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Wir sind dann mal weg …

Wir sind dann mal weg …

Vier Abenteurer auf großer Hausboot-Fahrt in der Kleinseenplatte

Lesedauer des Beitrags: 14 Minuten

Endlich hatte das Warten ein Ende. Die Woche schlich sich im Zeitlupentempo an den großen Tag heran, an dem wir unseren ersten jungfräulichen Törn auf einem Hausboot in der Kleinseenplatte starten sollten. Den Opel Signum Kombi vollgepackt bis unters Dach, die Knie eingezogen und zwischen Kescher, Angeln und Kühlbox auf der Rückbank eingepfercht, erreichten wir die Marina Wolfsbruch, um unser großes Hausboot-Abenteuer anzutreten.

Beeindruckt vom riesigen Hafen, den weiß blitzenden Hausbooten und dem maritimen Flair trafen wir aufgeregt plappernd in der Rezeption vom Charterunternehmen Leboat ein. Um das Warten bis zur theoretischen und praktischen Einweisung zu verkürzen, entschieden wir uns für einen kleinen Ausflug nach Wesenberg. In der Touristinfo besorgten wir uns Touristen-Fischereischeine und Angelkarten, im Supermarkt den Startproviant für das Wochenende.

Wieder im Hafen, trafen wir uns mit drei weiteren Hausbootteams in einem Seminarraum, um nach umfassender Belehrung und allen notwendigen Erklärungen für das Führen von Hausbooten den Charterschein für den ersten und zweiten Kapitän unserer Royal Classique in Empfang zu nehmen. Damit waren wir, das Team Andy, Ronny, Kathi und Janina, vorbereitet, um die letzten praktischen Instruktionen von Basti, unserem „Einweiser“, zu erhalten und die erste Fahrübungen auf dem 12,80 Meter langen Boot zu absolvieren.

Bootstour Kleinseenplatte, Rheinsberg, Pripert, Marina Wolfsbruch, Fürstenberg/Havel © Magazin Seenland
Einreihen in die Warteschlange vor der Schleuse Wolfsbruch.

Die Jungfernfahrt

In der Marina Wolfsbruch reiht sich Boot an Boot, ein lebhaftes Panorama und für unser Quartett eine neue Welt. Etwas aufgeregt bereitete ich mich auf den ersten Sprung ins kalte Wasser vor: Langsam vom Steg abfahren, Bugstrahlruder nutzen, um in kleinem Kreis die Fahrtrinne zwischen den parkenden Booten zu treffen. Gegenverkehr und eine knappe Ausfahrt forderten die ersten Schweißperlen unter der Kapitänsmütze.

Geschafft! Ein Grinsen breitete sich über unsere Gesichter aus. Im Blickfeld einiger Schaulustiger, die in Erinnerung an ihre eigenen ersten Fahrübungen mit mildem Lächeln unsere Jungfernfahrt beobachten, steuerte ich das Boot in die erste offizielle Wasserstraße, den Hüttenkanal, und weiter in den Großen Prebelowsee. Jetzt gehörten wir zu den zahlreichen Verkehrsteilnehmern auf der Mecklenburgischen Kleinseenplatte!

Für mich persönlich ein kleiner Traum, beeindruckte mich doch die Urlaubsgeschichte einer Berliner Familie aus meinem Lieblingsbuch „Ein Kolumbus auf der Havel“ schon seit Kindertagen. So durchstöberte ich vor unserer Reise den elterlichen Kellerfundus und machte das Buch zu meinem literarischen Begleiter auf der großen Fahrt.

Unter dem Motto „Auf die Barsche, fertig, los!“ zogen wir nun unsere ersten Bahnen. Wir steuerten auf dem Zootzensee ruhigeres Gebiet zum Angeln und zum Verweilen an. Hier konnten wir endlich unsere Eindrücke sacken lassen, das Boot erkunden und die ersten Angeln präparieren. Schon nach kurzer Zeit surrte die Sehne über uns und Ronny, Hobbyangler seit frühester Kindheit, ließ den ersten Köder zu Wasser. Innerhalb von nur 15 Minuten hatte er einen Barsch, einen kleinen Hecht und eine stattliche Rotfeder an der Angel.

Unser erstes Hausboot-Abenteuer

Das Wetter schickte uns am frühen Abend einen kräftigen Regenschauer über den See. Alle Türen, Fenster und das Schiebedach gesichert, setzen wir uns zum ersten Mal gemeinsam an den großen Tisch im Bordsalon und genossen das sanfte Wiegen unseres Bootes.

Von der Romantik der idyllischen Landschaft beseelt, entschieden wir uns, die erste Nacht auf See zu ankern. Umgeben von Wasser, Schilf und Himmel studierten wir die Gewässerkarten und beratschlagten mit Hilfe des „Hafenführers für Hausboote“ über die nächsten Stopps auf unserer Tour. Gespickt mit den Bildern des Tages und den Inspirationen einer aufregenden Entdeckungsreise auf den Gewässern Mecklenburgs, sanken wir an diesem Abend endlich in unsere gemütlichen Betten.

Bootstour Kleinseenplatte, Rheinsberg, Pripert, Marina Wolfsbruch, Fürstenberg/Havel © Magazin Seenland
Mit ihren 12,80 Metern ist die Royal Classique von Leboat schwimmende Ferienwohnung und Angelstand zugleich.

In der Nacht überraschte uns ein kleiner Wetterumschwung. Mutig stiegen die Männer bei Wind und Wetter hinaus aufs Deck und versuchten erfolglos die Ankerkette zu befestigen, die durch die Bewegungen des Bootes nun mit lautem Knallen an den Bug schlug. Stockdunkle Nacht ließ keine Sicht auf die Umgebung zu. Der Regen peitschte über den See und mit dem kurzen Blick aus dem Bugfenster auch in unsere Gesichter. Da hatten wir nun unser Abenteuer! An Schlaf war nicht mehr zu denken. Sobald es dämmerte, machten sich die Männer nochmals an Deck.

Mit viel Muskel- und Willenskraft schafften es Andy und Ronny, den mittlerweile verkeilten Anker zu lösen. So saßen wir nach einer kurzen, unruhigen Nacht um sechs Uhr früh übermüdet und mit dicken Augenringen am Frühstückstisch versammelt. Gestärkt kam nun wieder Leben in die Crew und wir steuerten zurück in den Zootzenkanal und über den Tietzowsee. Denn unser erstes Ziel hieß heute Rheinsberg.

Herausforderung im Kanal: Wenden in 3 Zügen mit dem Boot

Ein wunderbares Gefühl der Freiheit beschlich uns, wir betrachten die Landschaft aus einer für uns völlig neuen Perspektive. Weitläufige Wälder, Wiesen und kleine verzweigte Flussläufe, reizvolle Hügelketten sowie unzählige Seen bestimmen das Bild dieses attraktiven Wassersportreviers. Eine friedliche Ruhe brach über uns herein und wir ließen uns von der schlichten Schönheit der Natur fesseln. Wir genossen es, ab jetzt nun auch zum „Völkchen“ der Hausbooturlauber zu gehören.

Gemächlich zogen wir an Bungalowbooten, Kanufahrern und anderen Hausbooten vorbei. Wir staunten, dass sich gar nicht so selten ein Hund an Bord befand, der sich an der Spitze des Bugs stolz als vollwertiges Mitglied der Bootscrew präsentierte. Herzlich wurden wir von den Leuten begrüßt und Andy und Ronny wurde noch ein wohlwollendes „Petri Heil!“ nachgerufen.

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