Mit dem Wohnmobil in der Seenplatte

By Published On: 24. April 2008

Die Mecklenburgischen Oberseen sind ein Eldorado für Wassersportler. Bietet sich die Region auch für eine Wohnmobilreise an? Wir wagten den Selbstversuch mit dem Wohnmobil in der Seenplatte!

Deutschland ist ein ideales Reiseland für Reisemobilisten. Gute Campingplätze, zahlreiche Wohnmobilstellplätze und reizvolle Landschaften garantieren einen unvergessenen Urlaub. Die Reise mit dem Wohnmobil boomt, und viele Reiseregionen haben sich auf diese mobile Zielgruppe eingestellt. Wir sind mit dem Reisemobil an den Mecklenburgischen Oberseen unterwegs und erfahren, dass man nicht nur auf dem Wasser, sondern auch auf dem „Land“ bestens Urlaub machen kann.

 

Die letzte Eiszeit hat eine grandiose Seenlandschaft hinterlassen. Der erste Blick auf die Karte weist zwar auf ein Wirrwarr von zahlreichen Seen, Flüssen und Kanälen hin, aber rund um die Oberseen ist es übersichtlicher. Hier locken mit der Müritz, dem Plauer See, dem Fleesensee und dem Kölpinsee schöne Gewässer. Am Ufer der sauberen und von Wassersportlern geschätzten Seen stößt man auf malerische Städte wie Waren, Röbel, Malchow oder Plau am See. Kleine Etappen und große Naturerlebnisse prägen den stressfreien Urlaub.

Autark unterwegs mit dem Wohnmobil in der Seenplatte

Mit unserem Wohnmobil sind wir autark. Toilette, Dusche, Strom aus der Bordbatterie und ausreichend Proviant machen uns völlig unabhängig. So können wir uns dort niederlassen, wo es uns gefällt und entweder einen einfachen Stellplatz oder einen komfortablen Campingplatz für die Nacht wählen. Das erste Ziel ist die idyllische Stadt Plau am See mit ihren malerischen Fachwerkhäusern. Zunächst sind wir von der Stadtkirche sehr angetan. Sie stammt aus dem 14. Jahrhundert und gehört zu den Hallenkirchen westfälischen Typs.

Wenig später stehen wir auf der Hühnerleiter, allerdings nicht im Hühnerstall, sondern über der Schleuse der Elde-Müritz-Wasserstraße und beobachten die Freizeitkapitäne beim Auf- und Abschleusen. Ähnlich lebendig geht es im Hafen zu, denn hier legen Boote an und ab, und Ausfl ugsschiffe laufen aus, um den Passagieren die herrlichen Seen nahe zu bringen. Nach einem schmackhaften Fischbrötchen geht es auch für uns weiter, zunächst nach Bad Stuer und dann weiter zum Lenzer Hafen am Lenzer Kanal.

Mit dem Wohnmobil unterwegs durch die Mecklenburgische Seenplatte. Foto Thomas Kliem

Mit dem Wohnmobil unterwegs durch die Mecklenburgische Seenplatte.

Schöne Stellplätze

Mit dem Stellplatz „Lenzer Hafen“ haben wir einen Volltreffer gelandet. Ebene Stellplätze, Sanitärgebäude und Restaurant laden zu einem mehrtägigen Aufenthalt ein. Die Lage direkt am Kanal ist unvergleichlich. Hier sitzt man vor seinem Wohnmobil in der Seenplatte, studiert die Reiselektüre und grüßt immer wieder die passierenden Wassersportler. Ab und zu klettern Schwäne und Enten die Böschung hinauf und hoffen, gefüttert zu werden.

Einen Steinwurf vom Stellplatz entfernt befindet sich der Hafen, in dem man kleine Motorboote chartern kann. Sie verfügen über 5 PS starke Außenbordmotoren, die führerscheinfrei zu fahren sind und so eine kleine Entdeckungsreise auf dem Plauer See oder dem Petersdorfer See ermöglichen. Wer allerdings seinen Urlaub ruhiger angehen lassen möchte, wird sein Badelaken auf der Liegewiese oder auf dem schmalen Sandstrand am benachbarten Lenzer Strandbad ausbreiten.

