Mit dem Kanu durch den Südosten Berlins

Von |5,7 Minuten Lesezeit|1137 Wörter|Veröffentlicht am: 21. April 2022|
Startseite/Berlin, Kanu/Mit dem Kanu durch den Südosten Berlins

Länge: 32 km 
Dauer: 2-3 Tage
Route: Alter Spreearm – Dämeritzsee – Gosener Graben – Seddinsee – Große Krampe – Langer See – Frauentrog – Kietzer Graben – Müggelspree – Großer Müggelsee – Kleiner Müggelsee – Müggelspree – Alter Spreearm

Kanuverleih: Bootsverleih Hessenwinkel, Triglawstr. 20, 12589 Berlin, Tel. (0173) 10 43 917, www.bootsverleih-hessenwinkel.de

Mit seinen Seen, Flussläufen und Kanälen ist Berlins Südosten ein Paradies für einen Ausflug mit dem Kanu. Idealer Startpunkt: der Bootsverleih Hessenwinkel am Alten Spreearm. Dort kommen wir an einem Sommertag an, ausgerüstet mit Rucksäcken und Gitarre. Ein Zweier-Kajak warten schon auf uns und bald heißt es: Ab geht die Post! Drei Tage, 32 Kilometer.

Alter Spreearm – Seddinsee

Den Alten Spreearm paddeln wir rechts hoch, biegen kurz darauf nochmals recht ab und gelangen so in den Dämeritzsee. Hier fahren wir ein Stück am Westufer entlang. Der perfekte Einstieg, um sich zu koordinieren und aufeinander einzuspielen, denn ein bisschen fehlt uns noch die Übung. Hinter der Landzunge beim Spreeeck werden zwei Mündungen sichtbar: rechts der Gosener Kanal, links der Gosener Graben. „Graben” klingt spannender, finden wir, und werden nicht enttäuscht. Idyllisch ist es hier, den Wasserlauf säumen Laubbäume, Farne und gelegentlich einer Biberburg. Gegen Ende des Abschnitts sind ein paar verlassene Schrebergärten zu entdecken. Der Graben mündet schließlich in den Seddinsee. Wir paddeln entlang der Inseln Berg, Dommelwall und Nixenwall und können schon bald einen ersten Landgang gebrauchen. Nach einem kleinen Seerosenfeld entdecken wir einen Steg mit weißer Gartenbank. Was zuerst wie ein Privatgrundstück aussieht, erweist sich als Weg nach Gosen. Nach einem kurzen Fußmarsch erreichen wir einen Supermarkt und decken uns mit Proviant ein.

Seddinsee – Große Krampe

Frisch gestärkt setzen wir die Kanu-Tour durch Berlins blauen Südosten fort. In der Mitte des Seddinsees befindet sich eine Insel, der Seddinwall. Früher gab es hier einen Naturzeltplatz, mittlerweile ist das Betreten der Insel aber leider verboten. Wir halten uns also ans linke Ufer und paddeln gen Schmöckwitz. Von rechts ragt die Windecke herüber. Nachdem wir sie passiert haben, gelangen wir auf die Große Krampe. Hier wollen wir auf dem Zeltplatz „Kuhle Wampe” übernachten. Wir müssen zunächst an einigen Privatgrundstücken vorbeifahren, um dann linkerhand in einer Einbuchtung die kleine Anlegestelle zu finden. Man begrüßt uns freundlich und der Platz ist fast menschenleer – schließlich sind die Sommerferien gerade vorüber. In Windeseile bauen wir das Zelt auf, dann verdienen wir uns die Burger und Pommes zum Abendessen mit einer halbstündigen Nachtwanderung nach Müggelheim.

Große Krampe – Köpenick

Etwas später als geplant, brechen wir am nächsten Morgen nach Schmöckwitz auf. Beim Eisenbahn-Sportverein Schmöckwitz fragen wir, ob wir unser Kanu anlegen dürfen. Nachdem wir ein bisschen von unserer Tour erzählt haben, bekommen wir sogar einen Schlüssel fürs Gartentor, sodass wir auf direktem Weg in die Ortschaft laufen können. Ein Supermarkt sorgt für weitere Vorräte. Wer lieber etwas Warmes zu sich nehmen möchte, dem sei die Pizzeria „Villa Toscana” empfohlen. Hübsch anzusehen ist gleich gegenüber die alte Feuerwehr, die zusammen mit Schule und Straßenbahnhof als Denkmalbereich hergerichtet wurde.

