Mit dem Kanu durch den Müritz-Nationalpark – Tour 2

Von |8,7 Minuten Lesezeit|1741 Wörter|Veröffentlicht am: 20. April 2022|
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Länge: 30 km
Dauer: 3-4 Tage   

Route: Havel – Woblitzsee – Steinhavel – Großer Labussee – Useriner See – Zierzsee – Görtowsee – Jäthensee – Zotzensee – Pagelsee – Granziner Mühle – Granziner See – Käbelicksee

Kanuverleih: Marina Wesenberg, Ahrensberger Weg 11, 17255 Wesenberg, Tel. (03 98 32) 2 60 23, www.marina-wesenberg.de

Wer den Müritz-Nationalpark mit dem Kanu durchpaddelt, wird schnell merken, dass dies ein ganz besonderes Fleckchen Natur ist, dessen Reiz sich schwer beschreiben lässt. Es sind wunderschön urwüchsige Waldstücke, Moore, Felder und Gewässer, die eine fast magische Ruhe ausstrahlen. Das ewige Schauspiel namens Natur entfaltet sich hier nahezu ungestört. Außer den Geräuschen der Tiere und des Windes ist nichts zu hören. Die menschlichen Besucher dürfen sich nur auf vorgeschriebenen Wegen bewegen. Fast unwillkürlich senkt man die Stimme im Gespräch, und der sonst so hastige Schritt wird bedächtig und gemächlich, um so lange wie möglich für die Wegstrecken zu benötigen. Mit etwas Glück erblickt man einen Kranich oder hört eine Rohrdommel.

Diese Tour mit dem Kanu durch die Region der Müritz eignet sich hervorragend für ein verlängertes Wochenende. Man betreibt etwas Wassersport, muss sich aber nicht beeilen und kann so die Natur in Ruhe genießen. Wir starten in Wesenberg, paddeln nordwestlich bis nach Kratzeburg und lassen uns vom Kanutaxi wieder zurückbringen.

Wesenberg – Woblitzsee

Am Freitagnachmittag kommen wir mit dem Auto in der Marina Wesenberg an. Maik arbeitet dort seit vielen Jahren und weiß genau, worauf es bei Anfängern wie uns ankommt. Er gibt uns eine große Tonne, in der wir unser Gepäck verstauen. Die Tonne ist wasserdicht verschlossen, sodass im Falle des Kenterns nichts nass wird. Wir bekommen die passenden Schwimmwesten und beladen die zwei Boote: einen gelben Einsitzer und einen blauen Zweisitzer, damit die Tonne beim Paddeln nicht stört. Zelt, Schlafsäcke und Proviant in den Booten verstaut – und schon geht es zu Wasser.

Von der Marina aus, so hatte Maik erzählt, wählen viele Besucher den Weg nach Süden und machen eine Tagestour Richtung Priepert. Wir dagegen wollen mit dem Kanu durch den Müritz-Nationalpark und paddeln gen Norden. Der Kanal ist recht ruhig, sodass wir uns an unsere Fahrzeuge gewöhnen können. Den richtigen Paddelschlag haben wir noch nicht raus, zwei Paddelboote mit Mutter und Sohn überholen uns mühelos.

Am Ende des Kanals gleiten wir unter einer Brücke hindurch und befinden uns plötzlich mitten auf dem Woblitzsee. Kräftige Wellen packen unsere Boote, und wir müssen uns nach dem ruhigen Wasser im Kanal auf den Eigensinn des Wassers umstellen. Wir steuern den Haveltourist Camping- und Ferienpark „Havelberge” am Woblitzsee an. Diese ersten fünf Kilometer waren anstrengender als gedacht, oder wir sind Paddeln einfach nicht gewöhnt.

Woblitzsee – Großer Labussee

Der Campingplatz ist weitläufig am Hang gelegen. Campingwagen, Blockhütten und Zelte schmiegen sich idyllisch zwischen die Bäume. Am Ufer stehen mehrere überdachte Holzsitzecken. Hier bauen wir unseren neuen Gaskocher auf und bereiten das Abendessen vor. Ina und Tim vom Nachbarzelt setzen sich an die andere Seite unserer Sitzecke und schnippeln Gemüse, bald kommen wir ins Gespräch. Die beiden haben mit Freunden die vorige Woche eine Rundtour gepaddelt, morgen fahren sie zurück ins Ruhrgebiet. Auf einer Karte zeigen sie uns, wo sie langgefahren sind und berichten, was sie alles gesehen haben.