Inselstadt Malchow

Von Lenz sind es nur wenige Kilometer bis zum interessanten Ort Malchow. Der alte Ortskern liegt auf einer Insel im Malchower See. Zur Hauptattraktion gehört die Drehbrücke, die zu jeder vollen Stunde den Schiffen die Weiterfahrt ermöglicht. Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die schmucke Klosterkirche, die Mitte des 19. Jahrhunderts errichtet wurde. Im Inneren bewundern alljährlich rund 25.000 Besucher die ausgestellten historischen Orgeln. Auch wir sind von den alten Schmuckstücken in dem Mecklenburgischen Orgelmuseum begeistert.

Vielseitige Stadt Waren (Müritz)

Von Malchow dauert es mit dem Reisemobil nicht einmal eine halbe Stunde bis nach Waren (Müritz). Hier kann man gut auf dem großen Parkplatz am Hafen stehen. Für Wohnmobile gibt es einen speziellen Tarif für das Parken über Nacht. Wir freuen uns darüber, dass wir unser rollendes Hotelzimmer in der Nähe des lebendigen Hafens abstellen können. So kann man in aller Ruhe abends seine Runde drehen und das passende Restaurant aufsuchen. Gestärkt nehmen wir dann Platz in einer der Straßenkneipen am Hafen. Ein frisch gezapftes Bier bei peppiger Live-Musik rundet den Urlaubstag auf angenehme Weise ab. Die Stadt Waren an der Müritz hat sich herausgeputzt für die vielen Gäste, die mit dem Boot die Stadt ansteuern oder in den vielen Hotels ein Zimmer gebucht haben. Auch an Campingplätzen rund um Waren mangelt es nicht.

Jeder Urlauber wird die schöne und lebendige Stadt gleich in sein Herz schließen und den Spaziergang an der Promenade entlang genießen. Am Marktplatz stehen prächtige Bauwerke wie das Rathaus und die Löwenapotheke. In den Fußgängerzonen schlendert man an netten Geschäften vorbei, und mit der Marienkirche und der Georgskirche stößt man auf zwei sehenswerte Gotteshäuser. Wen es hinaus auf den See zieht, der kann sich am Hafen ein Boot chartern oder kauft sich ein Ticket für eines der vielen Ausflugsschiffe.

Müritz Nationalpark

Wir verlassen die schöne Stadt Waren, aber diesmal nicht mit dem Reisemobil, sondern mit den Fahrrädern und steuern den Müritz Nationalpark an. Manfred Becker ist Ranger und kann viel über die Flora und Fauna des Naturschutzgebietes erzählen: „Hier leben viele Großvogelarten wie Adler, Enten und Gänse. Der Park ist eine Drehscheine für skandinavische und baltische Zugvogelarten. Im Herbst kommen die Kraniche und dann ist hier der größte Kranichrastplatz auf dem deutschen Festland.“

Wir entdecken den Park auf eigene Faust und kommen mit dem Fahrrad gut voran. Durch den dichten Wald geht es vorbei an Mooren, Weiden und Seen. An einer Vogelbeobachtungsstation blickt man über die Ufervegetation auf die große Müritz. Die Vögel sind scheinbar ausgeflogen, sodass wir uns der Rangerin Sigrid Loitz widmen. Sie kann viel über den 1990 eingerichteten und rund 322 Quadratkilometer großen Nationalpark mit der interessanten Flora erzählen, allerdings muss sie zugeben: „Ich habe es nicht so mit den Piepmätzen.“ Eine Pause gönnen wir uns auf dem Müritzhof. Hier wurde eine Gaststätte eingerichtet, die dem Parkbesucher eine stärkende Mahlzeit anbietet.

MüritzTherme in Röbel

Nach reichlich Natur steht in Röbel wieder die Kultur im Vordergrund. Bei schlechtem Wetter braucht man den Tag nicht im Wohnmobil zu verbringen, sondern besucht das große Sport- und Spaßbad MüritzTherme. Es bietet neben den Schwimm- und Bademöglichkeiten auch Wellness, Sauna und Solarium. Bei schönem Wetter nimmt man natürlich die Stadt unter die Lupe. Am Hafen stehen große Parkplätze zur Verfügung, auf denen auch die größten Wohnmobile parken können. Dann lockt die Marienkirche, von deren Turm man einen herrlichen Rundumblick hat. Man blickt auf den alten Ort, den kleinen Müritz-Binnensee und sieht am Horizont die „große“ Müritz. Mit einer Fläche von 117 Quadratkilometern ist die Müritz der größte deutsche Binnensee, der Name leitet sich von dem slawischen Wort „morcze“ ab, was soviel wie „kleines Meer“ bedeutet. Mit dem Wohnmobil können wir leider nur einige wenige Uferabschnitte erreichen. Einen schönen Zugang zum „kleinen Meer“ haben wir auf dem Campingplatz Ludorf.

