangt es uns nach Größerem. Da wir wissen, dass in den Hafenhallen an diesem Abend ein Oktoberfest stattfindet und die kulinarischen Aussichten, die ein solches Fest verspricht, einfach zu verlockend sind, eilen wir sofort los.

Und wir werden nicht enttäuscht: von Schmalzbroten und Brezeln über Weißwurst hin zu Schweinshaxe mit Bratkartoffeln und Sauerkraut wird alles geboten. Wieder an Deck lassen wir bei einem letzten Hefeweizen und CD-Klängen aus der bordeigenen Anlage den Abend ausklingen. Ab in die Koje. Gute Nacht Priepert!

Tag 2: Von Priepert nach Mirow

Unsere angepeilte Aufstehzeit von 8 Uhr halten wir nicht ein – die Kojen sind einfach zu gemütlich. Die am Vorabend im Hafenkiosk bestellten Brötchen holen wir erst gegen 10.30 ab. Sie werden auf Achtern zusammen mit Kaffee, Aufschnitt und Äpfeln angerichtet und in der langsam hinter den Wolken hervor kriechenden Sonne verzehrt.

Nachdem wieder alles unter Deck verstaut ist, heißt es: Leinen los! Wir überqueren den Ellbogensee in Richtung Westen und gelangen zu unserer ersten Schleuse in Strasen. Sie ist belegt, die Ampel zeigt rot, uns bleibt also noch Zeit, das am Vortag Gelernte abzurufen.

Wir legen an und warten. Irgendwann springt das Lichtzeichen auf grün: Ab geht die Fahrt. Etwas zu forsch und mit viel Hin und Her meistern wir schließlich dieses erste Hindernis, das durch die beachtenswerte Breite unseres Bootes – 4,10 Meter! – ein bisschen an das Einfädeln eines Fadens ins Nadelöhr erinnert.

Nun wird die Fahrt entspannt, wir überqueren den Kleinen Pälitzsee. Uns umgibt eine Landschaft, die stark an finnische Seen erinnert. Sehr idyllisch. Auf den Pälitzsee folgt der Canower See und im Anschluss die nächste Schleuse, die wir ob unserer Erfahrung mit Bravour meistern. Löppt! Wir spielen uns zunehmend ein. Doch die auf den Labussee folgende Schleuse Diemitz zeigt uns, dass wir wohl etwas übermütig geworden sind. Das auf das Warten auf den Gegenverkehr folgende Ablegemanöver misslingt, wir kommen mit dem Heck nicht rechtzeitig vom begrasten Land weg und bleiben hängen. Zu unserer Erleichterung schadfrei. Beim zweiten Anlauf nutzen wir Heck- und Bugstrahlruder und legen tadellos ab.

Die Uhrzeit und die vorangegangene Aufregung lassen uns den Entschluss fassen, ein neues Manöver auszuprobieren: ankern. Alle haben Hunger, also geht es auf den unmittelbar hinter der Schleuse liegenden und als Ankerstelle ausgezeichneten Großen Peetschsee. Wir suchen uns eine windgeschützte Stelle nahe des Ufers, stoppen den Motor und lassen den Anker die fünf- bis siebenfache Wassertiefe als Kettenlänge herunterrauschen. Durch kurzes Einlegen des Rückwärtsganges überprüfen wir, ob sich der Anker richtig eingegraben hat. Die Kette kommt unter Spannung und das Boot richtet sich mit dem Bug in den Wind aus. Wir liegen fest. Der Gasherd erhitzt das Wasser für die Pasta. Leider besitzen wir keine gültige Angelkarte für diesen See, sodass Nudeln mit Pesto heute wohl genügen müssen.

Gerne wären wir noch bei Kartenspiel und lesend in der Sonne vor Anker geblieben, doch die Zeit drängt ein wenig. Wir möchten nämlich noch einen der begehrten Liegeplätze an der Schlossinsel im Zentrum von Mirow ergattern.

