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Wir sind dann mal weg …

Wir sind dann mal weg …

Vom Einkehren und Auftanken

Der nächste Morgen begann wie üblich mit einem geselligen Beisammensein im Salon, bei Frühstücksei und Brötchen, Orangensaft, Kaffee und Tee. Die Sonne lachte schon über den ganzen See und auch auf den anderen Booten klappten die ersten „Schotten“ auf. Ein amüsantes Schauspiel und wir liebten es. Schlaftrunken, aber zielstrebig sprangen die ersten Leute von Bord und trotteten mit Kulturbeuteln und Handtüchern zu den Duschen. Auch wir reihten uns ein, warteten jedoch, bis sich der erste Ansturm gelegt hatte.

Heute wollten wir noch ein wenig in Templin verweilen und planten unsere Abreise für den frühen Nachmittag. Ein bisschen gruselte es uns vor der Rückreise, denn erst nach den zahlreichen Schleusen würden wir unseren Zwischenstopp auf dem Stolpsee erreichen. Nun stand uns im Hafen erst einmal eine Fäkalabsaugung und Frischwasserauffüllung bevor. Dazu mussten wir das Boot allerdings in eine andere Position bringen und an den Steg rangieren. Zum Glück hatten wir sofort die Fröhnels an unserer Seite, die uns auch heute wieder gern mit ihren Ratschlägen zur Seite standen. Aufgeregt befolgten wir deren Anweisungen. Ich machte natürlich gleich einen falschen Knoten um den Pfahl und mit etwas hängenden Ohren korrigierte ich meinen Fehler. Aber nur so lernt man und schon nach kurzer Zeit entstand erneut ein herzliches Gespräch zwischen Hafenbetreibern und „Einkehrern“.

Auf dem See ließen wir nun für eine Weile die Seele baumeln, bevor wir wendeten und uns zur Templiner Schleuse aufmachten. Noch einmal durch das ehrfurchteinflößende und gewaltige Schleusentor und schon schipperten wir Richtung Havel. Ein Urlaub auf dem Hausboot entschleunigt. Einen Zeitplan gibt es nicht, nur die Hoffnung auf einen reibungslosen Ablauf. Wir passierten wieder die schöne Schleuse Kannenburg, wo uns vom Tinkerhof Kinder laut zuriefen und aufgeregt zuwinkten. Jedes Boot war spannend und die Besatzungen winkten zur Freude der Kleinen ausdauernd mit den Armen und Mützen. Die Kollegen an der Schleuse ließen sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Im klaren Schleusenwasser tummelten sich Barsche und das eine oder andere stattliche Exemplar wurde auf Größe und Gewicht geschätzt, bevor wir in den Großen Kuhwallsee stachen.

Zurück auf dem Stolpsee

Fast im letzten Schleusengang des Tages passierten wir Bredereiche und erreichten am Abend endlich den Stolpsee bei Himmelpfort. Ein Biber strampelte am Kanalufer neben dem Boot entlang und ließ sich von uns rein gar nicht beeindrucken. Das hatten wir noch nie gesehen! Entzückt über den Anblick des eifrigen Tieres und seiner Geschäftigkeit, fügte sich ein neues denkwürdiges Detail in unsere Urlaubsberichterstattung für die Daheimgebliebenen. Gesättigt von Pellkartoffeln mit Quark, ein echtes Bootsurlaubsessen, suchten wir uns ein ruhiges Plätzchen und ließen den Anker herunter. Der See schimmerte spiegelglatt in der einsetzenden Abenddämmerung. Wir planten für den nächsten Morgen einen Halt beim mobilen Bäcker ein, um uns für die Fahrt zum nächsten Ziel, dem Mirower See, zu stärken. Die Geschichte des Stolpsees hatte uns nach einem Gespräch mit Frau Weinreich sehr beeindruckt. Der See birgt ein Geheimnis, „Nazigold“ soll hier im See versenkt worden sein. Eine groß angelegte Schatzsuche sorgt schon seit einiger Zeit sogar in den Medien für Aufmerksamkeit. Die Blicke schweiften über das Wasser und die Vorstellung, dass hier vielleicht eines Tages Geschichte geschrieben wird, war sehr bewegend.

Märchenhafte Schlossinsel in der Kleinseenplatte

Der nächste Morgen begann mit den natürlichen Klängen aus Schilf, Wald und Luft. Eine leichte Brise zog über uns hinweg und wir machten uns auf den Weg zum Bäcker und anschließend nach Fürstenberg/Havel. Vor der Schleuse Fürstenberg staute es sich und die nachfolgenden Boote drehten Warteschleifen auf dem Wasser, da nicht alle einen Platz an den Sportbootanlegern fanden. Hinter uns trieb eine Gruppe mit einem Bunbo etwas hilflos hin und her. Ronny und Andy schnappten sich ein Seil und warfen es der Crew herüber. Es macht Spaß auf dem Wasser zu sein, gegenseitige Hilfe ist selbstverständlich und gibt dem Hausbooturlaub einen zusätzlichen Charme.