Der gepflegte Campingplatz verfügt auch über einen Strand, sodass wir noch die erforderlichen Energien tanken können, bevor es mit dem Drahtesel wieder auf Entdeckungsreise geht. Mitten durch eine flachwellige Landschaft mit großen Getreidefeldern geht es zum südlichen Gewässerabschnitt, der Kleinen Müritz. Umweltfreundlich und fitnessfördernd ist man mit dem Fahrrad unterwegs, und wer viel Zeit und Energie hat, strampelt über den lohnenswerten Müritz-Radwanderweg. Er führt auf einer Länge von 76 Kilometern rund um den großen See auch durch den Müritz-Nationalpark.
Oft gönnen wir dem Wohnmobil in der Seenplatte eine Pause und steuern die nahegelegenen Attraktionen mit dem Fahrrad an. In dem verschlafenen Örtchen Ludorf gilt es vor der Abreise jedoch noch die Backsteinkirche zu besichtigen. Sie steht auf einem achteckigen Grundriss und wurde bereits 1346 geweiht.

Im Hafen von Neustrelitz gibt es Versorgungseinheiten für Wohnmobile. Foto Thomas Kliem

Im Hafen von Neustrelitz gibt es Versorgungseinheiten für Wohnmobile.

Stressfreies Fahren mit dem Wohnmobil

Über die Landstraße 198, die man mit dem Wohnmobil bequem befahren kann, geht es in östliche Richtung. Wir verabschieden uns von der Müritz und freuen uns auf die nächsten landschaftlichen und kulturellen Highlights. Nach dem Motto „auf zu neuen Ufern“ fahren wir mit unserer „Yacht der Landstraße“ nach Mirow, am gleichnamigen Mirower See. Auch hier wird für die Wohnmobilreisenden ein Übernachtungsparkplatz angeboten. Nur wenige Schritte sind es zur Schlossinsel. Hier steht das barocke Schloss, das Mitte des 18. Jahrhunderts erbaut wurde. Über eine kleine Brücke geht es zur Liebesinsel. Hier sitzt man am besten zu zweit, schaut über den See und winkt den Wassersportlern zu.

Inmitten der kleinen Insel befindet sich das Grab von Adolf Friedrich VI., dem letzten Großherzog von Mecklenburg-Strelitz, der sich 1918 freiwillig vom Leben verabschiedete. Wir verabschieden uns auch, jedoch nur von Mirow und fahren zum benachbarten Ort Wesenberg. Geparkt und übernachtet wird auf dem modernen Wohnmobilstellplatz Marina Wesenberg. Oberhalb der Steganlagen steht man hier auf einem ebenen Untergrund und blickt auf die Schiffe, die über die Obere-Havel-Wasserstraße den Woblitzersee ansteuern oder Richtung Drewensee fahren. Auf diesem schönen Stellplatz erfahren wir wieder einmal, dass man auch bei der Reise mit dem Wohnmobil nicht auf das Wassersportvergnügen verzichten muss, denn direkt in dem modernen Hafen können Motorboote gechartert werden.

Ein Spaziergang führt dann in den kleinen Ort Wesenberg, der mit einer alten Burg und der Stadtkirche mit einer rund 600 Jahre alten Linde aufwarten kann.

Camping- und Ferienpark Havelberge

Über kleinere Straßen setzen wir die Reise in Richtung Useriner See fort. An der Useriner Mühle laden ein Platz an dem kleinen See zum Picknick und in Groß-Quassow ein Campingplatz zum Übernachten ein. Erneut ein Volltreffer, denn der Camping- und Ferienpark Havelberge am Woblitzsee lässt die Camperherzen höher schlagen. In einem parkähnlichen Gelände stellt man sein Reisemobil ab und kann das breitgefächerte Angebot­ nutzen. So stehen dem Gast Supermarkt, Restaurant, Sauna, Boots- und Radverleih, Badewieseplatz und ein ausgefeiltes Animationsprogramm­ zur Verfügung.