Motoryacht liegt im Hafen von Priepert am Außensteg

Auf dem Vilzsee werden unsere navigatorischen Fähigkeiten gefordert. Wir müssen rechtzeitig in Richtung Norden umlenken, um zum Zotzensee zu gelangen und nicht auf dem, motorisiert nicht befahrbaren, Schwarzen See zu landen. Jan nimmt sich dieser Aufgabe an und gibt die passenden Anweisungen, um nicht in untiefe Gewässer zu geraten. So gelangen wir schließlich in den Hafen an der Schlossinsel. Vom Hafenmeister erfahren wir, dass es in Mirow einen sonntäglich geöffneten Netto gibt, den wir sogleich aufsuchen, um unsere mittlerweile dezimierten Vorräte aufzufrischen. Zurück auf dem Boot wirbelt Xenia ein opulentes Sandwich-Abendbrot zusammen. Im Kerzenschein endet der Tag mit einem crewinternen Schachturnier an Deck. Der Tag hat uns geschafft, wir schlüpfen früh in unsere Betten. Gute Nacht Mirow!

Tag 3: Von Mirow nach Waren (Müritz)

Der neue Tag beginnt, wie auch der letzte, mit verspätetem Aufstehen. Da wir allerdings nicht auf der Jagd, sondern im Urlaub sind, stört das niemanden. Nach dem Frühstück begeben wir uns auf lokale Erkundungstour. Doch der Supermarkt ist nicht genug. Bereits bei der Ankunft ließ sich über die Baumwipfel ein Kirchturm erahnen, den es genauer unter die Lupe zu nehmen gilt. Außerdem ging im Hafen das Gerücht um, es gebe einen Fischereibetrieb mit Räucherfischverkauf im Ort. Klingt nach einer gelungenen Ergänzung unseres Proviants.

Der Kirchturm entpuppt sich als Teil der Johanniterkirche, die, frisch saniert, einiges zu sehen bietet. Neben dem Kirchenschiff und der Fürstengruft wartet insbesondere der Glockenturm auf jeder Etage mit anderen Sehenswürdigkeiten auf. Macht man sich die Mühe, ihn zu erklimmen, gelangt man über eine Gemäldeausstellung eines regionalen Malers, über ein Johannitermuseum, einen Bücherbasar und das Glockengestühl hin zu einer Aussichtsplattform, die den Aufstieg eindrucksvoll belohnt.

Nach dem Abstieg geht es über die Liebesinsel, die über eine Brücke erreichbar ist, in Richtung Altstadt. Es gilt den Fischer und seine Ware ausfindig zu machen. Ohne großes Nachfragen gelangen die Nahrungssuchenden in die heiligen Hallen. Beute: Ein geräucherter Saibling und sechs Sprotten – das Abendbrot ist gesichert! Auf dem Rückweg erbeuten wir noch eine Piratenflagge in einem Shop, die an Bord umgehend gehisst wird. Das Ziel, das nun wartet: Waren (Müritz). 

Wider Erwarten gelingt das rückwertige Verlassen des Hafens in Mirow ohne größere Umstände und gibt den Weg frei in Richtung Deutschlands größtem Binnensee. Das Schleusen bereitet uns nun keine Schwierigkeiten mehr und wir erreichen über die Müritz-Havel-Wasserstraße schließlich die Müritz. Pflichtgemäß nach Charterscheinreglung legen wir die Rettungswesten an, auch wenn sie nicht unbedingt dem aktuellen Berliner Schick entsprechen, und kündigen unsere Überfahrt beim Vercharterer telefonisch an. Die Müritz ist im Vergleich zu den von uns bisher überquerten Seen riesig und erwartet uns, nach anfänglich ruhiger Fahrt, mit auffrischendem Wind und nicht zu verachtendem Wellengang. Plötzliche Wetterwechsel sind auf der Müritz nicht unüblich. Dabei entwickeln sich oftmals kurze, steile Wellen. Wir werden ordentlich durchgeschüttelt und müssen in den eineinhalb Stunden Überfahrt mehrfach unser Inventar wieder an den vorgesehenen Ort zurückräumen, da es, ob des Seegangs, ein Eigenleben inklusive Bewegungsdrang entwickelt. Doch die Navigatoren Jan und Xenia und Steuermann Johannes bringen das Schiff immer entlang der grünen Betonnung schließlich in den sicheren Warener Hafen. Erleichtert bald wieder festen Boden unter den Füßen zu haben, legen wir an.