Ohne Wecker und fernab der hektischen Zivilisation kriechen wir am nächsten Morgen erst kurz vor 9 Uhr aus den Schlafsäcken. Morgentoilette, Kaffee und Frühstück, Zelt abbauen und alles wieder in den Booten verstauen. Heute verschont uns der Woblitzsee vor Wellen, und wir paddeln gemütlich Richtung Havel. Ein großes weißes Holzquadrat, das auf seiner Spitze steht, signalisiert uns die Einfahrt. Das Wasser ist ruhig, wie ein sanfter Schleier hängen noch die Reste des Morgens über den Pflanzen am Havelufer, eine milchige Benommenheit schwebt über dem Wasser. Wir reden kaum, wir veranstalten keine Wettläufe, wer schneller paddeln kann, wir schwelgen einfach auf der Havel dahin.

Schließlich erreichen wir den Großen Labussee­ und halten uns rechts. Wir paddeln in einem Abstand von etwa 50 Metern am Ufer entlang, bis wir die Schleuse entdecken, die uns laut Karte in den Useriner See bringt. Schleusenaktivität entdecken wir keine, aber an der Slipanlage gleich neben der Schleuse herrscht emsige Geschäftigkeit. Gut, dann üben wir das Slippen. Die Paddelgruppe ist sehr hilfsbereit, und dank ihrer tatkräftigen Unterstützung fällt es kaum auf, wie ungeschickt wir uns zunächst anstellen. Wir lassen den Slip-Wagen ins Wasser, manövrieren das erste Boot direkt davor und hieven es dann auf den Wagen. Den ziehen wir etwa 200 Meter zur Einlassstelle – die erste Hälfte leicht bergauf, die zweite Hälfte wieder sanft bergab – und lassen ihn wenig später samt Boot wieder ins Wasser gleiten. Das Ganze noch einmal wiederholt – dann paddeln wir schon weiter.

Useriner See – Jamelsee

Nach einem kurzen Flusslauf erreichen wir den Useriner See. Hier und auf unserer weiteren Strecke sind Motorboote verboten, und wir begegnen nur einigen Ruder- und Paddelbooten. Der Useriner See liegt spiegelglatt, kein Lüftchen geht; als wir ein kleines Stück in den See hineingefahren sind, bemerken wir ein Echo. Die waldigen Hänge werfen selbst leise Worte oder Entengeschnatter zurück. Die Ufer sind schilfbewachsen, die Sonne scheint warm, und wir paddeln so rücksichtsvoll ruhig und leise, wie es uns möglich ist. Vor uns tut sich eine Insel auf, rechts davon sitzen Kormorane auf Pfählen im Wasser und begutachten das Geschehen.

Statt Userin und die Useriner Mühle zu besuchen, steuern wir den Haveltourist Textil- und FKK-Campingplatz am Useriner See für eine Mittagspause an. Gaskocher, Konservendose, Geschirr, Abwaschen, Karte studieren – erst nach über einer Stunde legen wir wieder ab. Mit dem Motorboot-Verbot fehlen auch die Bootszeichen für Einfahrten, so suchen wir vergeblich am Ufer das große weiße Quadrat, das auf der Spitze steht. Schließlich entdecken wir mehrere Kanus, die aus einer Ecke des Sees kommen und dessen Mitte ansteuern, offenbar ist dort unsere Einfahrt in die Havel.

So viel Naturschönheit und beeindruckend Majestätik der Uferbewachsung hatten wir nicht erwartet. Bäume strecken ihre Wurzeln in das Wasser, und wir fühlen uns wie im Urwald. Ein Schild weist darauf hin, dass wir uns mit unserem Kanu im Naturschutzgebiet „Müritz-Nationalpark” befinden. Anlegen, Campen und Feuermachen sind verboten, und so bleibt nur, unseren Weg auf dem Wasser fortzusetzen. Ruhig, gemächlich, entspannt.

Bei Blankenförde paddeln wir unter einer Brücke hindurch. Direkt dahinter gibt es ein Café mit Hofladen. Schade, aber wir haben gerade gegessen. Einige Minuten später sind wir wieder allein inmitten der Naturschauspiele und beschließen, den NaturCampingplatz „Zum Hexenwäldchen” anzusteuern. Von dem hatten Ina und Tim erzählt, und der Name verheißt eine schöne Atmosphäre.