Wer immer mal mit dem Kanu lautlos durch das Wasser gleiten wollte, sollte sich hier ein eines mieten und sich nach Wesenberg aufmachen. Hier pausiert man am Wasserwanderrastplatz, bevor man über den Woblitzersee­ zum Campingplatz zurückpaddelt. Nur wenige Kilometer ist der empfehlenswerte Platz von der schönen Stadt Neustrelitz entfernt.

Herzögliches Neustrelitz

Den krönenden Abschluss einer gelungenen Reise mit Wohnmobil in der Seenplatte stellt der Besuch der Stadt Neustrelitz dar. Die schöne Stadt wurde im 18. Jahrhundert als Residenz der Herzöge von Mecklenburg-Strelitz gegründet. Zahlreich sind die prächtigen Bauwerke, allerdings existiert das herzogliche Schloss nicht mehr. Es brannte im Krieg aus und wurde abgetragen. Den einstmals barocken Schlossgarten mit der sehenswerten Orangerie und den kleinen Tempeln kann man noch bestaunen. Nebenan steht die imposante Schlosskirche.

Das Herz der Stadt schlägt am Markt, auf den strahlenförmig die Straßen zulaufen. Hier stehen das farbenprächtige Rathaus und die im Vergleich trist wirkende Stadtkirche, von der man jedoch einen herrlichen Ausblick hat. Geht man die Straße hinunter erreicht man den Hafen. Hier wurden alte Speicher in moderne Wohnhäuser umgebaut, und im Erdgeschoss laden Restaurants zum Verweilen ein. Im Hafen reichen sich die Wassersportler und Wohnmobilreisenden die Hände und nutzen auch das Sanitärgebäude gemeinsam. Ein Fußweg führt an dem Zierker See entlang, der zur Neustrelitzer Kleinseenplatte gehört. Ein abendlicher Spaziergang bei untergehender Sonne sorgt für ein wehmütiges Gefühl, denn er läutet das Ende einer schönen und erholsamen Wohnmobilreise ein.

Fotos: Thomas Kliem

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Mit dem Wohnmobil in der Seenplatte
By |9,9 min read|1963 words|Published On: 24. April 2008|

Die Mecklenburgischen Oberseen sind ein Eldorado für Wassersportler. Bietet sich die Region auch für eine Wohnmobilreise an? Wir wagten den Selbstversuch mit dem Wohnmobil in der Seenplatte!

Deutschland ist ein ideales Reiseland für Reisemobilisten. Gute Campingplätze, zahlreiche Wohnmobilstellplätze und reizvolle Landschaften garantieren einen unvergessenen Urlaub. Die Reise mit dem Wohnmobil boomt, und viele Reiseregionen haben sich auf diese mobile Zielgruppe eingestellt. Wir sind mit dem Reisemobil an den Mecklenburgischen Oberseen unterwegs und erfahren, dass man nicht nur auf dem Wasser, sondern auch auf dem „Land“ bestens Urlaub machen kann.

 

Die letzte Eiszeit hat eine grandiose Seenlandschaft hinterlassen. Der erste Blick auf die Karte weist zwar auf ein Wirrwarr von zahlreichen Seen, Flüssen und Kanälen hin, aber rund um die Oberseen ist es übersichtlicher. Hier locken mit der Müritz, dem Plauer See, dem Fleesensee und dem Kölpinsee schöne Gewässer. Am Ufer der sauberen und von Wassersportlern geschätzten Seen stößt man auf malerische Städte wie Waren, Röbel, Malchow oder Plau am See. Kleine Etappen und große Naturerlebnisse prägen den stressfreien Urlaub.

Autark unterwegs mit dem Wohnmobil in der Seenplatte

Mit unserem Wohnmobil sind wir autark. Toilette, Dusche, Strom aus der Bordbatterie und ausreichend Proviant machen uns völlig unabhängig. So können wir uns dort niederlassen, wo es uns gefällt und entweder einen einfachen Stellplatz oder einen komfortablen Campingplatz für die Nacht wählen. Das erste Ziel ist die idyllische Stadt Plau am See mit ihren malerischen Fachwerkhäusern. Zunächst sind wir von der Stadtkirche sehr angetan. Sie stammt aus dem 14. Jahrhundert und gehört zu den Hallenkirchen westfälischen Typs.