Wieder einmal zeigt sich: Nautische Anstrengung und steife Brise fördern den Appetit, also müssen, nach der Anmeldung beim Hafenmeister, der frisch erworbene Saibling und die Sprotten nebst ein paar Gürkchen und Brot dranglauben. Während Johannes anschließend die „Santa Maria“ hütet, nutzen Hannah, Xenia und Jan die Gelegenheit und unternehmen einen Abstecher ins Ernst-Barlach-Theater in Güstrow. Der Warener Bahnhof macht es umsteigefrei mit einer Fahrzeit von 30 Minuten möglich.
Die verbliebene Einmanncrew treibt es am Abend in Richtung Waren-City auf der Suche nach Gesellschaft. Wenige Meter vom Anleger entfernt findet sich ein empfehlenswerter Irish Pub. Der Barkeeper zeigt sich als perfekter Touristenführer. Ob Fahrradverleih oder Räucherfischverkäufer, der Herr weiß immer Rat. Hier trifft man wahre Warener. Tagsüber, so meint er, ist die Touristeninformation am Marktplatz eine gute Anlaufstelle. Da er selber Angst vor dem Wasser hat, empfiehlt er Touren, die man trockenen Fußes bewältigen kann: Kranich- und Wisent-Touren etwa.

Frühstück an Bord eines Hausboote in der Nähe von Priepert.
Klönschnack auf dem Achterdeck

Die Wisent-Tour startet direkt am Warener Hafen und führt durch einen Wald zum Damerower Werder-Wisentgehege. Die Kranich-Tour führt Interessierte im Herbst zu den Schlafplätzen der Kraniche, die sich hier sammeln, um noch einmal Kraft zu tanken, bevor Sie zu ihren Winterquartieren aufbrechen. Nach dem ausgedehnten Gespräch, bei dem Johannes auch viel über die Geschichte Warens erfährt, geht es ab in die Koje, morgen steht die Fahrt über die Oberseen auf dem Programm. Gute Nacht Waren (Müritz)!

Tag 5: Von Waren (Müritz) über Eldenburg und Malchow nach Plau am See

Das Team der „Santa Maria“ ist wieder komplett. Doch bevor die Reise weitergehen kann, muss der Abwassertank entleert werden. Einfacher gesagt als getan. Keines der Crewmitglieder weiß genau, wie das geht. Der Hafenmeister weiß Rat. Er weist uns den Weg zur Abwasserentsorgungsanlage. Ein wenig seemännisches Geschick ist schon von Nöten, um ein Schiff dieser Größe in die Bucht zu manövrieren, die ihm die gewünschte Erleichterung bringen soll. Doch am Ende geht alles glatt. Nun können wir Richtung Plau am See starten.
Über die Binnenmüritz und den Reeckkanal gelangen wir zum Fischerhof Eldenburg. Kurzerhand legen wir an und besorgen uns für den Mittagssnack frische Fischbrötchen. Über den Kölpinsee und Fleesensee erreichen wir die Stadt Malchow. Weiterfahrt nur stündlich zur Öffnung der Drehbrücke möglich. Hoffnungsvoll nähern wir uns der Brücke, denn der Gegenverkehr passiert diese gerade. Doch dann die Enttäuschung: Die Ampel bleibt rot. Unsere Seeseite wurde bereits vor unserer Ankunft durchgelassen. Also sehen wir zu, wie sich die Drehbrücke schließt, legen am Wasserwanderrastplatz an und erkunden die quasi auf einer Insel zwischen dem Malchower See und dem Fleesensee gelegene malerische Altstadt. Der Rundgang durch die ehemalige Textilstadt dauert doch länger als angenommen, erst die übernächste Öffnung der Brücke nutzen wir zur Durchfahrt.

Über den Fleesensee und Plauer See erreichen wir Plau am See. Direkt am jüngsten Wahrzeichen der Stadt, dem Leuchtturm, finden wir einen Liegeplatz im gerade erst fertiggestellten Hafen, Blick auf den See inklusive. Hubbrücke und Zentrum sind über die neue Uferpromenade mit Namen Metow in fünf Minuten erreichbar. Bevor die Sonne versinkt, erklimmen wir den fast 14 Meter hohen Leuchtturm und genießen den Blick auf den Plauer See – immerhin der siebtgrößte in Deutschland. Zum Abendessen genießen wir Eldenräuber an Weißweinsauce, Thymiankürbis und Wildkräuterecken im Fischerhaus. Der frische Barsch der Plauer Fischer überzeugt uns sofort.