Also biegen wir links in den schmalen Kanal zum Jamelsee ein. Mit unseren Paddeln müssen wir an einigen Stellen fast staken wie auf einem Spreewaldkahn, so schmal und seicht ist der Kanal. Dann noch einige Hundert Meter quer über den Jamelsee, und wir sind am Campingplatz angekommen. Wir verstauen unsere Kanus in einem der Bootständer und bauen das Zelt auf und werfen den Campingkocher an.

Geweckt werden wir am nächsten Tag vom zünftigen Kikeriki eines Hahns, der bereits am Abend sein Revier abschritt, immer gefolgt von seiner Entourage aus einem halben Dutzend Hühnern. Wir verschlafen diesmal also nicht, und sind bereits vor 8 Uhr wieder auf dem Wasser.

Jamelsee – Pagelsee

Auf dem schmalen Kanal geht es zurück zur Havel, wir setzen unsere Reise Richtung Westen fort. Der Jäthensee ist noch schläfrig, und wir kreuzen ihn schnell, Bojen markieren den vorgeschriebenen Weg. Wieder auf der Havel kommen wir bald an die nächste Slipanlage. Direkt daneben gibt es einen Imbiss der Fischerei Babke. Wir holen die Boote aus dem Wasser und gönnen uns einen kleinen Snack.

Eine Stunde später setzen wir die Kanus wieder ins Wasser und setzen unsere Tour fort. Unserem Gepäck haben wir ein Stück Räucherfisch hinzugefügt – als kulinarische Erinnerung für Zuhause. Wir setzen unsere Fahrt gemächlich auf der Havel fort und erreichen nach knapp einer Stunde den Zotzensee. Auch diesen überqueren wir entlang der Bojenstrecke und sind dann wieder auf der Havel unterwegs. Wir haben uns an die Schönheiten von Mutter Natur inzwischen gewöhnt und versuchen gar nicht erst, diese uns gegenseitig mit Worten zu berichten. Wir schauen und genießen wortlos die idyllische Strecke.

Die Havel öffnet sich auf den Pagelsee, der zunächst ganz klein wirkt, aber hinter einer Biegung deutlich an Größe gewinnt. Eine sehr lange Holzbrücke quert den See, und wir paddeln unter ihr durch. An einer weniger bewachsenen Uferecke entdecken wir die Landungsstelle voraus. Dort gibt es eine Slipanlage, die etwa 600 Meter Landweg überwindet.

Granziner See – Kratzeburg – Wesenberg

Wie das mit dem Slippen läuft, ist uns mittlerweile vertraut, und so schieben wir Wagen und Boote fast schon routiniert Richtung Granziner See, tragen sie über die Straße und setzen sie wieder ins Wasser. Bevor die Schlussetappe beginnt, heißt es noch: Kanutaxi rufen und Rücktransport vereinbaren.

Auf dem Granziner See ist etwas mehr los als auf den vorigen Abschnitten, aber wir biegen bald rechts ab und fahren unser letztes Stück auf der Havel, die uns nicht enttäuscht und weiterhin malerisch-idyllische Naturansichten liefert. Dann sind wir auch schon auf dem Käbelicksee. Auch dieser ist etwas verwinkelt, wir müssen quer hinüber zum Campingplatz Naturfreund in Kratzeburg, dort wird uns das Taxi abholen und zurück nach Wesenberg bringen. Wir ziehen die Boote an Land und kontrollieren das Gepäck, als auch schon das Taxi kommt. Wir laden unsere Boote auf den Anhänger und lassen uns die etwa 30 Kilometer zurückfahren.

Unsere Arme danken es uns, denn wir haben es am eigenen Leib in den vergangenen Tagen gespürt: Paddeln auf dem Wasser kann durch keine Rudermaschine in einem Fitnessstudio ersetzt werden. Und zum Genuss der körperlichen Betätigung kommen nicht nur die wunderschönen Naturansichten und die Gerüche und Geräusche des Waldes, der Felder und Gewässer hinzu, sondern auch das ganzheitliche sinnliche Erleben des Unterwegs-Seins. Mit dem Kanu die Gewässer nahe der Müritz entdecken – unvergesslich.