Wenig später stehen wir auf der Hühnerleiter, allerdings nicht im Hühnerstall, sondern über der Schleuse der Elde-Müritz-Wasserstraße und beobachten die Freizeitkapitäne beim Auf- und Abschleusen. Ähnlich lebendig geht es im Hafen zu, denn hier legen Boote an und ab, und Ausfl ugsschiffe laufen aus, um den Passagieren die herrlichen Seen nahe zu bringen. Nach einem schmackhaften Fischbrötchen geht es auch für uns weiter, zunächst nach Bad Stuer und dann weiter zum Lenzer Hafen am Lenzer Kanal.

Mit dem Wohnmobil unterwegs durch die Mecklenburgische Seenplatte. Foto Thomas Kliem

Mit dem Wohnmobil unterwegs durch die Mecklenburgische Seenplatte.

Schöne Stellplätze

Mit dem Stellplatz „Lenzer Hafen“ haben wir einen Volltreffer gelandet. Ebene Stellplätze, Sanitärgebäude und Restaurant laden zu einem mehrtägigen Aufenthalt ein. Die Lage direkt am Kanal ist unvergleichlich. Hier sitzt man vor seinem Wohnmobil in der Seenplatte, studiert die Reiselektüre und grüßt immer wieder die passierenden Wassersportler. Ab und zu klettern Schwäne und Enten die Böschung hinauf und hoffen, gefüttert zu werden.

Einen Steinwurf vom Stellplatz entfernt befindet sich der Hafen, in dem man kleine Motorboote chartern kann. Sie verfügen über 5 PS starke Außenbordmotoren, die führerscheinfrei zu fahren sind und so eine kleine Entdeckungsreise auf dem Plauer See oder dem Petersdorfer See ermöglichen. Wer allerdings seinen Urlaub ruhiger angehen lassen möchte, wird sein Badelaken auf der Liegewiese oder auf dem schmalen Sandstrand am benachbarten Lenzer Strandbad ausbreiten.

Inselstadt Malchow

Von Lenz sind es nur wenige Kilometer bis zum interessanten Ort Malchow. Der alte Ortskern liegt auf einer Insel im Malchower See. Zur Hauptattraktion gehört die Drehbrücke, die zu jeder vollen Stunde den Schiffen die Weiterfahrt ermöglicht. Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die schmucke Klosterkirche, die Mitte des 19. Jahrhunderts errichtet wurde. Im Inneren bewundern alljährlich rund 25.000 Besucher die ausgestellten historischen Orgeln. Auch wir sind von den alten Schmuckstücken in dem Mecklenburgischen Orgelmuseum begeistert.

Vielseitige Stadt Waren (Müritz)

Von Malchow dauert es mit dem Reisemobil nicht einmal eine halbe Stunde bis nach Waren (Müritz). Hier kann man gut auf dem großen Parkplatz am Hafen stehen. Für Wohnmobile gibt es einen speziellen Tarif für das Parken über Nacht. Wir freuen uns darüber, dass wir unser rollendes Hotelzimmer in der Nähe des lebendigen Hafens abstellen können. So kann man in aller Ruhe abends seine Runde drehen und das passende Restaurant aufsuchen. Gestärkt nehmen wir dann Platz in einer der Straßenkneipen am Hafen. Ein frisch gezapftes Bier bei peppiger Live-Musik rundet den Urlaubstag auf angenehme Weise ab. Die Stadt Waren an der Müritz hat sich herausgeputzt für die vielen Gäste, die mit dem Boot die Stadt ansteuern oder in den vielen Hotels ein Zimmer gebucht haben. Auch an Campingplätzen rund um Waren mangelt es nicht.

Jeder Urlauber wird die schöne und lebendige Stadt gleich in sein Herz schließen und den Spaziergang an der Promenade entlang genießen. Am Marktplatz stehen prächtige Bauwerke wie das Rathaus und die Löwenapotheke. In den Fußgängerzonen schlendert man an netten Geschäften vorbei, und mit der Marienkirche und der Georgskirche stößt man auf zwei sehenswerte Gotteshäuser. Wen es hinaus auf den See zieht, der kann sich am Hafen ein Boot chartern oder kauft sich ein Ticket für eines der vielen Ausflugsschiffe.