Tag 6: Von Plau am See nach Wesenberg

Noch vor den ersten Sonnenstrahlen ist das Boot mit Leben gefüllt. Immerhin steht heute die Rücktour an, die es an einem Tag anstatt der eigentlich nötigen zwei Tage zu bewältigen gilt. Dafür müssen wir die Drehbrücke in Malchow zur ersten Öffnung um 9 Uhr passieren. Dieses Mal meint es die Müritz gut mit uns und der komplette Rückweg verläuft bei schönstem Wetter und dank Nebensaison nahezu wartefrei an den Schleusen. Kurz vor der Ankunft in Priepert müssen wir noch eine Hürde meistern. Wir sollen tanken. Da wir uns am Ende der Saison befinden, hat nur noch die Marina Wesenberg Treibstoff für uns, also fahren wir an Priepert vorbei Richtung Wesenberg. Die Tankstellenwärter staunen nicht schlecht, als wir unser riesiges Boot mit Leinen verkehrt herum in die Tankbox manövrieren. Doch alles Kunststück ist vergebens. Wir müssen regulär einparken – wenn uns das doch jemand vorher gesagt hätte. Also Kommando zurück.

Die letzte Nacht verbringen wir in Wesenberg, wo wir uns von Jan und Hannah verabschieden, die schon heute zurück nach Berlin müssen. Wir bestellen beim Hafenkiosk frische Brötchen für den Morgen und lassen den Abend zu zweit ausklingen. Gute Nacht Wesenberg!

Tag 7: Von Wesenberg nach Priepert

Der letzte Morgen fordert Xenia und Johannes noch einmal besonders: zu zweit ein Ablegemanöver fahren mit dem Wissen, gleich zu zweit schleusen zu müssen. Die Nervosität steigt, doch die letzten Tage waren nicht vergebens. Im eingespielten Team lässt sich die Yacht souverän durch die Schleuse bugsieren. Nun sind es nur noch wenige Meter bis nach Priepert, wir passieren noch einmal die überdachte Holzbrücke bei Ahrensberg. Ein bisschen Wehmut kommt schon auf, doch die schönen Erinnerungen an die letzten Tage machen es wett. Schließlich laufen wir wieder in unseren Heimathafen ein. Priepert voraus. Wir sind uns alle einig, das soll nicht das letzte Mal gewesen sein auf der Mecklenburgischen Seenplatte.

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7 Tage: Priepert – Mirow – Waren (Müritz) – Eldenburg – Malchow – Plau am See – Wesenberg – Priepert 

Punkt 12 Uhr, Berlin-Jungfernheide – hier treffen wir vier aufeinander. Noch trennen uns etwa zwei Stunden Autofahrt von unserem eigentlich Abenteuer: einer Bootstour. Das Ziel unserer Reise ist der Yachthafen Priepert, inmitten der Mecklenburgischen Kleinseenplatte. Das Auto ist bis unter die Dachkante voll beladen. Schon auf der Fahrt geht es um wenig anderes: Die bereits Seeplatten-erfahrenen Mitfahrer geben den unerfahrenen Crewmitgliedern Ratschläge und Tipps.

Tag 1: Ankunft und Einweisung

In Priepert angekommen geht es ohne Umwege zu unserem Schiff. Die „Santa Maria“ liegt an einem der äußeren Stege des Yachthafens und schon aus der Ferne wird klar: ein Riesengeschoss. Ein wenig mulmig wird uns schon bei dem Gedanken, diesen Koloss über die Mecklenburgische Seenplatte zu manövrieren, vor allem, weil unsere nautischen Kenntnisse nicht unbedingt die besten sind. Mit einer Ausnahme ist noch keiner auf einem Hausboot gereist und selbst die Ausnahme heuerte mehr als familiärer Leichtmatrose denn als Steuermann ab. Doch die Bedenken werden schnell von Staunen und Begeisterung überdeckt, als unsere vierköpfige Besatzung – bestehend aus Hannah, Xenia, Jan und Johannes – die „Santa Maria“ entert.

Die Yacht ist mehr als komfortabel: Zwei große geräumige Kajüten, eine gut ausgestattete Küche, zwei separate Duschräume und Badezimmer, sowie ein Salon, der seinen Namen zu Recht trägt, überzeugen uns sofort. Wir werden die nächsten sieben Tage auf einer Yacht verbringen, die das Attribut „Luxus“ eindeutig verdient hat. Vor allem Johannes ist begeistert als er feststellt, dass er mit knapp zwei Metern Körpergröße aufrecht im Innenraum des Schiffes stehen kann – seinen bisherigen Hausboot-Erfahrungen läuft das eindeutig entgegen.

