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Entdeckung der Langsamkeit – Vier Städter auf ruhiger See

Entdeckung der Langsamkeit – Vier Städter auf ruhiger See

Hausboottörn – von den Oberseen über die Müritz zur Kleinseenplatte

Lesedauer des Beitrags: 13 Minuten

Bei jedem Schritt wankt der Boden unter meinen Füßen. Mein Bett scheint des Nachts zu schaukeln. Schon so großen Seefahrern wie Charles Darwin oder Odysseus machte der Seegang nach langen Schiffsreisen zu schaffen. Dass ich noch einen Tag nach dem Hausbooturlaub die Wogen der Wellen unter meinen Füßen spüre, liegt also keinesfalls daran, dass ich das erste Mal sieben Tage auf einem Boot verbrachte. Es ist normal und es erinnert mich an das bezaubernde Erlebnis einer Seefahrt durch die Gewässer der Mecklenburgischen Seenplatte.

Großstädter auf Seereise

Vier Städter stehen durchnässt – mit zu viel Gepäck und zu dünn angezogen – am Bahnhof Malchow. Es hat begonnen, wie aus Eimern zu regnen und ich stelle fest, dass ich keine anderen Schuhe als meine Stoffturnschuhe, die ich an meinen mittlerweile klatschnassen Füßen trage, dabei habe. Die anderen sind nicht besser ausgerüstet. Niemand von uns hat jemals eine längere Bootstour als eine Dampferfahrt über die Spree unternommen. Eine Spreefahrt dauert meist nur einige Stunden und man muss als Gast nur sitzen und gucken. Gut, paddeln waren wir alle schonmal. Eine Hausbootfahrt, bei der man ein motorbetriebenes Boot lenken, ankern, schleusen und manövrieren muss – das ist etwas Neues. Und ich kann nicht behaupten, nicht ein klein wenig Nervosität zu verspüren, als wir mit dem Taxi, das uns zum Glück bald am Bahnhof Malchow einsammelt, in Richtung der Bootsstation von Locaboat in Untergöhren fahren.

Als wir in Untergöhren am Fleesensee ankommen, empfängt uns Nancy, die treue Seele von Locaboat. Sie ist herzlich und ganz entspannt – scheinbar hat sie keine Angst, vier Bootsfrischlinge an Bord ihrer Seenplatte-Kreuzer zu lassen. Das beruhigt. Als wir uns kurz angemeldet haben, schickt uns Nancy zum Steg. Wir sollen uns schon mal auf unserem neuen Zuhause für die nächsten sieben Tage einrichten. Unser Hausboot ist die „Malge“. Das wohlige Gefühl, das uns Nancy beim Empfang gab, verschwindet sofort, als wir das riesige, erschreckende elf Meter lange Boot erblicken. Das soll einer von uns fahren? Ich lege mir schonmal eine Ausrede zurecht, warum ich nicht diese Eine sein werde.

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