Müritz Nationalpark

Wir verlassen die schöne Stadt Waren, aber diesmal nicht mit dem Reisemobil, sondern mit den Fahrrädern und steuern den Müritz Nationalpark an. Manfred Becker ist Ranger und kann viel über die Flora und Fauna des Naturschutzgebietes erzählen: „Hier leben viele Großvogelarten wie Adler, Enten und Gänse. Der Park ist eine Drehscheine für skandinavische und baltische Zugvogelarten. Im Herbst kommen die Kraniche und dann ist hier der größte Kranichrastplatz auf dem deutschen Festland.“

Wir entdecken den Park auf eigene Faust und kommen mit dem Fahrrad gut voran. Durch den dichten Wald geht es vorbei an Mooren, Weiden und Seen. An einer Vogelbeobachtungsstation blickt man über die Ufervegetation auf die große Müritz. Die Vögel sind scheinbar ausgeflogen, sodass wir uns der Rangerin Sigrid Loitz widmen. Sie kann viel über den 1990 eingerichteten und rund 322 Quadratkilometer großen Nationalpark mit der interessanten Flora erzählen, allerdings muss sie zugeben: „Ich habe es nicht so mit den Piepmätzen.“ Eine Pause gönnen wir uns auf dem Müritzhof. Hier wurde eine Gaststätte eingerichtet, die dem Parkbesucher eine stärkende Mahlzeit anbietet.

MüritzTherme in Röbel

Nach reichlich Natur steht in Röbel wieder die Kultur im Vordergrund. Bei schlechtem Wetter braucht man den Tag nicht im Wohnmobil zu verbringen, sondern besucht das große Sport- und Spaßbad MüritzTherme. Es bietet neben den Schwimm- und Bademöglichkeiten auch Wellness, Sauna und Solarium. Bei schönem Wetter nimmt man natürlich die Stadt unter die Lupe. Am Hafen stehen große Parkplätze zur Verfügung, auf denen auch die größten Wohnmobile parken können. Dann lockt die Marienkirche, von deren Turm man einen herrlichen Rundumblick hat. Man blickt auf den alten Ort, den kleinen Müritz-Binnensee und sieht am Horizont die „große“ Müritz. Mit einer Fläche von 117 Quadratkilometern ist die Müritz der größte deutsche Binnensee, der Name leitet sich von dem slawischen Wort „morcze“ ab, was soviel wie „kleines Meer“ bedeutet. Mit dem Wohnmobil können wir leider nur einige wenige Uferabschnitte erreichen. Einen schönen Zugang zum „kleinen Meer“ haben wir auf dem Campingplatz Ludorf.

Der gepflegte Campingplatz verfügt auch über einen Strand, sodass wir noch die erforderlichen Energien tanken können, bevor es mit dem Drahtesel wieder auf Entdeckungsreise geht. Mitten durch eine flachwellige Landschaft mit großen Getreidefeldern geht es zum südlichen Gewässerabschnitt, der Kleinen Müritz. Umweltfreundlich und fitnessfördernd ist man mit dem Fahrrad unterwegs, und wer viel Zeit und Energie hat, strampelt über den lohnenswerten Müritz-Radwanderweg. Er führt auf einer Länge von 76 Kilometern rund um den großen See auch durch den Müritz-Nationalpark.
Oft gönnen wir dem Wohnmobil in der Seenplatte eine Pause und steuern die nahegelegenen Attraktionen mit dem Fahrrad an. In dem verschlafenen Örtchen Ludorf gilt es vor der Abreise jedoch noch die Backsteinkirche zu besichtigen. Sie steht auf einem achteckigen Grundriss und wurde bereits 1346 geweiht.

Im Hafen von Neustrelitz gibt es Versorgungseinheiten für Wohnmobile. Foto Thomas Kliem

Im Hafen von Neustrelitz gibt es Versorgungseinheiten für Wohnmobile.