Tour Priepert, Müritz, Plau am See © Magazin Seenland
Die „Santa Maria“ bietet Platz für bis zu sechs Personen und lässt sich im Charterscheinrevier ohne Bootsführerschein fahren.

Wir stellen Johannes, der aus Urlauben mit seiner Familie die einzige Vorerfahrung in Punkto Bootfahren aufweist, ab, um den Charterschein zu machen. Dieser ist notwendig, wenn man ohne Bootsführerschein auf den umliegenden Binnengewässern ein Boot führen will. Eine Besonderheit in Deutschland, die für Boote mit weniger als 15 Metern Länge gilt und die u. a. eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 12 Stundenkilometer sowie auf einzelnen Seen besondere Sicherheitsvorschriften wie Schwimmwestenzwang und Fahrverbot ab Windstärke 4 vorsieht.

Charterschein und Oktoberfest

Im Hafenbüro bekommt Johannes eine ausführliche Einweisung in die Theorie des Bootfahrens. Seezeichen, rücksichtsvolles Verhalten auf dem Wasser und alles, was sonst noch dazugehört. Wir anderen haben derweil das Gepäck mitsamt Proviant an Bord geschafft und sind jetzt bereit für die praktische Unterweisung und abschließende Prüfung. Geübt werden seitliches Anlegen, rückwertiges Anlegen und das Wenden auf engem Raum.

Geduldig werden wir bei unseren anfänglich unbeholfenen Versuchen vom Mitarbeiter von Yachtcharter Heinzig angeleitet. Erste Erfolge lassen nicht lange auf sich warten: Die Wende auf engem Raum meistern wir in zwei Zügen, obwohl sie uns mit drei Zügen vorgeführt wurde. Schließlich dürfen wir uns alleine versuchen, wir verabschieden unseren Lehrmeister und stechen in See.

Der Blick auf die Uhr zeigt uns: Schleusen ist heute nicht mehr möglich. Wir werden die Nacht also in Priepert verbringen. Aber nicht ohne zuvor noch einige Runden über den Ellbogensee und den anliegenden Kanal zu drehen, um die soeben erworbenen Fähigkeiten zu erproben und zu verfeinern.

Der Hunger treibt uns schließlich wieder an Land, wo der mitgebrachte Proviant, der im Wesentlichen aus Toast und Aufschnitt sowie Pasta und Pesto besteht, wenig reizt. Da die letzte Mahlzeit inzwischen in historischer Ferne liegt, verlangt es uns nach Größerem. Da wir wissen, dass in den Hafenhallen an diesem Abend ein Oktoberfest stattfindet und die kulinarischen Aussichten, die ein solches Fest verspricht, einfach zu verlockend sind, eilen wir sofort los.

Und wir werden nicht enttäuscht: von Schmalzbroten und Brezeln über Weißwurst hin zu Schweinshaxe mit Bratkartoffeln und Sauerkraut wird alles geboten. Wieder an Deck lassen wir bei einem letzten Hefeweizen und CD-Klängen aus der bordeigenen Anlage den Abend ausklingen. Ab in die Koje. Gute Nacht Priepert!

Tag 2: Von Priepert nach Mirow

Unsere angepeilte Aufstehzeit von 8 Uhr halten wir nicht ein – die Kojen sind einfach zu gemütlich. Die am Vorabend im Hafenkiosk bestellten Brötchen holen wir erst gegen 10.30 ab. Sie werden auf Achtern zusammen mit Kaffee, Aufschnitt und Äpfeln angerichtet und in der langsam hinter den Wolken hervor kriechenden Sonne verzehrt.

Nachdem wieder alles unter Deck verstaut ist, heißt es: Leinen los! Wir überqueren den Ellbogensee in Richtung Westen und gelangen zu unserer ersten Schleuse in Strasen. Sie ist belegt, die Ampel zeigt rot, uns bleibt also noch Zeit, das am Vortag Gelernte abzurufen.

Wir legen an und warten. Irgendwann springt das Lichtzeichen auf grün: Ab geht die Fahrt. Etwas zu forsch und mit viel Hin und Her meistern wir schließlich dieses erste Hindernis, das durch die beachtenswerte Breite unseres Bootes – 4,10 Meter! – ein bisschen an das Einfädeln eines Fadens ins Nadelöhr erinnert.