Eine weitere Kanu-Tour durch den Müritz-Nationalpark finden Sie hier.

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Länge: 30 km
Dauer: 3-4 Tage   

Route: Havel – Woblitzsee – Steinhavel – Großer Labussee – Useriner See – Zierzsee – Görtowsee – Jäthensee – Zotzensee – Pagelsee – Granziner Mühle – Granziner See – Käbelicksee

Kanuverleih: Marina Wesenberg, Ahrensberger Weg 11, 17255 Wesenberg, Tel. (03 98 32) 2 60 23, www.marina-wesenberg.de

Wer den Müritz-Nationalpark mit dem Kanu durchpaddelt, wird schnell merken, dass dies ein ganz besonderes Fleckchen Natur ist, dessen Reiz sich schwer beschreiben lässt. Es sind wunderschön urwüchsige Waldstücke, Moore, Felder und Gewässer, die eine fast magische Ruhe ausstrahlen. Das ewige Schauspiel namens Natur entfaltet sich hier nahezu ungestört. Außer den Geräuschen der Tiere und des Windes ist nichts zu hören. Die menschlichen Besucher dürfen sich nur auf vorgeschriebenen Wegen bewegen. Fast unwillkürlich senkt man die Stimme im Gespräch, und der sonst so hastige Schritt wird bedächtig und gemächlich, um so lange wie möglich für die Wegstrecken zu benötigen. Mit etwas Glück erblickt man einen Kranich oder hört eine Rohrdommel.

Diese Tour mit dem Kanu durch die Region der Müritz eignet sich hervorragend für ein verlängertes Wochenende. Man betreibt etwas Wassersport, muss sich aber nicht beeilen und kann so die Natur in Ruhe genießen. Wir starten in Wesenberg, paddeln nordwestlich bis nach Kratzeburg und lassen uns vom Kanutaxi wieder zurückbringen.

Wesenberg – Woblitzsee

Am Freitagnachmittag kommen wir mit dem Auto in der Marina Wesenberg an. Maik arbeitet dort seit vielen Jahren und weiß genau, worauf es bei Anfängern wie uns ankommt. Er gibt uns eine große Tonne, in der wir unser Gepäck verstauen. Die Tonne ist wasserdicht verschlossen, sodass im Falle des Kenterns nichts nass wird. Wir bekommen die passenden Schwimmwesten und beladen die zwei Boote: einen gelben Einsitzer und einen blauen Zweisitzer, damit die Tonne beim Paddeln nicht stört. Zelt, Schlafsäcke und Proviant in den Booten verstaut – und schon geht es zu Wasser.

Von der Marina aus, so hatte Maik erzählt, wählen viele Besucher den Weg nach Süden und machen eine Tagestour Richtung Priepert. Wir dagegen wollen mit dem Kanu durch den Müritz-Nationalpark und paddeln gen Norden. Der Kanal ist recht ruhig, sodass wir uns an unsere Fahrzeuge gewöhnen können. Den richtigen Paddelschlag haben wir noch nicht raus, zwei Paddelboote mit Mutter und Sohn überholen uns mühelos.

Am Ende des Kanals gleiten wir unter einer Brücke hindurch und befinden uns plötzlich mitten auf dem Woblitzsee. Kräftige Wellen packen unsere Boote, und wir müssen uns nach dem ruhigen Wasser im Kanal auf den Eigensinn des Wassers umstellen. Wir steuern den Haveltourist Camping- und Ferienpark „Havelberge” am Woblitzsee an. Diese ersten fünf Kilometer waren anstrengender als gedacht, oder wir sind Paddeln einfach nicht gewöhnt.

Woblitzsee – Großer Labussee

Der Campingplatz ist weitläufig am Hang gelegen. Campingwagen, Blockhütten und Zelte schmiegen sich idyllisch zwischen die Bäume. Am Ufer stehen mehrere überdachte Holzsitzecken. Hier bauen wir unseren neuen Gaskocher auf und bereiten das Abendessen vor. Ina und Tim vom Nachbarzelt setzen sich an die andere Seite unserer Sitzecke und schnippeln Gemüse, bald kommen wir ins Gespräch. Die beiden haben mit Freunden die vorige Woche eine Rundtour gepaddelt, morgen fahren sie zurück ins Ruhrgebiet. Auf einer Karte zeigen sie uns, wo sie langgefahren sind und berichten, was sie alles gesehen haben.