Bei schönstem Sonnenschein passierten wir „altbekannte“ Stationen und schlugen vor der Schleuse Wolfsbruch den Weg Richtung Canower See ein. Neben uns tummelten sich Kanus und es wurde auch mal das eine oder andere Getränk herübergereicht. Je schöner das Wetter wurde, desto schleppender ging es an den Schleusen voran. So blieb uns Zeit, die Gegend zu erkunden und uns ein bisschen die Beine zu vertreten. Die Blicke unserer Männer waren konzentriert auf die Posen und Angeln gerichtet, die eine oder andere Fachsimpelei drang an unsere Ohren. Vom Bäcker in Himmelpfort waren noch einige Leckereien übrig und wir krümelten uns durch den Nachmittag. Die Einfahrt in den Mirower See war beeindruckend. Kleine urige Pfahlhäuschen, bunte Bootshäuser und eine wunderschöne Landschaft begrüßten die neuen Besucher. Unter Sonnenschirmen saßen die Leute auf den Wasserterrassen der kleinen Ferienhäuser und sonnten ihre Gemüter.

Hinter eine Biegung entdeckten wir den Hafen von Rick & Rick und steuerten unseren Anlegeplatz an. Wir verliebten uns sofort in diese romantische Kulisse. Neben der Liebesinsel mit einem wunderschön verschnörkelten Brückengeländer stachen vor allem das Torhaus, die alten Fassaden der herrschaftlichen Häuser und das historische Kopfsteinpflaster hervor. Ein beliebtes Ziel der Hausbooturlauber, wie wir auch schon im Hafenführer nachlesen konnten. Unter dem Blätterdach der Laubbäume spazierten wir durch das Tor auf den Pfaden der Renaissance. Mirow hat eine lang zurückreichende und beeindruckende Geschichte aufzuweisen. Schon im 13. Jahrhundert wurde hier ein Johanniterorden angesiedelt und im Laufe der Jahrhunderte entstanden herrschaftliche Sitze mecklenburgischer Herzöge.

Wieder in der Gegenwart erwacht, orderten wir im Supermarkt den letzten Proviant unserer Tour. Ein bisschen Wehmut lag über diesem Abend, denn die Tour neigte sich langsam dem Ende. Mirow lud ein, etwas länger zu verweilen, und so ließen wir am nächsten Morgen unser Boot noch eine Weile vor der Schlossinsel treiben. Auf dem Rückweg kehrten wir, wie beschlossen, im kleinen und gemütlichen Hafen von Boot & Mehr am kleinen Pälitzsee ein. Die freundliche Familie Gautsch und ihr Team bekochen und bewirten hier ihre Gäste und verwöhnen hungrige Mannschaften mit liebevoll kreierten Köstlichkeiten. Süßes und Herzhaftes fand den Weg auf unseren Tisch und wir genossen unser leckeres Essen an einem beschaulichen Flecken in der Mecklenburgischen Seenplatte. Lili, die kleine Jack Russell-Dame der Gautschs, entpuppte sich als muntere und flinke Assistentin von Hafenmeister Gautsch. Amüsiert beobachteten wir den kleinen Hund, der mit aller Kraft seinem Herrchen beim Ranziehen eines Bootes half und kräftig am Ende des gereichten Taues zog. Nach getaner Arbeit kehrte er zurück auf seinen Sonnenplatz auf den Holzdielen der Terrasse.

Glückliche Auszeit

Unsere letzte Fahrt führte uns am Nachmittag zurück in die Marina Wolfbruch. Eine melancholische Stimmung legte sich über das Team. Um viele Erfahrungen reicher, hätten wir es noch eine ganze Weile an Bord und auf See aushalten können. So viele Ziele lagen uns nun vor Augen und wollten von uns entdeckt werden. Aber wir waren stolz auf unsere Jungfernfahrt und glücklich über eine aufregende Zeit. Den Abend nutzen wir für eine gründliche Reinigung an Bord und das Verstauen erster Taschen im Auto. Ein Wein wurde entkorkt, um auf einen wundervollen und beeindruckenden Urlaub anzustoßen. Wir werden sie vermissen, unsere schwimmende Ferienwohnung.

Den krönenden Abschluss lieferten Ronny und Kathi mit einem Abendbrot – zubereitet aus den selbstgefangenen Barschen und Rotfedern. Den Hechten ließen wir ihr Leben, ganze vier gehörten zu unserer Beute und wurden nach dem Fang wieder ins Wasser gelassen. Die letzte Nacht an Bord träumten wir uns im Hafenwasser schaukelnd noch einmal zurück in das mecklenburgische Paradies. Auf unsere Familien wartete eine erlebnisreiche und zeitlose Urlaubsgeschichte. Und wer weiß? Vielleicht stechen wir im nächsten Jahr schon mit einer kleinen Flotte in die See.

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