Nun wird die Fahrt entspannt, wir überqueren den Kleinen Pälitzsee. Uns umgibt eine Landschaft, die stark an finnische Seen erinnert. Sehr idyllisch. Auf den Pälitzsee folgt der Canower See und im Anschluss die nächste Schleuse, die wir ob unserer Erfahrung mit Bravour meistern. Löppt! Wir spielen uns zunehmend ein. Doch die auf den Labussee folgende Schleuse Diemitz zeigt uns, dass wir wohl etwas übermütig geworden sind. Das auf das Warten auf den Gegenverkehr folgende Ablegemanöver misslingt, wir kommen mit dem Heck nicht rechtzeitig vom begrasten Land weg und bleiben hängen. Zu unserer Erleichterung schadfrei. Beim zweiten Anlauf nutzen wir Heck- und Bugstrahlruder und legen tadellos ab.

Die Uhrzeit und die vorangegangene Aufregung lassen uns den Entschluss fassen, ein neues Manöver auszuprobieren: ankern. Alle haben Hunger, also geht es auf den unmittelbar hinter der Schleuse liegenden und als Ankerstelle ausgezeichneten Großen Peetschsee. Wir suchen uns eine windgeschützte Stelle nahe des Ufers, stoppen den Motor und lassen den Anker die fünf- bis siebenfache Wassertiefe als Kettenlänge herunterrauschen. Durch kurzes Einlegen des Rückwärtsganges überprüfen wir, ob sich der Anker richtig eingegraben hat. Die Kette kommt unter Spannung und das Boot richtet sich mit dem Bug in den Wind aus. Wir liegen fest. Der Gasherd erhitzt das Wasser für die Pasta. Leider besitzen wir keine gültige Angelkarte für diesen See, sodass Nudeln mit Pesto heute wohl genügen müssen.

Gerne wären wir noch bei Kartenspiel und lesend in der Sonne vor Anker geblieben, doch die Zeit drängt ein wenig. Wir möchten nämlich noch einen der begehrten Liegeplätze an der Schlossinsel im Zentrum von Mirow ergattern.

Motoryacht liegt im Hafen von Priepert am Außensteg

Auf dem Vilzsee werden unsere navigatorischen Fähigkeiten gefordert. Wir müssen rechtzeitig in Richtung Norden umlenken, um zum Zotzensee zu gelangen und nicht auf dem, motorisiert nicht befahrbaren, Schwarzen See zu landen. Jan nimmt sich dieser Aufgabe an und gibt die passenden Anweisungen, um nicht in untiefe Gewässer zu geraten. So gelangen wir schließlich in den Hafen an der Schlossinsel. Vom Hafenmeister erfahren wir, dass es in Mirow einen sonntäglich geöffneten Netto gibt, den wir sogleich aufsuchen, um unsere mittlerweile dezimierten Vorräte aufzufrischen. Zurück auf dem Boot wirbelt Xenia ein opulentes Sandwich-Abendbrot zusammen. Im Kerzenschein endet der Tag mit einem crewinternen Schachturnier an Deck. Der Tag hat uns geschafft, wir schlüpfen früh in unsere Betten. Gute Nacht Mirow!

Tag 3: Von Mirow nach Waren (Müritz)

Der neue Tag beginnt, wie auch der letzte, mit verspätetem Aufstehen. Da wir allerdings nicht auf der Jagd, sondern im Urlaub sind, stört das niemanden. Nach dem Frühstück begeben wir uns auf lokale Erkundungstour. Doch der Supermarkt ist nicht genug. Bereits bei der Ankunft ließ sich über die Baumwipfel ein Kirchturm erahnen, den es genauer unter die Lupe zu nehmen gilt. Außerdem ging im Hafen das Gerücht um, es gebe einen Fischereibetrieb mit Räucherfischverkauf im Ort. Klingt nach einer gelungenen Ergänzung unseres Proviants.

Der Kirchturm entpuppt sich als Teil der Johanniterkirche, die, frisch saniert, einiges zu sehen bietet. Neben dem Kirchenschiff und der Fürstengruft wartet insbesondere der Glockenturm auf jeder Etage mit anderen Sehenswürdigkeiten auf. Macht man sich die Mühe, ihn zu erklimmen, gelangt man über eine Gemäldeausstellung eines regionalen Malers, über ein Johannitermuseum, einen Bücherbasar und das Glockengestühl hin zu einer Aussichtsplattform, die den Aufstieg eindrucksvoll belohnt.