Unsere Tour führen wir auf dem Langen See (Dahme) fort. Es ist unsere bisher entspannteste Strecke. Am Ufer sieht man viele ausgefallene Hausboote, hier und da ein fotogener Reiher. Nach der Insel Großer Rohrwall kann man links im „Richtershorn am See“ einkehren. Wir fahren noch ein Stückchen weiter und machen stattdessen beim ebenfalls linksgelegenen FKK-Strand halt. Eine wirklich schöne Badestelle und der ideale Platz für eine Verschnaufpause, die wir vor dem zweiten Teil der Dahme dringend brauchen. Es folgt die Grünauer Regattastrecke, wir schauen den angehenden Ruderweltmeistern beim Üben zu und beneiden sie ein wenig um ihr Tempo. Die letzten vier Kilometer bis Köpenick legen wir einen Zahn zu. Wir sind noch nicht sicher, wo wir übernachten werden und wollen das möglichst vor Einbruch der Dunkelheit in Erfahrung bringen.

Dann liegt Berlin-Köpenick vor uns und unserem Kanu – der Blick auf diesen traditionsreichen Stadtteil ist wirklich herrlich. Wer mag, kann hier anlanden und zum Beispiel das Köpenicker Schloss oder Rathaus besichtigen. Wir wollen aber weiter gen Müggelsee, entscheiden uns aus Zeitgründen gegen eine Besichtigung der Baumgarteninsel und folgen stattdessen dem Kietzer Graben. Einige sehr flache Flussstellen sind hier zu beachten. Nicht hektisch werden, dann klappt es.

Köpenick – Großer Müggelsee

Unser Weg führt über den ersten – und leider nicht allzu schönen Teil der Müggelspree. Sie ist hier vornehmlich Transportweg, also nicht zum Schönsein gedacht. Vielleicht ist es im Frühsommer besser, und man kann das Strandbad Müggelsee besuchen. Linksgelegen an der Mündung in den Müggelsee entdecken wir das Brauereimuseum Friedrichshagen. Die Strandbar „gestrandet” sorgt für Erfrischung, man kann das Kanu dort lassen und das Museum besuchen. Da es auf der Strecke von Schmöckwitz bis zurück zum Kanuverleih keinen Campingplatz mehr gibt, verlassen wir uns auf den heißen Tipp, dass „am Strand vom Müggelsee keiner fragt”. Man solle den See am linken Ufer abfahren. An einer passenden Nische ziehen wir das Kanu an Land und machen es uns gemütlich. Starke Taschenlampen nicht vergessen und bei Wildschweinbesuch ruhig bleiben. Sie riechen nur den Linseneintopf. Einfach etwas lauter unterhalten und nichts außerhalb des Zeltes liegenlassen.

Großer Müggelsee – Alter Spreearm

Am letzten Morgen kommen wir vorbildlich früh los. Das liegt wohl hauptsächlich am etwas grummeligen FKKler, dessen Stammplatz wir augenscheinlich belegt haben. Deutlich weniger müde als am vorigen Abend freuen wir uns über den herrlich weiten See und stimmen ein paar Lieder an. Immer links am Ufer haltend, unterfahren wir die kleine Brücke am Müggelwerder. Die Alternative wäre, einen Umweg nach rechts zu machen, um den Kleinen Müggelsee und den Bauersee zu sehen. Direkt vor der Mündung zu letzterem liegt das Restaurant „Neu-Helgoland” – perfekt für ein ordentliches Mittagessen. Wir haben aber gerade erst gefrühstückt, legen also lieber Strecke zurück.

Der zweite Teil der Müggelspree ist deutlich schöner. Das Rundangerdorf Rahnsdorf und vor allem Neu-Venedig, eine von Spreearmen durchzogene Wohn- und Wochenendhaussiedlung, sind auf jeden Fall einen Besuch wert. Dann folgen noch ein paar locker-flockige Paddelschläge und wir biegen rechts wieder in den Alten Spreearm ein. Der Kanuverleih ist erreicht. Schade, denn eigentlich haben wir uns mittlerweile richtig gut eingepaddelt.

Unser Fazit: Diese Rundtour ist vor allem empfehlenswert für Paddelanfänger, aber auch Fortgeschrittene finden genug Betätigung. Berlin zeigt hier zudem vom Kanu aus ein paar seiner schönsten Ecken. Problematisch ist der Mangel an Camping- und Biwakplätzen. Man sollte sich daher im Vorfeld gegebenenfalls um eine wassernahe Unterkunft kümmern.