Ohne Wecker und fernab der hektischen Zivilisation kriechen wir am nächsten Morgen erst kurz vor 9 Uhr aus den Schlafsäcken. Morgentoilette, Kaffee und Frühstück, Zelt abbauen und alles wieder in den Booten verstauen. Heute verschont uns der Woblitzsee vor Wellen, und wir paddeln gemütlich Richtung Havel. Ein großes weißes Holzquadrat, das auf seiner Spitze steht, signalisiert uns die Einfahrt. Das Wasser ist ruhig, wie ein sanfter Schleier hängen noch die Reste des Morgens über den Pflanzen am Havelufer, eine milchige Benommenheit schwebt über dem Wasser. Wir reden kaum, wir veranstalten keine Wettläufe, wer schneller paddeln kann, wir schwelgen einfach auf der Havel dahin.

Schließlich erreichen wir den Großen Labussee­ und halten uns rechts. Wir paddeln in einem Abstand von etwa 50 Metern am Ufer entlang, bis wir die Schleuse entdecken, die uns laut Karte in den Useriner See bringt. Schleusenaktivität entdecken wir keine, aber an der Slipanlage gleich neben der Schleuse herrscht emsige Geschäftigkeit. Gut, dann üben wir das Slippen. Die Paddelgruppe ist sehr hilfsbereit, und dank ihrer tatkräftigen Unterstützung fällt es kaum auf, wie ungeschickt wir uns zunächst anstellen. Wir lassen den Slip-Wagen ins Wasser, manövrieren das erste Boot direkt davor und hieven es dann auf den Wagen. Den ziehen wir etwa 200 Meter zur Einlassstelle – die erste Hälfte leicht bergauf, die zweite Hälfte wieder sanft bergab – und lassen ihn wenig später samt Boot wieder ins Wasser gleiten. Das Ganze noch einmal wiederholt – dann paddeln wir schon weiter.

Useriner See – Jamelsee

Nach einem kurzen Flusslauf erreichen wir den Useriner See. Hier und auf unserer weiteren Strecke sind Motorboote verboten, und wir begegnen nur einigen Ruder- und Paddelbooten. Der Useriner See liegt spiegelglatt, kein Lüftchen geht; als wir ein kleines Stück in den See hineingefahren sind, bemerken wir ein Echo. Die waldigen Hänge werfen selbst leise Worte oder Entengeschnatter zurück. Die Ufer sind schilfbewachsen, die Sonne scheint warm, und wir paddeln so rücksichtsvoll ruhig und leise, wie es uns möglich ist. Vor uns tut sich eine Insel auf, rechts davon sitzen Kormorane auf Pfählen im Wasser und begutachten das Geschehen.

Statt Userin und die Useriner Mühle zu besuchen, steuern wir den Haveltourist Textil- und FKK-Campingplatz am Useriner See für eine Mittagspause an. Gaskocher, Konservendose, Geschirr, Abwaschen, Karte studieren – erst nach über einer Stunde legen wir wieder ab. Mit dem Motorboot-Verbot fehlen auch die Bootszeichen für Einfahrten, so suchen wir vergeblich am Ufer das große weiße Quadrat, das auf der Spitze steht. Schließlich entdecken wir mehrere Kanus, die aus einer Ecke des Sees kommen und dessen Mitte ansteuern, offenbar ist dort unsere Einfahrt in die Havel.

So viel Naturschönheit und beeindruckend Majestätik der Uferbewachsung hatten wir nicht erwartet. Bäume strecken ihre Wurzeln in das Wasser, und wir fühlen uns wie im Urwald. Ein Schild weist darauf hin, dass wir uns mit unserem Kanu im Naturschutzgebiet „Müritz-Nationalpark” befinden. Anlegen, Campen und Feuermachen sind verboten, und so bleibt nur, unseren Weg auf dem Wasser fortzusetzen. Ruhig, gemächlich, entspannt.

Bei Blankenförde paddeln wir unter einer Brücke hindurch. Direkt dahinter gibt es ein Café mit Hofladen. Schade, aber wir haben gerade gegessen. Einige Minuten später sind wir wieder allein inmitten der Naturschauspiele und beschließen, den NaturCampingplatz „Zum Hexenwäldchen” anzusteuern. Von dem hatten Ina und Tim erzählt, und der Name verheißt eine schöne Atmosphäre.