Nach dem Abstieg geht es über die Liebesinsel, die über eine Brücke erreichbar ist, in Richtung Altstadt. Es gilt den Fischer und seine Ware ausfindig zu machen. Ohne großes Nachfragen gelangen die Nahrungssuchenden in die heiligen Hallen. Beute: Ein geräucherter Saibling und sechs Sprotten – das Abendbrot ist gesichert! Auf dem Rückweg erbeuten wir noch eine Piratenflagge in einem Shop, die an Bord umgehend gehisst wird. Das Ziel, das nun wartet: Waren (Müritz). 

Wider Erwarten gelingt das rückwertige Verlassen des Hafens in Mirow ohne größere Umstände und gibt den Weg frei in Richtung Deutschlands größtem Binnensee. Das Schleusen bereitet uns nun keine Schwierigkeiten mehr und wir erreichen über die Müritz-Havel-Wasserstraße schließlich die Müritz. Pflichtgemäß nach Charterscheinreglung legen wir die Rettungswesten an, auch wenn sie nicht unbedingt dem aktuellen Berliner Schick entsprechen, und kündigen unsere Überfahrt beim Vercharterer telefonisch an. Die Müritz ist im Vergleich zu den von uns bisher überquerten Seen riesig und erwartet uns, nach anfänglich ruhiger Fahrt, mit auffrischendem Wind und nicht zu verachtendem Wellengang. Plötzliche Wetterwechsel sind auf der Müritz nicht unüblich. Dabei entwickeln sich oftmals kurze, steile Wellen. Wir werden ordentlich durchgeschüttelt und müssen in den eineinhalb Stunden Überfahrt mehrfach unser Inventar wieder an den vorgesehenen Ort zurückräumen, da es, ob des Seegangs, ein Eigenleben inklusive Bewegungsdrang entwickelt. Doch die Navigatoren Jan und Xenia und Steuermann Johannes bringen das Schiff immer entlang der grünen Betonnung schließlich in den sicheren Warener Hafen. Erleichtert bald wieder festen Boden unter den Füßen zu haben, legen wir an.

Wieder einmal zeigt sich: Nautische Anstrengung und steife Brise fördern den Appetit, also müssen, nach der Anmeldung beim Hafenmeister, der frisch erworbene Saibling und die Sprotten nebst ein paar Gürkchen und Brot dranglauben. Während Johannes anschließend die „Santa Maria“ hütet, nutzen Hannah, Xenia und Jan die Gelegenheit und unternehmen einen Abstecher ins Ernst-Barlach-Theater in Güstrow. Der Warener Bahnhof macht es umsteigefrei mit einer Fahrzeit von 30 Minuten möglich.
Die verbliebene Einmanncrew treibt es am Abend in Richtung Waren-City auf der Suche nach Gesellschaft. Wenige Meter vom Anleger entfernt findet sich ein empfehlenswerter Irish Pub. Der Barkeeper zeigt sich als perfekter Touristenführer. Ob Fahrradverleih oder Räucherfischverkäufer, der Herr weiß immer Rat. Hier trifft man wahre Warener. Tagsüber, so meint er, ist die Touristeninformation am Marktplatz eine gute Anlaufstelle. Da er selber Angst vor dem Wasser hat, empfiehlt er Touren, die man trockenen Fußes bewältigen kann: Kranich- und Wisent-Touren etwa.

Frühstück an Bord eines Hausboote in der Nähe von Priepert.
Klönschnack auf dem Achterdeck

Die Wisent-Tour startet direkt am Warener Hafen und führt durch einen Wald zum Damerower Werder-Wisentgehege. Die Kranich-Tour führt Interessierte im Herbst zu den Schlafplätzen der Kraniche, die sich hier sammeln, um noch einmal Kraft zu tanken, bevor Sie zu ihren Winterquartieren aufbrechen. Nach dem ausgedehnten Gespräch, bei dem Johannes auch viel über die Geschichte Warens erfährt, geht es ab in die Koje, morgen steht die Fahrt über die Oberseen auf dem Programm. Gute Nacht Waren (Müritz)!