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Länge: 32 km 
Dauer: 2-3 Tage
Route: Alter Spreearm – Dämeritzsee – Gosener Graben – Seddinsee – Große Krampe – Langer See – Frauentrog – Kietzer Graben – Müggelspree – Großer Müggelsee – Kleiner Müggelsee – Müggelspree – Alter Spreearm

Kanuverleih: Bootsverleih Hessenwinkel, Triglawstr. 20, 12589 Berlin, Tel. (0173) 10 43 917, www.bootsverleih-hessenwinkel.de

Mit seinen Seen, Flussläufen und Kanälen ist Berlins Südosten ein Paradies für einen Ausflug mit dem Kanu. Idealer Startpunkt: der Bootsverleih Hessenwinkel am Alten Spreearm. Dort kommen wir an einem Sommertag an, ausgerüstet mit Rucksäcken und Gitarre. Ein Zweier-Kajak warten schon auf uns und bald heißt es: Ab geht die Post! Drei Tage, 32 Kilometer.

Alter Spreearm – Seddinsee

Den Alten Spreearm paddeln wir rechts hoch, biegen kurz darauf nochmals recht ab und gelangen so in den Dämeritzsee. Hier fahren wir ein Stück am Westufer entlang. Der perfekte Einstieg, um sich zu koordinieren und aufeinander einzuspielen, denn ein bisschen fehlt uns noch die Übung. Hinter der Landzunge beim Spreeeck werden zwei Mündungen sichtbar: rechts der Gosener Kanal, links der Gosener Graben. „Graben” klingt spannender, finden wir, und werden nicht enttäuscht. Idyllisch ist es hier, den Wasserlauf säumen Laubbäume, Farne und gelegentlich einer Biberburg. Gegen Ende des Abschnitts sind ein paar verlassene Schrebergärten zu entdecken. Der Graben mündet schließlich in den Seddinsee. Wir paddeln entlang der Inseln Berg, Dommelwall und Nixenwall und können schon bald einen ersten Landgang gebrauchen. Nach einem kleinen Seerosenfeld entdecken wir einen Steg mit weißer Gartenbank. Was zuerst wie ein Privatgrundstück aussieht, erweist sich als Weg nach Gosen. Nach einem kurzen Fußmarsch erreichen wir einen Supermarkt und decken uns mit Proviant ein.

Seddinsee – Große Krampe

Frisch gestärkt setzen wir die Kanu-Tour durch Berlins blauen Südosten fort. In der Mitte des Seddinsees befindet sich eine Insel, der Seddinwall. Früher gab es hier einen Naturzeltplatz, mittlerweile ist das Betreten der Insel aber leider verboten. Wir halten uns also ans linke Ufer und paddeln gen Schmöckwitz. Von rechts ragt die Windecke herüber. Nachdem wir sie passiert haben, gelangen wir auf die Große Krampe. Hier wollen wir auf dem Zeltplatz „Kuhle Wampe” übernachten. Wir müssen zunächst an einigen Privatgrundstücken vorbeifahren, um dann linkerhand in einer Einbuchtung die kleine Anlegestelle zu finden. Man begrüßt uns freundlich und der Platz ist fast menschenleer – schließlich sind die Sommerferien gerade vorüber. In Windeseile bauen wir das Zelt auf, dann verdienen wir uns die Burger und Pommes zum Abendessen mit einer halbstündigen Nachtwanderung nach Müggelheim.

Große Krampe – Köpenick

Etwas später als geplant, brechen wir am nächsten Morgen nach Schmöckwitz auf. Beim Eisenbahn-Sportverein Schmöckwitz fragen wir, ob wir unser Kanu anlegen dürfen. Nachdem wir ein bisschen von unserer Tour erzählt haben, bekommen wir sogar einen Schlüssel fürs Gartentor, sodass wir auf direktem Weg in die Ortschaft laufen können. Ein Supermarkt sorgt für weitere Vorräte. Wer lieber etwas Warmes zu sich nehmen möchte, dem sei die Pizzeria „Villa Toscana” empfohlen. Hübsch anzusehen ist gleich gegenüber die alte Feuerwehr, die zusammen mit Schule und Straßenbahnhof als Denkmalbereich hergerichtet wurde.

