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Kreuzfahrt durch die Kleinseenplatte

Kreuzfahrt durch die Kleinseenplatte

Unterwegs mit dem Hausboot im Land der 1.000 Seen zwischen Rheinsberg, Templin und Neustrelitz. Sieben Tage, acht Häfen und eine zufriedene Crew.

Mitte Mai ist es endlich soweit, Sonnenhut und Regenjacke, Törnführer und Lieblingsroman sind gut verstaut. Voller Vorfreude biegen wir in die Priepertsche Dorfstraße ein. Fast am Ende der Straße liegt der Yachthafen Priepert an dem Rainer Schulz, Basisleiter von Yachtcharter Heinzig, uns mit einem freundschaftlichen „Herzlich Willkommen“ begrüßt. Schulz war jahrelang bei einer Charterfirma in Neustrelitz ansässig und ist ein Mann vom Fach. Routiniert und mit Mecklenburger Charme weist er uns in die Motoryacht ein. Schon am frühen Nachmittag können wir aufs Wasser starten.

„Fafnir“ heißt unser schwimmendes Zuhause für die nächsten sieben Tage. Das Schiff der Marke Babro erinnert vom Aussehen her an die moderne Version der „Blackpearl“, schwarzer Rumpf, helle Kordel und eine schwarz umfasste Flying Bridge. Ein solides Schiff mit zwei Kabinen, in denen vier Personen ausreichend Platz für entspannte Ferien auf dem Wasser finden. Bugstrahlruder, Cabrio-Verdeck mit vollverschließbarer Flypersenning, Außensteuerstand und Badeplattform mit Badeleiter und Heckdusche lassen keine Wünsche offen.

Rheinsberg, Templin, Neustrelitz © Magazin Seenland
Festmachen in der Schleuse Wesenberg auf der Fahrt nach Neustrelitz.

Die Schiffe von Yachtcharter Heinzig sind in der Seenplatte an zwei Basen verfügbar: Töplitz bei Werder/Havel und Priepert nahe Wesenberg. Unsere Entscheidung für den Abfahrthafen in Priepert mitten in der Mecklenburgischen Kleinseenplatte basiert auf dem Vorhaben, das weitläufige Wassersportrevier der Kleinseen zu erkunden. Die günstige Lage des Hafens erlaubt es uns, sternförmig unsere Törnziele Neustrelitz, Rheinsberg, Mirow, Fürstenberg, Himmelpfort und Lychen auf der siebentägigen Fahrt anzusteuern.

1. Tag: Wasserstadt Fürstenberg

Kursziel des ersten Tages ist die nur zwölf Flusskilometer und eine Schleuse entfernt liegende Wasserstadt Fürstenberg an der Havel. Die zu passierende Schleuse Steinhavelmühle liegt idyllisch inmitten des Waldes an der gleichnamigen Mühle. Das Schmuckstück befindet sich seit Jahren im Dornröschenschlaf und verfällt langsam vor sich hin. Es ist zu hoffen, dass die neue Eigentümergemeinschaft ihre ehrgeizigen Pläne realisiert und aus dem Mühlenensemble ein Feriendorf mit ökologischem Anspruch errichtet.

Doch nicht nur an der Mühle scheinen sich Veränderungen anzubahnen. Direkt an der Schleusenwartestelle, unweit unseres Liegeplatzes, führen Vermesser des Wasser- und Schifffahrtsamtes erste Sondierungsarbeiten aus. Nach der Erneuerung der Schleuse in Fürstenberg könnte die Schleuse Steinhavelmühle bald folgen.

Beim Anleger am Röblinsee findet unsere Yacht einen guten Liegeplatz für die Nacht. Hier sind wir zwar etwas außerhalb des Stadtzentrums von Fürstenberg, genießen aber den Charme der Villensiedlung bei einem abendlichen Spaziergang. Auf dem Streifzug lockt uns die Neugierde auf eines der verwilderten Grundstücke der Siedlung. Prompt wird dieser Leichtsinn mit einem Zeckenbiss bestraft. Von nun an achten wir vermehrt auf unsere Kleidung bei Streifzügen in die Natur.

2. Tag: Von Fürstenberg nach Lychen

Von Fürstenberg nach Lychen sind es nur 14 Kilometer Bootsfahrt. Trotz der Kürze der Strecke ist dieser Abschnitt gespickt mit zahlreichen Anlegern und Sehenswürdigkeiten. Erster Halt ist der Yachthafen in Fürstenberg. Am Marktplatz der kleinen Stadt genehmigen wir uns ein Eis und schlendern durch das von drei Seen umgebene Zentrum der Stadt. Was für den Autoverkehr von Berlin in Richtung Ostsee ein Segen ist, ist für die Stadt Fürstenberg eine Last: Die Bundesstraße 96 durchtrennt den Ortskern mitten im Zentrum und verläuft unweit des alten und bislang ungenutzten Schlosses.

Mit dem nahe der Stadt gelegenen Ravensbrück trägt die Stadt zudem die Bürde der Geschichte auf ihren Schultern. Hier im ehemaligen Frauenkonzentrationslager wird das Grauen der NS Zeit sichtbar. Die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück stellt diese dunkle Epoche Deutscher Geschichte informativ und bewegend dar. Auch im Urlaub sollte ein Besuch an dieser zur Geschichte dieser Region gehörenden Stätte nicht fehlen. Heute beweist Fürstenberg, dass ein Neuanfang ohne das Vergessen der eigenen Geschichte und damit verbundener Verantwortung möglich ist.

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