Also biegen wir links in den schmalen Kanal zum Jamelsee ein. Mit unseren Paddeln müssen wir an einigen Stellen fast staken wie auf einem Spreewaldkahn, so schmal und seicht ist der Kanal. Dann noch einige Hundert Meter quer über den Jamelsee, und wir sind am Campingplatz angekommen. Wir verstauen unsere Kanus in einem der Bootständer und bauen das Zelt auf und werfen den Campingkocher an.

Geweckt werden wir am nächsten Tag vom zünftigen Kikeriki eines Hahns, der bereits am Abend sein Revier abschritt, immer gefolgt von seiner Entourage aus einem halben Dutzend Hühnern. Wir verschlafen diesmal also nicht, und sind bereits vor 8 Uhr wieder auf dem Wasser.

Jamelsee – Pagelsee

Auf dem schmalen Kanal geht es zurück zur Havel, wir setzen unsere Reise Richtung Westen fort. Der Jäthensee ist noch schläfrig, und wir kreuzen ihn schnell, Bojen markieren den vorgeschriebenen Weg. Wieder auf der Havel kommen wir bald an die nächste Slipanlage. Direkt daneben gibt es einen Imbiss der Fischerei Babke. Wir holen die Boote aus dem Wasser und gönnen uns einen kleinen Snack.

Eine Stunde später setzen wir die Kanus wieder ins Wasser und setzen unsere Tour fort. Unserem Gepäck haben wir ein Stück Räucherfisch hinzugefügt – als kulinarische Erinnerung für Zuhause. Wir setzen unsere Fahrt gemächlich auf der Havel fort und erreichen nach knapp einer Stunde den Zotzensee. Auch diesen überqueren wir entlang der Bojenstrecke und sind dann wieder auf der Havel unterwegs. Wir haben uns an die Schönheiten von Mutter Natur inzwischen gewöhnt und versuchen gar nicht erst, diese uns gegenseitig mit Worten zu berichten. Wir schauen und genießen wortlos die idyllische Strecke.

Die Havel öffnet sich auf den Pagelsee, der zunächst ganz klein wirkt, aber hinter einer Biegung deutlich an Größe gewinnt. Eine sehr lange Holzbrücke quert den See, und wir paddeln unter ihr durch. An einer weniger bewachsenen Uferecke entdecken wir die Landungsstelle voraus. Dort gibt es eine Slipanlage, die etwa 600 Meter Landweg überwindet.

Granziner See – Kratzeburg – Wesenberg

Wie das mit dem Slippen läuft, ist uns mittlerweile vertraut, und so schieben wir Wagen und Boote fast schon routiniert Richtung Granziner See, tragen sie über die Straße und setzen sie wieder ins Wasser. Bevor die Schlussetappe beginnt, heißt es noch: Kanutaxi rufen und Rücktransport vereinbaren.

Auf dem Granziner See ist etwas mehr los als auf den vorigen Abschnitten, aber wir biegen bald rechts ab und fahren unser letztes Stück auf der Havel, die uns nicht enttäuscht und weiterhin malerisch-idyllische Naturansichten liefert. Dann sind wir auch schon auf dem Käbelicksee. Auch dieser ist etwas verwinkelt, wir müssen quer hinüber zum Campingplatz Naturfreund in Kratzeburg, dort wird uns das Taxi abholen und zurück nach Wesenberg bringen. Wir ziehen die Boote an Land und kontrollieren das Gepäck, als auch schon das Taxi kommt. Wir laden unsere Boote auf den Anhänger und lassen uns die etwa 30 Kilometer zurückfahren.

Unsere Arme danken es uns, denn wir haben es am eigenen Leib in den vergangenen Tagen gespürt: Paddeln auf dem Wasser kann durch keine Rudermaschine in einem Fitnessstudio ersetzt werden. Und zum Genuss der körperlichen Betätigung kommen nicht nur die wunderschönen Naturansichten und die Gerüche und Geräusche des Waldes, der Felder und Gewässer hinzu, sondern auch das ganzheitliche sinnliche Erleben des Unterwegs-Seins. Mit dem Kanu die Gewässer nahe der Müritz entdecken – unvergesslich.

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