Unsere Tour führen wir auf dem Langen See (Dahme) fort. Es ist unsere bisher entspannteste Strecke. Am Ufer sieht man viele ausgefallene Hausboote, hier und da ein fotogener Reiher. Nach der Insel Großer Rohrwall kann man links im „Richtershorn am See“ einkehren. Wir fahren noch ein Stückchen weiter und machen stattdessen beim ebenfalls linksgelegenen FKK-Strand halt. Eine wirklich schöne Badestelle und der ideale Platz für eine Verschnaufpause, die wir vor dem zweiten Teil der Dahme dringend brauchen. Es folgt die Grünauer Regattastrecke, wir schauen den angehenden Ruderweltmeistern beim Üben zu und beneiden sie ein wenig um ihr Tempo. Die letzten vier Kilometer bis Köpenick legen wir einen Zahn zu. Wir sind noch nicht sicher, wo wir übernachten werden und wollen das möglichst vor Einbruch der Dunkelheit in Erfahrung bringen.

Dann liegt Berlin-Köpenick vor uns und unserem Kanu – der Blick auf diesen traditionsreichen Stadtteil ist wirklich herrlich. Wer mag, kann hier anlanden und zum Beispiel das Köpenicker Schloss oder Rathaus besichtigen. Wir wollen aber weiter gen Müggelsee, entscheiden uns aus Zeitgründen gegen eine Besichtigung der Baumgarteninsel und folgen stattdessen dem Kietzer Graben. Einige sehr flache Flussstellen sind hier zu beachten. Nicht hektisch werden, dann klappt es.

Köpenick – Großer Müggelsee

Unser Weg führt über den ersten – und leider nicht allzu schönen Teil der Müggelspree. Sie ist hier vornehmlich Transportweg, also nicht zum Schönsein gedacht. Vielleicht ist es im Frühsommer besser, und man kann das Strandbad Müggelsee besuchen. Linksgelegen an der Mündung in den Müggelsee entdecken wir das Brauereimuseum Friedrichshagen. Die Strandbar „gestrandet” sorgt für Erfrischung, man kann das Kanu dort lassen und das Museum besuchen. Da es auf der Strecke von Schmöckwitz bis zurück zum Kanuverleih keinen Campingplatz mehr gibt, verlassen wir uns auf den heißen Tipp, dass „am Strand vom Müggelsee keiner fragt”. Man solle den See am linken Ufer abfahren. An einer passenden Nische ziehen wir das Kanu an Land und machen es uns gemütlich. Starke Taschenlampen nicht vergessen und bei Wildschweinbesuch ruhig bleiben. Sie riechen nur den Linseneintopf. Einfach etwas lauter unterhalten und nichts außerhalb des Zeltes liegenlassen.

Großer Müggelsee – Alter Spreearm

Am letzten Morgen kommen wir vorbildlich früh los. Das liegt wohl hauptsächlich am etwas grummeligen FKKler, dessen Stammplatz wir augenscheinlich belegt haben. Deutlich weniger müde als am vorigen Abend freuen wir uns über den herrlich weiten See und stimmen ein paar Lieder an. Immer links am Ufer haltend, unterfahren wir die kleine Brücke am Müggelwerder. Die Alternative wäre, einen Umweg nach rechts zu machen, um den Kleinen Müggelsee und den Bauersee zu sehen. Direkt vor der Mündung zu letzterem liegt das Restaurant „Neu-Helgoland” – perfekt für ein ordentliches Mittagessen. Wir haben aber gerade erst gefrühstückt, legen also lieber Strecke zurück.

Der zweite Teil der Müggelspree ist deutlich schöner. Das Rundangerdorf Rahnsdorf und vor allem Neu-Venedig, eine von Spreearmen durchzogene Wohn- und Wochenendhaussiedlung, sind auf jeden Fall einen Besuch wert. Dann folgen noch ein paar locker-flockige Paddelschläge und wir biegen rechts wieder in den Alten Spreearm ein. Der Kanuverleih ist erreicht. Schade, denn eigentlich haben wir uns mittlerweile richtig gut eingepaddelt.

Unser Fazit: Diese Rundtour ist vor allem empfehlenswert für Paddelanfänger, aber auch Fortgeschrittene finden genug Betätigung. Berlin zeigt hier zudem vom Kanu aus ein paar seiner schönsten Ecken. Problematisch ist der Mangel an Camping- und Biwakplätzen. Man sollte sich daher im Vorfeld gegebenenfalls um eine wassernahe Unterkunft kümmern.