Tag 5: Von Waren (Müritz) über Eldenburg und Malchow nach Plau am See

Das Team der „Santa Maria“ ist wieder komplett. Doch bevor die Reise weitergehen kann, muss der Abwassertank entleert werden. Einfacher gesagt als getan. Keines der Crewmitglieder weiß genau, wie das geht. Der Hafenmeister weiß Rat. Er weist uns den Weg zur Abwasserentsorgungsanlage. Ein wenig seemännisches Geschick ist schon von Nöten, um ein Schiff dieser Größe in die Bucht zu manövrieren, die ihm die gewünschte Erleichterung bringen soll. Doch am Ende geht alles glatt. Nun können wir Richtung Plau am See starten.
Über die Binnenmüritz und den Reeckkanal gelangen wir zum Fischerhof Eldenburg. Kurzerhand legen wir an und besorgen uns für den Mittagssnack frische Fischbrötchen. Über den Kölpinsee und Fleesensee erreichen wir die Stadt Malchow. Weiterfahrt nur stündlich zur Öffnung der Drehbrücke möglich. Hoffnungsvoll nähern wir uns der Brücke, denn der Gegenverkehr passiert diese gerade. Doch dann die Enttäuschung: Die Ampel bleibt rot. Unsere Seeseite wurde bereits vor unserer Ankunft durchgelassen. Also sehen wir zu, wie sich die Drehbrücke schließt, legen am Wasserwanderrastplatz an und erkunden die quasi auf einer Insel zwischen dem Malchower See und dem Fleesensee gelegene malerische Altstadt. Der Rundgang durch die ehemalige Textilstadt dauert doch länger als angenommen, erst die übernächste Öffnung der Brücke nutzen wir zur Durchfahrt.

Über den Fleesensee und Plauer See erreichen wir Plau am See. Direkt am jüngsten Wahrzeichen der Stadt, dem Leuchtturm, finden wir einen Liegeplatz im gerade erst fertiggestellten Hafen, Blick auf den See inklusive. Hubbrücke und Zentrum sind über die neue Uferpromenade mit Namen Metow in fünf Minuten erreichbar. Bevor die Sonne versinkt, erklimmen wir den fast 14 Meter hohen Leuchtturm und genießen den Blick auf den Plauer See – immerhin der siebtgrößte in Deutschland. Zum Abendessen genießen wir Eldenräuber an Weißweinsauce, Thymiankürbis und Wildkräuterecken im Fischerhaus. Der frische Barsch der Plauer Fischer überzeugt uns sofort.

Tag 6: Von Plau am See nach Wesenberg

Noch vor den ersten Sonnenstrahlen ist das Boot mit Leben gefüllt. Immerhin steht heute die Rücktour an, die es an einem Tag anstatt der eigentlich nötigen zwei Tage zu bewältigen gilt. Dafür müssen wir die Drehbrücke in Malchow zur ersten Öffnung um 9 Uhr passieren. Dieses Mal meint es die Müritz gut mit uns und der komplette Rückweg verläuft bei schönstem Wetter und dank Nebensaison nahezu wartefrei an den Schleusen. Kurz vor der Ankunft in Priepert müssen wir noch eine Hürde meistern. Wir sollen tanken. Da wir uns am Ende der Saison befinden, hat nur noch die Marina Wesenberg Treibstoff für uns, also fahren wir an Priepert vorbei Richtung Wesenberg. Die Tankstellenwärter staunen nicht schlecht, als wir unser riesiges Boot mit Leinen verkehrt herum in die Tankbox manövrieren. Doch alles Kunststück ist vergebens. Wir müssen regulär einparken – wenn uns das doch jemand vorher gesagt hätte. Also Kommando zurück.

Die letzte Nacht verbringen wir in Wesenberg, wo wir uns von Jan und Hannah verabschieden, die schon heute zurück nach Berlin müssen. Wir bestellen beim Hafenkiosk frische Brötchen für den Morgen und lassen den Abend zu zweit ausklingen. Gute Nacht Wesenberg!

Tag 7: Von Wesenberg nach Priepert

Der letzte Morgen fordert Xenia und Johannes noch einmal besonders: zu zweit ein Ablegemanöver fahren mit dem Wissen, gleich zu zweit schleusen zu müssen. Die Nervosität steigt, doch die letzten Tage waren nicht vergebens. Im eingespielten Team lässt sich die Yacht souverän durch die Schleuse bugsieren. Nun sind es nur noch wenige Meter bis nach Priepert, wir passieren noch einmal die überdachte Holzbrücke bei Ahrensberg. Ein bisschen Wehmut kommt schon auf, doch die schönen Erinnerungen an die letzten Tage machen es wett. Schließlich laufen wir wieder in unseren Heimathafen ein. Priepert voraus. Wir sind uns alle einig, das soll nicht das letzte Mal gewesen sein auf der Mecklenburgischen Seenplatte.

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