Stressfreies Fahren mit dem Wohnmobil

Über die Landstraße 198, die man mit dem Wohnmobil bequem befahren kann, geht es in östliche Richtung. Wir verabschieden uns von der Müritz und freuen uns auf die nächsten landschaftlichen und kulturellen Highlights. Nach dem Motto „auf zu neuen Ufern“ fahren wir mit unserer „Yacht der Landstraße“ nach Mirow, am gleichnamigen Mirower See. Auch hier wird für die Wohnmobilreisenden ein Übernachtungsparkplatz angeboten. Nur wenige Schritte sind es zur Schlossinsel. Hier steht das barocke Schloss, das Mitte des 18. Jahrhunderts erbaut wurde. Über eine kleine Brücke geht es zur Liebesinsel. Hier sitzt man am besten zu zweit, schaut über den See und winkt den Wassersportlern zu.

Inmitten der kleinen Insel befindet sich das Grab von Adolf Friedrich VI., dem letzten Großherzog von Mecklenburg-Strelitz, der sich 1918 freiwillig vom Leben verabschiedete. Wir verabschieden uns auch, jedoch nur von Mirow und fahren zum benachbarten Ort Wesenberg. Geparkt und übernachtet wird auf dem modernen Wohnmobilstellplatz Marina Wesenberg. Oberhalb der Steganlagen steht man hier auf einem ebenen Untergrund und blickt auf die Schiffe, die über die Obere-Havel-Wasserstraße den Woblitzersee ansteuern oder Richtung Drewensee fahren. Auf diesem schönen Stellplatz erfahren wir wieder einmal, dass man auch bei der Reise mit dem Wohnmobil nicht auf das Wassersportvergnügen verzichten muss, denn direkt in dem modernen Hafen können Motorboote gechartert werden.

Ein Spaziergang führt dann in den kleinen Ort Wesenberg, der mit einer alten Burg und der Stadtkirche mit einer rund 600 Jahre alten Linde aufwarten kann.

Camping- und Ferienpark Havelberge

Über kleinere Straßen setzen wir die Reise in Richtung Useriner See fort. An der Useriner Mühle laden ein Platz an dem kleinen See zum Picknick und in Groß-Quassow ein Campingplatz zum Übernachten ein. Erneut ein Volltreffer, denn der Camping- und Ferienpark Havelberge am Woblitzsee lässt die Camperherzen höher schlagen. In einem parkähnlichen Gelände stellt man sein Reisemobil ab und kann das breitgefächerte Angebot­ nutzen. So stehen dem Gast Supermarkt, Restaurant, Sauna, Boots- und Radverleih, Badewieseplatz und ein ausgefeiltes Animationsprogramm­ zur Verfügung.

Wer immer mal mit dem Kanu lautlos durch das Wasser gleiten wollte, sollte sich hier ein eines mieten und sich nach Wesenberg aufmachen. Hier pausiert man am Wasserwanderrastplatz, bevor man über den Woblitzersee­ zum Campingplatz zurückpaddelt. Nur wenige Kilometer ist der empfehlenswerte Platz von der schönen Stadt Neustrelitz entfernt.

Herzögliches Neustrelitz

Den krönenden Abschluss einer gelungenen Reise mit Wohnmobil in der Seenplatte stellt der Besuch der Stadt Neustrelitz dar. Die schöne Stadt wurde im 18. Jahrhundert als Residenz der Herzöge von Mecklenburg-Strelitz gegründet. Zahlreich sind die prächtigen Bauwerke, allerdings existiert das herzogliche Schloss nicht mehr. Es brannte im Krieg aus und wurde abgetragen. Den einstmals barocken Schlossgarten mit der sehenswerten Orangerie und den kleinen Tempeln kann man noch bestaunen. Nebenan steht die imposante Schlosskirche.

Das Herz der Stadt schlägt am Markt, auf den strahlenförmig die Straßen zulaufen. Hier stehen das farbenprächtige Rathaus und die im Vergleich trist wirkende Stadtkirche, von der man jedoch einen herrlichen Ausblick hat. Geht man die Straße hinunter erreicht man den Hafen. Hier wurden alte Speicher in moderne Wohnhäuser umgebaut, und im Erdgeschoss laden Restaurants zum Verweilen ein. Im Hafen reichen sich die Wassersportler und Wohnmobilreisenden die Hände und nutzen auch das Sanitärgebäude gemeinsam. Ein Fußweg führt an dem Zierker See entlang, der zur Neustrelitzer Kleinseenplatte gehört. Ein abendlicher Spaziergang bei untergehender Sonne sorgt für ein wehmütiges Gefühl, denn er läutet das Ende einer schönen und erholsamen Wohnmobilreise ein.

Fotos: Thomas Kliem

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