Close
Seepferdchen auf der Havel – Von der Müritz ins Havelland

Seepferdchen auf der Havel – Von der Müritz ins Havelland

Eine Crew, eine Yacht und ein Ziel: Urlaub von der Großstadt. Von Rechlin bis nach Werder bestimmt der Lauf der Havel unsere Reise. Vor den Toren Berlins finden wir, was wir suchen: Entschleunigung und Ruhe.

Lesedauer des Beitrags: 3 Minuten

Von der Badeplattform ins klare Wasser springend genießen wir die Abkühlung in der Kleinen Müritz. Perlen aus Wasser tänzeln am goldgelben Rumpf des Seepferdchens und vereinen sich mit kristallklaren Wellen, die sanft den Bug umspülen. Die Sonne steht tief am Horizont und spiegelglatt breitet sich die Kleine Müritz vor uns aus.

Noch liegt unsere 11-Meter-Yacht längsseits des Stegs in Rechlin, bevor es auf unseren einwöchigen Törn nach Werder bei Berlin geht. Hier am südlichen Ausläufer der Müritz betreibt Mike Keser mit seiner neuen Flotte aus Charter­yachten einen von insgesamt drei Stützpunkten. Mehr als 20 der holländischen Stahlboote gehören zu seiner seit 2010 ständig wachsenden Flotte. Viele davon mit goldgelbem Rumpf, der mit dem weißen Deckaufbau perfekt harmoniert und einen neuen Farbakzent aufs Wasser bringt.

Allen Booten ist der Name Seepferdchen zu eigen, …

… gefolgt von der Nummer der Yacht. Bisher hat der ausgefallene Bootsname Mike Keser nur Glück gebracht: erst in seiner Karriere als Segler im Optimist und 49er und nun im Chartergeschäft. Unterstützt wird er dabei von seiner Familie. Seit sein Vater Gerhard Keser in den 1960er-Jahren als Automechanikergeselle aus Schwaben nach Berlin kam, ist die Familie eine feste Größe im Berliner Wassersport. Neben dem großen Bootscenter in Berlin-Spandau verfügt Bootscharter Keser über Standorte in Werder und Rechlin. In naher Zukunft ist ein eigener Hafen auf der Rechlin gegenüberliegenden Seite der Müritz geplant. Dort hat die Familie ein großes Grundstück erworben und plant den Bau einer neuen Hafenanlage mit allem, was das Bootsfahrerherz begehrt.

Hausboot, Müritz, Havelland © Magazin Seenland
Hausbootrennen auf dem
Lehnitzsee: Nach langer Kanalfahrt die erste Gelegenheit dazu.

Auch privat hat es die Familie hier ins schöne Mecklenburg gezogen. Firmengründer Gerhard und seine Frau Petra haben sich in Vipperow niedergelasen. Mit Leidenschaft umsorgen sie die Charter­gäste ihres Sohnes im Yachthafen Rechlin. Es ist ihnen anzumerken, mit welcher Lebensfreude sie für den Wassersport brennen.

Auch wir genießen den Plausch mit den beiden auf der Terrasse des Yachthafens Rechlin. Bootsübergabe und Einweisung erfolgen schnell und lassen keine Fragen offen. So können wir kurz nach Ankunft das Schiff beziehen und den heißen Julitag mit einem Bad in der Müritz krönen. Zu Abend essen wir im Restaurant des Ferienzentrums.

Beim Abendspaziergang über die Steganlage stolpern wir am Kopfsteg förmlich in die grillende Bootsbesatzung der „Müritzer on Tour“. Eine fröhliche Runde Einheimischer, die das Wochenende auf dem Boot verbringen. Schnell entwickelt sich ein netter Plausch und wir kommen nicht drumherum, den heimischen „Schlappmann“ – Schnaps mit Sardelle – zu verkosten. So gestärkt steht einer geruhsamen Nacht nichts im Weg.

Sonntag: Sonnen-Tag

Es gibt doch nichts Schöneres als ge­plant nichts zu tun. Der Sonntag beginnt so wie der Samstag endete: wolkenloser Himmel und schon am morgen Temperaturen, bei denen wir im T-Shirt ins Hafengebäude spazieren. Also wird unser Sonntag ein Sonnen-Tag. Wir starten den Motor, nur um uns einige hundert Meter weiter auf die Kleine Müritz zu verholen. Vor der Rechlin vorgelagerten Insel Burgwall wird der Anker geworfen, die Handtücher auf dem Vordeck platziert und die Sonnenmilch gut verteilt. Herrlich!

Montag: Strahlend blau bis dunkelduster

Der Montag startet wie vom Wetterbericht angesagt: Grau und mit Nieselregen. Uns ist die Abkühlung ganz recht. Zum Nachmittag sind durchziehende Gewitter angesagt. Ein Grund mehr für uns, schon kurz nach dem Frühstück unsere Reise zu starten. Die Fender werden eingeholt, Leinen klariert und es wird Kurs auf die Müritz-Havel-Wasserstrecke genommen. Die acht Kilometer bis zur Schleuse Mirow entsprechen einer knappen Stunde Fahrt. Die trüben Aussichten verschaffen uns jedoch einen vorderen Schleusenwartestand – kaum Betrieb. So passieren wir schnell die Schleuse und biegen in den Stichkanal nach Mirow ab. Hier am Hafen auf der Schlossinsel möchten wir vor dem immer näher kommenden Gewitter Schutz suchen. Eigentlich dachten wir auch den Kirchturm zu besteigen und die schöne Aussicht zu genießen – doch diese Ansinnen fegt die erste Sturmböhe hinweg.

Kaum haben wir festgemacht, trommeln die Ösen der Fahnen heftig gegen die Masten im Hafen, die Boote schaukeln lustig vor sich hin und erste Regenschauer gehen auf die Schiffe nieder. Schnell wird alles wetterfest klariert, die Stühle am Steuerstand unter der Persenning verstaut, der Tisch umgedreht, um keinen Windfang zu bieten, und die Abfenderung rund ums Boot nochmals überprüft. Unter Deck fühlen wir uns sicher und spielen einige Runden Skat. So schnell wie das Gewitter kam, ist es auch schon wieder vorbei. Es klart auf, der Kirchturm kann doch noch erklommen und ein Blick ins Welcome Center des Tourismusverbandes im restaurierten Kavalierhaus geworfen werden.

Lesen Sie weiter in über 20 Jahresausgaben Magazin Seenland

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere

Close